Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Beschreibung der Vestung Mainz.[]

[1]

Die gewinnsüchtigen Bemühungen, unbesonnene Verleumdungen gegen mich, mittels allerhand gedruckter Erdichtungen, wenigstens zu einiger Wahrscheinlichkeit zu erheben, a) veranlassen mich endlich, durch eine Beschreibung der Festung Mainz und deren Besatzung Wahrheitsfreunden eine ächte Richtschnur zur Beurtheilung meines Betragens bei der Uebergabe in die Hände zu liefern. Ich sehe es ein, daß der Abdruck einer geometrischen Zeichnung für Kenner der sicherste Maasstab wäre; allein, da dessen öffentliche Mittheilung zu vielen Bedenklichkeiten unterworfen ist: b) so kann ich zur Darstellung mich nur der Sprache bedienen, die gleichwohl möglichst bestimmt seyn wird. Also zur Sache.

Mainz liegt am linken Ufer des Rheines, und bildet einen Halbzirkel, wovon der Fluß den Durchmesser macht, dessen Länge von der äussern Spitze der Bastion Nicolai bis zum Raimundi-Schlage 600 Ruthen beträgt. c) Auf dieser Linie hat die Stadt 8 Thore, nämlich das Bocksthor, Holzthor, Schmiedpförtchen, d) Fischthor, Eisernesthörchen, Rothe- Kanzlei- und Raimundithor. Ausser diesen sind noch besondere Ausgänge am Brückenmeisters Hause, am Zeuchhause, am Deutschenhause, und im Schlosse.

Die Stadtmauern an dieser Seite taugen wenig, weil theils darüber, theils daran Häuser gebauet, und viele Fenster darein gebrochen sind. e) -- Werke giebts am Rheine folgende: 1.) Nicolai- 2.) Capuciner-Bastion, 3.) Bocks-Batterie, 4.) das daran liegende Rondel, 5.) Holzthorrondel, 6.) Holzthorbatterie, 7.) gesenkte Flanque, 8.) Neuhäusel, 9.) Fischthor, 10.) Eisernthörchen- 11.) Rothethor-Batterie, 12.) Neuwerk, 13.) Schloßbatterie, 14.) Raimundibastion. Sie sind mit gemauerten Courtinen von 8 Schuh hoch zusammengehängt, die Batterien selbst ungefähr 10 Schuhe erhaben, und von Quadern gebauet, so daß über Bank muß geschossen werden. f) Vor ihnen liegt ein Werft, welches bei mittelm Wasser hier 10, da weniger Ruthen breit, und stets mit Holz und Kaufmannsgute belegt ist. g) Dann steht zwischen dem Rothen- und Kanzlei-Thore eine Schiffbrücke, die auf jener Seite, zu Kastel nemlich, eine Téte de pont hat, die aber übel beschaffen und so klein ist, daß sie zur Defension äusserst wenig dienen kann. h) -- Rechts von Kastel zwischen Kostheim liegt eine große, mit Vorwerken versehene Rheinschanze. i) -- Kostheim gegen über an der Maynspitze liegt die sogenannte Gustavsschanze. k) -- Ober und unter Mainz findet man auf Auen oder Inseln auch Werke; l) sie hatten aber gleich der Gustavs- und Rhein-Schanze nur noch schwache Merkmale ihrer ehemaligen Bestimmung, konnten mithin zur Vertheidigung nicht nützen. m)

Bastion St. Raymond u. Bastion St. Damian.

Der Umfang des Halbzirkels hat beiläufig 1300 Ruthen. Gegen die Landseite sind drey Thore, als Münster- Gau- und Neuthor. -- Vom Raimundi- bis zum Münsterthore sind folgende Bastions angebracht, als das schon genannte Raimundi, Damiani, Felicitas, Leopoldi, Pauli. Das Raimundibastion ist zum Theile, die übrige aber sich nicht revitirt. Zwischen jedem ist auf dem einspringenden Winkel ein halber Mond, ausgenommen zwischen Raimundi und Damiani, wo er zum Behufe der Winterung ausgehoben worden war. n)

Diese ganze Flanque ist mit einem, 10 Ruthen breiten Wassergraben versehen, auch sich die halben Monde mit 5 Ruthen breiten, mit dem Hauptgraben verbunden, Gräben eingefaßt. -- An den ausspringenden Winkeln von Felicitas und Pauli waren Batardeaus, um das Wasser in seiner Höhe zu erhalten. Unter an der Winterung (Eishafen) war eine Schleuse, um das Wasser aufzuhalten; sie lag indessen so frei am Rheine, daß sie von jener Seite her leicht zusammengeschossen, o) und dadurch der Graben schier ganz trocken gesetzt werden konnte. Das Wasser kam durch den Münsterthorgraben aus einem Bach, der ausser dem Kanonenschusse, leicht abzuschneiden ist; jedoch war auch etwas Quelle vorhanden, daß aber nicht hinreichte, die gehörige Wasserhöhe zu erhalten. p) -- Ferner war diese Seite der Festung nicht allein mit verschiedenen Contregardes und Lunettes, sondern auch mit verdeckten Wegen, und einer, 10 Ruthen breiten, Linie von Raimundi- bis zum Münster-Thore versehen, auf deren ausspringenden 9 Winkeln Batterien angebracht waren. -- Die Linie war 5 Schuhe hoch revetirt, und hatte einen, 5 Ruthen breiten Graben, mittelst einiger Batardeaus mit Wasser versehen. welches durch eine Schleuse am Raimundi-Schlage darin erhalten, und vom Dahlheimer Kloster der aus einem Mühlbache geleitet ward, welcher eben so leicht abgegraben werden konnte. q)

Münstertor m. Bastion St. Paul u. Bastion St. Georg

Vor dieser Linie liegt das sogenannte Gartenfeld, welches mit Gebäulichkeiten, Hecken, und Bäumen dergestalt besetzt war, daß zwischen den grünen Zäunen und dem Rande des Grabens nur ein Fußweg, (die Philosophen-Allee) übrig blieb; der Feind folglich die beste Gelegenheit hatte, ohne wahrgenommen zu werden, ganz nahe zu kommen. -- Wer hier fragen mögte, warum man denn das alles nicht weggeschafft habe, begnüge sich einsweilen mit der Antwort: daß es uns an Zeit und Arbeitern dazu gebrach; r) und daß diese Zernichtung theils dem Hofe, theils den Einwohnern der Stadt einen Schaden von einigen 100000 fl. zugefügt hätte. s) -- Der verdeckte Weg des Hauptwerkes war vom Raimundi bis zum Münsterthore verpallisadirt. -- Das letzte hatte, wie ich oben bereits beiläufig bemerkte, zu seiner Vertheidigung einen Hauptwassergraben von 20 Ruthen Breite, auch einen halben Mond auf dem ausspringenden Winkel vor sich liegen, der gleichfalls mit einem 10 Ruthen breiten Wassergraben umgeben ist. Beide waren mit aufziehenden Brücken versehen.

Von diesem bis zum Gauthor fanden sich folgende Bastionen: Georgii, Alexander, Bonifacii und Martini. Der Wassergraben vom Münsterthore läuft bis zu Spitze von Georgii. Hier fängt das Terrain an zu steigen, so daß Alexander die höchste Bastion des ganzen Platzes war, die nicht allein die Stadt, sondern auch die Aussenwerke dominirte. Die Gräben waren von hier an 10 Ruthen breit, aber trocken. t)

Gautor m. Bastion St. Martin u. Bastion St. Philippe.

Das Gauthor hat eine aufziehende Brücke, und gleich den eben benannten Bastionen, auf dem einspringenden Winkel einen halben Mond vor sich.

Zwischen dem Gau- und Neuthore liegt die Citadelle. Sie hat im Umfange 372 Ruthen ist ein Werk von 4 Bastionen, wovon 2 gegen das Feld und 2 gegen die Stadt gehen, und mit guten Casematten versehen. Zwischen dieser und dem Gauthore sind 2 Bastionen, als: Philippi und Johannis; beide haben auf den einspringenden Winkeln wieder halbe Monde. Zwischen der Citadelle und dem Neuthore liegen 2 detaschirte Polygons, Albani nämlich und Catharina. -- Alle diese Bastionen sind so, wie das Neuthor selbst, mit halben Monden versehen. -- An dieses Thor schließt die obgedachte Nicolaibastion, welche den Rhein, und einen Theil der Straße nach Weissenau bestreicht. Vom Rheine bis ans Thor geht ein Wassergraben von 19 Ruthen Breite. Auch ist vor'm Thore eine Zugbrücke. Der halbe Mond hat wieder einen Graben von 10 Ruthen, der aber wegen verfallenem Batardeau kein Wasser, sondern nur Schlamm hielt. u) -- Auch ist hier noch eine Zugbrücke.

Neutor m. Bastionen St. Nicolas, St. Catharina u. St. Alban.

Gesammte Werke vom Münsterthore an sind bis auf eine kleine Strecke vom Neuthore revetirt; die Brustwehre aber nebst den Brüstungsmauern waren durchaus theils zerfallen, theils sonst unbrauchbar, w) auch längst den Mauern im Graben hin und wieder noch Schutthaufen von alten Brechen, die eine Escalade erleichtert hätten. x) Die Stadtmauer vom Münster- bis zum Neuthore ist theils abgebrochen, theils sind Casernen daran gehängt, wodurch auch diese kein Vertheidigungsmittel mehr seyn kann. y) -- Jetzt sind die innern Werke beschrieben.

Die Vorwerke fangen eigentlich mit der Karlsschanze an; weil aber das, was links derselben liegt, bis zur ehemaligen Karthaus hin, damit in Verbindung steht: so darf ich auch dieß nicht unberührt lassen.

Zwischen der Karlsschanze also, und dem Rheine, 19 Ruthen von dem äußern Schlage des Mondes vorm Neuthore entfernt, liegt der Kurfürstliche Lustgarten, die Favorite. -- Er hat 90 Ruthen in der Länge, ein Schloß von 32 Ruthen, und von dannen bis zum Eingange in die Karthaus wieder einen Raum von 112 Ruthen. Dieß alles macht eine gerade Linie den Rhein hinauf, auf deren äusserstem Ende eine Chaussee über Weissenau nach Worms läuft.

Nächst dieser Chaussee ließ ich in das Karthäuser Thor eine kleine Batterie, oder Tambour für eine Kanone errichten, welche die Straße bis nach Weissenau bestreichen konnte. z) 142 Ruthen von da rechts rückwärts war die Karlsschanze. Dieser Zwischenraum bildete eine Englische Anlage von allerhand Gehölz, womit sogar nicht allein das Glacis, sondern auch der Graben bepflanzt war aa) Dieß wurde insgesammt niedergehauen, um einen Verhau vorzustellen. Da es aber nur Strauchwerk war, und nach einem paar Tage, nachdem nämlich das Laub getrocknet, zu keinem Aufenthalte gegen den Feind diesen konnte: ab) so hatte dieser Verhau weiter keinen Nutzen, als die freiere Beobachtung des Feindes von der Karlsschanze her.

Zwischen dieser Schanze und der Karthaus liegt das sogenannte 5 Wunden Capellchen, wo die zweite Chaussee nach Weissenau vorüberzieht. Hier ward eine Fleche angelegt, um die Flanque der am Carthäuser Thore postirten Mannschaft zu decken +)

Karlsschanze.

Die äusserste Linie der Vorwerke beträgt von der Karlsschanze bis zum Hauptsteine und dessen Enveloppe einschließlich 1800 Ruthen. Dieser Umfang schließt ein 7 Schanzen, als: Karlsschanze, das Welsche Schänzchen, Elisabeth- Philippi-Tenaillenwerk, Linsenberg und Hauptstein.

Die Karlsschanze liegt, wie gedacht, rechts neben der Favorite, ungefehr 120 Ruthen vom Neuthore entfernt, ist ein sehr gutes, mit Casematten und Minengängen, auch mit einer unterirdischen Retraite bis in den Hauptgraben des Platzes versehenes, Vorwerk, dessen Hauptgraben und Glacis aber, wie bemerkt, durch die Englischen Anlagen und Weinberge ausser den gehörigen Vertheidigungsstand gesetzt waren. ac) -- Es ist mit dem Welschen Schänzchen so wie mit allen Vorwerken insgesammt bis hinter den Hauptstein, durch einen trockenen, 2 Ruthen breiten verpallisadirten Graben und Brustwehre verbunden, zwischen welchen indessen die obere Chaussee nach Weissenau durchführt. ad)

Das Welsche Schänzchen selbst ist nichts mehr, als eine Tenaille zwischen der Karlschanze und Elisabeth. ae)

Elisabeth kann in Ansehung des Vertheidigungsstandes mit Karoli, selbst seiner ursprünglichen Anlage nach, nicht verglichen werden, af) und zudem war sie durch allerhand Kammeral Gärten, und Baumanlagen noch ungleich mehr beschädigt. ag)

Linsenberg m. Fort St. Joseph

Auf Elisabeth folgt Philippi; zwischen diesen aber läuft die Chaussee auf Mariäborn. ah) Philippi war mit Graben und Glacis, auch Casematten und Minengängen gut versehen, hatte auch ein Blockhaus im ausspringenden Winkel, und zur Deckung einer Retirade, wozu bei diesem Werke kein unterirdischer Gang in den Hauptplatz vorhanden war, doch ein Blockhaus und Brustwehre, mit deren Verpallisadirung man zwar angefangen hatte, aber wegen Mangel an Arbeitern nicht zu Ende gekommen war. ai) Rechts an diesem Werke läuft ein Feldweg auf Zahlbach.

Die Verbindung dieses Werkes mit dem Linsenberg wurde durch eine doppelte Tenaille gedeckt, welche aber wieder wegen allerhand Kammeral-Pflanzungen in sehr übelem Stande war. ak)

Hauptstein m. Fort St. Francois.

Der Linsenberg selbst ist ein sehr gutes Werk, hat Casematten, und Minengänge, zur Deckung der Retirade wieder ein Blockhaus, deren Wege aber wegen Mangel an Arbeitern nicht verpallisadirt werden konnten; al) und nebst dem eine große Flesche vor seiner Spitze liegen, um das Auräusthal zu bestreichen, durch welches die äusserste Linie bis auf den Hauptstein läuft, welche aber durch die Chaussee auf Bingen durchschnitten wird. am)

Der Hauptstein ist das wesentlichste Vorwerk, liegt hoch, dominirt die Stadt, das Gartenfeld und die Raimundilinie an), hat eine große Flesche rechts, eine kleinere vor seiner Spizze, gute Minengänge und kleinere Nebenwerke, auch Casematten; läßt sich also gut vertheidigen, wenn es für sich allein mit 1200 Feuergewehren besetzt ist. ao)

Durch Verpallisadirungen war es mit der Raimundilinie verbunden; und hatte zwischen sich und dem Münsterthore noch ein Ravelin zur Deckung der unterirdischen Retirade.

Gesammte Werke waren besetzt, wie man es am nothwendigsten glaubte, mit 184 theils eisernen, theils metallenen Kanonen, und 9 Haubitzen. ap)


Beschreibung der Festung Mainz.[]

[2]
Mainz liegt auf dem linken Rheinufer in einer sehr einladenden Gegend in einem Halbcirkel, dessen Durchmesser der Rhein selbst 2500 Schritt beträgt. Auf dieser Seite gegen den Rhein sind 8 Thore, das Bocksthor, Roththor, Holzthor, Schmiedepförtchen, Fischerthor, Eisenthor, Kanzlei- und Raimundthor. Längst dem Rheinufer sind folgende 14 Werke; Nikolaibastion, Kapuzinerbastion, Bockbatterie, das daran liegende Rondel, das Holzthorrondel, die Holzthorbatterie, die gesenkte Flanke, die Neuhäuselbatterie, das Fischerbastion, das Eiserthorbollwerk, die Roththorbatterie, das Neuewerk, die Schlossbatterie und das Raimundsbastion. Diese verschiedenen Werke sind mit 8 Fuss hohen und gemauerten Kourtinen zusammengehängt, die Batterien sind 10 Fuss hoch und von Quadersteinen erbauet. Es wird über Bank gefeuert. Die Schiffbrücke die Mainz mit dem rechten Rheinufer, besonders mit dem Flecken Cassel verbindet, ist zwischen dem rothen und Kanzleithor. Gegen die Landseite hat Mainz 3 Thore. Das Münsterthor, Gauthor und Neuthor. Von Raimund bis zum Münsterthor befinden sich folgende Bastions: das Raimundsbastion, das Damianbastion, das Felicitasbastion, das Leopoldbastion und Paulbastion. Das Raimundbastion ist zum Theil, die übrigen aber sind gar nicht revetirt. Zwischen 2 Bollwerken liegt ein halber Mond, ausser zwischen Raimund und Damian, wo ein Hafen angelegt, in welchem in Winter die Rheinschiffe eingelegt werden. Alle diese genannten Bastionen van Raimond bis zum Münsterthor haben einen 10 Ruthen breiten Wassergraben, der um die halben Monde gehende Graben hat 5 Ruthen Breite. An den ausspriugsnden Winkeln der Bollwerke Felicitas und Paul befinden sich Batardeaux um das Wasser in seiner Höhe zu erhalten. An den Eishafen ist eine Schleuse angebracht, um das Wasser abzuhalten. Die Schleuse liegt aber ganz frei und kann leicht durch feuern von rechten Rheinufer verdorben werden, wodurch der Graben das Wasser verlieren kann. Der von Hechtsheim kommende Wildbach vereinigt sich bei Zahlbach mit dem Bretzenheimer Wasser und beide geben den Festungswerken Wasser. Diese Seite der Festung hat auch noch Contregarden, Lünetten, einen bedeckten Weg und eine enveloppe, auf deren ausspringenden Winkeln sich Batterien befinden. Die enveloppe ist 5 Fuss hoch revetirt, und hat einen 5 Ruthen breiten Graben, der auch sein Wasser aus dem Zahlbach erhält. Vor diesem Theil der Festung liegt auch das sogenannte Gartenfeld, welches, ehe die Franzosen Mainz hatten, ganz mit Gartenhäusern, Mauern, Hecken und Bäume überhäuft war. Vor dem Münsterthor ist ein 20 Ruthen breiter Wassergraben und ein halber Mond mit einem dergleichen 5 Ruthen breiten. Ueber beide Graben sind Zugbrücken. Von Münster bis zum Gauthor liegen folgende 4 Bastions: Georgbastion, Alexanderbastion, Bonifaz und Martinbastion. Der Wassergraben von Münsterthor läuft bis zur Spitze von Georgbastion. Hier fängt das Terrain zu steigen an, so dass das Alexanderbastion das Höchste der ganzen Festung ist, und Stadt und Festung beherrscht.

Die Graben sind von hier an 10 Rutbhen breit, aber trocken.

Vor dem Gauthor ist ein halber Mond und eine Zugbrücke. Vom Gathor bis zum Neuthor liegen: Bastion Philipp, Iohannes, die Citadelle, Bastion Alban und Katharina. Alle diese Bastions und das Neuethor haben halbe Monde. Die Citadelle hat 4 Bollwerke, wovon 2 gegen das Feld und 2 gegen die Stadt gekehrt und alle mit guten Kasematten versehen sind. An das Neuthor, das eine Zugbrücke hat, stösst das Nikolaibastion, welche den Rhein und einen Theil der Strasse nach Weissenau bestreicht. Vom Rhein bis zum Thor geht ein 19 Ruthen breiter Wassergraben. Der halbe Mond hat wieder einen mit einem Batardeau versehenen Wassergraben von 10 Ruthen. Die Werke vom Münsterthore bis auf eine kleine Strecke vom Neuthor sind alle revetirt.

Die ganze Stadtmauer ist keiner Vertheidigung fähig.

Die äusserste Linie der Aussenwerke von der Karlsschanze bis zum Hauptstein und dessen enveloppe beträgt 3000 Schritt. In dieser Linie liegen die Karlsschanze, Welscheschanze, Elisabeth und Philippsschanze, das Tenaillenwerk, der Linsenberg und der Hauptstein.

Die Karlsschunze liegt ungefähr 120 Ruthen (600 Schritt) vom Neuthor entfernt, und ist ein sehr gutes mit Kasematten und Minengängen versehenes Werk, in welchem sich eine unterirrdische Retraite befindet, die bis in den Hauptgraben geht. Im Jahre 1792 war der Graben und das Glacis dieses Forts ausser allem Vertheidigungszustande.

Die Welscheschanze ist eine Tenaille zwischen der Karls- und Elisabethschanze.

Die Elisabethschanze ist bei weitem nicht das, was die Karlsschanze, doch befindet sich aber in ihrer Gorge ein Werk, welches sehr vortheilhaft angelegt ist, und von grossen Nutzen sein kann, wenn ein Feind zwischen der Welschen- und der Elisabethschanze oder zwischen der Elisabeth- und der Philippschanze durchgedrungen sein sollte.

Die Philippschanze hat ein gutes Glacis, guten Graben, Kasematten, Minengänge, ein Blockhaus im einspringenden Winkel zum Rückzuge.

Zwischen der Elisabeth- und Philippschanze läuft die Chaussée nach Marienborn, und rechts der letztern Schanze auch noch ein Feldweg nach Zahlbach. Zwischen der Philippschanze und dem Linsenberg liegt eine doppelte Tenaille.

Der Linsenberg ist ein gutes Werk, hat Kasematten, Minengänge und zur Deckung des Rückzuges ein Blockhaus. Vor dem auspringenden Winkel dieses Werks liegt eine grosse Flesche, um das Auräus-Thal, durch welches die Verbindung mit dem Hauptstein läuft, zu bestreichen.

Auf dem Hartenberge liegt das wichtigste Aussenwerk der Festung, der Hauptstein. Er beherrscht Stadt und Gartenfeld.

Er hat Kasemattten und Minengänge, und ist einer hartnäckigen Vertheidigung fähig, wenn er ausser dem gehörigen Geschütze mit 1200 Mann besetzt ist. Vom Hauptstein führt auch ein unterirrdischer Gang nach dem Münsterthore. Die Gemeinschaft zwischen diesem Werke und der Festung ist also sehr gesichert.

Mainz hat demnach eine doppelte Reihe von Werken. Die Bastions der Festung selbst und dann die Aussenwerke.

Zwischen dem Glacis der Festung und den Aussenwerken ist ein grosser freier Platz befindlich, der dazu dienen könnte, ein Corps hinter den Aussenwerken kampiren zu lassen. Auch der Theil der Festung selbst vom Neuthor mit der Citadelle bis zum Gauthor, und von da bis zum Münsterthor hat ebenfalls eine unterirrdische Befestigung, und mithin folgt, dass Mainz in jeder Betracht zu eine der stärksten Festungen des damaligen Kriegstheaters gehörte.

Vor dem französischen Kriege waren in Mainz 26000 bis 28000 Einwohner.

Die Strassen sind grösstentheils sehr enge. In der Stadt befinden sich ausser dem Zeughause und Kasernen noch eine Menge von öffentlichen Gebäuden, Kirchen und Klöstern, die zur Zeit einer Belagerung sehr gut benutzt werden können.

Vor dem französischen Kriege war der auf dem rechten Rheinufer liegende, und in genauer Verbindung mit Mainz stehende Flecken Kassel, ausser einem Tête de pont, das vor der Rheinbrücke lag, gar nicht befestigt.

Da Mainz auf der Operationslinie zwischen dem östreichschen Erbstaaten und den damaligen östreichschen Niederlanden lag, so war es allerdings für die Franzosen sehr wichtig, festen Fuss auf dem rechten Rheinufer zu fassen. Zu dieser Absicht wandten die französischen Generale in Mainz alles mögliche an, den Winter über Kassel in einen respectablen Vertheidigungszustand zu setzen. Zum Fundament der neuen Festung wurden die Quadersteine der Favorite, eines churfürstlichen Lustschlosses *) gebraucht. Die neue Festung bestand aus 3 ganzen und 2 halben Bastionen, und 4 Ravelinen. Allein wie die alliirte Armee Mainz einschloss, war diese neue Festung noch nich ganz fertig.

*) Wo die Favorite stand, war vor Zeiten ein Karthäuserkloster.

Auch die Marsschanze und die Ingelheimer und Petersaue verschanzten die Franzosen den Winter hindurch. Die letztere war vorzüglich für die Besatzung wichtig, denn kamen die Alliirten in Besitz derselben, so war Kassel in Rücken genommen, die Gemeinschaft zwischen diesem Ort und Mainz war verlohren und der grösste Theil des Mahlwerks zerstört, weil die Wassermühlen alle in Grund geschossen werden konnten.

Die Flecken Kostheim und Weissenau, das Dorf Zahlbach und das nahe vor den Werken der Festung liegende Kloster Dahlheim waren besetzt und verschanzt.

Die französische Besatzung von Mainz und Kassel bestand in 26000 Mann. Der Brigade-General d'Oyré war Kommandant daselbst, und unter ihm befahlen die Generale Dubayet und Meusnier. Die Festung war mit Allen hinlänglich versehen, ausser dass an Wurfgeschütz und Medicin Mangel war, und dass das Mehl in den Schiffmühlen und die Menge von Handmühlen so zu sagen von Hand zu Munde gieng.


Von Reisenden.[]

Johann Nikolaus Becker.

[1792]

[3]
Wenn man durch die hiesigen Festungswerke wandert, so muß man über ihre Weitläuftigkeit und den ungeheuren Plan derselben erstaunen. Wichtiger wüßte ich keine Schanze am ganzen Rheinstrom, als die hiesige. Doch wird jeder, der nur einen dunkeln Begriff von der Kriegstaktik hat, leicht einsehen, wie schwer die Unterhaltung derselben ist. Dazu spreche ich dem Mainzer Hofe alles Vermögen ab. Freilich wäre der oberrheinische Kreis verbunden, dem Hofe einen Zuschuß deswegen zu machen, wie er auch schon vorhin gethan hat, allein er lernt nun auch einsehen, daß die ehemaligen Feinde mit Deutschland in brüderlicher Freundschaft leben, und von den Franzosen auch nicht so leicht ein Ueberfall zu befürchten ist. Dieß giebt man zur Ursache an, warum man ihren Bau nicht gehörig unterhalten will, oder doch keine so große Aufmerksamkeit mehr darauf richtet. Es ist nun jedem erlaubt, frei und ungehindert darinnen zu spatzieren, und der schönen Aussicht, welche der südöstliche Theil derselben darbietet, zu geniessen. Man hat da die ganze Gegend wie in einem kleinen Gemälde vor sich liegen, besonders thut die Uebersicht der ganzen Stadt eine unvergleichliche gute Wirkung. Die Wohnung des Kommendanten liegt nicht minder schön. Sie begreift nach dem Pallaste die schönste Aussicht unter allen Häusern der Stadt. -- Schreiben oder Zeichnen darf keiner ohne Gefahr von der Wache ergriffen und fortgeschleppt zu werden. Dieß geschah noch im vorigen Jahre dem Sohne eines grossen Malers, der auf der andern Seite in der Gegend von Kostheim die Natur kopiren wollte. Man hatte damals vor einem Ueberfall von Seiten der Demokraten eine panische Furcht, die überflüssig gewesen wäre, wenn man wie in der benachbarten Pfalz die Aristokraten verbannt und verjaget hätte. Der Hof scheint aber hierüber ganz anders zu denken, denn er nimmt nicht nur die Emigranten mit Freuden auf, sondern sucht ihnen auch noch durch gute Bewirthung ihr Schicksal erträglich zu machen. Glaubst du's wohl, mein Lieber! daß man bei der letzten Anwesenheit des Grafen von Artois 2400 Fl. in einem Tage verschwendet hat? Ueberhaupt hatte die Aufnahme dieses Mannes viel Sonderbares; der Hof schmeichelte und der Bürger fluchte ihm.

Wer sieht nicht, daß die Festungswerke bei ihrer großen Weitläuftigkeit viele tausend Mann zur Vertheidigung fordern? Das Land ist diese zu unterhalten viel zu schwach; sie müßten also bei einem allenfalsigen Ueberfall von dem Reiche ersetzt werden. Der Ort Kastel gegen Mainz über könnte dem Feinde zu einer herrlichen Schanze dienen, um von dort aus die Stadt zu beschiessen. Dieses müßte daher meines Erachtens ohne Gnade geschleift werden, um sich in dem Besitz der Stadt zu halten. Ich sprach vor einigen Tagen mit einem verdienstvollen Offizier, der mit mir einerlei Meinung war, und mir überhaupt viele Aufschlüsse über die hiesige Festung gab. Er hatte auch die Güte, mich in das Zeughaus zu führen, das viele sehenswürdige Alterthümer enthält.


Quellen.[]

  1. Des Freiherrn von Gymnich Kurfürstl. Mainzischen Militair-Gouverneurs Beschreibung der Vestung Mainz und der Umstände unter welchen sie im Oktober 1792. den Franzosen übergeben ward, mit einer Vorrede, Anmerkungen und Betrachtungen begleitet. 1793.
  2. Geschichte der vier ersten Feldzüge des französischen Revolutions-Krieges; von einem deutschen Offizier. Deutschland 1807.
  3. Ueber Mainz. In Briefen an Freund R. Auf einer Rheininsel. 1792.
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