Aus einem Privatschreiben aus Witepsk, vom 9ten August.[]
Der Kaiser ist noch fortdauernd hier. Se. Majestät befinden sich vortrefflich. Die Kriegsstrapazen und die Kabinetsarbeiten scheinen Ihre Gesundheit nur zu stärken. Die Witterung ist trefflich, die Hitze aber ausserordentlich; der Thermometer steht auf 29 Grad. Täglich kommen Zufuhren an, und die Lebensmittel werden reichlicher. Unsere kleinen Fuhrwerke, die wir bey unserm schnellen Marsch hatten zurücklassen müssen, sind wieder zu uns gestoßen, und sind uns von großem Nutzen. Die Chefs der Korps halten Inspektionen und strenge Revuen. Nie war eine Armee zahlreicher, kriegerischer und siegbegieriger.
Se. Majestät arbeiten Tag und Nacht, sehen alles selbst nach, und lassen sich mit der väterlichsten Sorgfalt bis zu den kleinsten Details herab. Besonders sind die Hospitäler der Gegenstand Ihrer Aufmerksamkeit; ihre Einrichtung läßt nichts zu wünschen übrig; die Verwundeten werden aufs beste verpflegt.
Witepsk ist eine ziemlich große, aber wenig bevölkerte Stadt. Der größte Theil der Einwohner besteht aus Deutschen und aus Juden. Wir haben hier Magazine gefunden, die der Armee sehr nützlich geworden. Der Kaiser wohnt sehr gut; er bewohnt das Palais des Prinzen von Würtemberg, Gouverneurs von Weißrußland. Es ist derselbe, der kürzlich so schöne Proklamationen erließ, und eiligst davon ging, als er das Te Deum in der Hauptkirche singen ließ.
Gestern ward General Friant als Oberster der Grenadiers der kaiserl. Garde, und als Nachfolger des Generals Dorsenne, bey der Parade empfangen. Mit Vergnügen hat Jedermann gesehen, daß diese Belohnung einem General ertheilt worden, der sich seit 15 Jahren immer auf dem Posten der Gefahr und der Ehre befunden, und der in Aegypten, in Italien, in Deutschland und in Polen an allen Strapazen und Siegen der französischen Armeen beständig Theil genommen.
Quellen.[]
- ↑ Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 212. Dienstag, den 3/15. September 1812.