Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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NHA Haarlem


Von Reisende.[]

Dr. Johann Friedrich Droysen.

[1]

[1801]

Amsterdam, den 25sten Jun. 1801..

Meine Ungeduld trieb mich schon Nachmittags in das Taylorsche Museum, welches unter des berühmten van Marums Aufsicht stehet. Taylor van der Hulst war ein großer, sehr reicher Seidenfabrikant, dessen Vermögen auf 2,500000 Gulden angegeben ward; da er starb, vermachte er es zu einer wissenschaftliche Stiftung und zu einem Hofjen, d. h. eine milde Stiftung für Arme und alte Leute. Nach dem Testamente sind drey Executoren ernannt, welche fünf Directoren zur Anwendung des Geldes zum Behufe der Wissenschaften ernennen; jeder dieser Directoren hat 1000 Fl. Gehalt. Van Marum ist die Aufsicht des physikalischen Kabinetts, das mit einer Bibliothek verbunden ist, anvertraut, die Anschaffung der Instrumente hängt von den Directoren ab.

NHA Haarlem

Das für dieß Institut vom Architekt Wiswardt aus Amsterdam erbauete Gebäude ist seines reichen Stifters würdig, schön und geschmackvoll. Vor dem Eintritt zum Saal, der das physikalische Kabinett enthält, hat Asselbryh Taylorn ein Monument von Cararischem Marmor 1780 gesetzt.

Beym Eintritt in den Saal, der zwey Etagen hoch und von schönen Glasschränken eingefaßt ist, fiel mir sogleich die große, berühmte, von Cuthbertson erbauete, und von van Marum beschriebene Elektrisir-Maschine in die Augen, die an dem einen Ende desselben steht. Sie war mit einer hölzernen Bekleidung umgeben, die verschlossen war, und nur in Gegenwart der Directoren eröffnet werden kann. Ich war also in meiner Erwartung getäuscht; ich hatte gehofft, die großen Wirkungen dieser Maschine wenigstens in etwas zu sehen, aber theils eine Reise van Marums, die gerade in diesen Tagen vorfiel, theils die Umstände die der Gebrauch dieser Maschine veranlaßt, da der große Tisch im Saale, der Naturalien enthält, fortgebracht werden muß, und die zur Eröffnung nothwendige Gegenwart der Directoren, wie man mir sagte, verhinderten mich hieran. Ich konnte mich also auch nicht davon überzeugen, ob sie wirklich, wie man mir in Amsterdam sagte, zerbrochen sey; van Marum läugnete dieß, nur gestand er es, habe die eine Scheibe schon beym Aufsetzen einen Riß am Mittelpuncte bekommen, der aber durch das übergelegte Lack bedeckt und erst neulich bemerkt worden sey. (Wie aber kam man auf diese Untersuchung und Entdeckung?) -- Der mich begleitende Amanuensis bestätigte dieß, so wie ihre Wirkungen. -- Die Arbeit ist sonst an der Maschine, so wie an den Conductoren ganz vorzüglich, meistentheils von Cuthbertson und inländischen Künstlern gearbeitet. -- Die Conductoren, gläsernen Röhren zu den Versuchen zur Zersetzung des Wassers durch den elektrischen Funken, Condensatoren, Elektrometer, alles war so wie es Marum beschrieben hat, und vollkommen schön gearbeitet. Die kleinere von ihm angegebene Maschine mit einer Scheibe und doppeltem Reibezeuge ist von ausgezeichneter Wirkung. So kostbar wie diese Maschine, war auch aller übrige Apparat; die Luftpumpen von Cuthbertson, und die neue nach van Marum, die das Quecksilber bis zu zwey Linien unterm Niveau bringen soll; das treffliche Gazometer, eine Segnersche, eine Vegasche Maschine, der ganze Apparat für die Hydraulik, Optik war vortrefflich, -- ein siebenfüßiger Herschel, ein schöner Dollond, ein Binoculare von ihm, Hohlspiegel, der neue Papinische Topf von van Marum, ein treffliches Declinatorium, alles dieß divertirte mich außerordentlich und zeigte von dem rechen Fond der Stiftung, so wie von der zweckmäßigen Anwendung desselben für die Wissenschaften. Und obgleich van Marum sich jetzt viel mit Botanik beschäftiget, so versäumt er dich nicht für die Naturlehre thätig zu seyn, wie seine beyden letzten Erfindungen, nähmlich die der Luftverbesserung in Schiffen und großen Zimmern durch Hülfe der zur Erleuchtung gebrauchten Lampen und Lichter, und andere, beweisen. -- Er stellte hierüber mehrere Versuche an; unter einem blechernen Köcher, der mit seiner einen Oeffnung aus einem Kasten hervorging, war eine Argandsche Lampe aufgehängt, und die durch die Flamme verdünnte Luft trieb in kurzer Zeit den Rauch aus dem Kasten mit bedeutender Geschwindigkeit hinaus. In der Folge bracht er eine solche Vorrichtung in dem Taylorschen Laboratorium an, hing drey Lampen unter den Köcher, und in Zeit von einer Viertelstunde war das ganze, mit dickem Rauch angefüllte, Laboratorium, das 37 Fuß lang, 15 Fuß breit und 21 Fuß hoch ist, gereinigt. -- Eine gewiß sehr nützliche Erfindung, welche man in Versammlungssälen, Schiffen, Spitälern u. s. w. mit vielem Nutzen anwenden könnte, da man zugleich die Erleuchtung der Lampen zur Reinigung der Luft anwenden kann. Man findet davon im allgem. Konst en Letter Bode. Nr. 156. 1801. eine Beschreibung, die auch besonders gedruckt ist: Berigt van ene nieuwe en gemakkelyke Wyze van Luchtzuivering in Vertrekken en Vergaderings-Saalen. Eine zweyte nützliche Erfindung ist eine sehr vortheilhafte Einrichtung kleiner Handspritzen, die auf eine ungewöhnliche Entfernung das Wasser in ziemlicher Menge schleudern, und die in Holland, vorzüglich in Delft sehr viel verfertigt werden, aber ohne Kupfer eine zu weitläuftige Beschreibung verlangten. -- Sein Papinischer Topf hat eine äußerst bequeme Einrichtung, die schon in den Annalen beschrieben ist.

Wenn man solche Dinge schon aus Beschreibungen kennt und sie nun in der Natur wieder sieht, so freuet man sich, als wenn man auf bekannte Freunde trifft. -- Eine in großen Schränken aufgestellte schöne Bibliothek umgibt die obern Wände der Gallerie im Saale. Hier fand ich die größten Sammlungen von physischen Zeitschriften aus allen Nationen, und viele, schöne und große Werke über Naturgeschichte und Naturlehre; und in den untern Schubladen, so wie im Tisch des Saales eine artige Mineraliensammlung.

Neben dem großen Saale ist ein Cabinett für die Geologie bestimmt. Eine wirklich vortreffliche Einrichtung; der Lehrer der Naturlehre findet sich gewöhnlich in Verlegenheit, wenn er zu diesen Abschnitt der Naturlehre kommt; er weiß nicht wie er seinen Zuhörern, denen er nun Producte der Natur beschreiben soll, aus deren Beschaffenheit er oft bedeutende Folgerungen ziehen muß, eine gute und deutliche Idee von Basalt, Laven, Petrefakten, vulkanischen Producten u. s. w. geben soll; Vorzeigung lehrt da oft mit einem Blicke den Ursprung, die Beschaffenheit und die Erzeugung besser kennen, als sie der Lehrer durch Beschreibung immer nur zu geben im Stande ist; daher ist eine solche Sammlung, neben einem physikalischen Cabinett gewiß sehr wünschenswerth. -- Ist das Cabinett überdieß so reich und schön, wie dieses, wo sich außer den schönsten Petrefakten, noch mehrere seltene Stücke von den im Petersberge bey Mastricht gefundenen Knochen, unter andern ein 3½ Fuß langer Kopfknochen, der einem Crocodil zugeeignet wird, ein anderer, wie es scheint ein Hüftknochen, von ungeheurer Größe, bey Paris gefunden, und mehrere solcher Seltenheiten befinden; so gewinnt dieß noch um so mehr an Interesse.

Noch befindet sich in diesem Gebäude das vorhin erwähnte Laboratorium, das geräumig und bequem eingerichtet ist, und oben auf demselben ein kleines Observatorium, oder vielmehr der Platz dazu, denn es sind keine Instrumente aufgerichtet, sie werden nur bey einzelnen Begebenheiten heraufgebracht und diesen dann mehr in physikalischer, als astronomischer Hinsicht.

In dem von van Marum bewohnten Hause, steht das Cabinett der Akademie der Wissenschaften zu Haarlem, das aber nur die Naturgeschichte betrifft. Es hat einen großen Reichthum in der Zoologie, besonders ein schöne Menge Affen, Vögel, auch andere große Stücke, eine reiche Sammlung von Amphibien, Conchylien, Meerproducten u. s. w., die sehr gut erhalten, in großen Glasschränken zur allgemeinen Betrachtung ausgestellt, und mit Lateinischen Französischen und Holländischen Nahmen versehen sind; so daß man ohne Führer in demselben mit Vergnügen und Nutzen umher wandeln kann.


Quellen.[]

  1. Dr. Johann Friedrich Droysen's Bemerkungen gesammelt auf einer Reise durch Holland und einen Theil Frankreichs im Sommer 1801. Göttingen bey Heinrich Dieterich. 1802.
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