Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Zeitungsnachrichten.[]

[1793]

Wien, vom 7. Hornung. [1]

Auf Befehl des Hofes ist nunmehr gestern für weil. Sr. Allerchristl. Maj. Ludwig XVI. König von Frankreich die Trauer angelegt worden, und zwar die Tiefe auf 12, und die Halbe auf acht Tage. Zugleich wurde auch gestern Abends bey Hofe die Vigil. und heute Vormittag das Seelenamt gehalten.

Um der ärmern Volksklasse allen Anlaß zum Bettlen und zum Müßiggang zu benehmen, und dagegen den Arbeitsuchenden einen Verdienst und Unterhalt zu verschaffen, haben Se. Maj. die wohlthätige Verordnung erlassen, daß hier, so wie unter der Regierung des Kaysers Josephs II. wieder förmliche Arbeitshäuser errichtet werden sollen, in welchen die Dürftigen mit Verarbeitung der Baumwolle einen Unterhalt finden mögen. Es sind bereits deren zwey errichtet worden, welche noch in diesem Monat unter der Leitung der Landesregierung zum Besten der ärmern Volksklasse eröfnet werden sollen.

Wien, vom 10. Hornung. [2]

Die Abscheu und die Rache des hiesigen Publikums gegen alles, was französisch ist, ist auf einen so hohen Grad gestiegen, daß in mehreren öffentlichen Wirths- und Kaffee-Häusern Tafeln hängen, worauf geschrieben stehet: "Hier finden die Franzosen keine Bedienung." Selbst der sogenannte Kasperl vom Marinellischen Theater, hat sich in seinem hohen Alter entschlossen, seinen bisherigen Familiennamen Laroche abzulegen, und dagegen den deutschen: Fels fortzuführen. Und sogar bey Hofe fängt man auch schon an, so viel möglich jedes französisches Wort zu vermeiden.

Auf einige aus einer Stadt am Rhein-Ufer hier eingelaufene Stekbriefe ist die hiesige Polizey-Direktion auf 3. Franzosen sehr aufmercksam, welche sich seit einer kurzen Zeit hier befinden. In den Sekbriefen ist die Absicht bestimmt, so sie führen. Bis jezt aber hat die wachsame Polizey, welche dieselbe schon entdeckt hat, und sie auf jeden Schritt verfolgt, noch keine erhebliche Ursache gefunden, sich ihrer Personen zu versichern. Auf dem Postamt aber ist dieserwegen hinlänglich Vorsicht getroffen worden.

Endlich hat vorgestern die hiesige Mezgerzunft ihren freywilligen Beytrag dem Monarchen überreichet. Derselbe bestunde aus einem aus Silber gegossenen und vergoldeten Ochsen, von 300. fl. im Werth, mit einer anpassenden Inschrift. Dieses Stük war hohl, und daher inwendig mit 1200. Spezies-Dukaten, oder 5400. Kaysergulden angefüllt. Der Monarch nahm dieses Geschenk, so wie jenes der Bierbräuer, welches sich auf 3000. fl. belief, mit vieler Dankbezeugung an.

Wien, vom 22 Merz. [3]

Der erste April, als der Ostermontag wird für die Bewohner Wiens abermals ein festlicher Tag werden. Denn an diesem Tage wird in der St. Stephans Hauptkirche wegen glüklicher Eröfnung des heutigen Feldzuges das Te Deum angestimmt, wobey der ganze Hofstaat erscheinen wird. Nach dieser Feyerlichkeit wird Se. Maj. der Kaiser nach der Hofburg zurückkehren, sich auf den daselbst befindlichen Balkon verfügen, und vor dem Angesichte des ganzen Publikums unter Abfeurung der Kanonen, zur Erkenntlichkeit gegen seine Unterthanen aus einem bereits eigends dazu verfertigten Pokal auf die Gesundheit der ganzen Oesterreichischen Nation trinken. Zur Verherrlichung dieses Tages wird vermuthlich des Abends der gröste Theil der Stadt beleuchtet werden.

Zum Beweis, auf welchen Grad der Patriotismus des hiesigen Adels gestiegen ist, will man nur folgendes anführen: ein treuer Bürger Wiens fiel auf den Gedanken, ein Freykorps zu errichten. Dieses Freykorps soll aus 1500 Mann bestehen, und da dessen Unterhalt durch ein Jahr auf 150000 Gulden berechnet ist, so hat man bey dem hiesigen Adel eine Subscription eröfnet, und es sind bereits über 40000 fl. eingegangen. Dieses Korps soll das Niederösterreichische Freykorps genannt werden.

Wien, vom 27 Merz. [4]

Während dem als unsere Monarchin auf dem Punkte stehet, entbunden zu werden, folgen die Kouriers von den glüklichen Unternehmungen unserer Armee einander nach. Gestern früh langte der Baron Lederer, Sohn des Hofraths bey der Staatskanzley, und Legations-Sekretair bey unserm Minister Grafen v. Metternich zu Coblenz als Kourier hier an, welcher uns die vorläufige Nachricht von dem über die Franzosen bey Löwen erfochtenen Siege überbrachte. Und heute Nachmittags um 4 Uhr hat uns der Oberste vom Generalstaab Graf von Meerveld, Schwiegersohn des Ministers Grafen v. Pergen, unter Vorausreitung 4 Postofficiers und 25 Postillions die Bestätigung davon mitgebracht. Eben so befriedigend sind auch die officiellen Nachrichten aus Savoyen, welche melden, daß die Franzosen bey Nizza geschlagen, und der Französische General Biron verwundet worden seye.

Wien, vom 30. Merz. [5]

Auf Befehl Sr. Maj, wird das Te Deum nicht am Ostermontag, sondern schon morgen, als am Heil. Ostertag um 11. Uhr in der St. Stephans Hauptkirche gehalten. Dagegen aber soll die neulich angekündigte Feyerlichkeit, der zufolge der Kayser auf die Gesundheit der Nation trinken wird, nicht statt finden, obschon der dazu bestimmte gewesene Pokal von 12000. fl. an Werth bereits fertig geworden ist. -- In der Nacht auf den 23ten dieses erhielte der hiesige rußische Ambassadeur einen ausserordentlichen Courier von Petersburg, dessen Mitbringen aber unbekannt ist. Am 24ten hatte der Gesandte eine so lange Audienz bey Sr. Maj. dem Kayser, daß die übrigen Personen, die vorgelassen werden sollten, auf den folgenden Tag verwiesen wurden. -- Der Englische Minister an hiesigem Hof hat unserm Ministerium nunmehr die schriftliche Versicherung gegeben, daß die nach dem mittelländischen Meer bestimmte Engl. Flotte bereits unter Segel gegangen seyn soll. -- Bey unserm Ministerium ist abermals eine grosse Veränderung vorgegangen. Nachdem der geheime Staats-Referendar Freyherr von Spielmann den ihm angetragenen Posten in Bayern nicht angenommen, so ist er mit dem ganzen Gehalt in Ruhestand gesezt, und an seine Stelle der verdienstvolle Freyherr von Thugut ernannt worden. Dem zufolge hat der Fürst von Kauniz die Oberst-Kanzlers-Stelle wieder übernommen; und dagegen ist der Herr Graf von Cobenzl von Sr. Maj. einstweilen zum Kanzler beym italienischen Departement ernannt worden.

Wien, vom 20. April. [6]

Der Hof und alle Einwohner dieser Stadt sind gestern durch die freudige Nachricht von der um 3. Viertel auf 7. Uhr erfolgten glücklichen Entbindung Ihro Majestät der Kayserin, und der frohen Geburt eines Erzherzogs, in Entzükung und Jubel gesezt worden. -- Heute vernimmt man, daß Ihro Maj. sich so wohl befinden, als es die Umstände zulassen. Der neugebohrne Kaysers-Sohn, der ebenfalls gute Gesundheit verspricht, wird heute um Mittagszeit zur heiligen Tauffe gebracht, wobey Se. Maj. der König von Neapel, durch Höchstdero Bottschafter, Marquis de Gallo, Pathenstelle vertretten. Der gesammte Hof ist heute deßwegen in Galla.

Wien, vom 8. May. [7]

Die zur Reserve bestim'tem Truppen werden gegen den 20. May in Bayern einrücken. Es heißt, um eben diese Zeit werde der Kayser nach München gehen. Der Abmarsch der übrigen hier in Garnison befindlichen Infanterie, welcher auf den 2. May bestimmt war, ist aus unbekannten Ursachen bis auf den künftigen Monat Junius verschoben worden. -- Der Französische General Dümourier wird nächstens hier eintreffen; die Quartiere für ihn sind bereits in den 3 Hacken auf der Freyung bestellt. -- Der Luftsegler Blanchard, von dem es neulich hieß, daß er sich in Amerika befinde, ist in Tyrol arretirt, und in die Bergvestung Kufstein gebracht worden, weil er in dasiger Gegend jacobinische Grundsäze verbreitete.

Wien, vom 7 Herbstmonat. [8]

Vor einigen Tagen ist der Schmuk, so man bey dem im Veltelinerland arretirten Semonville vorgefunden hat, nach Laxenburg überbracht worden. Nachdem ihn Ihro Majestäten der Kayser und die Kayserin besehen hatten, ist er auf des Monarchen Befehl wieder versiegelt, und einstweilen in die Schazkammer zur Verwahrung gebracht worden.


Quellen.[]

  1. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 16. Hornung, 1793. Num. 14.
  2. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 20. Hornung, 1793. Num. 15.
  3. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 30. Merz, 1793. Num. 26.
  4. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 6. April, 1793. Num. 28.
  5. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 10. April, 1793. Num. 29.
  6. Post- und Ordinari Schaffhauser Mittwochs-Zeitung. Vom 1. May, 1793. Num. 35.
  7. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 18. May, 1793. Num. 40.
  8. Post- und Ordinari Schaffhauser Samstags-Zeitung. Vom 14. Herbstmonat, 1793. Num. 74.
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