Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Vesuvius.[]

Vesuvius, Monte di Somma, berühmter Berg, nahe an dem Schlosse Somm, 7 - 8 italiänische Meilen von der Stadt Neapel, welcher stets raucht, zuweilen auch Flammen, nebst einer großen Menge Asche, Steine und Lava von sich wirft. Gegen das Meer zu ist er mit fruchtbringenden Bäumen und Weinstöcken häufig besetzt; auf der Süd- und Westseite hingegen, wie auch auf seinem obern Theile findet man nichts als schwarze Asche, Schlakken und Steine. Von der nördlichen Spitze ist 1758 ein Theil in den Abgrund gestürzt: der südliche wird eigentlich Monte di Somma genennt. Man braucht gemeiniglich 2 Stunden, um den höchsten Gipfel des Vesuvs zu erreichen. Die Bauern, welche in der Nähe des Bergs wohnen, gehen oder kriechen als Wegweiser voran, und lassen die Reisenden sich an die über ihre Leiber befestigten Riemen anhalten. Je höher man den Berg hinankommt, je heisser wird der Boden, wobey ein oftmaliges Knallen oder anderes starkes Getöse sich hören läßt. Der aus einigen Löchern hervorkommende Rauch ist wenig beschwerlich. In die Bocca oder Oefnung muß man sich nicht zu weit wagen. Wenn der Berg einem Ausbruch nahe ist, macht er zuerst ein erschrecklich Getöse, und erschüttert alle umliegende Oerter, alsdann wirft er Asche und Steine auf etliche italiänische Meilen umher. In den Jahren 1751, 54, 55, 79. und in den ältern Zeiten öfters ist aus der Mündung ein ganzer Feuerstrom (Lava) von geschmolzenem Schwefel, Metallen und Mineralien ausgeflossen: nachdem die flüssige Materie kalt geworden, hat sie sich in die festesten Steine verwandelt. Eine jährliche mässige Unruhe des Vesuvs leiden die Einwohner der umliegenden Gegenden sehr gern, weil sie alsdenn nur wenige und gelinde Erdbeben zu besorgen haben.


Neuigkeiten.[]

[1808]

Neapel, den 1. Nov.

Der Vesuv raucht noch immer stark, und aus seinem Crater steigen von Zeit zu Zeit hohe Flammen empor, welche vorzüglich des Nachts einen prächtigen Anblick gewähren. Aber Lava hat er bis jetzt nicht von sich gegeben. Die Bewohner der am Fuße des Vulkans gelegenen Ortschaften haben inzwischen ihre beste Habseligkeiten in Sicherheit gebracht, und halten sich auf den Fall, daß ein Ausbruch erfolgen sollte, zu einer schleunigen Flucht gefaßt.


Ausbruch des Vesuvs.[]

Der eilfte September 1810.

Schon in den ersten Tagen des Septembers durfte man auf einen Ausbruch des Vesuvs rechnen; denn theils gaben die Schöpfbrunnen in seiner ganzen Nachbarschaft kein Wasser, theils kündigte ein dumpfes Getöse und starker Donner die nahe Eruption an. Am 8ten September stieg aus dem Krater eine schwarze Rauchwolke empor, die bis zum 11ten seinen Gipfel umhüllte. Endlich an diesem Tage kam es Nachmittags um vier Uhr zum wirklichen Ausbruche. So wie der Tag abnahm, schien sich die schwarze Rauchsäule immer röthlicher zu färben. Bey Nach schien der ganze Berg in Feuer zu stehen; das Donnern hörte bald auf, der Vesuv warf zwar nicht mehr aus, aber die Lava strömte so stark, daß die ganze Ebene rechts der Eremitage davon bedeckt war. Sie bildete ein völliges Feuermeer, weil die Flammen alle dunkeln Stellen helle machten. Die Lavabäche, die theils auf der Seite von Ressina, theils auf der Seite von Bosco tre Case in gerader Richtung von Joachimsstadt flossen, vereinigten sich hier zu einem ungeheuer breiten und tiefen Strom, der in kurzer Zeit dreyzehnhundert geometrische Schritte weit über unbebautes Land fortlief, indessen er nur 227 Aecker angebautes Land überschwemmte.

In der Nacht vom 12ten zum 13ten September stund der ganze Krater in hellen Flammen; der Berg warf eine ungeheure Menge brennende Steine und Asche mit fürchterlichem Getöse aus. Aus einer neuen Oeffnung strömten neue Feuersäulen, und die Lava wurde immer verheerender. Um 4 Uhr Nachmittags am 13ten fürchtete man wirklich wieder eine Eruption wie die im Jahre 79 nach Christi Geburt unter dem Kaiser Titus zu erleben, durch welche Pompeji, Herkulanum und der Flecken Stabiä verschüttet wurden und der grosse Naturforscher, Plinius der ältere, das Leben verlor. Dieser Ausbruch von 1810 war einer der stärksten, dessen die Geschichte erwähnt, und es war ein blosses Glück, daß die Lava meistens über solche Schichten alter Lava fortlief, die noch nicht ganz verwittert, daher auch noch keines Anbaues fähig war, sonst würde der Schade weit beträchtlicher gewesen seyn, als er wirklich gewesen ist.


Vermischte Nachrichten.[]

[1811]

Neapel. In der Neujahrsnacht vom 31sten December auf den 1sten Jannar hatte ein Ausbruch des Vesuvs statt, der zu den schönsten seit 1794 gehörte, und besonders am Neujahrsabend ein prächtiges Schauspiel gewährte. Zwey Feuersäulen erhuben sich aus dem Krater, besonders gegen Nordosten, in prächtigen Bogen, und eine Haushohe Lava ergoß sich endlich aus dem Krater gegen das zwischen den beyden Torri auf einem Hügel stehende Kamaldulenserkloster, und hielt nahe bey der Heerstraße, nachdem sie nur wenig Verheerungen angerichtet hatte, indem sie auf den alten Lavafeldern meistens fortfloß. Die ganze Zeit über donnerte der Berg mit ungewöhnlicher Stärke: in Kastellanovo zitterten die Häuser; auch in Neapel war die Bebung sehr fühlbar. Der König war selbst auf dem Berg, und man ließ in aller Eile Anstalten zu Wegschaffung des in der Mühle xc. in torre del annunciata aufgehäuften Pulvers treffen; es ging aber Alles ohne Schaden vorüber, und jetzt scheint der Berg ganz ruhig zu seyn. Vieles könnte ich Ihnen sonst schreiben von der neuen Organisation der Universität agli studj (Cottugno ist Rektor), aber es fehlt mir an Zeit; also addio!


Quellen und Literatur.[]

  • Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte zu Landshut. Landshut, bei Philipp Krüll, Universitätsbuchhändler. 1811.
  • Augsburgische Ordinari Postzeitung. Nro. 280. Dienstag, den 22. Nov. Anno 1808.
  • Neues historisches Handbuch auf alle Tage im Jahr mit besonderer Rücksicht auf die Ereignisse der neuesten Zeiten von Wagenseil Königl. baier. Kreißrath. Augsburg und Leipzig in der Jenisch und Stageschen Buchhandlung.
  • Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 50. Dienstag, den 27. Februar 1812.
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