Von Bastille bis Waterloo. Wiki

Nachrichten von der großen Armee.

Zwölftes Bülletin.[]


Witepsk, den 7ten Aug. [1]

In dem Gefecht an der Drissa wurde der russische Gen. Kulniew, ein sehr ausgezeichneter Officier der leichten Truppen, getödtet; 10 andere Generale wurden verwundet, 4 Oberste getödtet.

Der Gen. Ricard ist mit seiner Brigade am 1sten Aug. in Dünaburg eingerückt. Er fand daselbst 8 Kanonen, die übrigen waren weggebracht. Der Herzog von Tarent wollte sich am 2ten dahin begeben. Dünaburg, an dessen Befestigung der Feind 5 Jahre arbeitete, woran er mehrere Millionen verschwendete, welche 20,000 Mann russischer Truppen während der Dauer der Arbeiten das Leben kostete, wurde also ohne einen Flintenschuß verlassen, und ist, so wie die andern Werke des Feindes und das verschanzte Lager von Drissa, in unserer Gewalt.

In folge der Einnahme Dünaburgs haben Se. Maj. der Kaiser befohlen, daß ein Train von 100 Kanonen, der zu Magdeburg aufgestellt war, und gegen den Niemen vorgerückt ist, nach Danzig zurückkehren und in dieser Festung in Depot verbleiben soll. Zu Anfange des Feldzuges hatte man 2 Belagerungstrains in Bereitschaft gesetzt, einen gegen Dünaburg und den andern gegen Riga.

Die Magazine von Witepsk werden angefüllt, die Hospitäler organisirt, Bäckereyen xc. errichtet. Die 10tägige Ruhe ist der Armee äußerst nützlich. Die Hitze ist übrigens außerordentlich. Es ist hier wärmer als in Italien. Die Ernte ist vortrefflich, und es scheint, daß sich dies auf ganz Rußland erstreckt. In 8 oder 10 Tagen fängt man an Korn zu schneiden.

Se. Maj. haben vor dem Palaste, welchen Allerhöchstdieselben zu Witepsk bewohnen, einen großen Platz anlegen lassen. Dieses Palais liegt an dem linken Dünaufer. Alle Morgen um 6 Uhr ist große Parade, bey welcher sich alle Officiere der Garde einfinden. Eine der Brigaden der Garde defilirt abwechselnd in Parade.

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Quellen.[]

  1. Leipziger Zeitung Nr. 169. Sonnabends den 29. August 1812.