Von Bastille bis Waterloo. Wiki

Das Gefecht bey Eckau.[]


Mitau, den 13/24ten July.

Das Gefecht bey Eckau (vier Meilen von Mitau). Am 7/19ten dieses griff der preussische General der Infanterie von Grawert ein sehr vortheilhaft bey Eckau postirtes russisches Korps in der Fronte an, während der preussische Generalmajor von Kleist den Angriff auf des letztern linken Flanke von Lambertshof aus gegen den Hof Eckau machte. Der an Macht überlegene Posten leistete einen hartnäckigen Widerstand, mußte aber der unaufhaltsamen Bravour der preussischen Truppen, welche auf allen Punkten mit Ungestüm gegen ihn eindrangen, weichen und das Schlachtfeld räumen. Eine Fahne, einige Munitionswagen und mehrere hundert Gefangene, unter denen ein Staabs- und mehrere andre Officiere befindlich sind, fielen in die Hände der Sieger. Die Russen ließen einige hundert Todte auf dem Platze. Der Verlust der Preussen war unbedeutend; indessen fanden zwey tapfere Officiere, der Rittmeister von Esebeck vom Dragonerregiment No. 1. und der Lieutenant von Wallis vom Füsilierbataillon des Infanterieregiments No. 3., welche an diesem Tage sich besonders hervorthaten, den Tod der Ehre. Das Andenken an diese braven Krieger wird dem preussischen Korps unvergeßlich werth bleiben.


Nachrichten von der großen Armee.[]

[1812]

Die Berliner Zeitung vom 4ten Aug. enthält Folgendes: [1]

Der hier angekommene Major von Tippelskirch des preußischen Generalstabes hat folgende Nachricht von einem für die preußischen Waffen sehr ehrenvollen Gefechte überbracht.

Um die Bewegungen an der Düna im Centrum der großen Armee auf deren linken Flügel zu unterstützen, brach am 16ten vor. Mon. der Herzog von Tarent mit dem 10ten Armeecorps aus der Gegend von Ponewiesz und Janiskele nach Constantionez. Hier ließ er den Obersten von Raumer mit 3 Bataillons Infanterie und 4 Escadrons auf der nach Mietau führenden Straße mit dem Auftrage zurück, diesen Ort in Besitz zu nehmen und sich sodann wieder an das Corps heranzuziehen. Dasselbe setzte am 18ten bey Saluti über den Mischafluß; und da der Marschall Herzog von Tarent mit der Division Grandjean sich rechts auf Friedrichsstadt und Jacobstadt wendete, überließ er dem General von Grawert mit dem Gros der preußischen Truppen über Bauske und Eckau gegen Riga vorzudringen, während ihm rechts zur Seite der General von Kleist mit 3 Bataillons, 2 Escadrons und einer reitenden Batterie detaschirt war, um auf der großen über Schönberg nach Riga führende Straße vorzugehen.

Der Chef des Generalstabes, Oberster von Röder, ward mit 60 Pferden Cavallerie vom General von Grawert vorausgeschickt, um Nachrichten vom Feinde einzuziehen und das vorliegende Terrain zu recognosciren. Derselbe war kaum eine Meile marschirt, als er auf feindliche Cavallerie stieß, welche ihm die Avantgarde einer marschirenden Colonne zu seyn schien. Landleute sagten überdies aus, es sey Cavallerie, Infanterie und Artillerie in vollem Anzuge gegen Bauske. Diese Meldung des Obersten von Röder bewog den commandirenden General, demselben sogleich 2 Escadrons Dragoner des Regiments No. 1. nebst einer halben Batterie nachzusenden; und in der That, diese Verstärkung kam sehr erwünscht. Denn schon sahe sich obiges schwache Cavalleriedetaschement mit einer vielfach überlegenen feindlichen Cavallerie ins Gefecht verwickelt, als der Major von Stiern jene beyden Escadrons mit so vieler Entschlossenheit in den Feind führte, daß derselbe, ungeachtet er noch einmal so stark war, durch die große Bravour unserer Cavallerie geworfen, eine nicht unbeträchtliche Anzahl Feinde heruntergehauen, und 1 Officier nebst 20 Mann zu Gefangenen gemacht wurden. Der geschickte Angriff in die Flanke der feindliche Cavallerie trug das Seine dazu bey, deren tapfern Widerstand zu entkräften. Unter den Muthvollen, welche zuerst auf den Feind einhieben, befand sich der Rittmeister Graf von Brandenburg, welcher dabey durch einen Lanzenstich in die rechte Schulter verwundet ward.

Hätte das Verfolgen weit fortgesetzt werden können, so würde die Anzahl der Gefangenen größer ausgefallen seyn; es stießen aber unsere Dragoner bald auf ein in Büschen postirtes Jägerbataillon, durch welches und die Aussage der Gefangenen sich die Gewißheit ergab, daß der Feind in beträchtlicher Stärke entgegenstand und einen festen Posten bey Eckau besetzt hielt. Um ihn darin mit sicherm Erfolge anzugreifen, schickte der General von Grawert dem General von Kleist den Befehl, seinen Marsch in die linke Flanke des Postens bey Eckau zu dirigiren, während er sich demselben in der Fronte vorsichtig nähern würde.

Der Oberst von Röder drückte unterdessen den Feind immer mehr und zuletzt ganz über den vor dem Dorfe Eckau vorüberfließenden Bach zurück, wodurch nun der General von Grawert mit Sicherheit heranrücken konnte.

Der General von Kleist führte den ihm gewordenen Auftrag so geschickt und schnell aus, daß auf ihn nicht lange gewartet werden durfte; und als man nur bey demselben die ersten Kanonenschüsse in die Flanke des Feindes hörte, ward auch von dieser Seite der Angriff begonnen. Die feindliche Infanterie stand jenseits des Flusses Eckau im Dorfe gleiches Namens hinter Häusern, Hecken und einer Kirchhofmauer vortheilhaft postirt. dennoch durchbrachen unaufhaltsam die Tirailleurs der Infanterieregimenter No. 3. und 4., welche ungeachtet des heftigsten feindlichen Feuers der Capitän von Hugo in den Feind führte, dessen Stellung, und nöthigten ihn das Dorf zu verlassen. Cavallerie und reitende Artillerie folgten, und jene hieb auf die jenseits des Dorfs postirte russische Infanterie mit so glücklichem Erfolge ein, daß die 1ste Escadron der westpreußischen Dragoner des Regiments No. 2. eine Fahne erbeutete. Unterdessen war ein russisches Dragonerregiment herbeigeeilt und im Begriff, sich auf unsere mit der zerstreuten Infanterie beschäftigte Cavallerie zu werfen, als der entschlossene Major von Viebig 2te mit einer reitenden Batterie so zweckmäßig auffuhr, daß deren gut dirigirtes Kartätschenfeuer die feindliche Cavallerie zum Rückzuge veranlaßte. Da nun zu derselben Zeit de General von Kleist ebenfalls seine Truppen gegen die feindliche Stellung heranführte, so ward der Feind auf allen Puncten zurückgedrängt.

Die feindliche Infanterie bestand aus 8 Bataillons. Der General von Grawert hatte seiner Seits nur 5, und der General von Kleist 3 Bataillons. Nur an Artillerie waren wir stärker.

Es ist zu bedauern, daß die feindliche Cavallerie der unsrigen so sehr überlegen war; denn es standen unsern 6 Escadrons 8 feindliche und 1 Pulk von 500 Cosaken entgegen. Ohne diese Ueberzahl würde die Beute dieses Tages viel beträchtlicher geworden seyn. Sie besteht aus einer Fahne, 1 Stabs- und mehrern anderen Officieren, und über 200 Gefangene. Außerdem hat der Feind einige Hundert Todte auf dem Platze liegen lassen. Wir haben unserer Seits den Tod des tapfern Rittmeister von Esebeck, welchen er beym Einhauen der von ihm angeführten Dragoner in die feindliche Infanterie fand, und den des schon früher sich rühmlich ausgezeichneten Lieutenants von Wallis vom Füsilierbataillon No. 2. zu bedauern. Unser Verlust besteht überhaupt an Todten, Blessirten und Vermißten aus 5 Officieren, 88 Unterofficieren und Gemeinen.

Außer den, an ihrem Ort schon rühmlichst genannten Officieren, haben sich an diesem Tage die Rittmeister v. Weiß und v. Prinz des Dragonerregiments No. 2. ausgezeichnet. Ganz besonders verdient aber die Entschlossenheit des Lieutenants v. Willer des Füselierbataillons No. 2. einer Erwähnung, welcher mit dem Bajonnet seiner Tirailleurs der feindlichen Cavallerie ein von ihr genommenes reitendes Kanon, dessen Pferde niedergeschossen waren, wieder entriß. Die Bravour unserer Truppen wird dadurch noch mehr documentirt, daß, nach der Versicherung des Generals v. Grawert, der Feind mit vieler Tapferkeit gefochten, und die Vortheile des Terrains auf seiner Seite gehabt hat.

Schon früher legten unsere Truppen Beweise der Tapferkeit ab, wodurch sich Seine Majestät der Kaiser veranlaßt sah, die Lieutenants v. Rawen und v. Brösigke der schwarzen Husaren, Regiment No. 1., und die Lieutenants v. Borke und v. Hobe, ingleichen den Unterofficier Krause des zweyten Husarenregiments zu Rittern der Ehrenlegion zu ernennen.


Brief eines preußischen Officiers.[]

[2]
Die Berliner Zeitung enthält folgenden Brief eines preußischen Officiers:

Vorposten Dahlenkirch vor Riga, den 24sten Juli.

Bey dem Gefechte von Eckau waren nur Preußen; der Marschall Macdonald war mit den Bayern und Polen rechts auf Friedrichsstadt zu gegangen und 10 Meilen davon entfernt. Von russischer Seite commandirte der General Ewis. Die Truppen bivuaquirten, da sie wegen großer Ermüdung den Feind nicht weiter verfolgen konnten, die Nacht auf dem Schlachtfelde; den 20sten erhielt Oberstlieutenant von Horn mit dem Avantcorps Befehl zum Nachsetzen, ohne jedoch denselben mehr erreichen zu können. Den 21sten rückten die Avantgarde in Dahlenkirch, 2 Meilen von Riga, ein, wo die Russen alle Vorstädte abbrennen. Der Marschall ist bey Friedrichsstadt über die Düna gegangen, und rückt von jener Seite gegen die Stadt vor, deren Belagerung die Bestimmung seines Corps zu seyn scheint. Am 23sten wurde eine Recognoscirung bis dicht unter die Kanonen des Brückenkopfs gemacht. Die Truppen stehen jetzt in einem schönen Lande, wo sie mit allem reichlich versehen sind.


Bericht des Marschalls, Herzogs von Tarent, an den Prinzen Major-General.[]

[3]

Jakobstadt, den 22sten July 1812.

Enthält den (in No. 187. dieser Zeitung bereits mitgetheilten) Bericht des preussischen Generals Grawert, über die Affäre vom 19ten, mit dem General Lewis bey Eckau. General Grawert meldet noch: es würde ihm schwer fallen, die Officiere zu nennen, die sich ausgezeichnet, weil sie ohne Ausnahme von gleicher Bravour, und vom Verlangen, den Feind zu erreichen, beseelt gewesen wären. Den Erfolg des Tages habe man jedoch besonders dem General Kleist und der Thätigkeit und den guten Dispositionen des Obersten Röder, Chef des Generalstabes, mit zu verdanken. Dieser habe mit so vieler Vorsicht als Unerschrockenheit die Angriffe geleitet, und die Truppen durch sein Beyspiel belebt. Der Herzog von Tarent bittet daher den Prinzen von Neufchatel, dem Kaiser mit den trefflichen Eigenschaften dieses in allen Absichten ausgezeichneten Officiers bekannt zu machen, und ihn dessen Gnade zu empfehlen. Es sey ein Officier voll Verdienste. Der General Grawert habe jedoch die Bescheidenheit gehabt, weder sich noch die Officiere seines Generalstabs zu nennen, ungeachtet sie sich sehr ausgezeichnet hatten. Dieser ruhmwürdige Aktion beym ersten Auftritt verspreche neue Vortheile, und er bitte, daß Se. Majestät dem preussischen Korps seinen Beyfall und Belohnungen ertheilen möchte.


Russischer Bericht.[]

VIII.

Nachdem beschlossen worden, einen der Hauptposten des Feindes in der Nähe von Riga bey der Dahlenschen Kirche und Kekau anzugreifen, marschirte am 9. Abends das dazu bestimmte Truppencorps, unter den Befehlen des Herrn General-Lieutenant und Ritters von Löwis, in zwey Abtheilungen aus Riga. Die erste Colonne, von dem General v. Löwis in Person commandirt, war bestimmt, auf dem Bauskischen Wege gerade gegen die Dahlensche Kirche anzurücken und die feindliche Stellung in der Fronte anzugreifen, während die zweyte Colonne unter Anführung des Obersten Eckeln, von der Insel Dalholm aus den Arm der Düna in der Gegend von Bersemünde durch eine Furt passiren und den Feind in den Rücken nehmen sollte.

Diese Disposition ward, obgleich beyde Colonnen gleich bey ihrem Ausmarsche gänzlich von einander getrennt waren, und keine Communication zwischen ihnen Statt finden konnte, auf das vollkommenste ausgeführt.

Gegen 4 Uhr Morgens, als dem verabredeten Zeitpunct, beyde Colonnen zum Angriff zu führen, ward von der Avantgarde der Colonne des Generals v. Löwis der erste feindliche Posten hinter der Mühle entdeckt und sogleich angegriffen. Dieser zog sich unter ziemlich lebhafter Gegenwehr langsam auf die Hauptposition zwischen der Dahlenschen Kirche und dem Kekau-Bach zurück, und fing an aus einer Batterie, die auf dem linken Flügel der Stellung aufgeworfen und mit 2 Kanonen besetzt war, auf die anrückende Colonne zu feuern. Zu gleicher Zeit ward von der Insel Dahlholm das Kanonenfeuer hörbar, unter dessen Schutz die zweyte Colonne den Fluß, den die Truppen bis an den Gürtel durchwaten mußten, passirte, und sogleich die Stellung des Feindes auf der Anhöhe hinter der Dahlenschen Kirche unter dem Feuer von mehreren dort aufgepflanzten Kanonen muthig angriff, obgleich sie dabey ihrerseits gar nicht vom Geschütz unterstützt werden konnte. Es begann nunmehr von allen Seiten ein hartnäckiges allgemeines Gefecht, welches in seiner größten Lebhaftigkeit ein Paar Stunden anhielt. Während die zweyte Colonne unaufhaltsam gegen die Anhöhe hinter der Dahlenschen Kirche vordrang, ward der größere Theil der ersten Colonne befehligt, die Batterie des feindlichen linken Flügels unter ihrem Feuer zu umgehen, welches auch durch den Major Jelistratow vom 21. Jäger-Regiment pünctlich ausgeführt ward, und nunmehr begann der Feind, nachdem er die Anhöhe verlassen mußte, und sein Geschütz von allen Seiten zurückgezogen hatte, seine Stellung, die gegen die Rigische Straße durch einen aufgeworfenen Graben gedeckt war, zu räumen, und trat in Unordnung den Rückzug auf der Straße nach Plakan an, wobey der durch unsere Cavallerie lebhaft verfolgt wurde. Die Kosaken, Dragoner und Uhlanen brachten Gefangene in ansehnlicher Anzahl ein; und als das Treffen gänzlich geendigt war, hatten sich 14 Officiere, 650 Gemeine, 4 Chirurgen und 1 Verpflegungs-Commissär dem Sieger ergeben. Die Freude über die Vollkommene Ausführung und den glänzenden Erfolg dieses Gefechts hat leider durch den Verlust eines ausgezeichneten Officiers und eines tapfern Mannes getrübt werden müssen; der Oberst-Lieutenant v. Tiedemann, der die Avantgarde der zweyten Colonne aufs vollkommenste der Disposition gemäß, durch die Furt der Düna gegen den Feind, und muthvoll zum Angriff der Anhöhen geführt hatte, war, indem er mit einem Detaschement Grodnoscher Husaren auf den Feind eindrang, verwundet, und starb bald nach seiner Ankunft in Riga. Seine Befehlshaber betrauern einen kenntnißreichen unternehmenden Officier, und seine Waffenbrüder einen allgemein geschätzten Kampfgefährten.

Riga, den 11. August 1812.
General-Lieutenant Essen I.

KarteRigaMitau1400


Ordre national de la Légion d'honneur.[]

[4]

Se. Majestät, der Kaiser Napoleon, haben unterm 22sten August nachfolgende Generale und Stabsofficiere im königl. preussischen Armeekorps, wegen der von ihnen am 19ten July in dem Treffen bey Eckau bewiesenen ausgezeichneten Tapferkeit, zu Rittern der Ehrenlegion zu ernennen geruhet: Den Generallieutenant von Massenbach; den Generalmajor von Kleist; den Obersten von Röder; den Oberstlieutenant von Lossow; den Oberstlieutenant Brigadier von Horn; den Major von Schmidt; die Majors: von Thiele, von Hiller, von Lepel und von Brause.


Quellen.[]

  1. Leipziger Zeitung Nr. 154. Sonnabends den 8. August 1812.
  2. Leipziger Zeitung Nr. 156. Dienstags den 11. August 1812.
  3. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 207. Mittewoch, den 28. August /9. September 1812.
  4. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 205. Montag, den 26. August /7. September 1812.
  • Allgemein deutsche Zeitung für Rußland. No. 169. Montag, den 15/27. July 1812. ff.