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Beschreibung der Stadt Schweinfurt.[]

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Schweinfurt, in alten Urkunden Svinford, wird im Lateine gemeiniglich Suevofurtum oder Trajectus Suevorum genennt, weil die Schwaben hier eine Furt über den Mayn gehabt haben sollen, anderer eben so gesuchter Herleitungen zu schweigen. Ich dächte, die Sache sey so, wie sie klar da liegt, zu nehmen; indem es doch am nämlichen Mayn auch ein Hasfurt und ein Ochsenfurt giebt, welche unverkennbar von den Thiergattungen benennt werden, welche hier ihren Weg durch den Strom fanden. Was die Stadt betrift, so ist sie ziemlich groß, aber eben nicht zu volkreich. Häuser und Strassen sind zum Theil recht gut, und besonders von den leztern einige sehr hell und geräumig. Der Marktplatz stellt ein länglichtes Viereck vor, begreift viel Flächeninnhalt, und giebt der Stadt vor mancher ehemaliger Reichsstadt einen grossen Vorzug. Das daran liegende Rathhaus ist ein altes Gebäude, eben nicht von sonderlichem Ansehen. Die vornehmsten Kirchen sind die Pfarrkirche und die Hospitalkirche. Das Gymnasium wurde zwar hier bey der allgemeinen Einführung des neuen Lehrplans in die kurbairischen Erblande nicht aufgehoben, aber doch dahin beschränkt, daß dasselbe gegenwärtig mehr ein höhere Bürgerschule als eine lateinische Lehranstalt genennt zu werden verdient. Im Jahr 1800 befanden sich in der Stadt 879 Häuser und 6361 Einwohner, evangelischer Religion.

In ältern Zeiten was Schweinfurt eine königliche Villa. Die teutschen Könige und römischen Kaiser haben Mark- und Burggrafen hieher gesezt, die in und bey der Stadt beträchtliche Erbgüter besassen, und von welchen der lezte, Namens Eberhard, Bischof zu Eichstädt gewesen. Die Stadt ist von den Königen und Kaisern Albrecht, Heinrich und Ludwig an die Grafen von Henneberg, und von diesen wieder zur Hälfte an das Hochstift Würzburg verpfändet worden. Allein sie löste sich selbst aus, und erhielt hierauf 1361, 62 und 68 vom Kaiser Karl IV., 1387 vom Kaiser Wenzel, 1407 von Kaiser Ruprecht, dann 1417 und 31 von Kaiser Sigismund die Versicherung, nie wieder verpfändet werden zu dürfen. In den Jahren 1253 oder 54 und 1533 erlitt die Stadt eine gänzliche Einäscherung. Im Jahr 1532 hielten hier die protestantischen Fürsten eine Zusammenkunft. 1631 und 47 wurde sie von den Schweden eingenommen und befestigt. Sie hat guten Weinwachs und Getreidbau.


Schweinfurt.[]

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Schweinfurt, ehemalige freye Reichsstadt, im Fränkischen Kreis, am Mayn, war mit ihrem Gebiete von dem Hochstift Würzburg umgeben. Man findet schon im 8ten Jahrhundert von ihr Nachricht. Sie lag damals etwas weiter ostwärts, in der nun mit Gärten und Weinbergen angebauten Gegend am Mayn, welches die Altstadt genennt wird. Da diese ruinirt war, so wurde im 13ten Jahrhundert die jetzige Stadt angelegt. Sie enthält 879 Bürgerhäuser und 21 öffentliche Gebäude, 3 Kirchen, ein schönes Rathhaus, ein vor dem Einbruch der Franzosen von dem Rathe weislich geleertes Zeughaus, eine große Mahlmühle von 16 Gängen am Mayn, eine bedeckte und unbedeckte hölzerne Brücke über diesen Fluß, welcher hier 672 Fuß breit ist, 5100 Einwohner, und auf ihrem kleinen Gebiete von 1 QM. ausser der beträchtlichen Waldungen 4 Dörfer und 2 Höfe, mit ungefähr 600 Einwohnern. Die vorzüglichste Nahrung verschaft den Bürgern der ergiebige Weizen- und Weinbau; es sind aber auch eine Bleiweis- und einige Tabakmanufakturen in der Stadt, auch verschaft ihr die günstige Lage einen nicht unbedeutenden Speditionshandel. Ihr Rath bestund aus 16 Personen. Diese wählten den Reichsvogt, der sodann von dem Reichshofrath, im Namen des Kaisers mit der Reichsvogtey beliehen wurde. Die Stadt ist der evangelischen Religion zugethan, und hatte ein ansehnliches, jezt in eine Mittelschule verwandeltes Gymnasium, dessen Stifter König Gustav Adolf von Schweden war. Auf dem Reichstage hatte Schweinfurt, auf der schwäbischen Bank, die 19te, und unter den Reichsstädten des fränkischen Kreises die 4te Stelle. Zu einem Römermonathe gab sie 34 fl., und zu einem Kammerziel 84 Thlr. 52 kr. Ihr Wappen ist ein schwarzer Adler im silbernen Felde. Im Jahr 1802 wurde diese Reichsstadt zu den Entschädigungen des Hauses Baiern gezogen, und gehörte zum Maynkreise; bey den Ausgleichungen im Jahr 1810 kam sie aber mit ihrem Gebiethe an Würzburg.


Quellen.[]

  1. Erdbeschreibung der gesammten pfalzbairischen Besitzungen mit steter Hinsicht auf Topographie, Geschichte, physische Beschaffenheit, Land- und Staatswirthschaft, von Johann Georg Prändel, Professor der Mathematik,. . . Amberg, in der Uhlmannschen Buchhandlung, 1806.
  2. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte zu Landshut. Landshut, bei Philipp Krüll, Universitätsbuchhändler. 1811.