Wilhelm Ludwig Georg Graf zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein (1770 - 1851).
Zeitungsnachrichten.[]
1808.[]
Paris, vom 26. Dec. [1]
Der Moniteur enthält ein Schreiben des Prinzen von Wittgenstein an den Minister von Stein, aus Hamburg vom 22ten Nov. Es heißt darin: In der Lage, worin ich mich befinde, werden Ew. Exz. ohne Zweifel mich entschuldigen, wenn ich nicht in Chiffern auf ihr leztes chiffrirtes Schreiben antworte, das abermals ohne Unterschrift, und mit einem fremden Pettschaft gesiegelt war. Ew. Erz. werden mich entschuldigen, wenn ich heute meinen Brief mit der nemlichen Bemerkung anfange, welche meinen vorigen schließt, daß nemlich der Empfang von chiffrirten Briefen durch die Post, ohne Angangsort, ohne Datum, ohne Unterschrift, gesiegelt mit einem fremden Pettschaft, die Aufmerksamkeit auf mich ziehen muß, und zwar auf eine sehr unangenehme Art. Ein solches Schreiben kann nur falsche Deutung veranlassen, und, da es von Königsberg kommt, kann es dem Hofe selbst schaden. -- Ich glaube, daß es Pflicht ist, alles zu vermeiden, was glauben lassen kann, daß man sich zu Königsberg mit Dingen einer gewissen Art beschäftigt. -- Wenn Ew. Exz. mir noch ferner auf die nemliche Art schreiben, so werde ich den Brief den franz. Autoritäten mit einer den Umständen angemessenen Note übergeben. -- Ew. Exz. haben für dienlich gehalten, mich von der Nothwendigkeit, Domainen zu verkaufen, und von den Vortheilen, deren die Käufer dieser Güter genießen würden, zu unterhalten; Sie haben mich aufgefordert, die Personen meiner Bekanntschaft, die Spekulationen dieser Art machen könnten, auf diese Vortheile aufmerksam zu machen, vorzüglich aber auf den Kurfürsten von Hessen zu wirken. Was den Kurfürsten betrift, so wiederhole ich, daß seitdem dieser Fürst in Böhmen ist, ich beinahe ohne alle Nachrichten über ihn bin. -- Das gedruckte Schreiben hat, wie man sagt, viel Eindruck auf ihn gemacht, und er scheint wenig geneigt, mit unserm Hofe in enge Verbindung zu treten. Ueberdies habe ich keine Kenntniß davon, daß der Kurfürst, seit seinen Einbussen, über nur ein wenig beträchtliche baare Summen verfügen kann. Aus allem diesem schließe ich, daß, man nicht auf den Kurfürsten zählen darf. -- Ich habe über den Domainen-Verkauf mit einigen Banquiers und Kapitalisten von hier gesprochen. Man ist allgemein der Meinung, daß ein solcher übereilter Domainen-Verkauf dem König verderblich seyn, und daß dessen erste Wirkung durch den Verlust, den unsere Papiere erleiden würden, sich zeigen müßte. -- Die Banquiers glauben, daß Ew. Exz. alles anwenden sollten, um unsere Papiere und unsern Kredit in dem Auslande aufrecht zu erhalten, sollte man auch zu diesem Ende die größten Opfer bringen. Sie haben für 3 bis 4 Millionen Effekten in Händen; mit ein wenig Klugheit, Gewandheit und Geschäftskenntniß hätte man sich damit einen Kredit von 8 bis 12 Millionen verschaffen können; man mußte aber nicht damit anfangen, daß man auf eine so viele Aufsehen erregende Art das goldene Service nach Hamburg sandte, um es einschmelzen zu lassen. Unser Kredit im Auslande sinkt von Tag zu Tag. -- Ein gleichfalls durch den gestrigen Moniteur mitgetheilten Schreiben des Prinzen von Wittgenstein an den Hrn. von Golz enthält in der Hauptsache die nemlichen Ideen, wie vorstehendes, das in dasselbe eingeschlossen war, mit der Bitte, es Hrn. von Stein zustellen zu lassen.
Quellen.[]
- ↑ Großherzoglich Hessische Zeitung auf das Jahr 1809. Darmstadt den 3. Januar. (Dienstag) Nro.1.