Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Am 16ten September, das Gefecht an der Görde.[]

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Um 4 Uhr rückten die verbündeten Truppen gegen die Görde vor, der Marsch blieb dem Feinde durch zwischen liegende Hügel und Waldbüsche verdeckt, es kam zwischen den Vordertruppen zum Gefecht, allein das Hauptcorps des Feindes verblieb ruhig in seiner Stellung hinter den Jagdschlosse Görde, welches er mit Jägern besetzt hielt, auf vortheilhaften Anhöhen zwischen den Dörfern Oldenburg und Eichdorf zu beiden Seiten der Straße nach Lüneburg hin stehen. Die Kosaken zogen sich zurück, der Feind verfolgte sie nicht, und selten fiel ein Schuß.

Da verschob der General Graf Wallmoden den Angriff nicht länger, und doch konnte er erst um 2 Uhr Nachmittags erfolgen, er war in 3 Kolonnen eingeleitet. Auf der Fronte sollte der General-Major Tettenborn mit den Kosaken, der Lüzowschen Reiterei und 4 hanseatischen reitenden Kanonen angreifen, der Oberstlieutenant v. Pfuhl wurde mit 6 Bataillons der russisch-deutschen Legion und 8 Stück Geschütz durch den Görder-Wald in die rechte Flanke, und in den Rücken des Feindes geschickt. Der General Dörenberg sollte ihm mit der Reiterei in die linke Flanke fallen. Als Reserve folgte der General Graf Wallmoden mit den noch übrig bleibenden Truppen in der Richtung des Generals Tettenborn.

Der General Tettenborn eröffnete das Gefecht, er ließ durch Kosaken-Abtheilungen die Flanken des Feindes umschwärmen. Die preußischen Scharfschützen warf er in den Wald zur Rechten, seitwärts von den Kosaken begleitet, und das Gefecht wurde mit den feindlichen Scharfschützen bei dem Jagdschlosse mit heftiger Erbitterung gekämpft. Der General Tettenborn rückte in der Fronte vor, das Gefecht wurde hartnäckig, allein der Feind stand trotzig in seiner Stellung, sein Feuer war vortrefflich, sein Fußvolk zeigte sich unerschrocken, niemand wich, und niemand ging vor; das Geschützfeuer war lebhaft und wirksam, der Tag war schon weit vorgerückt, die Zeit verging mit Feuern, welches nichts entschied, die rasche Kraft des Angriffs war gelähmt. -- Nun aber rückte der Oberstlieut. v. Pfuhl aus dem Walde hervor, sein Fußvolk marschirte auf, die Stellung des Feindes wurde dadurch gänzlich umgangen, das Dorf Oldendorf wurde stürmend erobert, sein Geschütz beschoß Flanke und Rücken des Feindes mit Erfolg. Dies nun war das Zeichen zum allgemeinen Angriff auf den Feind von allen Seiten. Und als der General Pecheux sich nun von der großen Straße von Lüneburg abgeschnitten und ohne Rückzug sah, so faßte er den Entschluß der verzweifeltsten Gegenwehr; seiner Soldaten theilten die gleiche Gesinnung, und unterhielten ein mörderisch Feuer, das noch brauchbare feindliche Geschütz schleuderte Kartätschen um sich her.

Nun aber rückte die Reiterei, geführt durch den General Dörenberg, den Oberstlieutenant v. Golz, die Major v. Lützow und v. Nostiz heran, -- und der Feind wurde zusammengehauen, zerstreuet und gefangen, -- das Fußvolk machte gleichzeitig von allen Seiten Angriffe mit dem Bajonett, und alle Kanonen der Feindes wurden erobert. Jetzt zog sich der General Pecheux mit dem Reste seiner Truppen auf seine linke Flanke gegen die Elbe hin, und trat nun seinen Rückzug an, bei welchem er sich von Anhöhe zu Anhöhe aufstellte, ihm folgten schnell alle verbündeten Truppen und alles Geschütz, unter dem letztern auch eine Kongrevische Raketten-Batterie, und nur der General Pecheux mit 2000 Mann entkam beim Einbruch der Nacht in wegeloser Waldung, sie retteten sich nach Lüneburg und nach kurzer Ruhe nach Hamburg zurück.

So wurde die ganze feindliche Division Pecheux vernichtet, 8 Kanonen, alle Pulverwagen und alles Gepäck wurde erobert, 30 Offiziere und 1800 Mann wurden gefangen, auch der polnische General Mielzinsky. An Todten und Verwundeten verlor der Feind 2500 Mann.

Die Verbündeten verloren in diesem Gefecht an der Görde 30 Offiziere und 1000 Mann, theils Todte und theils Verwundete, geblieben war der Major Deveaux, blessirt die Majors v. Lützow, v. Firks und v. Schaper; den Generalen Graf Wallmoden und Tettenborn wurden die Pferde unter dem Leibe erschossen.

Die verbündeten Truppen lagerten nach erkämpften Siege an der Görde.

Quellen.[]

  1. Der Krieg in Deutschland und Frankreich in den Jahren 1813 und 1814. Von Carl v. Plotho. Berlin, bei Carl Friedrich Amelang 1817.
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