Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Frankreichs und Englands Rüstung zur See, zu Anfange des Jahres 1805.[]

Uebersicht des Inhalts.

Bemerkungen über die Französischen Landungs-Versuche. -- Landungen im Jahre 1796. -- Französische Hafen, und projektirte Verbesserungen derselben. -- Englische Häfen. -- Die Strömung im Kanal. -- Französische Maassregeln, die sich auf die Landung beziehen. -- Läger. -- Das Wesentlichste der Englischen See- und Landrüstungen. -- See- und Landmacht. -- Beschreibung der Französischen und Englischen Böte. -- Entfernung einiger Englischen Häfen von der Französischen Küste. -- Nachricht von Schiffen, die gebauet werden sollten, und vom Stapel gelassen wurden. -- Was der Französischen Regierung an Fahrzeugen zum Geschenk angeboten wurde. -- Liste der Schiffe, die zu Boulogne von andern Häfen ankamen.

(Die zur Abhandlung gehörige Karte, wird, nebst Ansicht von der Lloyd projektirten Operation, von der im ersten Bande S. 191. Nr. 66. eine Skizze gegeben wurde, so wie einige Bemerkungen über die Feuerwirkung der Böte gegen grosse Schiffe, im zweiten Hefte dieses Bandes folgen.)

Einleitung.

Dass der Kampf zwischen England und Frankreich ihre gegenseitige Existenz gelte, darin sind alle Meinungen einig, und man schien es auch in Hinsicht der Frage: wird Frankreich eine Landung versuchen? zu sein. Aber eine entgegen gesetzte Meinung fängt an zu herrschen, nachdem man gesehen, dass Frankreichs Zurüstungen beendigt sind, und dennoch nichts Entscheidendes erfolgt. -- Männer von Einsicht meinen nämlich, es bedürfe keiner Landung; denn da Englands Streben nach dem Alleinhandel und der Herrschaft des Meeres die einzige Ursache des Krieges sei, so könne Frankreich, dadurch, dass es möglichst den Absatz Englischer Fabrikate durch Besetzung grosser Küstenstrecken zu verhindern suche, seinen Krieg führen, und -- seinen Feind besiegen.

Es kann dem Militair nicht gleichgültig sein, die wahren Ursachen dieses Kampfts zu erfahren.

Mit dem Entstehen der jetzigen Englischen Verfassung wurde zugleich auch der Saame fast aller bisherigen Begebenheiten ausgestreuet; denn mit dem Wachsen der Nationalschuld musste auch der Grundsatz entstehen: gegen die übrigen Mächte eine solche Stellung zu nehmen, dass es möglich werde, die Interessen dieser Schuld zu bezahlen, und so den Credit auf's möglichste zu erhöhen.

So war auch der Friede zu Amiens dahin, als Frankreich mit seltener Energie die Wunden zu heilen suchte, die seinem Handel geschlagen waren. Musste aber eine Erhebung der Französischen Industrie nicht jene der Engländer vermindern, und die Grundfesten ihrer Existenz untergraben?

Frankreich konnte, nach diesem Bruche, bei dem Zustande seiner Marine nichts anderes thun, als des Feindes Manufakturen durch Verringerung des Absaszes zu schaden, und unermüdet jene zu erschaffen suchen, damit es die Mittel erhalte, den günstigsten Zeitpunkt einer Landung benutzen zu können.

Die Küsten von Frankreich und Italien, die Schweiz und Holland gingen für den Englischen Handel verloren, oder wurden doch auf Schleichhandel eingeschränkt. Dieser Plan musste aber auch zugleich den gesellschaftlichen Zustand Englands verändern. Denn so wie Frankreich seine gesammten Kräfte auf die Wiederherstellung seiner Marine leitete, musste auch England eine Menge Häfen blockiren, grosse Armeen aufstellen, seine Marine vermehren, kurz die so schwere Aufgabe lösen: ein möglichst kräftige Landesvertheidigungs-System zu bilden, ohne seinen Fabriken und Manufakturen zu schaden.

Was die Englische Regierung schon einmal that, geschah auch jetzt; sie kaufte die Kunstprodukte der Nation an sich, setzte den Werth derselben bis auf den der rohen Materie herunter, und deckte die Kosten dieses Experiments durch Erhöhung der Colonial-Waaren. Die übrigen Nationen müssen diese Preise bezahlen, weil sie diese Produkte nicht entbehren können. Jenes Verfahren reizt überdies die Gewinnsucht, so dass, trotz aller Vorsicht, alle Staaten mit diesen Fabrikaten überschwemmt, das baare Geld aus dem Lande geht, und ihren Fabrikaten und Manufakturen tiefe Wunden geschlagen werden.

Einige Politiker sagen, dass, zufolge obigem, Regierungen, die mit Weisheit die Neutralität ergriffen, dennoch unvermerkt und wider ihren Willen in diesen Kampf verwickelt werden müssen, weil, trotz ihres Systems, jene Wunden so schmerzhaft werden, als hätten sie gleich Theil genommen.

Zählt man nun die Kriege zusammen, auf die England so mächtig, über das Meer her, durch den Metallreiz einwirkte, und giebt man es zu, dass dies Verfahren ganz consequent war: so ist auch leicht zu folgern, was für Zukunft geschehen wird, wenn diese Macht ferner nach ähnlichen Maximen handeln wollte -- dasselbe nämlich, was der Verfasser des Aufsatzes: "über Englischen Einfluss auf Teutschland," Europäische Annalen, 9tes St. 1804. behauptet: "dass die übrigen Mächte wider ihren Willen gegen England werden Parthei nehmen müssen."

Dies die Lage der politischen Verhältnisse; und während der Eine ausruft: wie! diese Paar Millionen Britten sollen das ganze Europa beherrschen? sagt der andere: wie! die andern Mächte sollen Frankreichs Ehrgeiz unterstützen, und sich ihr eigenes Grab graben?

Die weitere Untersuchung dieser beiden Fragen steht uns nicht zu; wir wollen daher zur Uebersicht der Vorgänge an den Französischen und Englischen Küsten schreiten, die sich seit dem Friedensbruche von Amiens ereigneten, und den Gang und den Erfolg der Betriebsamkeit dieser Nation, sich eine neue Flotte und sichere Küstenvertheidigung zu verschaffen, erwähnen; vielleicht auch um zur günstigen Zeit eine Landung zu versuchen, oder den voll Hass lauernden Maratten eine Armee zuzuführen.

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Wenn auch unter der Menge der auf England unternommenen Landungen von Spanien, Frankreich und Holland von 1066 bis 1798 nur vier verunglückten, so könnte die jetzige eben so gut die fünfte seyn. Aber man kann sagen: warum nicht auch das Gegentheil? Für beide Fälle wollen wir einige Ansichten, so wie die politische und militairische Lage beider Mächte aufstellen.

Es ist zu bemerken, dass die in neuern Zeiten geglückten Landungen sich nicht durch Besiegung der Englischen Flotte den Weg bahnten, sondern durch Unachtsamkeit oder vom Sturm -- der die, die Häfen einschliessenden Schiffe entfernte -- begünstigt, ihren Bestimmungsort erreichten. Und es ist nicht zu läugnen, dass, wenn z. B. die beträchtliche Französische Flotte aus Brest eben so unentdeckt, wie jene, in Irrland ankommen sollte, der Erfolg, trotz der dominirenden Seemacht der Engländer, wahrscheinlich für sie ungünstig sein würde.

Rechnet man aber die jetzt bestehende Küsten-Vertheidigung Englands, die Aufstellung ihrer verschiedenen Flotten an allen drei Inseln -- wie die Skizze der Englischen Vorkehrungen zeigt -- so möchte man an die ungehinderte Ankunft derselben zweifeln.

Die letztern Versuche einer Landung der Franzosen wurden ohne Transport-Schiffe unternommen, weil man ohne sie mehr Mobilität hat. Würde z. B. die 1796 Statt gehabte Trennung der wenigen Schiffe nicht um so nachtheiliger gewesen seyn, wenn die Menge jener grösser war?

Die Französische Flotte, die im October 1796 von Brest auflief, war stark 17 Linien-Schiffe, einige Fregatten und 18000 Mann; sie sollten in der Bantry-Bay von Irrland landen, und wenn es hier nicht ginge, einen Versuch an der Mündung des Schannan machen. Erst nach drei Tagen wurde sie von den Engländern im Hafen von Brest vermisst; doch widrige Winde und Nebel trennten die Schiffe, und der in der Bay ankommende Theil musste sich, nachdem er einige Tage vergebens gewartet, entfernen. So ging es auch den nach ihm ankommenden.

Die Statt gehabte Expedition im Jahre 1798 ging von folgenden Punkten aus: im August von Rochefort 3 Fregatten, 2 Corvetten mit 1060 Mann Truppen; sie kamen im Norden Irrlands in der Bucht von Killalla an, und wurden hier zu Lande geschlagen, machten aber, so schwach sie waren, der Uebermacht des Feindes viel zu schaffen.

Im September erschien eine Abtheilung der Expedition vor der Stadt und kleinen Insel Ruthland, ging aber zurück, so wie sie jener Schicksal erfuhr.

Mit diesen zugleich ging den 16ten September 1 Linien-Schiff, 8 Fregatten und 1 Golette von Brest nach Irrland ab, mit 3200 Mann; sie wurden zur See bei der Insel Tory geschlagen. Und obgleich zum zweiten Mal von Rochefort aus ein Geschwader von 3 Fregatten und 1 Corvette in die Bay von Killalla einlief, so konnte auch sie, zufolge des Unglücks ihrer Vorgänger, nichts unternehmen.

England musste durch das glückliche Ankommen der ersten Geschwader aufmerksam werden, und stellte deshalb an der westlichen Küste Irrlands bei Pont Achill eine kleine Flotte auf, wodurch ein gleicher Erfolg verhindert wurde; wie viel mehr wird dies nicht der Fall jetzt, bei einer weit drohenderen Stellung ihrer Flotten, seyn. –

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Es fehlt Frankreich bis jetzt noch an Haupt-Kriegshäfen; dies macht partielle Landungen nöthig, und England kann mit einer geringern Macht den einzelnen Theilen die Spitze bieten; ein anderer, der bedeutendste Nachtheil der so sehr zerstreueten Häfen, ist der, dass der Wind, der für einen oder einige Punkte günstig, es nicht für alle ist.

Der von Dünkirchen ist zwar jetzt verbessert, aber dennoch nicht zu allen Zeiten für grosse Schiffe zugänglich. Von Brest bis Nieuwerdiep ist keiner, der eine grosse Flotte aufnehmen könnte, wenn auch die Rheden von Vliessingen, Hellvoet und das Marsdiep sichere Rheden haben.

Vliessingen ist der Hauptposten von Seeland, und vertheidigt die Durchfahrt in die Schelde.

Carl der V. fand ihn schon sehr wichtig, und befahl seinem Sohn, dort ein Kastell anzulegen, welches aber nicht zu Stande kam. In jenen Kriegen wurde die Stadt mit Erdwällen befestigt. 1585 verpfändeten die General-Staaten sie an Elisabeth von England, die eine Englische Besatzung hinein legte. 1616 gaben sie die Engländer den Holländern wieder.

Die Rhede von Cherbourg hat Tiefe, und ist auch von der Küste und der Insel Pelée gegen Stürme und Angriffe gedeckt. Sie könnte durch die Verlängerung des Meerdammes bis zu dem Felsriff an der Oeffnung von Querqueville bedeutend verbessert werden. Der jetzige Damm ragt 12 Fuss über's Wasser hervor; auf ihm ist eine Batterie von 40 Kanonen und 12 Mörsern.

Die Rheden von Havre, Calais, Dünkirchen und Ostende sind offen, und ihre Häfen nehmen nur kleine Kriegs-Schiffe auf; noch unbedeutender sind die von St. Malo, La Hougue, Dieppe, Tréport, St. Valery, Fécamp, Boulogne, Gravelines und Nieport. Jedoch hat die Kunst, wie der Erfolg gelehrt, durch Anlegung der vielen Landbatterien und mittelst der grossen Anzahl bewaffneter Fahrzeuge geleistet, was sie sonst versagte.

Der Hafen von Brest ist einer der besten. Auf der Rhede liegen 500 Schiffe sicher vor Stürmen und Angriffen; er ist mehr länglich als breit, aber tief genug, und kann 16 vom ersten und zweiten, 24 vom dritten, und 16 Schiffe vom vierten Range nebst 60 Transport-Schiffen aufnehmen.

Folgendes sind die beschlossenen, öffentlich bekannt gewordenen Verbesserungen:

Die Schleusen von Ostende, so wie der Hafen, wurden verbessert, und mehrere Werfte errichtet; so auch drei neue Werfte in Calais.

Zu Bresskens wird ein Hafen angelegt.

An der Schelde bei Ferneüzen ein Bassin für 25 Kriegsschiffe.

Antwerpen erhält Marine-Werfte, so wie einen neuen Hafen und Bassin.

Der von Amiens wird verbessert.

Der von Cherbourg für 50 Linienschiffe eingerichtet.

Durch Bonaparte ist die Hafen-Vertheidigung von Havre de Grace sehr verstärkt worden. Am Eingang ist er enge, dann erweitert er sich, und bildet mehrere Bassins. Seine Haupt-Vertheidigung macht ein Damm, dessen Grundlage lauter Granitblöcke sind, beinahe 20 Fuss breit, und eben so hoch über den Wasserspiegel, mit mehrern Batterien besetzt. Man ist der Meinung, dass ein zweiter Damm, oberhalb der Stadt, nach Cap d'Antifer sehr gute Dienste leisten würde; denn bis jetzt blieben die feindlichen Bombardier-Schiffe oberhalb des Dammes, und litten vom Feuer des Kastells und der Barken nur wenig.

Ausser den Kauffahrtei-Häfen haben die Engländer die Kriegs-Häfen Plymouth, Portsmouth und die der Themse, Ramsgate; sie sind alle gegen Stürme und feindliche Angriffe gesichert.

Von Perensei bis Dungeness ist das Wasser überall so tief, dass ein Kriegesschiff hart am Ufer ankern kann. Die Wasserstrasse geht überhaupt fast längst der Englischen Küste, an der an vielen Orten die Schiffe sicher vor Stürmen und Angriffen sind.

Eine der grössten Schwierigkeiten für die Landung der Franzosen bietet die Natur des Meeres in dieser Gegend dar. Die Ebbe und Fluth ist im Kanal ausserordentlich stark. Die geringste verschiedene Höhe beider beträgt 9 Fuss. Oft schon stieg die Fluth auf 24 Fuss. Innerhalb 24 Stunden 49 Minuten strömt also die ungeheure Wassermasse mit dem starken Nivellement von 9 bis 24 Fuss viermal, im Kanal hin und her, und reisst daher alle Fahrzeuge, die nicht durch ihre Segel widerstehen, gewaltsam mit sich fort. Die Wirkung dieses Stromes muss aber auf flache Fahrzeuge um so grösser sein, als er an seiner Oberfläche am schnellsten fliesst. Es wird also einst ein ganz anderer Umstand sein, mit den Kanonierböten längs der Französischen Küste von einem Hafen zum andern, wie in einem Flusse, hinabzutreiben, als quer über diesen Strom nach den englischen Küsten zu fahren, wo seine Schnelligkeit und seine Tiefe gewinnt, und wo es den Kanonierböten fast unmöglich sein wird, die Gewalt des Stromes zu überwinden, oder gar ihm entgegen zu arbeiten, und bei solchen Umständen unter den feindlichen Landbatterieen zu landen. Will also ein Französische Flottille aus einem oder dem andern Hafen gerade an der gegenüber liegenden Küste landen, so muss sie erst ein Paar Stunden aufwärts fahren, und dann in schiefer Richtung übersetzen zu können, so wie es die Schiffer bei schnell fliessenden Flüssen zu thun pflegen. Wie leicht kann aber hierbei nicht der bezweckte Landungspunkt verfehlt werden! Tausende, nicht vorherzusehende Schwierigkeiten können entstehen. Wie General Dumouriez 1793 über den Moerdyk setzen wollte, wurde er durch die Strömung daran verhindert. Allein noch heftiger ist sie im Kanal, welches man schon durch den geraden Abschnitt der Holländischen Küste erkennt, die bloss durch diesen starken Strom abgespühlt ist.

Ausser den genannten vorgenommenen oder projektirten Verbesserungen der Französischen Häfen, sind noch folgende Massregeln als bedeutend anzuführen.

An allen Punkten der Küste, die nur irgend grösstentheils dicht an dem Lande hinfahrenden kleinen Fahrzeuge dienen konnten, wurden Verschanzungen und Batterieen errichtet. So auch vorzüglich längs den Dünen bis nach Blankenburg, auf den Inseln Casand, Walchern, und bei Vliessingen. Die beiden Ufer der Ost-Schelde wurden befestigt.

Man liess Matrosen aus Italien, Zimmerleute und Schmiede aus den benachbarten Departements nach den Küsten zur Arbeit an den Böten beordern.

Der Marine-Minister erhielt 4460 Conscribirte vom Jahre 11 zur Disposition; sie mussten aber alle Zimmerleute oder Tischler sein.

Alle Fischerfahrzeuge von 7 Tonnen wurden in Beschlag genommen.

Ein Corps von Guides wurde errichtet, die alle genau in England bekannt und der Sprache dieses Landes völlig mächtig sein müssen.

Einen bedeutenden Vortheil zum Zusammenziehen der Böte ausser der feindlichen Feuerwirkung gewähren die Wasserverbindungen sowohl an der Küste, als im Innern. Dahin ist zu rechnen:

Der Kanal von Nieuport und Ostende.

Einer von Rheims zum Meere.

Von Haag aus können die Schiffe nach dem Innern, nach Gent, und so nach Ostende und Brügge gehen.

Wegen der bei Brest liegenden feindlichen Flotten brachte man die von Bordeaux nach Havre bestimmten Schiffen nach Nantes, daselbst in die Loire, dann in den Kanal von Briare, dann in die Seine, und so nach Havre und Boulogne.

Die verschiedenen Armeen waren auf folgenden Punkten ausgestellt *):

Auf dem rechten Flügel das Lager bei Zeyst.

Eine Armee im Lager bei Montreuil.

Zu den Lägern von Boulogne und St. Omer gehört ein Reserve-Corps aus Küsten- und Linien-Regimentern bestehend.

Das Cavallerie-Lager von Compiegne.

Eine Reserve zwischen Dieppe und Brest.

Das Armee-Corps bei Brest.

Das Lager bei Paintes.

Reserve zwischen Brest und Bayonne.

Das Lager bei Toulon.

*) Ihre Stärke siehe im ersten Bande, erstes Heft.
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Das Wesentlichste der Englischen Zurüstungen zur See und zu Lande.

Man fing bald an in England einzusehen, dass die grosse Menge der Volontairs für die Rekrutirung nachtheilig sei. Pitt trug daher im Junius 1804 darauf an, die permanente Milizmacht zu vergrössern, um daraus die regulaire Armee allmählich verstärken zu können, wodurch nach und nach die Miliz reducirt werden könnte.

Im vorigen Jahre betrug die Englische Landmacht:

In den Colonien 60000 Mann.
In Grossbrittannien:
Regulaire Truppen 67000 Mann.
Volontairs 380000 -- --
Miliz 70000 -- --
Reserve 30000 – --
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547000 Mann.
In Irland:
Regulaire Truppen 50000 Mann.
Volontairs 90000 -- --
Miliz 36000 -- --
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176000 Mann.
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In allem 723000 Mann.

Andere setzen die Landmacht, ohne Colonieen und Reserven, auf 611000 Mann.

Nach Pitts Vorschlag sollte die Reserve-Armee mit 7000, die regulaire Armee mit 9000 Mann vermehrt, und die Miliz von 70000 auf 40 für England und 8000 für Schottland gebracht werden.

Die Armee bestand aus solchen Truppen, die beständig in Thätigkeit sind, und die nur bei der Invasion dienen müssen; von der ersten in beiden Königreichen, mit Jersey und Guernsey, 130000, und in Irland 50000. Zusammen 180000 Mann.

Eine besondere Truppengattung machen die zum Dienst auf den Küstenböten bestimmten, mit Piken bewaffneten 5 Regimenter See-Fencibles aus.

Die Stärke ihrer Feldartillerie wird zu 648 Stücken angegeben. ---Ihre Seemacht wird, nach späteren Nachrichten, angegeben: 511 Linienschiffe, Schloops, Bombenschiffe und andere bewaffnete Fahrzeuge; 9 Blockschiffe. Leichte und kleinere auf den Königlichen Werften ausgerüstete Fahrzeuge 373; 19 Schiffe von der Ostindischen Compagnie geliefert, und eine Flottille von 624 vollständig bemannten und zum augenblicklichen Dienst ausgerüsteten Fahrzeugen. Zu diesem Behuf liessen sie unter andern im December 250 Lotsenböte und Fischerpinken zu Kanonen-Schaluppen mit einer Drehbasse von 13 Pfd. versehen. Summa 1536 Schiffe; nach andern gar 1874.

Andere Angaben geben 104 dienstfähige und wirklich in Commission gesetzte Linienschiffe, ausser 23 von 50 Kanonen, 139 Fregatten und 419 Schaluppen, an.

Bis im Julius 1804 hatten die in diesem jetzigen Kriege genommen: 46 grosse und kleine Französische Kriegesfahrzeuge und 5 Holländische Kriegesschiffe. Sie hatten verlohren 23.

Die Kohlenschiffe und Küstenfahrer richten ihre Verdecke für Kanonen ein, welche sie, so wie die Ammunition, von der Regierung erhalten.

Die Küsten und Mündung des Humbers wurden befestigt; so auch die Strasse nach London.

Die Festungswerke von Chatam, so wie die der übrigen an der Küste gelegenen festen Plätze und Batterieen, besonders in der Grafschaft Cornwallis, wurden verbessert, und bei Chelmsfort Verschanzungen angelegt.

Die östliche Seite Londons erhält Defensionslinien, mit 180 Vier und zwanzigpfündern und 156 Zwölfpfündern versehen.

Um die Stadt östlich auf mehrere Meilen zu sichern, wird ein Deich am Flusse Lea angelegt, wodurch dann die Gegend von Ware bis nach der Themse innundirt werden kann.

Die Mündungsufer des Schannons-Flusses wurden befestigt.

Oeffentliche Nachrichten gaben über die Lage ihrer Küstenböte nur sehr wenig an.

Zu Deal lagen 50; an den Küsten von Essex 3 Eskadren derselben; 150 an der Sussex-Küste von Hastings bis Margarethe; zu Dover 50 Böte mit einem 13pfünder, die als eine neue Erfindung angegeben werden.

Ueber die Vertheilung ihrer Armeen an der Küste ist nichts Zusammenhängendes bekannt geworden. Einzelnen Nachrichten zufolge soll bei Funbridge eine Feldbäckerei für 60000 Mann angelegt, und an den Küsten von Kent Feldgeräthe für 50000 Mann gebracht worden sein; so wie, nach den spätesten Nachrichten, an der Küste von Sussex 70000 Mann versammlet waren.

Ihre Flotten sind folgendermassen stationirt. Eine bei Schottland; eine in den Dünen, die erstere links, rechts die zwischen Calais und Boulogne stationirte, verstärken kann; letztere deckt die Mündung der Themse bis nach Harwich. Eine vor Bayonne; eine an der westlichen Küste der Normandie, die zugleich Jersey und Guernsey deckt; eine bei Brest; eine an der westlichen Küste und eine mit kleinen Schiffen an der nördlichen Küste Irlands.

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Die Engländer geben uns folgende Beschreibung von den verschiedenen Arten Französischer Böthe.

Die erste Klasse geht bis 3 ½ Fuss tief, führt 3 Kanonen, als in der Mitte einen 24pfünder, hinter beim Steuer einen 6- und einen 9pfünder, 100 Soldaten und 6 Matrosen.

Die zweite bis 3 ½ Fuss tief, 3 Kanonen, in der Mitte eine 18pfündige Carronade, und hinten einen 6- und einen 9pfünder, 70 Mann und 5 Matrosen.

Die dritte in der Mitte eine 18pfündige Carronade, und hinten einen 6pfünder, 50 Mann, 3 Matrosen.

Die flachen Fahrzeuge haben 20 bis 24 Ruderbänke; auf jeder vier Soldaten, 2 für's rechte, 2 für's linke Ruder. Auf ein Signal des hoch im Boot stehenden Officiers feuern die Soldaten der einen Seite, und die der andern rudern; und so umgekehrt.

Die Engländer tadeln, dass die Franzosen so wenig Matrosen auf ihren Fahrzeugen hätten; "sie wollten mit den ihrigen keine Seereise machen, und hätten doch mehrere, obgleich die ihrigen geübter wären." Sie geben ihre Böthe folgendermassen an:

Die erste Klasse geht 3 Fuss in's Wasser, führt 2 Kanonen, 50 Soldaten, 8 Matrosen.

Die zweite 2½ Fuss tief, einen 12pfünder, 30 Soldaten und 6 Matrosen.

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Die Entfernung einiger Englischen Haupthäfen von denen der Franzosen ist, nach Seemeilen *) gerechnet, folgende:

Von Brest nach Gallway } 180
-- -- -- Bantry } in Irland 115
-- -- -- Kork } 100
-- -- -- Plymouth 60
-- -- -- Torbay 70
Cherbourg ist von Plymouth entfernt 26
Havre von Neuhaven 29
Boulogne von Rye 14
Calais von Dover 7
Dünkirchen von Deal und Margathe 14½
Vliessingen ist von der Nore entfernt 35
Helvoetsluis von Harwich 30
Der Texel von Yarmouth 36 
*) Eine Seemeile kann man eine Stunde Weges rechnen.
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Was die nachfolgenden Tabellen anbetrifft, so muss die Redaktion bemerken, dass die Data derselben aus den Zeitungen gezogen wurden, die zum Theil vielleicht sehr falsch sind, da die Französische Regierung zum öftern dergleichen Nachrichten zu geben verbot. Da sich nun nichts Gewisses bestimmen liess, so wollte man lieber die Nachrichten so geben, als man sie fand, und nur bloss auf eine Zusammenstellung zur Uebersicht der bisherigen Vorgänge Rücksicht nehmen, welches hoffentlich dem militairischen Publiko willkommen sein wird.

  • ) Ihre Stärke siehe im ersten Bande, erstes Heft.


Ueber die Seemacht der Engländer.[]

[1]
Das Meer ist niemandes Eigenthum, es ist so frei, wie die Luft. Niemand kann es in Besitz nehmen, weil ihm niemand ein Kennzeichen aufdrücken kann, das sein Eigenthumsrecht beurkundete. Alle Nationen dürfen es befahren, dürfen es als einen Verbindungsweg zwischen den verschiedenen Erdgegenden benutzen, und niemand hat ein Recht, sie daran zu verhindern und sich ein ausschließendes Eigenthumsrecht darauf anzumaßen. Die Seeschiffahrt ist dem Rechte nach gänzlich frei; und wenn ein Schiff darauf erscheint, das einem Neutralen gehört, so ist dies frei; allein nicht bloß das Schiff ist frei, sondern auch das, was in demselben verladen ist. Freies Schiff macht daher freies Gut; wer diesen Grundsatz antastet, der verlezt auch das Recht des Neutralen und lebt nicht mehr mit ihm im Frieden, sondern im Kriege; in jenem darf er bloß das thun, was dem Rechte und der Freiheit aller Nationen keinen Abbruch thut, und was eine Handlungsweise begründet, welche allgemeine gültig für alle Nationen seyn kann und weder ihre Unabhängigkeit noch ihre Selbstständigkeit gefährdet.

Die Engländer wollen diesen Grundsatz nicht gelten lassen und machen sich dadurch der schreiesten Ungerechtigkeiten schuldig; sie maßen sich ein Recht der Visitirung neutraler Schiffe an, was jeden Friedenszustand unmöglich macht; sie erklären das feindliche Gut, das sie auf neutralen Schiffen finden, für eine Beute; sie nehmen das Gut, das dem Neutralen gehört und das sich auf feindlichen Schiffen befindet, ob schon das Eigenthum des Neutralen allenthalben unverletzlich seyn muß.

Wir wollen hier kurz die Grundsätze angeben, welche die Engländer in diesen Hinsichten geltend machen, um den Abscheu zu erregen, welche eine solche Handlungsweise verdient. Machen es Andere nicht besser, als die Engländer, so sind mit ihnen in gleichem Falle, und sie begehen die nämlichen Ungerechtigkeiten, welche sich jene zu Schulden kommen lassen.

Die Anzahl der Einschränkungen, welche die Engländer auf dem Meere geltend machen wollen, beläuft sich hauptsächlich auf viere.

1) Die Schiffe, von welcher Nation sie auch seyn mögen, sollen nur in diesem oder jenem Hafen landen; sollen nur diese oder jene Waaren führen. -- "Unsere Seegesetze, sagen sie, setzen eure Bestimmung fest, und bezeichnen euch den Weg, und auch die Art der Waaren, die euch zu führen erlaubt ist."

2) Die Kriegsschiffe sollen frei segeln können; jedoch sollen sie den Kauffahrteischiffen ihrer Nation nicht zur Escorte dienen können. -- "Unsere Seegesetze, sagen die Engländer, erlauben eurem Souverän nicht, seine Kauffahrteischiffe zu convoyiren. Ueberdies dürfen die Kauffahrteischiffe nur die Art Waaren verführen, die wir sie zu laden berechtiget haben, und da es ihnen nicht erlaubt ist, Waaren einzunehmen, wozu sie von uns nicht berechtiget sind, so kommt es uns zu, eure Schiffe zu visitiren und nachzusehen, ob sich eure Verlader nach unsern Seegesetzen gerichtet haben. Wären wir auf eurem Gebiete, so würden wir die Oberherrschaft eures Fürsten achten; wir würden Rücksichten auf die Person seiner Unterthanen nehmen, aber auf dem ofnen Meere üben wir zu Kriegszeiten die Souveränität aus und sind daher zu keiner Schonung verbunden. Unser Vortheil erfordert, uns zu überzeugen, ob ihr keine verbotenen Waaren führt. In England halten wir auf den kleinsten Marktplätzen alle Waaren, die wir an uns kaufen, auf Treu und Glauben der Verkäufer für ächt und richtig verkauft; aber diese Verkäufer sind Engländer. Dieses Zutrauen können wir nicht Männern einräumen, die auf fremden Schiffen fahren und unter fremder Flagge segeln."

3) Alle Völker Europens haben sich Englands Navigationsakte unterworfen. Einige haben in Tractaten eingewilliget; alle haben Englands Seegebräuche geduldet. Alles was noch von gemeinen und gemeinschaftlichen Rechten übrig ist, existirt nur durch seinen guten Willen. Wer kann es hindern, wenn es ihm einfällt, die Verbote seines Seerechts auf alle Nationen auszudehnen? Wer kann es hindern, wenn England befiehlt, diese Nation soll bloß eine gewisse Anzahl Schiffe, jene gar keine haben?

4) Jeden Platz, jede Gegend kann England für blokirt erklären. Nach der Bekanntmachung der Blokade soll es jedem Fahrzeuge verboten seyn, daselbst einzulaufen.

Alle Ansprüche der Engländer haben keinen andern Grund, als den, daß sie Herren des Meeres sind, und daß sie die Schiffahrt anderer Völker allen Einschränkungen unterwerfen können, die ihr Handelsinteresse erfodert.

"England, sagen die Engländer, besizt die Herrschaft über das Meer. Es ist Meister der Nordsee, durch die große Anzahl seiner Häfen, des mitelländischen Meeres, durch Gibraltar und Malta; Ostindiens, durch das Vorgebirge der guten Hofnung, Ceylon und Bengalen; des amerikanischen Meeres, durch Jamaika und Trinidad; überdies hat England mehr Linienschiffe, als die übrigen Seemächte zusammengenommen Fregatten haben. Wer muß daher nicht eingestehen, daß es in der That Herr aller Meere ist, und daß es kraft der Macht, die es entwickelt oder entwickeln kann, das Recht hat, die allgemeine Gesetzgebung anzuordnen und die Grundsätze dieser Gesetzgebung nach seinem Interesse festzusetzen."

Die Engländer spielen ein gefährliches Spiel; denn wie jede Uebermacht sich selbst vernichtet, so auch die ungeheure Gewalt zur See. Schon der Lord Bolingbroke sagt: "der Entwurf, allein Heer des Meeres zu seyn und sich des ganzen Handels zu bemächtigen, ist in seinen Wirkungen eben so verderblich, als das Project einer Universalmonarchie auf dem festen Lande."

Uebermacht empört, weil sie bedrückt. Männerzorn erhebt sich gegen ihr Daseyn, und der allgemeine Unwille verleiht den bedrückten Nationen Muth, ein Joch abzuschütteln, das eben so lästig als entehrend ist.


Quellen.[]

  1. Brandraketen, ein Feuerwerk für Engländer. In zwanglosen Heften. London, 1808. Im Büreau der Ausländer.
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