Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Vitry le brulé.[]


Vitry, le brulé,[1] (das abgebrannte,) Dorf mit ungefähr 700 Einwohn. und ehemalige Stadt, im Districte Perthois, in Champagne. Die Stadt wurde 1544 von den Truppen K. Carls V. verwüstet. Dafür wurde Vitry-le-François, eine kleine franz. Meile von vorgedachtem Orte an der Marne angelegt. Dieses ist nun eine ansehnliche und gutgebaute Stadt, obgleich mit meist hölzernen Häusern, welche 6925 Einwohner und starken Getreidehandel hat. Der Beyname le François kommt von ihrem Erbauer, vom K. Franz I. Während der französ. Revolution hat man der Stadt den Namen Vitry sur Marne beygelegt. Sie ist der Hauptort eines Arrondissements im Departem. der Marne. Zu dem Arrondissement gehören die Cantons: Vitry, Heiltz, St. Remy, Sompuies, und Thieblemont.


Von Reisende.[]

Ludwig Rhesa.

[1813]

Laon, den 12. März. 1814. [2]

Am 27sten Februar kamen wir nach Vitry, welches in einer Ebene an der Marne liegt, und gegen 8000 Einwohner zählt. Die Stadt wimmelte vom Fuhrwesen der Armeen, und von Blessirten aus den Affairen von Tierry und Mery. Der rechte Flügel nämlich unter Blücher, war bei seinem eiligen Vordringen auf Paris in Gefahr gewesen, umgangen zu werden, und mußte such auf Reims und Laon zurückziehen, um die Niederlande zu decken. Bei diesen Affairen hatte das Kleistsche und Yorksche Corps ziemlichen Verlust erlitten. Zum Glück waren das Bülowsche Corps von Brüssel und Winzingerode von Lüttich her im Anmarsch, deren Vereinigung unsre rechte Flanke wieder sicherte. Doch schien durch diese Bewegung rechts hin eine Lücke bei Vitry und Chalons entstanden zu seyn, und wir waren in Besorgniß, da sich die Franzosen einige Stunden von hier hatten sehen lassen. Aber die Corps von St. Priest und von Jagow, welche von Nancy her uns folgen, sind bestimmt diese Lücke auszufüllen und die Verbindung mit der großen Armee herzustellen. St. Priest langte auch den 28sten Februar in Vitry an. Es ist hier ein Collegium von sechs Klassen, worin zehn Lehrer arbeiten. Die Schüler tragen militärische Kleidung, weil alle Einrichtungen hier eine militärische Richtung erhalten haben. Die Schulanstalten Frankreichs, welche in schlechter Verfassung sind, und tief unter den deutschen Lehranstalten tehen, reduciren sich auf Primair-, Secondair-Schulen, Collegien und Lyceen. Primair-Schulen heißen die untersten Elementar-Anstalten, in denen bloß Schreiben, Lesen und Rechnen gelehrt wird. Secondair-Schulen sind höhere Bürgerschulen, in denen noch Geschichte, Geographie und Technologie zu jenen Anfangsgründen hinzukommen. An diesen stehen zwei bis drei Lehrer, die aber schlecht besoldet sind; an jenen bloß Einer, den die Gemeinde unterhält. Collegien stellen das vor, was bei uns die Gymnasien sind, doch nicht von solchem Umfang der Wissenschaften. Latein wird bloß bis zum Verstehen des Julius Cäsar getrieben; Griechisch viel weniger, und Hebräisch gar nicht. Außer den sechs Klassen findet noch ein voracademischer Cursus statt, der die Philosophie genannt wird. Hier werden Lectiones über Logic, natürliche Theologie und Moral, den Abiturienten gehalten, die auf eine Fakultät gehen wollen, denn Universitäten giebt es nicht. Solcher Fakultäten giebt es zu Lion, Strasburg, Toulouse u. a. Städten, als einzeln existirende Gemeinwesen. Nur zu Paris sind die vier Fakultäten in eine Universität vereinigt. Die Theologen gehen von der Schule sogleich in ein Priester-Seminarium, um die theologischen Wissenschaften zu erlernen. Solche Seminarien trifft man in denjenigen Städten an, wo ein Bischof wohnet. Ganz verschieden von den Collegiis sind die Lycéen, worin nur militärische Wissenschaften gelehrt werden. Es kommen nur solche junge Leute hinein, die einst höhere Militär-Posten bekleiden sollen, und müssen die kaiserliche Erlaubniß erhalten. Jeder Lehrer hat eine Zahl von Schülern unter seiner Aufsicht. Es wird im gemeinschaftlichen Saale gegessen. Die Lehrstunden, wie die Kriegsübungen, werden durch die Trommel angekündigt.


Quellen.[]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte zu Landshut. Landshut, bei Philipp Krüll, Universitätsbuchhändler. 1811.
  2. Nachrichten und Bemerkungen aus den Feldzügen des Jahres 1813 und 1814, aus dem Tagebuche eines Feldgeistlichen in dem Preußischen Heere. Nebst einer Beschreibung der Schlachten, von welchen der Verfasser Augenzeuge war. Berlin, 1814. Bei Friedrich Maurer, an der Spittelbrücke No. 17.
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