Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Ebersberg.[]

Ebersberg, ein kleines Städtchen an der Traun, im Erzherzogthum Oesterreich gelegen, hat in dem ewig denkwürdigen großen Kampfe zwischen Frankreich und Oesterreich im Jahre 1809 einen Namen durch eine schreckliche Begebenheit erhalten.

Wem sollte nicht, wenigstens im Allgemeinen, noch im Andenken seyn, dass dort 35,000 Mann Oesterreicher unter dem General Hiller der großen französischen Armee den Uebergang streitig machen wollten, jedoch endlich der Uebermacht unterlagen, und daß leider das arme Städtchen Ebersberg ein Opfer jenes Tages wurde. Um die Oesterreicher, welche dort eine feste Position genommen hatten, zu vertreiben, vereinigten sich am 3. Mai, wenige Tage nach dem Uebergange der französischen Armee über den Inn, mit dem Herzoge von Rivoli-Essling (Massena) der Herzog von Istrien (Bessieres) und Marschall Oudinot. Der österreichische Nachtrab, welcher vor Ebersberg stand, wurde angegriffen und zum Rückzuge durch die Stadt und über die Brücken genöthigt, wohin die Division Claperede ihm folgte.


Vertheidigung des Passes bei Ebersberg am 3t. May 1809.


Dies geschah unter dem heftigsten, erbittersten Gefechte. In der Stadt schossen die Oesterreicher unaufhörlich von den Dächern und aus den Häusern auf die Franzosen, die in geschlossenen Reihen vordrangen und dadurch viel leiden müssten. Doch sowohl für die Siegenden als für die Weichenden erreichte das Schreckliche seinen höchsten Grad, als mit einemmale der ganze Ort überall in Flammen stand, welche den Eingang wie den Ausgang sperrten und von allen Seiten Vernichtung drohten und verbreiteten. Feuer und Schwert hatten gleichsam einen Wettstreit wider einander begonnen, und jede Macht behauptete ihre grässliche Stärke. Von den brennenden Dächern herab stürzten die vergebens nach Rettung Ringenden, und versanken unter Angstgeschrei in die über ihnen zusammenschlagenden Flammen. Ueber die Haufen halbverbrannter Leichname und über die Sterbenden hinweg rollten Kanonen und Wagen, und bahnten sich durch die zerfleischten Unglücklichen ihren Weg. Immer noch ging unaufhaltsam der Zug der vordrängenden Franzosen und Italiäner den fliehenden Oesterreichern nach, doch mit einemmale ergriff das Feuer auch die Brücke; zwei Joche mußten abgeworfen werden und die ganze Division Claparede sah sich von der übrigen Armee abgeschnitten und ohne Unterstützung den wüthenden Angriffen der Oestterreicher Preis gegeben. In drei Stunden hielt Claparede drei Angriffe mit dem Bayonnet aus; unterdeßen war das Feuer der Brücke gelöscht und diese wieder herstellt worden; da bahnte der General Legrand mit dem 18. und 25. Regimente sich einen Weg, und 1000 Mann Cavallerie unter Durosnel vereinigten sich mit ihm, zur Stürmung des Schlosses bei Ebersberg; 800 Mann Oesterreicher vertheidigten sich heldenmüthig darin. Doch während dessen war Napoleon selbst mit den Divisionen Nansouty und Molitor am rechten Ufer der Traun herangerückt; es blieb den Oesterreichern nur der Rückzug übrig; sie verfolgten ihn bis Enz, wo sie in der Nacht ankamen, und sich, nachdem sie die Brücken abgebrannt hatten, noch weiter zurückzogen. Der Verlust war auf beiden Seiten ziemlich gleich bedeutend. Die Nacht hatte zwar dem Fechten ein Ende gemacht, aber in Ebersberg wütheten noch die Flammen, die bis zum andern Morgen das Städtchen in einen Haufen Schutt und Asche verwandelten. Als der Tag angebrochen war, kam Napoleon Selbst, um die Position zu besichtigen.


Bericht über das Treffen bei Ebersberg.[]

Dem von Sr. Hoheit dem Prinzen Major-General erhaltenen Befehl zufolge verließ ich am 1ten Mai Nachmittags 2 Uhr Schärding, und eilte nach Linz, um mich der Brücken über die Donau und über die Traun zu bemächtigen, und den Feind aus den schönen Stellungen von Ebersberg zu vertreiben.

Am 2ten stieß die Division Saint-Cyr, welche die Spitze der Colonne bildete, hinter Efferding auf 16,000 Mann feindlicher Truppen, die aber nicht Stich hielten. Man verfolgte sie und nahm ihnen 300 Gefangene ab.

Am 3ten sezte sich das Armee Corps in Marsch nach Linz, wo ich mit dem Vortrab morgens gegen 10 Uhr ankam, und aus den Berichten ersah, daß der Feind sich gegen die Brüke von Ebersberg zurükziehe. Ich ließ die leichte Reuterei des Generals Marulaz vorrüken, schikte ihr den Vortrab des Generals Claperede nach, und kam selbst zur nämlichen Zeit auf den Plaz. Der Feind hatte einige Reuterei auf der Ebene und Infanterie in dem Gehölze. Erstere wurde durch den General Marulaz geworfen und verfolgt, und aus das Gebüsche ließ ich durch die Brigade Cohorn einen Angriff machen; man gieng mit viel Nachdruk zu Werk und der Feind wurde verjagt. Während General Marulaz immer noch auf den Feind eindrang und in dem Augenblik, da er dem Städtchen sich näherte, kam Se. Exellenz der Herzog von Istrien mit dem General Piré von Wels her. General Cohorn fand großen Widerstand auf der Brüke, die der Feind mit einer Haubize vertheidigte; allein die Braven von der Brigade Cohorn achteten weder die Uebermacht des Feindes, noch die Gefahren, denen sie auf einer Brüke von solcher Länge ausgesezt waren; sie eilten im Sturmschritt heran. Die Brüke wurde genommen und der Feind in den Strasen verfolgt. Durch die Ankunft des übrigen Theils der Brigade Cohorn wurde das Treffen allgemein. Man sezte den Oesterreichern nach; sie warfen sich in das vorher schon zu einer hartnäkigen Vertheidigung eingerichtete Schloß, gewannen die Anhöhen über der Brüke und besezten das ganze linke Traun-Ufer mit Infanterie und Artillerie. General Cohorn verfolgte sie mit Vortheil, allein sie waren ihm in der Anzahl überlegen, denn man schäzte die Stärke des Feindes auf 40 bis 50,00 Mann. Die 2te Brigade unter General Lesuire erhielt nun Befehl, über die Brüke zu gehen, und Theil an dem Treffen zu nehmen. Endlich kam auch noch die Brigade Ficatier darzu, die ich der 2ten über die Brüke folgen ließ. Durch diese Verstärkung, welche die 1te Brigade erhielt, gelang es, den Feind aus dem Schloße und von den Anhöhen zu vertreiben. General Hiller, der die feindliche Armee commandirte, sahe die Wichtigkeit der Brüke und seiner verlohrenen Stellung wohl ein, und verstärkte sich mit frischen Truppen, die er nach und nach durch andere ersezte, und somit wurden die unsrigen genöthigt, ihm das Schloß und die Anhöhen wieder zu überlassen. Eine Batterie von 15 Geschüzen bestrich die Brüke und die Ebene; ich säumte keiner Augenblik und ließ 20 Stüke an den vortheilhaftesten Punkten aufstellen, und weil ich wahrnahm, daß die Division Claparede schon zu viel gelitten hatte, um ohne Verstärkung den neuen Truppen des Feindes widerstehen zu können, so ließ ich die Division Legrand eilends herbeikommen. Die Kanonade war auf beiden Seiten fürchterlich, allein ohne Infanterie konnte nichts entschieden werden. Das 26te leichte und das 18te Linien Infanterie Regiment -- den Divisions-General Legrand und den Brigade-General Ledru an der Spize -- kamen an; ich ließ sie über die Brüke gehen und gab dem General Legrand auf, ein Regiment auf den rechten Flügel, wo der Feind viele Streitkräfte zusammengebracht hatte, zu senden. General Legrand vollzog meinen Befehl mit größter Genauigkeit, und diese 2 Regimenter brachten in weniger als einer halben Stunde den Vortheil auf unsere Seite. Der Sieg blieb den Adlern Sr. Majestät getreu, und der Feind wurde aus allen seinen Stellungen verjagt und über 1½ Stunden weit verfolgt, ohne sich wieder sammeln zu können. Wäre nicht zufällig -- wie es unglüklicherweise nur zu oft geschieht -- das Städtchen in Brand gerathen, so hätte die leichte Reiterei die Brüke passiren und der Armee des Generals Hiller eine vollständige Niederlage beibringen können, so mußte man aber um die Brüke vor dem Feuer zu sichern, vorerst auf das Löschen der zunächst liegenden Häuser Bedacht nehmen. General Pernety, Befehlshaber der Artillerie des Armee-Corps, Oberst Aubry, Chef seines General-Stabs, und Oberst Flayel vom Genie-Wesen nahten sich den nächsten brennenden Häusern, ließen die Bolen in der Nähe des Thors wegschaffen, um sie vor den Flammen zu schüzen, und damit die Badensche Brigade über die Traun gehen konnte, ließen die Generale und Offiziere einen Steg von Brettern anbringen, worüber die Infanterie defilirte und die flache Anhöhe erreichte, welche der Feind wieder zu nehmen Miene machte. Die Generale Claparede und Legrand vereinigten ihre Divisionen, um ihn im Zaum zu halten. -- General Legrand hatte im Anfang des Gefechts das 19te Jäger-Regiment über die Brüke geführt; er ertheilt demselben das größte Lob; als aber die Flammen sich in dem orte verbreitet hatten, war dieses Regiment genöthigt, wieder über die Brüke zurükzugehen.

Die Truppen Sr. Majestät des Kaisers und König, welche an dem Gefechte Theil nahmen, haben wie gewöhnlich den Beweis der größten Anhänglichkeit an ihren erhabenen Souverän gegeben. Es wäre unmöglich, Euer Hoheit alle die schönen Handlungen, welche diesen Tag bezeichnen, umständlich zu erzählen. General Claperede war beständig an der Spitze seiner Truppen. General Legrand führte die seinigen mit der Kaltblütigkeit eines vollendeten Kriegers an. Der Chef meines General-Staabs, General Beckers, war überall zugegen und erhielt eine Kugel durch den Rock. Meine Adjudanten haben sich mühsamen und schwierigen Aufträgen unterzogen. Einer von ihnen Hauptmann Pelet, hat -- ungeachtet ein Schuß seinen Arm verwundete -- erst am Abend das Schlachtfeld verlassen. Der Divisions-General Claparede erhielt einen Streifschuß am Arm. Dem General Cohorn, Commandant der 1ten Brigade, welche den Vortrab bildete, wurde ein Pferd unter dem Leibe getödtet; dem General Lesuire, Commandant der 2ten Brigade, das seinige verwundet, und dem General Ficatier Commandant der 3ten Brigade sein Hut von einer Kugel durchlöchert. Alle haben ihre Schuldigkeit gethan, viel Unerschrockenheit und Thätigkeit an den Tag gelegt, und sind der Gnade Sr. Majestät würdig.

General Claparede lobt sehr den Adjudant-Commandant Normand, Chef seines General-Staabs, dem ein Pferd unter dem Leibe getödtet wurde; die Obersten Robin, Elouard, Lenty, alle drei verwundet, Salmon, ebenfalls verwundet, dem sein Pferd unter dem Leibe getödtet worden; die Bataillons-Chef Presat, Achard, Gossa, Bouson und Cabaret; die Hauptleute Pairard; Parnazat; die Lieutenants Calda und Lucker, den Unter-Lieutenant Ricard, und Courbaty, Sergenten bei den Schützen vom Po. Der General bittet um Belohnungen für die Braven, deren er in beiliegenden Verzeichnisse erwähnt. Oberst Cardeneau ist todt geblieben. -- General Legrand rühmt den General Ledru, welcher von dem Obersten Pouget und dem Bataillons-Chef Boudinot vom 26ten leichten Regiment treulich unterstützt wurde; dem Obersten Ravier, Commandanten des 18ten Linien-Regiments, und dem Hauptmann Genevois, der an der Spitze seine Compagnie verwundet wurde, nachdem er in dem schwierigsten Augenblick die größte Kühnheit bewiesen hatte, wird ein besonderes Lob ertheilt.

Ich werde von diesen Generalen ein ausführliches Verzeichniß über die Unter-Offiziere und Soldaten erhalten, welche ihre Tapferkeit erprobt haben, das ich alsbald Euer Hoheit übersenden werde.

Den 5ten Mai 1809.
Marschall Herzog v. Rivoli Massena.

Bataille d'Ebersberg.


Augenzeugenbericht.[]

"Aber," so erzählt ein Augenzeuge im Gefolge des Kaisers, "es war nicht möglich, die Straßen der Stadt mit Pferden zu passiren. Sie wurden auf einem Umwege um dieselbe geführt, und der Kaiser ging, mit seinen Generalen und der Suite, zu Fuße durch die Stadt. Meine Dienstgeschäfte erlaubten mir, mich anzuschließen; aber, gerechter Gott, welch ein Anblick war das! Die Todten und halbverbrannten Leichname lagen zu Hunderten in den Straßen angehäuft; allenthalben sah man einzelne Glieder verstümmelt und verbrannt neben den Feuerbränden und Aschenhaufen liegen. Der Geruch war erstickend; wir mussten uns alle mit den Taschentüchern Mund und Nase verstopfen. Durch einen kleinen Umweg, zwischen dem Feuer und den Haufen von Todten, suchte ich in die Nähe des Kaisers zu kommen, um das Gesicht dieses Helden zu beobachten. Deutlich sprach sich auf diesem unser aller Empfindung aus. Er redete wenig und mit gepreßter Stimme, und sah einige Male mit großem bedeutungsvollen Blick zum Himmel auf. Einer der Generale fagte höchst gerührt und ganz laut: "jamais je n'ai vu un spectacle si affreux!" Der Kaiser sah ihn schnell an; mir schien eine Thräne in seinem Auge zu glänzen und ich vernahm den Ausruf: "o, mon Dieu!" mehr konnte ich nicht hören, weil er das uebrige leiser sprach. Und, o gerechter Gott! rufen gewiß auch alle aus, die mit theilnehmendem Gefühle und reger Phantasie nur einem Moment bei dieser Scene verweilen. Gern trennen wir uns davon".


Schreckensscenen in Ebersberg an der Traun im Mai 1809.[]

Die Franzosen und Oestreicher schlugen sich in und bei Ebersberg mit der größten Erbitterung; die Letztern schossen unaufhörlich von den Dächern und aus den Häusern. Dies brachte die Franzosen in Wuth. Sie drangen in starken und geschlossenen Trupps vor; aber plötzlich stand das Städtchen, wie von einem Zauberschlage getroffen, von allen Seiten in Flammen. Niemand konnte mehr weder rück- noch vorwärts; an allen Enden wüthete Verzweiflung und ein schmählicher Tod in den Flammen; um diesen zu entrinnen, tödtete man jedes lebendige Geschöpf, was jemand in den Weg kam; aber vergebens. Sieger und Besiegte vernichtete des Feuers Allgewalt. Das Geschrei der Sterbenden ertönte gräßlich durch die Lüfte, Niemand konnte helfen oder retten. Tief fühlten wir das Schreckliche ihrer Lage; aber unser Händeringen konnten die Flammen nicht löschen. Man erblickte mehrere Menschen auf den bereits brennenden Dächern, man sah sie herumklettern, nach Hülfe winken und schreien, und dann wieder plötzlich in den Rauch und den Flammen verschwinden, bis die brennenden Häuser einstürzten und sie unter ihrem Schutte begraben wurden. Es brannte die ganze Nacht hindurch; der Mond beleuchtete die gräßliche Vernichtung; die rauhesten Krieger ergriff ein wehmüthiges Gefühl; die ganze Natur rings umher, schien mit uns zu trauern, und ihre Stille wurde nur hin und wieder durch das kriegerische Getöse und durch das Wimmern der Verwundeten unterbrochen. Den anderen Morgen war das Städtchen in einen Aschenhaufen verwandelt. Der Kaiser Napoleon wollte die Position besichtigen, aber es war nicht möglich, die Straßen der Stadt mit Pferden zu passiren. Diese wurden also auf einem Umwege um dieselbe geführt und der Kaiser gieng mit seinen Generalen und der Suite zu Fuß durch die Stadt. Meine Dienstgeschäfte erlaubten mir, mich anzuschließen; aber, gerechter Gott, welch ein Anblick war das! Die todten und halb verbrannten Leichname lagen zu Hunderten in den Straßen angehäuft, allenthalben sah man einzelne Glieder verstümmelt und verbrannt neben den Feuerbränden und Aschenhaufen der eingestürzten Häuser liegen. Der Geruch war erstickend; wir mußten uns alle mit den Schnupftüchern Mund und Nase verstopfen. Durch einen kleinen Umweg, zwischen dem Feuer und den Haufen von Todten, suchte ich in die Nähe des Kaisers zu kommen, und das Gesicht dieses Helden zu beobachten. Deutlich sprach sich auch auf diesem die Empfindung aus, die wir Alle fühlten. Er redete wenig und mit gepreßter Stimme, und blickte einige Mal mit großem bedeutendem Blicke gen Himmel. Einer seiner Generale sagte höchst gerührt und ganz laut: jamais je n'ai vu spectacle si affreux. "Nie in meinem Leben habe ich ein so entsetzliches Schauspiel gesehen!"

Der Kaiser sah ihn schnell an; mir schien eine Thräne in seinem Auge zu glänzen, und ich vernahm den Ausruf: O mon Dieu! ect., das Uebrige konnte ich nicht hören, weil er es leiser sprach. Nachdem er hindurch war, erblickte ich seitwärts am Ende des Städtchens einen Verwundeten, der schwach die Arme nach mir ausstreckte; ich näherte mich und erkannte in ihm einen Offizier von der Landwehr. Er suchte sich mir mit bebenden Lippen in französischer Sprache mit leiser Stimme verständlich, und mit seinen Armen zweimal das Hülfszeichen d. Fr. M. zu machen. Schon beim ersten Blicke hatte ich in meinem Herzen dem leidenden Menschen, dem unglücklichen Schlachtopfer des Krieges, Hülfe und Beistand versprochen, jetzt reichte ich ihm die Hand als Bruder. Er hatte drei gefährliche, aber vielleicht nicht tödtliche Wunden; sein Gesicht, die Haare, Hände und Kleider trugen Spuren von den Flammen und waren zum Theil versengt. Nach einer Viertelstunde gelang es mir, ihn vorläufig in unser Bivouac tragen und seine Wunden durch einen unserer Chirurgen untersuchen und verbinden zu lassen. Er war in den linken Schenkel geschossen und hatte am anderen Beine und an der Hüfte zwei starke Streifschüsse bekommen. Ich gab, was ich hatte, zu seiner Pflege und Erquickung, übernahm zwei Briefe zur Bestellung an seine Familie, empfahl ihn Gott, und eilte, meiner Pflicht gemäß, wieder in Kampf und Tod, bis auch mein Blut an den Ufern der Donau floß.

Von den Einwohnern von Ebersberg sind fast gar keine umgekommen, denn sie hatten sich vor Anfang des Gefechtes nach Ens geflüchtet; vermuthlich fürchteten sie schon ein ähnliches Schicksal, wie die armen Einwohner von Schärding, welches Städtchen auch ein Aschenhaufen worden ist.


Züge von Heldenmuth.[]

In der Affaire von Ebersberg am 3ten Mai erhielt eine Abtheilung vom Infanterieregiment Würzburg Befehl zum Angriff eines Grabens in der Vorstadt. Bei dieser Gelegenheit wurde der Lieutenant Knopf von 50 Feinden umringt, und von seinem Trupp ganz abgeschnitten. Da stürzt sich der Korporal Schuhainsky, mit den höchsten Grad persönlicher Tapferkeit, ganz allein in diesen Haufen, erlegt fünf, blessirt mehrere, und treibt die Uebrigen in die Flucht, bevor noch ein Theil seiner Leute ihm zu Hülfe kommen konnte. Aber damit noch nicht zufrieden, verflogt er die Flüchtigen in vollem Laufe, entwaffnet mehrere, und übergiebt sie der Nachfolgenden Mannschaft. So kommt er bis an das Wasser, die Traun, worin sich eben ein feindlicher Trupp zum Angriff zu formiren sucht. Mit der größten Entschlossenheit springt Schuhainsky mitten unter sie, und bietet ihnen Pardon an. Aber während sie Miene machen, ihn anzunehmen, erhält er aus einmal drei Blessuren von hinter, und die nacheilende Mannschaft langt eben noch zu rechten Zeit an, um diesem tapfern Manne das Leben zu retten, und an dem Feind Rache zu üben. Doch mit eben so vieler Großmuth, als er vorher Tapferkeit bewiesen hatte, suchte er seine erbitterten Kameraden zu besänftigen, und es dahin zu bringen, das keinem der Gefangenen ein Leid geschehe.



Der Feldwebel Philipp Schluga vom Regiment Benjowsky Nro. 31 sammelte in der Affaire bey Ebersberg 70 Mann von verschiedenen Regimentern, die auf dem Rückzuge begriffen waren, sprach ihnen Muth zu, und führte sie zurück, um die Feinde, die den Marktflecken Ebersberg bereits besetzt hatten, zu überfallen und sie wieder zu verjagen. Er stieß zuerst auf eine Abtheilung französischer Grenadiers, welche er durch einen muthvollen Angriff zerstreute, und dadurch Verwirrung unter die im Orte befindlichen Feinde brachte. Von dieser wußte er so geschickte Nutzen zu ziehn, und seine Schwäche dergestalt zu maskiren, daß er den ihm überlegenen Feind zurücktrieb, ihm 260 Kriegsgefangene abnahm, und zwey Kanonen nebst zwey Fahnen erbeutete.



Auch der Korporal Johann Gabella, vom vierten Artillerieregiment, legte in dieser Affaire Beweise besonderer Geistesgegenwart, Unerschrockenheit und Bravour ab. Der Erzherzog Ludwig hatte den Befehl ertheilt, die Brücke über die Traun oder wenigstens die anstoßenden Häuser anzuzünden. Der genannte Korporal übernahm dieses gefährliche Geschäft. Er versah sich zu diesem Ende mit einer gefüllten Granate, vier Stück Zündlichtern, und einer brennenden Lunte, und drang durch Ebersberg in dem heftigsten beiderseitigen Kanonen- und Kleingewehrfeuer bis an die letzten Häuser an der Brücke vor, aus deren Fenstern die feindliche Infanterie lebhaft feuerte. In eines dieser Häuser warf er durch ein Fenster die Granate und zwei Zündlichter; in das gegenüberstehende Haus warf er die übrigen zwei Zündlichter. Beide geriethen schnell in Brand. Das Feuer theilte sich dem ganzen Orte mit, und setzte dadurch den Feind außer Stand, seine Kanonen und Munition hindurch zu führen und zu gebrauchen.



Bey dem Rückzuge von Linz nach Ebersberg am 3. May geriethen durch das rasche Andrängen des Feindes mehrere Abtheilungen Kavallerie sowohl als Infanterie an der Traunbrücke in ein sehr heftiges Handgemenge. Unter andern bemerkte der Korporal Alexander Zubow von Erzherzog Karl Uhlanen, als er eben über die Brücke reiten wollte, einen Trupp Gradiscaner mit einer Fahne, welche im Laufen die Brücke zu erreichen strebten. Der Feind folgte ihnen auf dem Fuße. Sogleich wenden dieser Korporal und der Gemeine Franz Hera von demselben Regimente um, und reiten ihnen entgegen; die Unerschrockenheit dieser beyden Männer bringt sie zum Stehen; sie können die Brücke nicht mehr erreichen, aber sie beschließen ihr Leben theuer zu verkaufen. Es entsteht zwischen ihnen und dem Feinde ein sehr hartnäckiges Musketenfeuer. Der Korporal Zubow sieht wohl, daß der Muth dieser Braven an der Mehrzahl der Feinde endlich scheitern muß, er sucht daher noch soviel zu retten als er kann. Der Strom ist reissend; ohne sich zu besinnen springt er mit seinem Pferde hinein, der Gemeine Hera hat die Fahne genommen und folgt ihm; einige Mannschaft hält sich an ihre Pferde, und wird glücklich an das jenseitige Ufer gebracht. Damit nicht zufrieden eilen beyde des anhaltenden heftigen Feuers ungeachtet zurück: so lange die Sporadischer sich halten, so lange wird das Hin- und Herschwimmen fortgesetzt, und so haben diese beyden Braven das Glück durch ihre Unerschrockenheit über 100 Mann aus der feindlichen Gefangenschaft zu retten. Am andern Tage läßt ihnen der Kommandant der Gradiscaner durch einen Offizier im Namen de Regiments für die Rettung dieser Mannschaft förmlich Dank sagen.


Quellen und Literatur.[]

  • Neue militärische Zeitschrift. Wien 1811. Gedruckt bey Anton Strauß.
  • Beiträge zur neuesten Kriegsgeschichte in Spanien und dem Norden von Europa in den Jahren 1811, 1812 und folgenden, mit Rückblicken auf die Kriege in den Jahren 1805 bis 1810. Leipzig, in der Baumgärtnerschen Buchhandlung. 1813.
  • Sammlung von Anekdoten und Charakterzügen auch Relationen von Schlachten und Gefechten aus den merkwürdigen Kriegen in Süd- und Nord-Deutschland in den Jahren 1805 bis 9. Leipzig, in der Baumgärtnerschen Buchhandlung.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
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