Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Servien.[]

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Servien, Serwien, Provinz in Europa, welche gegen Osten an Bulgarien, gegen Norden an die Donau und die Sau, durch welche sie von Ungarn abgesondert wird, gegen Westen an Bosnien, und gegen Süden an Albanien und Macedonien gränzt. Es wird dieselbe in 4 Sandschakate oder Gouvernements eingetheilt, welche sind, das von Belgrad, Semendria, Nowibasar und Kratow. Das Land ist größtentheils sehr fruchtbar an Getreid und hat beträchtliche Viehzucht. Die Einwohnern bestehen theils aus Serviern, theils aus Raitzen. Die Türken haben sich 1365 zuerst dieses Land unterwürfig gemacht; und ob sich schon 1718 die 2 erstern Sandschakate dem Kaiser Carl VI. im Frieden zu Passarowitz abtreten mußten, so erhielten sie dieselbigen doch im belgrader Frieden 1739 wieder zurück. Nur die Festungen (vorzüglich Belgrad) und die meisten Städte enthielten zum Theil türkische Einwohner, das flache Land ist durchgehends von den Serviern besetzt, welche zu dem slavischen Stamme gehören und sich zur griechischen Religion bekennen. Ihre Anzahl ist nicht genau bekannt, man darf sie wenigstens auf eine Million schätzen. Von den türkischen Besatzungen wurden sie gewöhnlich sehr gedrückt. Im J. 1801 wehrte sich aber ein Einwohner des Dorfs Ramenika, Georg Petrowitsch, mit dem Zunamen Czerni oder der Schwarze, gegen die Janitscharen aus Belgrad, zog immer mehr geflüchtete Leute an sich, und brachte endlich die ganze Nation der Servier zum Aufstande gegen die Türken. Vergeblich schickten diese seit 1805 mehrere Armeen gegen sie; sie wurden öfters geschlagen, und Czerni George an der Spitze eines Synods, der sich zu Belgrad versammelt, dringt unter russischem Beystande auf die anerkannte Unabhängigkeit der Servier.


Von Reisenden.[]

Bantisch Kamensky.[]

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Über Servien und Czerni Georg.

Servien hat durch seine, mit so gewaltiger Anstrengung fortgesetzte, nunmehr aber beendigte Insurrection gegen die osmannische Pforte, mehrere Jahre hindurch die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Es wird daher unsern Lesern nicht unwillkommen seyn, hier einige Nachrichten über diese Provinz und auch über den Mann zu finden, der diese Insurrection herbeygeführt, und als das vornehmste Parteyhaupt geleitet hat. Wir verdanken diese Notitzen dem kaiserl. russischen Herrn Collegienassessor Bantisch Kamensky, der im Jahre 1808 beauftragt war, der servischen Geistlichkeit das geweihte Öhl zu überbringen, welches dieselbe von dem russischen Clerus verlangt hatte.

"Am 31. May 1808 passirten wir glücklich die Donau, welche die Wallachey von Servien trennt. Wer nur einiger Massen furchtsam wäre, den müßte die Art, wie die servischen Fischer uber diesen eben so breiten als reissenden Strom fahren, in nicht geringen Schrecken setzen. Zwey sehr lange und schmahle Fahrzeuge sind an beyden Enden durch zwey starke, quer über gelegte Breter mit einander verbunden. Zwischen diesen Planken wird ein leerer Raum gelassen, damit die Wellen freyes Spiel behalten. Die Pferde stellt man so, daß ihre Vorderfüße sich in dem einen, die Hinterfüße aber in dem anderen Schiffe befinden. Bey der geringsten Bewegung dringt das Wasser ein, und an Bänken zum Sitzen fehlt es gänzlich. So wie wir die Donau passirt hatten, stiegen wir wieder zu Pferde, und sahen uns bald in den dichten Wald versetzt, der sich zwischen Negotin und Palange über 40 Wersten weit ausbreitet."

NB Bern

"Der türkischen Marodeurs wegen war die Straße unsicher, daher wir uns von drey mit Pistolen, Flinten und Säbeln bewaffneten Panduren oder Soldaten von dem, in der Wallachey stationirten servischen Corps begleiten ließen. Wir brauchten acht volle Stunden, um dieses gefährliche Baumlabyrinth zu durchreisen, und noch hatten wir kaum drey Viertheile des Irrganges zurückgelegt, als uns die Nacht überraschte, deren tiefen Dunkel einzig die Blitze eines fernen Ungewitters auf Augenblicke erhellten, indeß Regen und Hagel mit Ungestüm auf unsere Köpfe herab fiel.

Da der Weg hin und wieder durch steil sich senkende Schluchten hindurch zog, wo keine Spur eines Pfades mehr vorhanden war; so sahen wir uns genöthigt, uns dem Tacte unserer, Schritt für Schritt nach dem Wege tappenden Pferde zu überlassen. Erst gegen zwölf Uhr gelangten wir an den Ausgang des Waldes, und machten an dem Ufer der Donau Halt, um den übrigen Theil der Nacht in einer Erdhütte zuzubringen, die ein servischer Posten von etwa 50 Mann besetzt hielt. Mit der größten Gastfreundlichkeit überließ uns der Befehlshaber oder Bouloukbascha dieser Truppen seine armselige Lagerstätte. Schon hatten wir uns, so gut es die Umstände gestatten wollten, zur Ruhe gelegt, und eben begann der langersehnte Schlummer unsere müden Augenglieder zu beschleichen, als sich der Regen neuerdings in verdoppelten Strömen, und mit so furchtbarem Andrange herabgoß, daß das Strohdach unseres Schlosses keinen Schutz mehr gewährte. Der widrige Zufall gereichte jedoch in einer anderen Beziehung zu unserer Besten, denn er rettete uns von einem, durch einen unserer Panduren unternommenen Diebstahle. Mit frecher Räuberhand war dieser bereits in unsere Hütte eingedrungen, und hatte einen meiner Reisegefährten, einen jungen Griechen, mit dem Dolche bedroht. Glücklicher Weise weckt der, durch das zerrissene Dach eindringende Regen uns allerseits aus dem Schlummer auf, so daß wir mit vereintem Geschrey den Bouloukbascha zu Hülfe rufen konnten. Diesem kostete es zwar große Mühe, sich von seinem tiefen Schlafe aufzuraffen, immerhin aber zog der Dieb, erschrocken über den Lärm, sich zurück, und wurde Tags darauf mit der verdienten Strafe belegt. -- Mit der Morgenröthe brach unsere kleine Gesellschaft wieder auf, und setzte, da das die Donau hier einfassende Hügel- und Bergland keine andere Art zu reisen gestattet, ihrem Marsch zu Pferde fort. Um zehn Uhr erreichten wir glücklich die Feldstation des berüchtigten Milenko Stoikowitsch, welcher die Insel Poritsch, einem Marktflecken gleichen Nahmens gegenüber, und unweit von dem Wassersturze von Tachtali besetzt hält, und nach dem Czerni Georg einer der bedeutendsten Parteygänger in Servien ist. Jetzt verließen wir unsere Sättel, und wurden in einem Kahne nach der Insel übergesetzt. Die Residenz Milenko's, an den wir Briefe von dem General Isairew abzugeben hatten, ist ein ganz einfaches, zwey Stockwerk hohes, mit einem starken Zaune von in einander geschlungenen Bachweiden eingefaßtes Haus, um das ringsum Kanonenkugeln in Form von Pyramiden aufgeschichtet sind."

"Schon aus der Ferne tönte uns eine sehr lärmende Kriegsmusik in die Ohren. In dem Hause trafen wir auf eine Gruppe Panduren, die zwar in keiner Ordnung standen, aber ihre vollständige Uniform angethan hatten. Mitten unter ihnen befanden sich etwa sechs Weiber, die äußerst seltsam, und buntscheckig gekleidet, und mit einer Menge türkischer Goldstücke geschmückt waren. Sie hielten sich alle bey den Händen, führten, ohne von der Stelle zu weichen, mit den Füssen eine zitternde Bewegung aus, und schlugen die Sporen, womit ihre Stiefeln versehen waren, im Tacte zusammen. Ein ebenfalls sehr seltsam gekleideter Tänzer in Stiefeln und Sporen hielt mit der einen Hand eine Tänzerinn, während daß er mit der andern ein bloßes Schwert in der Luft schwenkte. Vor dieser Gruppe stand ein Pandur, der mit Allem, was seine Lungen vermochten, in einen Dudelsack blies. Was die Absicht dieses halb ländlichen und halb militärischen Festes, und die Veranlassung dazu seyn mochte, konnten wir nicht inne werden."

"Bald traten wir in Milenko's Haus ein. Er saß auf einem Balken über Teppichen, mit auf türkische Manier über einander geschlagenen Beinen. Seine Gesellschaft bestand aus drey servischen Befehlshabern, zwey griechischen Mönchen, und noch einem Griechen in europäischer Kleidung, welcher den Dolmetscher, und zugleich den Secretär machte. Alle waren mit Tabakspfeifen versehen, und sahen aufmerksam dem Tanzspiele zu. Wir waren nicht sobald eingetreten, als auf ein von Milenko mit der Hand gegebenes Zeichen der Tanz aufhörte. Nun erhielt der Dolmetscher den Auftrag, unsere Depeschen zu lesen; während dessen wurden für mich und meine Reisegefährten Stühle herbeygeschafft. Bald darauf setzte einer der Panduren einen großen, zwey Fuß hohen Trog vor uns hin, und ein anderer überstellte denselben mit fünf Tellern mit klein gehacktem Rindfleisch, Zwiebeln, süßen Kirschen, und weissem und schwarzen Brote. Das eigentlich gute Brot scheint in der Moldau und Wallachey so viel als unbekannt zu seyn; wenigstens haben wir auf unserer Reise nie dergleichen erhalten können. Nicht weniger selten ist es in Servien, wo eine Art von Gepäcke aus grob gemahlenem Weitzen, Mamalyga genannt, dasselbe ersetzen muß. Gern würden wir auf der Stelle unsern Hunger gestillt haben; vorerst aber mußten wir in einem großen Spühlkessel von weissem Blech unsere Hände waschen, und sie dann an einer Serviette abtrocknen. Von Anfang bis zu Ende unserer bescheidenen Mahlzeit bediente man uns mit rothem, vortrefflichen Landwein. Überhaupt sind die servischen Weine berühmt, und übertreffen auch die besten aus der Wallachey. Nach Tische mußten wir uns neuerdings waschen. Ehe wir noch von der Tafel aufgestanden waren, sahen wir Milenko's Gemahlinn, in Begleitung von zehn anderen Frauen, durch den Saal gehen. Ungeachtet sie bereits die dreyßig passirt haben mochte; so zog sie doch durch ihren hohen und herrlichen Wuchs, ihre Locken von glänzendem Schwarz, die das Dunkelbraun ihres Teints noch erhöhten, unser Aller Aufmerksamkeit auf sich. Milenko selbst ist 35 Jahre alt, von großer und männlicher Statur, und alle seine Züge deuten auf Muth, Einsichten, und Verschmitztheit. Als seine Frau durch den Saal passirte, ermangelten wir nicht, ihr durch Aufstehen unsere Ehrerbiethung zu beweisen, worauf uns Milenko ihr vorstellen wollte; allein sie war so eilfertig, daß wir nicht einmahl ihre Kleidung recht in Augenschein nehmen konnte; so viel ließ sich jedoch wahrnehmen, daß sie und ihre Gesellschaftsdamen türkische Pantalons, und silberne Gürtel trugen, und über und über mit Schnüren und Kränzen von Ducaten und Piastern behangen waren; zumahl an dem Anzuge der Frau von Hause fanden sich diese seltsamen Zierathen eigentlich verschwendet."

Nachdem wir die ungezwungenen Gefühle unserer Dankbarkeit gegen unseren freundlichen Gastwirth zu Tage gelegt, begaben wir uns nach den Schiffen, die schon zur Abreise bereit standen. Zwey Chefs der Servier und der Dolmetscher begleiteten uns dahin. Während der Überfahrt erzählten uns die Schiffleute, Milenko habe während unserem Mittagessen jedem von ihnen zehn Stockprügel zuzählen lassen, weil sie, seiner Ordre entgegen, erst nach uns an dem Ufer eingetroffen wären. So erstreckt sich die Wachsamkeit dieses servischen Generals selbst auf die geringfügigsten Kleinigkeiten.

Die Insel Poritsch ist nicht groß, und hat lauter hölzerne Häuser; um Milenko's Wohnung her sind viele Artilleriestücke aufgepflanzt. Unser Fahrzeug war von gleicher Gattung, wie das oben beschriebene. Wir hatten gegen einen sehr reissenden Strom zu kämpfen, und zwey Mann, die zu Fuße nach dem Lande gingen, mußten immerfort den Rudernden helfen, und vermittelst eines Seiles das Schiff anhohlen Hier zieht sich der Fluß in Schlangenwindungen beynahe alle Augenblicke nach einer anderen Richtung. Mehr als ein Mahl drängt er sich zwischen ungeheuer hohen Mauern, von fast senkrecht abgeschnittenen Felsen, über welche krystallhelle Ströme in eilfertigen Fluthen herabstürzen, in ein so enges Bett zusammen, daß er dem Augen des Reisenden kaum mehr sichtbar bleibt. Diese wild romantischen Lagen stimmen das Gemüth zu düsterer Melancholie. Hoch hinauf über Wälder und zwischen verwitterten Felsenmassen thronen Ruinen alter servischer Burgen, und trotzen der Alles zerstörenden Zeit, die längst kein Recht mehr auf sie zu haben scheint. Die Hügelreihen des Bannats contrastiren sehr mit Serbiens hohen Gebirgen. Beyde Donauufer sind in diesen Gegenden von Distanz zu Distanz mit Militärposten besetzt. Auf der österreichischen Seite bestand die Gränzwache aus Bauern mit grünen Jacken, die mit Flinten und Patrontaschen versehen waren.

Wir brachten die Nacht auf dem Wasser zu; es blies ein heftiger Wind, und der Regen goß in Strömen herab, das Schiff füllte sich mit Wasser, welches man immer herauspumpte, und das jedes Mahl wieder anwuchs. Kaum begann das erste Tageslicht die Gipfel der Berge zu erleuchten, so lichteten wir die Anker, um unsere Reise den Fluß hinab fortzusetzen. -- Durch erquickende Sonnenstrahlen war unser gesunkener Muth bald wieder belebt worden; das Wetter klärte sich ganz auf, und unsere ausgebreiteten Kleider fingen eben zu trocknen, an, als wir mit einem Mahle in eine fürchterliche Gefahr geriethen, die, wenn nicht das glücklichste Ungefähr dazu gekommen wäre, nothwendig unserer Fahrt sowohl, als unserem Daseyn ein plötzliches Ende hätte machen müssen. Unversehens stürzte nähmlich ein ungeheueres Felsenstück hoch von einem Berge herab in das Bett des Flusses Ein fürchterliches Getöse verkündete seine Ankunft. Weder Bäume noch Häuser, noch irgend etwas vermochte seinem Andrange zu widerstehen, und es schien den Fluß eigentlich verschütten zu wollen. Umsonst würden unsere Schiffer es versucht haben, durch eine schnelle Flucht dem ihnen drohenden Ungewitter zu entfliehen; dazu war die Zeit zu kurz. Zugleich mit ihnen mußten wir, den Blick auf die furchtbare Lawine geheftet, unser Schicksal abwarten. Doch die Hand der Vorsehung rettete uns. Die Masse traf im Herabstürzen seitwärts auf ein ebenes Stück Landes, wo sie zersplitterte, so daß außer einer beträchtlichen Menge Geschiebes eigentlich nichts in den Strom fiel. Unsere Bootsleute versicherten uns, es haben ähnliche Ereignisse schon manchen Schiffern und Reisenden auf der Donau das Leben gekostet.

Unsere Überfahrt von Poritsch nach Belgrad wurde zum Theil zu Wasser, und mehrere Stationen theils zu Pferde, theils in Wagen gemacht. Die beyden letztern Arten zu reisen, sind hier zu Land sehr unangenehm; zumahl war der Postwagen eigentlich unerträglich. Er führte fünf Mann nebst ihrem Gepäcke, auch rückten wir 50 Werste weit sehr langsam vor. Es hätten sich zwar Sattelpferde finden lassen, allein wegen allzu großer Müdigkeit konnten wir uns derselben nicht bedienen. Was wir hingegen nicht genug rühmen können, das ist die Gefälligkeit und Gastfreundlichkeit der Bouloukbaschas's, welche bey jeder Poststation uns guten Wein, Zwiebeln, eingemachte Kirschen, gehacktes Fleisch und weichgesottene Eyer reichen ließen. In der Stadt Semendria, 40 Meilen von Belgrad, machten wir einige Augenblicke halt Diese Stadt, von den Serviern Smederew genannt, und vormahls die Residenz der Könige von Servien, liegt an den Ufern der Jassowa, da, wo sich diese in die Donau ergießt, und ist mit einer alten Citadelle versehen.

Umsonst hofften wir Belgrad vor Nacht zu erreichen; um Mitternacht waren wir noch fünf Werste davon entfernt. Um bey den Serviern, die bey der Lage, worein der Krieg sie versetzt, sehr mißtrauisch sind, keine Besorgniß zu erregen, beschlossen wir, was auch unsere Führer uns anriethen, den übrigen Theil der Nacht im Freyen zuzubringen. Wir lagerten uns in bester Ordnung, mitten auf einer großen Ebene. Jeder legte sein Gepäcke unter den Kopf; einer der servischen Postillone mußte die Pferde hüthen, und obgleich diese Lagerstätte etwas hart war; so säumten unsere Augen gleichwohl nicht, sich in einem wohlthuenden Schlummer zu schließen. Früh um 3 Uhr wurde wieder zu Pferde gestiegen, und um 4 Uhr langten wir in Belgrad an.

Mein Absteigquartier nahm ich in dem Hause des Staatsraths Rodophinikin, von dem ich mit außerordentlicher Gefälligkeit und Freundschaft aufgenommen wurde. Er verlangte, daß ich ihn in die Versammlung des Senats begleiten sollte. Bey unserem Eintritt in den Rathssaal, der wegen seines gewölbten Plafonds, und der darin herrschenden Feuchtigkeit eher einem Keller gleich sah, standen die sämmtlichen Senatoren von ihren Sitzen auf, und machten eine angemessene Verbeugung. Ich wurde ihnen in der Eigenschaft eines russischen Majors vorgestellt, welcher als ein Geschenk Seiner Majestät des Kaisers aller Reussen das, zum Gebrauch der servischen Kirche bestimmte heilige Öhl überbringen sollte. Nun war es an mir, diesen Vätern des Vaterlandes meine Reverenz zu machen, und auf ihre Frage: "Debro doschli, gospodin major?" (Ist Ihre Reise glücklich von Statten gegangen, Herr Major?) Jedem absonderlich zu antworten: "Ohwala Boga!" (Ehre sey Gott! oder Gott sey gelobt!) welchen Ausruf sodann Jeder von ihnen gravitätisch wiederhohlte. Nachdem diese Complimente vorbey waren, nahm Jedermann Platz. Die Versammlung bestand aus fünf Mitgliedern, von denen einer als Präsident einen besonderen Stuhl einnahm, indeß die Übrigen in einer Reihe ihm gegenüber saßen. Alle diese Herren, und besonders der Präsident, zeichneten sich durch ein ernsthaftes, oder vielmehr düsteres Wesen sowohl, als durch Unreinlichkeit in ihrer Kleidung aus. Mitten im Saale saßen an einem Tische zwey Griechen als Secretärs, welche die Expeditionen mit der, ihrer Nation eigenthümlichen Leichtigkeit machten. Diese Leute sind hier zu Lande um so unentbehrlicher, da keiner der Senatoren schreiben kann. Nach Verfloß einer halben Stunde verließ ich mit Herrn Rodophinikin die Sitzung, und hatte dann das Vergnügen, mit diesem liebenswürdigen Manne zu Mittag zu speisen. Nach Tische lud er mich, um die Merkwürdigkeiten der Stadt und ihrer Umgebungen zu besehen, zu einem Spatziergang ein. Er selbst war nebst zwey, sich bey ihm aufhaltenden Franzosen zu Pferde, mich aber, da ich zum Reiten zu müde war, führte sein Sekretär in einer Postchaise. Unweit von der Stadt, an dem Ufer der Donau, hatte Rodophinikin eine Mineralquelle entdeckt, die er mir zeigte. Sie sprudelt aus einem schwarzen Erdreiche hervor, hat krystallhelles Wasser, und einen sehr entschiedenen Salpetergeschmack.

Die Festung Belgrad, zwischen die Donau und Sawa eingezwängt, hat eine eben so schöne und vortheilhafte, als schwer zu bezwingende Lage. Sie besteht aus zwey Festungen, einer höheren, und einer tiefer gelegenen. In dieser letzteren befinden sich das Arsenal, ein großes steinernes Gebäude, und die Kasernen. Im Arsenal werden Lanzen, Gewehre, und Patronen verfertigt, auch Glocken gegossen. Mit allen diesen Arbeiten werden die türkischen Gefangenen beschäftigt. Auch hat man, wiewohl ohne Erfolg versucht, Kanonen in diesem Arsenale zu gießen. Mehrere Stücke, die ich liegen sah, hatten nicht fertig gemacht werden können In der oberen Festung befindet sich das Haus des Pascha, welches ebenfalls steinern, und zwey Stockwerke hoch ist. In einem der Säle desselben zeigt man mehrere, den Türken abgenommene Fahnen, und ein großes Gemählde, auf welchem alle Czaren oder Oberhäupter von Servien abgebildet sind, in deren Reihenfolge auch Czerni Georg figurirt. Er ist in dem Augenblicke vorgestellt, wo er einem, vor seine Füße niedergeworfenen Türken den Kopf absäbelt. Die Erfindung und Ausführung dieses Gemähldes ist von einem Servier. In diesem Theile der Festung sahen wir auch noch eine schöne, sehr hoch gewölbte, aber nichts Bemerkenswerthes enthaltende Moschee.

Nahe bey dem Hause, wo gewöhnlich der Pascha residirt, ist in einem Thurm ein sehr tiefer Sodbrunnen, und in geringer Entfernung von diesem der Eingang einer unterirdischen Gallerie zu sehen, die parallel mit der Sawe ausgehen soll, und in die man über 300 Stufen hinabsteigt. Der großen Feuchtigkeit wegen hält es aber schwer, darin fortzukommen *). Die Festung ist mit doppelten Thoren verschlossen, deren Flügel von massivem Eisen sind.

*) Von dieser unterirdischen Gallerie meldet Blount, ein englischer Reisender aus dem siebenzehnten Jahrhundert (a Voyage into the Levant ect., wovon die achte Ausgabe in London 1671 erschienen ist) Folgendes: In dem Schlosse zu Belgrad sah ich einen Thurm, der inwendig mit eisernen Haken und Spitzen ausgeschlagen ist. In diesen werden die Missethäter hinabgestürzt, und finden einen mehr oder weniger geschwinden Tod, je nachdem sie schneller oder langsamer auf diese oder jene Seite herabfallen. Die Überreste dieser Unglücklichen werden von den, bis an die Fundamente des Thurms eindringenden Fluthen der Donau weggespühlt.

Nachdem wir die Festung besehen hatten, statteten wir bey dem Metropolitan Leon einen Besuch ab. Dieser liebenswürdige und bescheidene Prälat wohnt in einem unscheinbaren hölzernen Hause. Er beehrte uns mit einer langen und interessanten Unterhaltung. Von da begaben wir uns zu dem Commandanten Mladen Milanowicz, der eben von den Fatiguen, die ihm die Sitzung des Senats, dessen Präsident er ist, verursacht hatte, wieder ausruhte. Man weckte ihn auf, er erschien, die Augen noch voll Schlaf, in einem rothen Nachtrock und Pantoffeln. Ein großer, wohlernährter Körper zeugt von dem, an der Tafel dieses Mannes herrschenden Überflusse, und von den guten Tagen, die er sich zu verschaffen weiß. Er war kurz von Worten, gähnte oft, und trank in starken Portionen rothen servischen Wein. Noch am gleichen Abend beehrte er mich in Begleitung des Staatssecretärs und eines Panduren mit einem Gegenbesuche. Ich ging ihm entgegen, und wurde angenehm überrascht, als ich ihn seinen silbernen, reich vergoldeten Säbel von türkischer Fabrik, von der Hüfte losschnallen und mir überreichen sah, indeß mich der Secretär, eine Grieche, der geläufig russisch sprach, also anredete: Empfangen Sie diesen Säbel als ein Andenken des servischen Senats, für die große Mühe, die Sie haben nehmen wollen, aus einem fernen Lande das, zum Dienste der servischen Kirche bestimmte heilige Öhl zu uns herzubringen. Ungeachtet aller Bedenklichkeiten, die ich äußerte, ein so kostbares Geschenk anzunehmen, konnte ich am Ende doch nicht umhin, mich seinen wiederhohlten Zumuthungen zu fügen.

Sehr leid that es mir, den berühmten Czerni Georg, auf dessen Unternehmungen in unseren Tagen die Aufmerksamkeit eines großen Theils von Europa gerichtet ist, nicht persönlich kennen zu lernen. Er befand sich gerade auf einem, 80 Werste von Belgrad entfernten Landhause; ich hatte anfänglich Lust, ihm daselbst einen Besuch abzustatten, aber meine Freunde mißriethen es mir. Folgende, diesen Mann betreffende Notitzen rühren von Leuten her, die ihn aufs genaueste kennen, und deren Wahrheitsliebe sich verbürgen läßt.

Czerni Georg ist in der Nähe von Belgrad geboren. Von frühester Jugend an nährte er einen unversöhnlichen Haß gegen die Türken, welche damahls sein unglückliches Vaterland unter einem eisernen Scepter darnieder drückten. Noch als Jüngling traf er einst einen Türken an, der ihn mit gebietherischer Miene aus dem Wege gehen hieß, wofern er nicht eine Kugel vor den Kopf haben wolle. Czerni Georg kam ihm zuvor, streckte ihn todt zur Erde, und entfloh, um sich vor den gefährlichen Folgen dieser That sicher zu stellen, nach Siebenbürgen, wo er in österreichische Dienste trat, und bald eine Unterofficiersstelle erhielt. Doch nicht lange, so verfolgte ihn ein neuer Unstern. Da ihn nähmlich sein Hauptmann eines begangenen Fehlers wegen hatte bestrafen wollen, so tödtete er diesen, rettete sich eilends in sein Land zurück, und betrat daselbst eine neue, seinem Geschmacke angemessene Laufbahn, indem er Räuberhauptmann ward *). Nun campirte er in den undurchdringlichsten Wäldern, überfiel öfters die Türken, und fügte ihnen die blutigsten Niederlagen zu. In seiner Wuth gegen ein von ihm angefeindetes Volk schonte er weder Alter noch Geschlecht, und schlachtete Weiber, Kinder und Greise. Um Rache zu nehmen, verurtheilten hinwieder die Türken 24 der vornehmsten Servier, darunter sogar einen Archimandriten, zum Tode, und zogen ein beträchtliches Corps zusammen, um die Bande des Czerni anzugreifen. Jetzt aber eilten die unterdrückten Servier von allen Seiten ihrem Rächer zu Hülfe. Czerni's alter Vater allein, der bis dahin nie von seiner Seite gewichen war, wurde ihm abtrünnig, machte ihm über seine begangenen Grausamkeiten, über das vergossene Blut so vieler Unschuldigen, und die äußerste Gefahr, der er sein Vaterland auszusetzen im Begriffe stände, die bittersten Vorwürfe, und drohte ihm, die ganze um ihn versammelte Truppe den Türken in die Hände zu liefern. Umsonst beschwor ihn Czerni, sein Betragen zu ändern. Jener verreiste, und schlug die Straße nach Belgrad ein. Czerni folgte ihm auf dem Fuße nach, machte noch einen letzten Versuch, um ihn zur Änderung seiner Gesinnungen zu bringen, und als der Greis unbeweglich blieb, so tödtete er ihn durch einen Pistolenschuß.

*) In Albanien und ganz Griechenland, gibt es Haufen von Missvergnügten, die in den Wäldern, und mit den Türken in beständigem Kriege leben. Diese Leute nennen sich Räuber oder Diebe xc., greifen aber bloß die Türken an, und werden von den griechischen Bauern als rächende Helden betrachtet, die man in denjenigen Dörfern, wo keine Muselmänner leben, mit Jubel aufnimmt.

Der Kampf gegen die erbitterten Türken war langwierig und hartnäckig. Für den Anführer einer nicht disciplinirten Truppe konnte es nicht anders, als sehr schwierig seyn, über eine Nation, die von den Europäern die militärische Tactik erlernt hatte, den Sieg zu behaupten. Doch ward es allmählig den Serviern zur Gewohnheit, ihre Feinde zu überwinden. Czerni Georg mit einem, durch erhaltene, unzählige Vortheile erhöhten Muthe, trat jetzt aus seinen unzugänglichen Wüsten hervor, unternahm die Belagerung von Belgrad, und zwang endlich durch seine tapfere Beharrlichkeit die türkische Besatzung, sich am 1. December 1806 zu ergeben. So schwang sich ein ganz einfacher Mensch ohne Erziehung, zum Befreyer seines Vaterlandes, und zum obersten Befehlshaber seiner Nation empor.

Während der Belagerung von Belgrad thaten sich die angesehensten Männer aus dem Adel und der Geistlichkeit zu Semendria in eine Comite zusammen, in der Absicht, unter dem Vorsitz des Erzbischofs von Servien die Regierung zu verwalten. Diese Versammlung constituirte sich nicht bloß als erste Behörde in der Civilverwaltung, sondern es sollte ihr noch überdieß die Gesetzgebende Gewalt, und das oberste Militärcommando zustehen. Czerni Georg hatte sich sobald Kunde hiervon erhalten, als er nach Semendria hineilte, die Beschlüsse der Comite für null und nichtig erklärte, und ein Decret des Inhalts erließ, daß, so lange als er, Czerni Georg, am Leben seyn werde, keinem Menschen eine größere Gewalt zustehen solle, als er selbst besitze; daß er sich selbst genug sey, und keines fremden Rathes bedürfe. Nachdem er sich einmahl in diesem Sinne erklärt hatte, beherrschte er den Senat und das Volk von Belgrad mit der Gewalt eines unumschränkten Fürsten, und übte einen Despotismus ohne Gleichen aus.

Hierzu ein einziges Belege: Nach dem Absterben eines reichen Cavaliers, der eine Schar minderjähriger Kinder hinterlassen hatte, beschloß der Senat, sich des Vermögens des Verstorbenen zu bemächtigen. Der russische Staatsrath Rodophinikin kam aus Gefühlen der Menschlichkeit mit Vorstellungen gegen eine so empörende Maßregel ein, und als einer der Senatoren, der selbst zu Wien gewesen war, in der Sitzung behauptete, dort Augenzeuge von einem ähnlichen Ereignisse gewesen zu seyn, wo sich, ungeachtet des Vorhandenseyns eines minderjährigen Sohnes, ein Fremder der Verwaltung der Verlassenschaft ganz nach Willkühr bemächtigt habe; so kostete es dem Herrn Rodophinikin nicht wenig Mühe, dem Senat begreiflich zu machen, daß jener Fremde ein gesetzlicher Vormund gewesen sey, der den Auftrag erhalten habe, das Vermögen des Erben bloß während seiner Minderjährigkeit, und zu seinem, des Mündels Vortheile, zu verwalten. Dabey wußte er die Ungerechtigkeit einer solchen Confiscation mit so lebhaften Farben zu schildern, daß endlich ein einmüthiger Beschluß zu Gunsten der Erben herauskam. Auf einmahl aber erhielt der Senat durch ein Schreiben des Czerni Georg, der sich damahls auf seinem Landgute befand, Befehl, alle zu der quästionirten Verlassenschaft gehörigen Mühlen seinen Domänen einzuverleiben. Jetzt hatte die Verwendung des Herrn von Rodophinikin ein Ende, der servische Senat mußte den Befehlen des Czerni blindlings gehorchen, und ermangelte nicht, sich dann auch noch des Überrestes der Erbschaft, zu eigenen Handen, zu bemächtigen.

Zum Beweise des tödtlichen Hasses, den Czerni Georg gegen die Türken trug, mag sein Benehmen gegen den Pascha von Belgrad, bey der Belagerung dieser Festung dienen. Dem Pascha war durch die Capitulation ein freyer Abzug mit seinem ganzen Gefolge, ein ungehinderter Durchgang durch Servien, und eine Bedeckung von 500 Panduren zugesagt, die ihn bis an die Gränzen begleiten, und vor allen Beschimpfungen von Seite des Pöbels sicher stellen sollte. Auch hatte ihm Czerni die feyerlichste Zusicherung ertheilt, daß er bey seinem Durchzuge durch Servien nicht das Mindeste solle zu befürchten haben. Der Pascha verließ also die Stadt mit 260, seine Hofhaltung bildenden Individuen, die alle, schon früher waren entwaffnet worden. Kaum waren sie einige Werste über Belgrad hinaus, als die Panduren mit einem Mahl den Säbel zogen, und mit kaltem Blute die wehrlosen Schlachtopfer niederhieben. Der Pascha mit seinen sechs Officieren leistete einen heldenmüthigen Widerstand, und wußte sich durch die Meuchelmörder bis nach einer Höhle hindurchzuschlagen, wo er aber doch zuletzt, und erst nachdem zwölf Servier waren getödtet worden, mit seinen Begleitern den Tod fand. Damit nicht zufrieden, gab Czerni Georg gleichen Tages auch noch Befehl zur Ermordung von 40 andern, noch in Belgrad zurückgebliebenen Türken. Diese Unglücklichen retteten sich in ein Haus, wo sie sich mit dem Muthe der Verzweiflung so lange vertheidigten, bis das von den Serviern angelegte Feuer über ihnen zusammenschlug. Ein Anführer der Servier fragte nun noch den Czerni, was man mit den Weibern der ermordeten Türken anzufangen habe? Man lasse sie Hungers sterben, antwortete der Grausame. Glücklicher Weise waren nicht alle Servier so hart gesinnt. Einer von ihnen machte den Vorschlag, jene Unglücklichen zu verkaufen, was denn auch wirklich geschah.

Solche Züge von Grausamkeit kommen in Czerni's Leben unzählige vor. Noch im Jahre 1807 ließ er einige unbedeutender Vergehungen wegen, seinen eigenen Bruder aufknüpfen. Es ist übrigens ein Mann von ungefähr 40 Jahren, hohem und schönen Wuchse. Sein Gesicht ist länglich, zieht sich aber unter in die Breite. Er hat kleine, tiefliegende Augen, einen braunen Teint, eine spitzige Nase, und trägt einen kleinen Schnurbart. Seine Haare fallen in einem langen Geflechte über den Rücken herab; von vorne kämmt er sie zurück, wodurch seine Stirn eine ungewöhnliche Höhe erhält. Seine Kleidung ist zwar sehr einfach, aber weder geschmackvoll, noch reinlich; ein Paar Pistolen und ein Dolch, womit er jederzeit versehen ist, sind das Einzige, wodurch er sich von den übrigen Landleuten unterscheidet. Unter einem kalten und gefühllosen Äußern verbirgt er einen Geist voll Feuer und Heftigkeit. Er bringt ganze Stunden hin, ohne eine Sylbe zu sprechen; doch ermangelt er nicht, so oft er ein Glas Branntwein trinken will, eine Gebethsformel daher zu murmeln. Er kann weder schreiben noch lesen, und seine persönliche, mit Glück gekrönte Tapferkeit ist es einzig, der er seine Macht und Berühmtheit zu verdanken hat.

Czerni Georg hat zwey Söhne und vier Töchter, von denen eine einen Servier von hohem Range geheirathet hat. Sein ältester Sohn Alexis, ist (1808) zehn Jahre alt, bey dem Herrn von Rodophinikin angestellt, und legt sich mit großem Eifer auf die Erlernung der russischen Sprache. Die Leichtigkeit seiner Fassungskraft ist eben so bewunderungswürdig, als seine körperliche Behendigkeit. Sein größtes Vergnügen ist, Vögel im Fluge mit Steinen zu tödten.

Ein Mahl im Jahre überläßt Czerni sich ausschließlich dem Vergnügen der Jagd. Drey bis vier hundert Panduren begleiten ihn, und der ganze, aus Wölfen, Füchsen, wilden Ziegen und Hirschen bestehende Jagdertrag wird öffentlich für seine Rechnung an die Meistbiethenden versteigert. -- Czerni's eigentlicher Nahme ist Georg Petrowitsch. Den Übernahmen Czerni, oder der Schwarze, hat er nicht so fast seinem schwärzlichen Teint, als der Erbitterung seiner Mutter zu danken, die ihm denselben beylegte, nachdem der oben erzählte Vatermord sie zur Witwe gemacht hatte.

Belgrad, (auf das wir nach dieser langen Abschweifung wieder zurückkommen) liegt mit seinen beträchtlichen Vorstädten in einer schönen und fruchtbaren Gegend, am Zusammenflusse der Donau und Sawe; aber das Innere der Stadt ist ein furchtbares Bild der Verheerungen des Krieges. Ein großer Theil der Häuser liegt in Ruinen und Asche; selten ist eine ganze Glasscheibe zu sehen; die meisten sind mit Papier zusammengeklebt, an vielen Häuser gibt es gar keine Fenster. Die Minarets oder sehr hohen Thurmspitzen der zahlreichen Moscheen, verschaffen der Stadt von Weitem ein prächtiges Aussehen. Nur noch in einem einzigen dieser Gebäude haben die Türken die Freyheit, ihren Gottesdienst zu halten, die übrigen alle stehen entweder leer, oder sind in Schwein- und Viehställe verwandelt. Die Türken, deren es in Belgrad in der Stadt sowohl, als in den Vorstädten noch viele gibt, leben in einem kläglichen Zustande der Unterdrückung. Sie werden zu öffentlichen Arbeiten gebraucht, und ihr Elend spricht sich auf ihren entstellten Gesichtszügen laut aus.

Was den Fremden, der die Straßen von Belgrad durchwandert, eigentlich in Schrecken setzt, ist die ungeheuere Menge von Schlangen und Eidechsen, welche dieselben verpesten. Die Zahl der Einwohner beläuft sich etwa auf 30,000. Um die Stadt herum geht ein Wall mit vielen Batterien. Alle Stadtthore werden streng bewacht.

Die Servier verabscheuen in gleichem Grade die Türken, die byzantinischen Griechen, die Ungern und Deutschen, welche nacheinander ihr Land beherrscht haben. Der Staatsrath Rodophinikin thut alles Mögliche, das Zutrauen dieses mißtrauischen Volks zu gewinnen. In seinem Garten sah ich eine Tafel zum Frühstücken, die er absichtlich hat verfertigen lassen, um dadurch den Serviern zu schmeicheln. Dieser Tisch ist nähmlich eine große, auf vier türkischen Leichensteinen ruhende Steinplatte; die Steine sind von den Gräbern eines Derwischen, eines Janitscharen, und zweyer reichen Muselmänner genommen, und in Form eines Turbans ausgehauen. Von den Serviern wird diese Tafel nicht anders, als mit Enthusiasmus betrachtet.

Wir verließen Belgrad am 5. Juny, und schifften uns in Gesellschaft des Bouloukbascha, Gregor Guzin, und einiger Panduren wieder auf der Donau ein. Beym Herabfahren auf dem Strome hatten unsere Schiffer immerfort genug zu thun, um zu verhindern, daß das Fahrzeug nicht an einen der Felsen, welche die Mitte des Flußbettes anfüllen, hingeschläudert wurde. Ganz nahe, wie wir uns an den Ufern halten mußten, war auch das Anschlagen der Wellen an den Nachen desto heftiger. Die Panduren stimmten servische Kriegsgesänge an; die Sonne neigte sich zum Untergang; wir warfen Anker, und mitten unter den unruhigen Fluthen wurden unsere erschöpften Kräfte durch einen ruhigen Schlummer wieder hergestellt Als wir jedoch mit Anbruch des Tages unsere Fahrt wieder beginnen sollten, fühlte ich mich durch das beständige Schwanken des Schiffes in einen solchen Zustand von Unbehaglichkeit versetzt, daß ich mich entschloß, bey dem, dem Milenko zugehörigen Dorfe Klitchevaz ans Land zu steigen, und den übrigen Theil des Weges in einem einspännigen Wagen zu machen. Noch am gleichen Abend erreichte ich das 25 Werste entfernte Städtchen Golubeky, wo ich mein Nachtquartier aufschlug. Am folgenden Morgen bestieg ich neuerdings eine Barke, die mich bis nach der Insel Poritsch brachte, wo ich gerade um Mittagszeit anlangte. Milenko empfing mich mit seiner schon erprobten Gastfreundlichkeit, und führte mich selbst wieder ans Ufer, wo er drey Panduren befahl, mich durch den oben beschriebenen dichten Wald zu begleiten. Ich war genöthigt, diesen Weg einzuschlagen, weil mehrere Donauinseln auf der Seite von Orsova von den Türken besetzt waren. Nicht ohne angenehme Empfindungen verließ ich Serbiens düstere Wälder, wilde Schluchten und felsige Inseln, und lebte gleichsam neu auf, als ich wieder in die lachenden Ebenen der Wallachey eintrat.

Zum Schlusse noch einige allgemeine Bemerkungen über Servien. Der Servier besitzt viele persönliche Tapferkeit, einen ausharrenden Sinn, und einen eigentlich kriegerischen Geist, aber seine natürlichen Anlagen sind ganz und gar unausgebildet. Voll der kleinlichsten Bigotterie beobachtet er seine Fasten so streng, daß ihn niemand wird vermögen können, in einem Zeitpuncte, wo es die Kirche untersagt, einen Bissen Fleisch zu sich zu nehmen. -- Das schöne Geschlecht habe ich überhaupt nichts weniger als schön gefunden. Auch macht der braune Teint, und der schwarze Haarwuchs der Servierinnen auf die Männer einen so wenig gefälligen Eindruck, daß die begütertsten türkische Beyschläferinnen zu unterhalten pflegen. Zu Belgrad sind mir mehrere sehr schöne Türkinnen von dieser Classe zu Gesicht gekommen. Der Landbauer ist in Servien besser daran, als in der Wallachey und Moldau, und genießt einer gewissen Freyheit und Ruhe. Der Reisende findet auf allen Stationen Milch, frische Eyer und junge Hühner im Überflusse. Das Fleisch der wilden Ziegen ist von vortrefflichem Geschmacke; es wird in kleine Stücke zerhackt, oder auch an hölzerne Bratspieße gesteckt, und auf Kohlen gebraten.

In den servischen Dörfern sah ich nirgends eine christliche Kirche; selbst zu Belgrad traf ich auf eine einzige, ganz gewöhnliche von Holz.

Nicht ohne Verwunderung hörte ich in den Dörfern die Schöppen mit dem hochtönenden Nahmen Kniaisen, was in russischer Sprache so viel sagen will, als Prinz, betiteln. Die Türken haben, wie man behaupten will, diese Sitte eingeführt, um die vormahligen Beherrscher Serbiens verächtlich zu machen. Die Servier sind stolz darauf, eines Ursprungs mit den Russen zu seyn, auch nannten sie mich beständig Bratico, d. h. Bruder Die Sprache hat mit der russischen auffallende Ähnlichkeit. -- Czerni Georgs Sohn, Alexis, beschenkte mich zum Zeichen seiner Freundschaft mit einer kleinen Sammlung servischer Lieder. In einem derselben heißt es unter andern: "Schon drohte das furchtbare Gestirn im Orient uns den Untergang, als horchend auf unsere Klagen der siegreiche Alexander ihm befahl, stille zu stehen. Er sandte Rodophinikin, uns zu beglücken! Möge er lange unter uns leben zu Serbiens Heil!"


Frieden von Bukarest.[]

[3]
Ueber die Servier bestimmt der 8te Artikel Folgendes:

Obschon nicht gezweifelt werden darf, daß die hohe Pforte nach ihren Grundsätzen gegen die Servier, als einem ihr seit langen Zeiten unterwürfigen und tributären Volke, Milde und Großmuth ausüben werde, hat man in Anbetracht des Antheils, welchen die Servier an diesem letzten Krieg hatten, für billig erachtet, in Ansehung ihrer Sicherheit feyerlich Verabredung zu pflegen. Im Grunde derselben gewährt die hohe Pforte den Serviern volle Amnestie, und daher kann von den vergangenen Vorfällen ihre Ruhe auf keine Weise gestört werden. Die Festungen, so dieselben auf Anlaß des Krieges in ihrem Lande bauten, und die vorher nicht angelegt waren, werden, in so weit sie für die Zukunft nicht nöthig sind, geschleift; und die hohe Pforte wird, wie vorher, in den schon bestandenen Festungen, Schlössern und andern befestigten Ortschaften die Herrschaft übernehmen, sie mit Artillerie, Kriegsmunition und andern Kriegsvorräthen versehen, auch die Garnisonen nach ihrem Gutbefinden einlegen. Damit aber diese Garnisonen gegen die Servier keine ungerechten Bedrückungen ausüben, so wird die hohe Pforte im Gefühle der Barmherzigkeit gegen die Servier die zu ihrer Sicherheit erforderliche Mäßigung ausüben. Ueberdies wird die hohe Pforte den Serviern auf ihre Bitte die nämlichen Vortheile zugestehen, welche ihre andern Unterthanen in den Inseln des Archipelagus und in andern Gegenden haben, und ihnen auch ein Merkmal ihrer Großmuth dadurch geben, daß sie die Verwaltung der innern Angelegenheiten ihnen selbst überläßt, ihnen mäßige Steuern auferleget, diese nur unmittelbar von ihnen empfängt, und die zu diesem Ende erforderlichen Verfügungen im Einverständnisse mit der servischen Nation treffen wird.


Zeitungsnachrichten.[]

1806.[]

[4]

Wien, 23. April.

Bei den letzten in kurzer Zeit mit beständigem Erfolge gemachten Vorrückungen und drohenden Bewegungen der Servianer, hat die hohe Pforte am 22. März den Bekir-Bey Capigdi Baschi, Aham von Morea, an den Begler-Bey von Rumelien, Ibrahim Pascha von Skutari abgeschickt, und ihm den Befehl ertheilen lassen, unverzüglich den Oberbefehl des großen Lagers in den Ebenen von Sophia zu übernehmen. Der letzte Bothschafter in Paris und nunmehrige Marineminister, Aly Effendi, ist zum Mubaagiler-Naziri (General-Intendanten des Verpflegungswesens) bei dieser Armee ernannt, und hat den gleichen Auftrag, schleunigst an Ort und Stelle abzugehen. Indessen sind die Angelegenheiten der Servier noch verwickelter geworden. Paswand-Oglu hat sich auf eine höchst grausame und schreckensvolle Art, als den entschiedendsten Feind der Insurgenten erklärt. Er ließ nämlich den griechischen Bischof von Widdin (den er für einen heimlichen Freund der Servier hielt) aus dem Wege räumen, und mehrere der vornehmsten und reichen Rayas in der Stille gefänglich einziehen. Man fürchtet, er sinne auf eine allgemeine Ermordung der Christen in seinem Paschaliz und Einziehung ihrer Güter. Die Vortheile, welche die Insurgenten am 23ten und 25. März erfochten, verfolgen sie mit äusserster Anstrengung. Schabaz ist aus Mangel an Munition außer Stande, sich länger zu vertheidigen, und in der Hauptfestung Belgrad befindet man sich in der höchsten Verlegenheit.


Türkey. [5]

Die Erbitterung zwischen den letztern und den Bosniaken nimmt täglich zu. Ein allgemeiner Aufruhr forderte die Bosnier zu den Waffen. Ihr Hauptsammelplatz ist Kossove, am rechten Ufer der Drina, bey Ustrize, an der Hauptstrasse nach Belgrad. Die beyden Tatarn, welche dieses Aufgeboth nach Travnik brachten, sind auf der Rückreise ermordet worden. Die Servier haben bisher in allen Gefechten gesiegt. Als Czerny George vernahm, ein Theil seiner Truppen, unter dem Poppen Luka, sey auf der verschanzten Insel Czernabara von den Türken eingschlossen, und Ibrahim Bey von Rumelien mit frischer Mannschaft aus Bulgarien und Bessarabien im Anzuge, griff er schnell und muthig das Belagerungscorps an, befreyte die Seinen, und erfocht einen vollständigen Sieg über die etwa dreytausend Mann starken Türken.


Türkey. [6]

Die Feindseligkeiten zwischen den Türken und den Servischen Insurgenten an der Drina dauern fort. Ein Gefecht, das in einem Walde bey Usticza entstand, wo die Ersteren sich der weidenden Heerden der Servier zu bemächtigen suchten, endete ganz zum Nachtheil der Türken, die einige hundert Todte und Verwundete auf dem Platz liessen. -- Die Servier haben nun seit wenigen Tagen auch Artillerie erhalten, die sogleich zur förmlichen Belagerung Belgrads verwendet werden wird, wo noch immer der erbittertste Feind der Servier, seit der Ermordung der Dayen, Kuschanzy Aly, sein Unwesen treibt, und sogar den Gouverneur Suleyman Pascha wie einen Staatsgefangenen hält, so, daß ihm nicht vergönnt wird, irgend welche Geschäftsunterredung, ohne Kuschanzy's Gegenwart zu halten. Die Besatzung besteht nur noch aus 2000 waffenfähigen Türken, und etwa 600 Albanesern oder Arnauten. An Lebensmitteln ist kein Mangel, sie werden grössentheils von Semlin herbeygeschaft. -- Am 15. May hat endlich die Festung Schabacz sich an die Servier ergeben, welche jetzt in vier Corps bey Pascharovacz und auf der Hauptstrasse nach Konstantinopel bey Csupria und Jagodin, die Bewegungen der, bey Nissa und Adrianopel stehenden Türkischen Armeen erwarten. -- Kuschanzy Aly soll nun unverzüglich aus Belgrad entfernt, und durch den Statthalter von Neu-Orsowa, Recseb Aga, ersetzt werden. Schon das Gerücht hievon verursachte die lebhaftesten Freude unter den Serviern.

[7]
Brünn, 29. Okt.

Man sagt, die servischen Insurgenten wären Willens, Belgrad mit 80,000 Mann zu umringen, und alsdann erst sollte die Festung mit wahrem Ernste angegriffen und erobert werden.


1808.[]

Türkey. [8]

Zwischen den Türken und den Servischen Insurgenten hatte in der letzteren Zeit Waffenruhe Statt, und nur auf der Bosnischen Seite fielen hin und wieder wenig bedeutende Thätlichkeiten vor.

Türkey. [9]

Die Feindseligkeiten zwischen den Türken und den Servischen Insurgenten bestanden blos aus einzelnen Neckereyen und Streifzügen, welche die ersteren in die Gegend von Kraina unternahmen, wobey sie alle wehrfähige Mannschaft hinwegführten, sich aber darauf sogleich wieder zurückzogen. Seit dem ist kein Ereigniß bekannt, das in diesem Umkreise die Waffen uhe mehr oder weniger gestört hätte. Indessen haben sich gleichwohl starke Türkische Korps, sowohl von Nissa und Widdin, als von Bosnien aus, gegen die Servischen Insurgenten in Bewegung gesetzt.


1812.[]

Wien, den 26sten August. [10]

Die Grätzer Zeitung enthält folgendes: Der nach Belgrad gekommene russische General hat den servischen Oberhäuptern erklärt: sein Monarch, mit Frankreich in Krieg verwickelt, könne den Serviern nur in dem Falle fernere Unterstützung leisten, wenn sie alle feste Plätze und im Lande befindliche Verschanzungen ausschließlich den russischen Truppen übergeben, und alle waffenfähige Mannschaft unter russischen Oberbefehl unmittelbar stellen wollten. Man setzt hinzu, die Servier wären nicht geneigt, diesem Ansinnen zu willfahren, und Czerni Georg habe erklärt, daß sich die Nation auf diese Art in ihrer Hoffnung hintergangen sehe. Seitdem bemerkt man ein ganz verändertes Betragen von Seiten der Servier. Dagegen vermuthet man, daß sich die Russen bald aus Servien wegziehen werden; wenigstens legt man den Abmarsch der Russen aus Belgrad nach der Gränze so aus.


Semlin, den 13ten August. [11]

Mit den seit mehr als 2 Jahren in Serbien gestandenen russischen Truppen, sind auch viele von den serbischen Häuptern, die ihre treuen Anhänger waren, nach der Wallachey ausgewandert, und, wie es scheint, werden denenselben vielleicht noch in Kurzem alle Kommandanten und selbst der serbische Rath nach Rußland folgen.


Semlin, den 1sten September. [12]

Der russisch-kaiserliche Generalmajor Iwiliewitsch (ein Dalmatier), ist aus der Wallachey am 16ten August in Belgrad angelangt; in Topola hatte er dem servischen Obervorsteher Georg Petrowits (Czerny) und seinem Sohne, dann zu Belgrad dem servischen Kommandanten Mladen Millowanowitsch, und seinem Vetter, wie auch dem Chef des servischen Kosakenkorps, die von dem kommandirenden russischen General der moldauischen Armee als ein Kennzeichen der Erkenntlichkeit der besagten Armee durch mehrere Jahre im letzten Feldzuge wider die Türken geleisteten Mitwirkung zur Behändigung bestimmte Ordenskreuze und Medaillen überreicht. -- Gegen Ende des verflossenen Monats, gerade zu der Zeit, als der russische General Orulk mit mehreren der servischen Häupter zur Berathschlagung nach Topola abgereist war, sollen die kommandirenden Vesirs von Bulgarien und Bosnien jeder 2 Deputirte für sich an Georg Czerny nach Topola abgesendet, und ihn im Namen der Pforte vorläufig aufgefordert haben, daß, wenn die türkischen Truppen in Servien einrücken würden, alles die Waffen strecke, und die Häupter noch bey Zeiten aus Servien verwiesen werden sollen. Die Deputirten des Travniker Vesirs wurden von ihm, wie es heißt, ohne Bescheid entlassen, jenen des Nissaer Pascha theilte er aber eine schriftliche Antwort mit beygerückten Motiven mit. Was dieses Schreiben enthielt, und unter welchen Bedingungen er sich mit seinem Volke unterwerfen will, muß sich in Kurzem aufklären. Uebrigens hört man noch, daß er seinen Sekretär und 2 Knesen nach Konstantinopel geschickt habe, um Gnade für sein Volk zu erflehen. Die durch eine kurze Zeit bey Orschowa unterbrochene Kommunikation ist nun, da die russischen Truppen Servien sowohl, als die kleine Wallachey, fast gänzlich geräumt haben, wieder ganz frey, und der Handelszug aus der Levante hat sich mehr dahin gewendet.


Wien, den 10ten Oktober. [13]

Vom servischen Senat soll ein gewisser Itzky zum servischen Konsul in Belgrad gegen Erlegung einer Taxe von 500 Dukaten ernannt seyn. Dieser Konsul hat auch am 16ten September dem Handelsstand zu Semlin in einem griechisch geschriebenen Briefe die Wiedereröffnung des Handelsverkehrs mit der Türkey über Belgrad bekannt gemacht, und zugleich die Versicherung ertheilt, daß der servische Senat sammt dem Oberhaupte Jara Giorgio Petrovics für die Sicherheit der Handlungskarawanen mit 10 gegen 1 hafte, dann daß in Servien allenthalben Gasthäuser zum Behuf der Karawanen hergestellt seyen.


Wien, den 29sten Oktober. [14]

Vor einigen Tagen war Czerny Georg in Belgrad wieder angekommen, und hatte jenen noch zur Zeit der Anwesenheit der Russen von dem servischen Rathe und dem Festungskommandanten Mladen Millowanowitsch erlassenen Befehl, daß den kaiserl. königl. Unterthanen der Zutritt nach Belgrad aus politischen Gründen nicht gestattet werden könne, gänzlich aufgehoben. Den Festungskommandanten soll Georg Czerny in seiner Wohnung derb durchgeprügelt haben, weil er sich von den Russen zu jenem Befehle verleiten ließ.

Die Servier pflegen gegenwärtig verschiedene Waaren aus Nissa zu beziehen, es scheint daher, daß die Kommunikation mit Nissa eröffnet worden sey.


Berlin, den 21sten November. [15]

Die in Servien während des Kriegs angelegte Festungen werden geschleift, und nur die früher vorhandenen beybehalten und mit türkischen Garnisonen besetzt.


Quellen.[]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte zu Landshut. Landshut, bei Philipp Krüll, Universitätsbuchhändler. 1811.
  2. Archiv für Geographie, Historie, Staats- und Kriegskunst. 1814.
  3. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 268 Donnerstag, den 7. /19. November 1812.
  4. Bamberger Zeitung. Nro. 122. Freitag, 2. Mai 1806.
  5. Wiener Zeitung. Mittewoche, den 9. Julius 1806. Nro. 55.
  6. Wiener Zeitung. Nro. 56. Sonnabend, den 12. Julius 1806.
  7. Bamberger Zeitung. Nro. 312. Samstag, 8. November 1806.
  8. Wiener-Zeitung. Nro 7. Sonnabend, den 23. Januar 1808.
  9. Wiener-Zeitung. Nro 64. Mittwoch, den 10. August 1808.
  10. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 213. Mittewoch, den 4/16. September 1812.
  11. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 224. Dienstag, den 17/29. September 1812.
  12. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 236. Dienstag, den 1/13. Oktober 1812.
  13. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 252. Sonnabend, den 19/31. Oktober 1812.
  14. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 270 Sonnabend, den 9. /21. November 1812.
  15. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 278 Dienstag, den 19. November/1. December 1812.


Rothmäntel.[]

Neopolem.
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