Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Willhelm V, Fürst von Oranien.[]

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Willhelm V, Fürst von Oranien und Statthalter von Holland, geboren den 8. März 1748, folgte seinem Vater in der Regierung den 22. October 1751, und vermählte sich 1767 mit der Schwester des nachmaligen Königs Friedrich Willhelm II. von Preußen, mit der er 2 Prinzen und 2 Prinzessinnen zeugte. Dieser Fürst hat in weit schwierigern Zeitumständen, als einer seiner Vorfahren, regiert und umsonst gegen dieselben gekämpft. Von dem Anfange seiner Regierung an ward ihm von der patriotischen Parthey zur Last gelegt, daß er größere Sorgfalt auf die Landarmee als auf die Marine verwende, weil jene seine Macht sichern und vergrößern könne, während diese nur die Vortheile des Handels unterstützte. Dieselbe Parthey tadelte ihn zugleich, daß er sich von Frankreich entfernt und in die Abhängigkeit von En gland gegeben habe. Da 1778 der Krieg zwischen diesen beyden Mächten ausbrach, wendeten sich die Generalstaaten an Katharinen II, um in den Bund der nordischen bewaffneten Neutralität aufgenommen zu werden; das brittische Kabinet wollte aber nicht zugeben, daß Holland neutral bliebe, bemächtigte sich mehrerer holländischen Fahrzeuge und erklärte den Generalstaaten den Krieg. Diese Ereignisse gaben zu neuen Anschuldigungen gegen das Haus Oranien Veranlassung. Der Friede trat im Jahr 1783 ein, und die Generalstaaten schlossen mit Ludwig XVI. eine Allianz, die keineswegs den Beyfall Willhelm V. hatte. Damals war es, daß er sich neue Mühe gab, seinen Einfluß zu vergrößern, und daß er an die verschiedenen Autoritäten Kreisschreiben sandte, um ihre Wahlen zu leiten; diese Schritte wurden, so wie sie zur Kenntniß der patriotischen Parthey kamen, in den Händen ihrer Führer eine bedeutende Veranlassung zum Angriff; die Revolution von 1785, die diesen Fürsten beynahe um seine Würde und Macht gebracht hätte, brach nunmehr aus und wurde nur erst 1787 durch die Ankunft des Herzogs von Braunschweig an der Spitze von 20,000 Preußen gedämpft. Willhelm beherrschte nunmehr Holland in Fried und Ruhe bis 1792, wo der französische Konvent den vereinigten Provinzen, zu gleicher Zeit mit England, den Krieg erklärte, und alsbald eine Armee unter Dümouriez nach Holland sandte, welche jedoch die Siege des Prinzen von Koburg im Kurzen nöthigten, sich in die Niederlande zurückzuziehen. Dieser Krieg entsprach vollkommen den Planen und Grundsätzen des Statthalters, und er unterstützte ihn aus allen Kräften durch ein Hülfskorps, das er, unter der Anführung seiner beyden Söhne, zu der Armee der Alliirten gegen Frankreich stoßen ließ. Allein in Folge der französischen Siege gegen Ende des Jahrs 1794 sah sich Holland abermals von einer zahlreichen Armee bedroht und von seinen Alliirten verlassen. Willhelm V. ließ die Verhaftung mehrerer Revolutionairs an und ließ einen Theil des Landes unter Wasser setzen; seine Befehle wurden aber mißverstanden, und der eintretende Frost des harten Winters trat der Ausführung der zweyten Maaßregel in Weg. Begünstigt durch diesen Umstand zog die französische Armee unter Pichegrü ohne Schwierigkeit über die Flüsse; die englischen Truppen schifften sich eiligst ein, und der gestürzte Willhelm war genöthigt, ihnen nach England zu folgen, wo er sich darauf mehrere Jahren aufgehalten hat. In seinem Namen wurde 1799 durch den Herzog von York Besitz von einem Theile Hollands und die holländische Flotte genommen. Durch den Frieden von Lüneville erhielt er für sich das Fürstenthum Nassau Dietz und für seinen ältesten Sohn (siehe Oranien) das Fürstenthum Fulda. Er starb den 18. Aprill 1806 bey einem Besuche in Braunschweig.


Genealogische Anzeigen.[]

[1806]

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Gestorben.

Am 8ten April, zu Braunschweig Wilhelm V. regierender Fürst von Nassau-Oranien und Erbstatthalter, in einem Alter von 58 Jahren.


Von Reisende..[]

Ralph Fell.[]

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[1800]

Zwei englische Meilen vom Haag liegt Schevelingen, das Dorf, wo der Statthalter sich einschiffte, um nach England zu flüchten. Die meisten Einwohner sind Fischer, und diese armen Leute äusserten bei der Abreise ihres Prinzen die innigste Betrübniss. Das Ufer war mit traurenden Zuschauern besetzt, deren ehrerbietiges Stillschweigen und Thränen die Gefühle ihres Herzens ausdrückten. Der Statthalter, der Erbprinz sein Sohn, und zwei bis drei vornehme Holländer, deren Schicksal an das Schicksal der Oranischen Familie geknüpft war, bestiegen ein kleines, mit fünf Leuten bemanntes Fischerboot, und sagten ihrem Vaterlande vielleicht auf immer Lebewohl *). Die Prinzessinnen waren Tags zuvor auf einem ihrem Range und Geschlecht eben so wenig angemessenen Fahrzeuge abgesegelt, und man kann diess als das Ende der politischen Existenz einer Familie ansehen, die zweihundert Jahre hindurch über die Sicherheit der Republik gewacht hatte.

Während die armen Fischer zu Schevelingen ihre fliegenden Prinzen bejammerten, hielt der Pöbel im Haag, unbeständig, wie jede Volksmasse, ein aufrührerische Versammlung, um seine Verachtung gegen die vormalige Regierung auszudrücken, und die unglücklichen Anhänger des Hauses Oranien zu beschimpfen.

Die vornehmsten, welche, grossmüthig entschlossen, das Schicksal ihres Vaterlandes zu theilen, zurück geblieben waren, wurden ins Gefängniss geschleppt, um sie vor der Volkswuth zu sichern, und ihre Häuser mit Wache besetzt, um sie vor Plünderung zu bewahren. Ich darf hier nicht unbemerkt lassen, dass das Betragen des holländischen Pöbels stark mit der charakteristischen Sparsamkeit dieser Nazion bezeichnet ist. Sie können ihre wahren oder eingebildeten Feinde ohne grosse Selbstüberwindung plündern; geht ihre Absicht aber dahin, deren Leben aufzuopfern, so vermeiden sie sorgfältig die Zerstöhrung ihres Eigenthums.

Sobald die Flucht des Prinzen bekannt wurde, nahmen seine Handwerker sogleich die Oranischen Wappen von ihren Buden, womit sie vorher so sehr geprangt hatten, und setzten an ihre Stelle jene Sinnbilder der Freiheit, welche die Leidenschaften des Pöbels reizten. Allein dieser Vorsicht ungeachtet, blieb die Sicherheit dieser unschuldigen Leute und ihres Vermögens bis zur Ankunft eines Detaschements Franzosen im Haag, welche vier Tage nach der Abreise des Statthalters erfolgte, noch immer sehr zweifelhaft. Zwei Mitglieder des Konvents, mit dem stolzen Titel von Volksrepräsentanten beehrt, begleiteten die Truppen. Sie verboten in strengen Ausdrücken alle aufrührerische Zusammenkünfte und schützten durch ihre kräftigen Maassregeln die unglücklichen Anhänger des Statthalters vor den fürchterlichen Wirkungen des Volkshasses. Die Häupter der patriotischen Partei, sagt man, die bisher durch die oranische Faktion waren unterdrückt worden, erbaten sich auf acht und vierzig Stunden die Erlaubniss, die Rache an ihren Feinden auszuüben, nach der sie so lange gedürstet hatten; aber grossmüthig erklärten darauf die französischen Repräsentanten, sie wären gekommen, die ganze batavische Nazion von der Unterjochung zu befreien, nicht aber um die Rache Einzelner zu begünstigen, und eine Proklamation wurde erlassen, um die Volkswuth zu hemmen. Die heilsamen Wirkungen dieser weisen Maassregeln und die dadurch verhüteten Uebel wurden mir in den dankbarsten Ausdrücken geschildert, der dem vertriebenen Prinzen eifrigst ergeben war und seine Wiedereinsetzung lebhaft wünschte.

Die Freude, die sich im Haag bei der Abreise des Statthalters äusserte, setzt in Erstaunen, wenn man bedenkt, wie viel dieser Ort in Ansehung seines Glanzes der aufmunterndern Sorgfalt des Hauses Oranien verdankt. Seit dem Tode Wilhelms des ersten gegen das Ende des sechszehnten Jahrhunderts, war er, kurze Zwischenräume ausgenommen, die Residenz des Hofs und der Sitz der Regierung gewesen. Die beträchtlichen Einkünfte des Statthalters wurden hier vorzüglich verzehrt und gross war in jeder Klasse der Gesellschaft die Anzahl derer, die aus Interesse oder Grundsätzen mit ihm in Verbindung standen. Unzählige fanden Arbeit und Unterstützung bei seinem glänzenden Hofstaat, und der mit seiner hohen Würde verbundene wichtige Einfluss zog ihm zwar Neid zu, verschaffte ihm aber auch zugleich die Mittel, sich einen grossen Kreis von Anhängern zu verschaffen.

Im persönlichen Charakter des Prinzen und den Zeitumständen müssen wir die Ursachen jener Erbitterung gegen ihn aufsuchen, die sich gleich nach seiner Abreise so heftig äusserte. Die von den ersten Prinzen des Hauses Oranien der Republik geleisteten Dienste wurden mit den höchsten Ämtern und dem unbeschränktesten Zutrauen des Staats belohnt, und die erhabenen Männer, denen diese Macht anvertraut war, missbrauchten das Zutrauen der Nazion nicht. Die glänzenden Talente der ersten Statthalter und der glückliche Ausgang ihrer Kriege und Unterhandlungen sicherten ruhmvoll die Unabhängigkeit der vereinigten Staaten.

Wenn ihre Feinde sie mit Recht beschuldigten, dass sie dahin strebten, auf Kosten der Volksfreiheit ihr Ansehn zu erweitern, so ward zugleich ihr Ehrgeitz mit dem Glanze ihrer Thaten bedeckt und die reellen Vortheile, die sie dem Staate verschafft hatten, wurden auch vom strengsten Republikaner mit Dank erkannt. Denn über hundert Jahre, unter der glücklichen Regierung von fünf Prinzen aus dem Hause Oranien, waren die vereinigten Staaten berühmt durch ihre Kriege, Reichthümer und Künste. Ein Land von geringem geographischen Umfange wetteiferte im Range mit den mächtigsten Königreichen Europa's und widerstand den Riesenkräften Englands und Frankreichs.

Seit dem Tode Wilhelms des dritten, dessen Talente und Geschicklichkeit die Republik von der drohendsten Gefahr retteten, blieb die Statthalterstelle offen, bis die Verwirrung, in die sich die Staaten im Jahre 1747 verwickelt sahen, verbunden mit den Wünschen der Nazion und dem mächtigen Vorworte Georgs des zweiten, sie bewogen, diese Würde dem Prinzen Wilhelm, dem Vater des jetzigen Statthalters zu ertheilen und das Amt eines General-Kapitains und General-Admirals in seiner Familie erblich zu machen. Wilhelm der vierte war ein Mann von vorzüglichen Talenten, der seine Erhebung aber nur wenige Jahre überlebte und dessen Regierung zu kurz war, um der Nazion viele Vortheile zu verschaffen. 

Bisher hatten die Statthalter durch ihre grossen Fähigkeiten auf die Republik einen Glanz geworfen, der ihre Absichten gegen die Volksfreiheit verschleierte; aber Wilhelm der fünfte erbte den Ehregeiz seiner Ahnherrn, ohne auf ihre glänzenden Talente Anspruch machen zu können. Seine Regierung war mit einer Reihe von Unglücksfällen bezeichnet und endigte sich mit der Eroberung des Landes und seiner schnellen Flucht. Wenn eine lange Kette von Zeitumständen, die man dem Statthalter nicht zurechnen kann, die Hülfsquellen der Republik ausgetrocknet und ihre Energie geschwächt hatte, so ward ihr Sturz durch die schwache und unpolitische Verwaltung dieses Prinzen und seiner Minister ohne Zweifel noch beschleunigt.

Die Hauptursache des Volkshasses und der ausgelassenen Freude bei seiner Abreise aber lag in seiner Zuneigung zum Londner Hofe. Mit bitterm Neide hatten die Holländer lange den glänzenden Handel des brittischen Reichs beim gesunkenen, verarmten Zustandes ihres eignen Handels angesehen und man muthmasste eine geheime der Republik sehr ungünstige Verbindung zwischen dem Statthalter und der englischen Regierung.

Es wurde erzählt (mit welchem Grunde kann ich nicht bestimmen), die für die holländische Marine ehrenvolle Schlacht bei Dogger's-Bank sey gegen die Befehle des General-Admirals geliefert worden, und unter andern Gerüchten, die damals herum giengen und hernach wiederholt wurden, verlautete es: der Statthalter habe bei Überbringung der Nachricht von dieser Seeschlacht im Haag seine Freude darüber ausgedrückt, dass die Engländer kein einziges Schiff darin verlohren hatten.

Ein dem neuern System vorzüglich ergebener Seeoffizier, bei dem ich mich hierüber erkundigte, versicherte mich seines völligen Misstrauens gegen die Wahrheit dieser Gerüchte und wahrscheinlich würde das Direktorium, wären Befehle vom Statthalter an seine Admiräle, die englische Flotte zu vermeiden, vorhanden gewesen, eine dem Prinzen von Oranien so nachtheilige Thatsache öffentlich bekannt gemacht haben.

Allein verwerfen wir auch jene Erzählung, die den Statthalter beschuldigt, das Land verrathen und eine unnatürliche Freude über die glücklichen Fortschritte seiner Feinde geäussert zu haben, als boshafte Erdichtung der entgegengesetzten Partei, so lag dich seine Vorliebe für England so sehr ausser Zweifel, dass sie nicht bloss in den grossen Handelsstädten der vereinigten Staaten, die Grossbrittannien als einen gefährlichen und hinterlistigen Nebenbuhler ihres Handels betrachteten, sondern auch im Haag und an andern Orten allgemeines Missvergnügen erweckte.

Nach Wiederherstellung des Friedens ging dieses Missvergnügen in offenbare Empörung über, und der Statthalter wäre von der Regierung auf eine schimpfliche Art abgesetzt worden, hätten sich nicht Preussen und Grossbrittannien für die Erhaltung seines Ansehens verwandt. Die Waffen der einen und die Drohungen der andern dieser Mächte erhielten den Prinzen von Oranien in seinem Amte und verschafften ihm sogar noch grössere Macht. Aber die erzwungene Bestätigung des Statthalters in seiner Würde durch die kräftige Vermittlung fremder Mächte gab sowohl der gemässigten, als republikanischen Partei einen grossen Anstoss, und wie sich das Ansehn des Prinzen vermehrte, so verminderte sich die Achtung gegen seinen Charakter.

Die eifrigen Republikaner, die selbst einen mit den erhabensten Talenten ausgerüsteten Statthalter nicht ertragen konnten, erblickten mit lebhaftem Unwillen diese hohe Würde in einem Zeitpunkte, der vollendete Fähigkeiten erforderte, im Besitz eines Prinzen von sehr eingeschränktem Verstande, und die Gegenpartei verbreitete auf allen Seiten die Idee, dass die Unglücksfälle der Nazion der schlechten Verwaltung dieses Prinzen allein zuzuschreiben wären.

Noch andere Ursachen wirkten auf Vermehrung dieses Volkshasses gegen den Statthalter. Seine Gemalin, eine Dame von mehr als gewöhnlichem Verstande, war den Holländern in mancher Hinsicht ausserordentlich verhasst; sie hatte sich bei einigen Gelegenheiten wo es auf scharfsinnig überlegte und feine Behandlung ankam *), auf eine ihrer Lage und ihrem Geschlechte nicht geziemende Art in öffentlichen Angelegenheiten gemischt. Ihr Einfluss auf ihren Gemal wäre als natürliche Folge grösserer Talenten übersehen oder gar gebilligt worden, hätten ihre Rathschläge das Wohl der Republik zum Zweck gehabt; allein sie waren durchaus auf Vergrösserung der Macht des Statthalters gerichtet und zwar ohne alle Rücksicht auf den Geist und die Vorurtheile der Nazion, deren Rechte sie zu beschränken strebte. Sie besass nur wenige Eigenschaften, die ihr die Volksliebe verschaffen konnten, und die strenge Etikette an ihrem Hofe, verbunden mit der dabei herrschenden verschwenderischen Pracht missfiel den höhern Ständen einer sparsamen auf ihre Freiheit eifersüchtigen Nazion.

Die französische Revoluzion bildete eine dritte Partei in Holland und zweifelhaft bleibt es, ob der grössere Theil der batavischen Nazion sich gern in den Krieg mit Frankreich einliess. Die republikanische Partei betrachtete Frankreich als die einzige Macht, die im Stande wäre, sie vom Joche des Statthalters und dem Einflusse Englands zu befreien, und es ist bekannt, dass, während die österreichschen und brittischen Truppen jeden Fuss breit Landes tapfer vertheidigten, die holländische Armee der französischen nur schwachen Widerstand leistete.

Wenn er ausgemacht ist, dass bei der holländischen Armee, worauf der Statthalter noch Einfluss hatte, grosses Missvergnügen und Unlust herrschte, so ist es nicht zu verwundern, dass viele grosse und kleine Städte sich öffentlich gegen ihn erklärten. Zu einer Zeit, da die fernern Fortschritte der Franzosen noch zweifelhaft waren und ihre Armee in der angetretenen Laufbahn aufgehalten wurde, hatten die Holländer sich fest zur Vertheidigung ihres Vaterlandes vereinigt; den kranken und verwundeten Engländern wurde die Aufnahme zu Delft verweigert, und ein Korps von Bürgern wurde zu Amsterdam errichtet, um den Einmarsch fremder Truppen in die Stadt (worunter ausschliesslich die Engländer gemeint waren) zu verhindern.

Kurz vorher ehe die Franzosen über die Wahl setzten, -- welcher Übergang das Schicksal der Republik bestimmte, -- war der Statthalterschaft (Holland)Statthalter mit einer Macht versehen, die ihn in mancher Hinsicht den Diktatoren Roms ähnlich machte. Aber durch Erlangung des höchsten Gegenstandes seines Ehrgeizes machte er sich immer mehr der Liebe seiner Landsleute verlustig, und seine Proklamazion, worin er das Volk zum Aufstand in Masse aufforderte, vermehrte die holländische Armee kaum mit funfzig Rekruten. Hierauf wurde in den sämtlichen vereinigten Staaten befohlen, dass jedesmal drei Häuser einen ihrer Bewohner zur Vertheidigung der Republik liefern sollten; aber die Antipathie der Nazion gegen des Statthalters Regierung verhinderte die Ausführung dieses Plans.

Bei dieser fast allgemeinen Erbitterung und Unzufriedenheit wurde die Nachricht von der Flucht des Prinzen mit innigster Freude empfangen. Politik oder Furcht, die herrschende Partei zu beleidigen, wenn sie anders handelten, verleitete ohne Zweifel einige, den Volks-Enthusiasmus zu affektiren und andere, die keine gegründete Ursache hatten, eine Veränderung zu wünschen, freuten sich ohne selbst zu wissen, warum? aber eine grosse Mehrheit, welche die Stimme und den Wunsch der Nazion ausdrückte, betrachtete die Abdankung des Statthalters, der damit verbundenen unseligen Umstände ungeachtet, dennoch mit dem innigsten Vergnügen.

Man setzte die Mässigung, welche die ersten Handlungen der französischen Befehlshaber und Repräsentanten bezeichnete, den strengen Maassregeln entgegen, zu deren Ergreifung die Umstände den Statthalter nöthigten, und jene Mässigung bezweckte nicht nur, das Volk an die wichtigen Veränderungen, die jetzt vorfielen, zu gewöhnen, sondern auch zugleich die umgestürzte Regierung verhasst zu machen. Wäre die Revoluzion durch die holländischen Patrioten bewirkt worden, so wäre wahrscheinlich viel Blut geflossen, denn die Häupter dieser Partei hatte eine siebenjährige Verbannung und der stolze Triumph ihrer Gegner aufs äusserste gebracht.


Quellen.[]

  1. Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  2. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1806.
  3. Fell's Reise durch die Batavische Republik Aus dem Englischen übersetzt, und mit Anmerkungen begleitet von D. Karl Murhard. Leipzig, bei C. H. Reclam. 1805.
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