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Beschreibung und Geschichte der Stadt Wangen.[]

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Wangen, die vormalige Reichsstadt, liegt in Oberschwaben am Flusse Argen, und gränzt mit ihrem Gebiete nördlich an die Landvogtey, östlich an die Grafschaft Eglofs, südlich an die österreichische Herrschaft Hoheneck und an das Gebiet der Stadt Lindau, und westlich an die Grafschaft Tettnang Sie ist nicht groß, zählt 1800 Einwohner, die sich zur katholischen Religion bekennen, ist gut gebaut, und hat ziemlich weite Gassen. Die merkwürdigsten Gebäude sind: die Pfarrkirche, das Rathhaus, die Stadtkanzley und das Spital. Auch hat [[der Ritterbezirk Allgau und Bodensee]] seit 1784 ein eignes Ritterhaus hier.

Die Einwohner nähren sich vom Feldbau. Ehemals hatte die Stadt einen ansehnlichen Leinwandhandel geführt, der sowohl dem gemeinen Wesen als einige Privatpersonen sehr einträglich war. Auch wurden hier viele Sensen gemacht. Allein seit der Religionsänderung, bey welcher verschiedne reiche, ansehnliche und theils adeliche Familien mit allem ihren Vermögen die Stadt verliessen, ist dieser Handel ganz vernichtet worden, so daß gegenwärtig nur noch einige Eisenwerke und Waffenschmieden übrig geblieben sind.

Die Stadt ist sehr alt, so daß man nichts von ihrer Erbauung und ihren alten Besitzern weiß. So weit der Blick der Geschichte zurückgeht, findet man sie als einen unmittelbaren dem Reiche unterworfenen Ort, und als eine Mahlstadt des kaiserlichen Landgerichts in Schwaben. Friedrich II. gab 1216 der Stadt in einem zu Ulm gehaltenen Fürstenrath die Versicherung, daß die Reichsvogtey über die Stadt unmittelbar in seinen und des Reichs Händen, auf ewige Zeit behalten, und weder von ihm noch von seinen Erben an jemanden veräussert werden solle. Ueber diese Versicherung ertheilte Friedrich der Stadt eine besondre Urkunde, welche der Kaiser Rudolf von Habsburg 1281 bestättigte, und noch mit mehr Freyheiten und Privilegien vermehrte.

Der Kaiser Ludwig aus Baiern versezte 1330 zu Bregenz die Stadt um 500 Mark Silbers an den Grafen Haug von Montfort; also in eben dem Jahre, als er kurz zuvor ihre alte Gewohnheit, das Blutgericht zu besetzen, bestättigt hatte. Sie löste sich aber 1384 selbst wieder aus, und suchte sich in der Folge gegen ähnliche Fälle dadurch zu sichern, daß sie von Karl IV. und Wenzel sich besondre Freyheitsbriefe auswirkte, und sich dem Landfrieden einverleiben ließ. Ausser diesen Rechte und Freiheiten erhielt die Stadt von Maximilian I. und Karl V. die Befreyung von aller fremden Gerichtbarkeit, sammt den Austrägen auf die Stadt Konstanz, Lindau und Ravensburg, nebst andern ansehnlichen Privilegien.

Im Jahre 1538 brannte die Stadt fast ganz ab. Sie hatte auch im dreyssigjährigen Kriege viele Drangsale auszustehen, wo sie sogar 1647 von den Kaiserlichen geplündert worden ist.

Das Stadtgebiet von zwey Quadratmeilen besteht aus 5 Gerichtsbezirken, nämlich aus dem der Stadt und umliegenden Gegend, dem Gerichtsbezirk Deichelried, den zwey Hauptmannschaften Wohnbrechts und Tann, und aus der Hauptmannschaft Niederwangen.

Der Gerichtsbezirk um die Stadt enthält die Stadt, die Gebäude der Vorstadt, und verschiedne Güter, Höfe und Mühlen. Dazu gehören: das Pfleggut Sattel oder das sogenannte Leprosorium, welches eine halbe Viertelstunde von der Stadt liegt, und ein Bad enthält, dessen sich die Einwohner stark bedienen. Weiter oben befindet sich eine Papiermühle, die einen starken Verschleiß ins Ausland hat. An der Strasse gegen Leutkirch ist das Gut Burgelitz sammt einem Weiher, welches die Stadt 1456 von den Grafen von Brandenburg zu Biberach erkaufte. Dabey sind zwey Hämmer- und Pfannenschmieden, die einen ziemlich ansehnlichen Absatz ins Ausland haben. An eben dieser Strasse liegt das Spitalgut Durenberg, und an der Isnierstrasse das Spitalgut Sigmanz, und der adeliche Sitz Staudach, welcher ehemals dem Stadt Wangenschen Geschlecht von Fugger eigen war, und wovon sich diese ausgewanderte Familie noch her schreibt.

Der Gerichtsbezirk Deichelried enthält das Pfarrdorf gleiches Namens, das Dorf Oflings, und die Weiler Au, Ahegg, Ausleute, Bach, Grub, Schwaderberg, Wisen, Braite, Bimisdorf, Epplings, Köhlberg, Keferhofen, Wiethausen, Götzenberg, Hag, Wohnried und Oberwolfarz, nebst verschiednen einzelnen Höfen, worunter sich das ehemalige Schloß Haldenberg auszeichnet.

Die zwey Hauptmannschaften Wohnbrechts und Tann enthalten ebenfalls wieder die zwey Pfarrdörfer gleiches Namens, dann die Dörfer Herrgatz und Muthen, so wie die Weiler Edelitz, Handwerls, Herzmanns, Lengarz, Möllen, Schwarzenberg, Schwarzensee, Schreckelberg und Grod, wo zwey Waffenhammer sind.

Die Hauptmannschaft Niederwangen begreift in sich ein Pfarrdorf, das den nämlichen Namen führt, und die kleinen Dörfer Möliz, Melbrechts, Böhen, und den adelichen Sitz Wolfarts.


Wangen.[]

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VVangen, ehemalige freye Reichsstadt mit 1800 Einwohnern (oder nach der Zählung im J. 1807 mit 1480 Einw.), im Algöw, in Schwaben, wo viel Leinwand, schönes Papier, Sensen, Sicheln und andere Eisenarbeit gemacht wird. Sie ist gut gebaut und liegt auf einer Höhe, unter welcher das Wasser Obernarg vorbey fließt. Ihre Einwohner sind katholisch. Das Gebieth der Stadt enthielt auf 3/4 QM. 4 Pfarrdörfer und mehrere Weiler; andere Dörfer lagen unter Oesterreich. Hoheit in der Grafschaft Tettnang. Die ganze Bevölkerung der Stadt und des Landes betrug gegen 4300 Seelen; die Einkünfte schätzte man gegen 18000 Gulden. Im J. 1803 kam die Stadt mit ihrem Gebiethe als Entschädigung an Baiern. Aus dem Gebiethe wurde ein Landgericht gebildet, welches im J. 1807. 1785 Einwoh. (ohne die Stadt) hatte. Es gehörte zum Illerkreis. Aber im J. 1810 wurde die Stadt mit der größern nördlichen Hälfte des Landgerichts an Würtemberg abgetreten, und gehört nun als Oberamt (welches zugleich Ißny) begreift,) zur Landvogtey an dem Bodensee. Zu einem Römermonath gab die Stadt 40 fl. und zu einem Kammerziel 45 Thaler 54 Kr. Ihr Wappen ist, im silbernen Felde, ein schwarzer Adler, auf dessen Brust ein rothes Schildchen mit einem silbernen W ruhet.


Quellen.[]

  1. Erdbeschreibung der gesammten pfalzbairischen Besitzungen mit steter Hinsicht auf Topographie, Geschichte, physische Beschaffenheit, Land- und Staatswirthschaft, von Johann Georg Prändel, Professor der Mathematik,. . . Amberg, in der Uhlmannschen Buchhandlung, 1806.
  2. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte zu Landshut. Landshut, bei Philipp Krüll, Universitätsbuchhändler. 1811.