Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Austerlitz.[]

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Austerlitz, eine kleine Stadt von 140 Häusern in der fürstl. kaunitz-Rittbergischen Herrschaft gleichen Namens, im brünner Kreise in Mähren; sie hat ein prächtiges Schloß mit einem schönen Garten. Dieser Ort hat eine große Berühmtheit in der neuern Geschichte erhalten, durch die Schlacht, welche hier am 2ten December 1805 von den Franzosen gegen die vereinten Oesterreicher und Russen geliefert und gewonnen worden ist, und deren Resultate der nachherige preßburger Friede (m. s. d. A.) war. Das Terrain von Austerlitz zu gewinnen, um sich dort zu schlagen, soll Napoleon den Feldzug in Mähren verfolgt haben; denn vierzehn Tage vorher sagte er schon; "Untersucht alle diese Höhen genau; hier werdet ihr euch schlagen, ehe zwei Monate vergehen." Seit dem 20sten November schon war Napoleon in Brünn. Als er erfuhr, daß die Kaiser Franz und Alexander von Ollmütz aus in Wischau angekommen waren, sendete er durch den General Savary ein freundliches Bewillkommungsbillet an Alexander; Savary mußte den lebhaften Wunsch nach Alexanders Freundschaft ausdrücken. Dieser antwortete dem "Chef der französischen Nation:" daß er nichts so sehr wünsche, als den Frieden in Europa mit Loyalität und auf billigen Grundlagen hergestellt zu sehen. Den Tag darauf ließ der französische Kaiser dem russischen eine Zusammenkunft vorschlagen. Fürst Dolgorucki, Alexanders Adjutant, erschien statt seiner; die Unterredung endete fruchtlos. Ein französisches Bulletin erzählt, daß dem französischen Kaiser zugemuthet worden sey, Belgien und die eiserne Krone abzutreten. Am 1sten December wurden alle Vorbereitungen getroffen, und Napoleon feuerte seine Soldaten mit folgenden Worten an: "Soldaten! die russische Armee steht vor euch, um die österreichische wegen Ulm zu rächen. Es sind dieselben Bataillons, die ihr zu Hollabrun geschlagen, und seitdem unaufhaltsam bis hierher verfolgt habt. Unsere Positionen sind furchtbar und während sie marschiren werden, meine Rechte zu umgehen, werden sie mir die Flanke bloß geben. Soldaten! ich werde alle eure Bataillons selbst leiten; ich werde weit vom Feuer bleiben, wenn ihr mit eurer gewohnten Tapferkeit die feindlichen Glieder in Unordnung bringt. Sollte aber der Sieg nur einen Augenblick zweifelhaft seyn, so würdet ihr euern Kaiser den ersten Streichen ausgesetzt sehen. Der Sieg kann unmöglich wanken in einem Treffen, wo es auf die Ehre der französischen Infanterie ankommt. Jeder sey durchdrungen von dem großen Gedanken, daß diese Söldlinge Englands, die uns so tief hassen, überwunden werden müssen. Dieser Sieg wird unserm Feldzug ein Ende machen; wir werden in Winterquartiere ziehen und der Friede, den ich schließen werde, wird meines Volkes, eurer und meiner würdig seyn!" Als er Abends von einer Beschauung der Positionen in sein Bivouak (eine Strohhütte ohne Dach) zurückkam, rief er aus: "dies ist der schönste Abend meines Lebens! nur der Gedanke schmerzt mich tief, daß Morgen sicher viele dieser Braven nicht mehr seyn werden! In diesem Schmerze fühle ich es aber, daß ich sie wie meine Kinder liebe!" Um ein Uhr des Nachts war bei den Vorposten; der Feiertag seiner Krönung, der zweite December, der Tag der Schlacht war angebrochen, die auch mit dem Grauen des Morgens begann. Die französische Armee war etwa gegen 80,000 Mann stark, und bestand aus den Corps der Marschälle Soult, Lannes und Bernadotte, aus dem größten Theile des Corps unter dem Marschall Davoust, der Reiterei unter Murat und aus der kaiserlichen Garde. Die gegenüberstehenden Alliirten konnten eher über als unter 90,000 Mann gewesen seyn, indem man über 70,000 Russen und 20,000 Oesterreicher annimmt, die Franzosen rechnen 80,000 Russen und 25,000 Oesterreicher, dagegen die Russen 100,000 Franzosen, sich selbst aber nebst den Oesterreichern noch nicht ganz 70,000 Mann stark angeben.

Plan der Schlacht von Austerlitz am 2ten December 1805.

Der linke russische Flügel unter Buxhöwden sollte die französische Armee auf ihrer rechten Flanke umgehen und ihr so in den Rücken fallen; doch schon bei den Dörfern Talnitz und Menitz stieß Buxhöwden auf das in der Nacht dorthin südwärts nach dem Kloster Raigern abmarschirte Corps von Davoust, und war daher gezwungen, sich gegen allen Plan zu schlagen. Die Anhöhen von Pratzen, welche die Ebenen des Schlachtfeldes beherrschten, von den Russen aber verlassen worden waren, wurden gleich beim Angriffe der französische Armee auf die russische von Soult genommen, durch welches Manöver der ganze linke Flügel der Russen abgeschnitten, und von Davoust und Soult nun in die Mitte genommen wurde. Während dessen war die ganze französische Armee unter Bernadotte, Murat und Lannes vorgerückt. Das Centrum der russischen, bei dem auch die Oesterreicher standen, commandirte Kutusow, den rechten Flügel Großfürst Constantin und der Fürst Dolgorucki; hinter ihrer Fronte standen als Reserve die kaiserliche Garde und ein Corps Infanterie unter Bagration. Nur die furchtbaren Wirkungen der gut benutzten französische Artillerie konnten die russischen Linien brechen, die lange Zeit wie unerschütterliche Mauern standen. Als das Centrum gesprengt war, rückte die russische Garde vor und warf sich gewaltig auf die Franzosen, die auf einen Augenblick in Unordnung kamen, da eins ihrer Regimenter aus einander gesprengt wurde; aber in diesem Momente rückten auch die französischen Garden vor, und nach einem blutigen Gefechte faßte Kutusow den Entschluß, sich zurückziehen; der ganzen Armee folgte nun auch der Großfürst an der Spitze der Garden; dies alles geschah in der größten Ordnung. Noch schlug sich der russische linke Flügel unter Buxhöwden, und dort litten auch die Franzosen am meisten; doch ein Unfall eigener Art betraf dies tapfere Corps, indem es versuchte, über einen zugefrornen See zu marschiren, Napoleon aber im Augenblicke seiner Ankunft auf diesem Punkte Befehl gab, mit Kartätschen auf das Eis zu schießen, wodurch diese einbrach und mehrere Tausende in den See versanken. Den Rest rettete Buxhöwden glücklich zum Hauptarmee, die in der Nacht auf den 3ten December über Uhrschitz, Czeitsch, Göding hinter die March, auf der Straße nach Ungarn, doch mit Verlust von mehr als 100 bespannten Kanonen samt allen Pulverkarren, sich zurückzog. Die Arriergarde unter Bagration wurde am 3ten December noch einmal, doch ohne bedeutenden Verlust, angegriffen.

Schlacht bei Austerlitz von François-Pascal Simon Gérard.

Der russische Verlust in diesen zwei Tagen überhaupt wird französischer Seits auf 40,000 Mann an Todten und Gefangenen, in den russischen Berichten aber auf 12,000 Mann angegeben, so wie die Franzosen nur 1000 Todte und 3500 Verwundete von sich zugestehen, während Kutusow den Verlust der Franzosen auf wenigstens 18,000 schätzt.

Die endlichen Resultate dieser Schlacht waren: die Zusammenkunft Napoleons mit Franz II.; die Trennung der russischen Armee von der österreichischen, indem sie in vorgeschriebenen Etappenmärschen in drei Colonnen über preußisch Schlesien in ihr Vaterland zurückkehrte; der Waffenstillstand zwischen Frankreich und Oesterreich, und der am 26sten December zwischen beiden Mächten zu Preßburg geschlossene Friede.

Von einem Frieden zwischen Frankreich und Rußland aber war die Rede nicht gewesen, sondern die Russen blieben in Schlesien bis in den Februar 1806 stehen; der Großfürst Constantin war selbst mit dem Fürsten Dolgorucki in Berlin gewesen, um diese Armee dem Könige von Preußen zu seiner Disposition anzubieten, zu Zwecken, welche neun Monate später sich enthüllten.

In der von Napoleon nach der Schlacht erlassenen Proclamation an seine Armee vom 3ten December wurden 40 Fahnen, 120 Kanonen, 20 Generale und mehr als 30,000 Gefangene als Trophäen genannt, welche Angaben aber, wie das in den lügenhaften französischen Schlacht-Berichten immer der Fall war, sehr übertrieben sind. Auch ist die Angabe von den Tausenden, die in den Teichen um Austerlitz ertrunken seyn sollen, ganz ungegründet. Man fand nachher in diesen Teichen als man sie abließ, nichts als einige todte Pferde. Die Belohnungen und Auszeichnungen, welche Napoleon den Soldaten verhieß, die an diesem Siege Antheil gehabt hatten, wurden von den Meisten vergeblich erwartet.


Het verdrinken van een aantal terug wijkende russische troepen, in de meiren nabij Menitz.


Bulletin der großen Armee.[]

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Die Schlacht bey Austerlitz,

gewonnen von der Französischen Armee am 2. December 1805.

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Vom 27. November bis 1. December leitete man alles ein, um die Russen zu einer allgemeinen Schlacht zu nöthigen, und die deshalb getroffenen Anstalten hatten den vollständigsten Erfolg.

Unbeschreiblich war die Freude, mit der die Französische Armee von dem Gipfel der Anhöhe, wo Napoleon bivuaquirte, die Russische Armee auf eine doppelte Canonenschußweite sich ihren Vorposten nähern, und eine Flanken-Bewegung, den rechten Französischen Flügel zu umgehen, machen sah. Die Russen marschirten dabey colonnenweise, in einer Linie von vier Lieues längst der Französischen Armee vorüber, die unbeweglich in ihrer Stellung blieb, um ihren Feind, der mit verdoppelten Schritten seinem Verderben entgegen eilte, so herbeykommen zu lassen, daß er ihnen nicht mehr entgehen konnte. Der Kaiser der Franzosen traf hierauf seine Anordnungen zur Schlacht.

Den Oberbefehl über den linken Flügel gab er dem Marschall Lannes; den über den rechten dem Marschall Soult; den über das Centrum dem Marschall Bernadotte, und dem Prinzen Murat das Commando der Cavallerie, die er auf einem einzigen Puncte aufstellte. Der linke Flügel unter dem Marschall Lannes lehnte sich an St. Anton, was man befestigte, und mit 18 Canonen besetzt hatte.

Die Division des Generals Suchet bildete den linken Flügel des Marschall Lannes, jene des Generals Caffarelli seinen rechten, und lehnte sich zu gleicher Zeit an die Cavallerie des Prinzen Murat an.

Die Cavallerie des Prinzen Murat bestand vorwärts aus den Hussaren und Jägern des Generals Kellermann, und den Dragoner-Divisionen Walther und Beaumont. Zu ihrer Reserve waren die Cuirassiers-Divisionen der Generale Nansouty und Hautpoult mit 24 Feldstücken aufgestellt.

Marschall Bernadotte, das ist das Centrum, hatte links die Division des Generals Rivaud, die mit dem rechten Flügel des Prinzen Murat in Verbindung stand, und rechts die Division des Generals Drouet postirt.

Marschall Soult, der den rechten Flügel der Armee commandirte, hatte links die Division des Generals Vandamme, im Mittelpunkte die Division des Generals St. Hilaire, und rechts die Division des Generals Legrand gestellt.

Marschall Davoust war zur rechten des Generals Legrand detaschirt, um die Wege zwischen den Teichen und aus den Dörfern Sokolnitz und Felnitz zu bewachen. Er hatte die Division Friant und die Dragoner von der Division des Generals Bourcier bey sich. Die Division des Generals Gudin mußte am frühesten Morgen von Nikolsburg aufbrechen, um das feindliche Corps, das allenfalls den rechten Flügel hätte umgehen können, aufzuhalten.

Der Kaiser Napoleon, und sein ganzer Generalstab bildeten mit den 10 Bataillons von der Kaiserl. Garde, und mit 10 Bataillons Grenadiere des Generals Oudinot die Reserve. Diese war in zwey Linien, in Colonnen, Bataillonsweise, und in solcher Entfernung aufgestellt, daß Raum zum Deploiren blieb. In den Zwischenräumen befanden sich 40 Kanonen, die von den Artilleristen der Garde bedient wurden. Sie hatte die Bestimmung, sich mit Schnelligkeit dahin zu werfen, wo ihre Gegenwart nothwendig war.

Endlich brach die Dämmerung des 2. Decembers an, aber den Wünschen der beyden Armeen viel zu langsam. Kaiser Napoleon, von allen seinen Marschällen umgeben, wartete mit Ertheilung der letzten Befehle, bis der Horizon ganz erhellt war. Mit dem ersten Strahl der Sonne wurden die Ordres gegeben, und jeder Marschall begab sich im Galoppe zu seinem Corps.

Der Ruf: Es lebe der Kaiser! der auf der ganzen Linie ertönte, war das Signal zur allgemeinen Schlacht. In demselben Augenblicke erhob sich die Kanonade von dem äußersten Ende des rechten Flügels, den die Russische Avantgarde schon umgangen hatte. Als diese aber ganz unvermuthet auf den Marschall Davoust stieß, machte sie Halt, und sogleich fieng das Treffen an.

Zu gleicher Zeit setzte sich der Marschall Soult in Bewegung, und zog mit den Divisionen der General Vandamme und St. Hilaire gegen die Anhöhen des Dorfes Pratzen.

Der rechte Flügel befand sich durch dieses Manövre ganz abgeschnitten; alle seine Bewegungen wurden ungewiß. Ueberrascht durch einen Seitenmarsch, zog er sich zurück; er sah sich plötzlich angegriffen, während er selbst angreifen wollte. Von diesem Augenblicke an betrachtete sich dieser Flügel schon als halb geschlagen.

Nunn ehr setzte sich die Cavallerie unter dem Prinzen Murat in Bewegung; der linke Flügel, commandirt vom Marschall Lannes, marschirte Regimenterweise in Abtheilungen, wie zum Exerciren auf. Auch das Centrum unter dem Marschall Bernadotte brach auf, und sogleich erhob sich eine fürchterliche Kanonade längs der ganzen Linie.

Zweyhundert Canonen und fast 200,000 Mann, die alle zu gleicher Zeit sich schlugen, machten einen schreckenvollen Lärm. Das war wahrhaft eine Riesenschlacht.

Das Treffen hatte noch keine Stunde gewährt, als schon der ganze linke Flügel der Russen abgeschnitten, und selbst der rechte Flügel bis nach Austerlitz zurückgeworfen war. In Austerlitz befand sich das Hauptquartier der beyden Kaiser, die alsogleich der Russisch-Kaiserl. Garde das Zeichen zum Aufbruch geben lassen mußten, um, so möglich, die Verbindung ihres Centrums mit dem linken Flügel wieder herzustellen. Marschall Lannes rückte mit seinen Unbesiegbaren vor, und sogleich kam er zwischen der Französisch-Kaiserl. und der Russisch-Kaiserl. Garde zum Handgemenge.

Die Russische Garde wurde in Unordnung zurückgeworfen; ihr Oberster, ihre Artillerie, ihre Standarten, alles wurde genommen. Der Großfürst Konstantin selbst, dessen ganzes Regiment aufgerieben wurde, entkam nur durch die Schnelligkeit seines Pferdes.

Während dieses Gefechtes dauerte das Treffen mit der übrigen Russischen Armee fort, so weit sie noch nicht in Flucht war.

Das Centrum der Franzosen widerstand den sehr wohl geordneten Angriffen der Cavallerie. Auch der linke Flügel hörte nicht auf anzugreifen, und alle seine Angriffe waren siegreich.

Um 1 Uhr Nachmittags war der Sieg, der keinen Augenblick zweifelhaft gewesen war, zum Vortheil der Französischen Armee entschieden.

Die Canonade dauerte bloß noch auf dem rechten Französischen Flügel fort. Das Russische Corps, das abgeschnitten wurde, war umrungen, aus allen seinen Positionen vertrieben, in eine Tiefe zurückgeworfen, und an einen See zusammengedrängt. Hier bot sich das schauderhafte Schauspiel dar, 20,000 Menschen sich auf der Eisdecke desselben zerstreuen, und den größten Theil davon in den See versinken zu sehen.

Zu gleicher Zeit streckten zwey Russische Colonnen, jeder derselben 4000 Mann stark, die Waffen, und die ganze Artillerie, wenigstens von 120 Canonen, fiel in unsere Hände.

An diesem Tage war die ganze Russische Armee zu bekämpfen. Die Hälfte derselben wurde vernichtet, und der Rest in der vollsten Unordnung in die Flucht geschlagen. Der größte Theil warf die Waffen weg.

Von der ganzen Französischen Armee war blos die Reserve nicht zum Angriff gekommen, und diese Reserve allein wog eine Armee auf.

Die Französische Armee, obschon ziemlich stark, war doch nicht so zahlreich, als die feindliche, die aus 105000 Mann bestand, nämlich aus 80000 Russen, und 25000 Oesterreichern.

Dieser Sieg verschaffte der Französischen Armee: 40 Russische Fahnen, eingerechnet die Standarten der Garde des Kaisers Alexanders; 120 Kanonen; 12 oder 15 Russische Generale, die zu Gefangenen gemacht wurden, und worunter sich die Fürsten Gallitzin und Repnin befinden; endlich eine ungeheure Menge Russischer Gefangener. Der Französische Generalstab kennt noch nicht ihre ganze Zahl; aber von 20000 derselben besaß er schon das Verzeichniß. Endlich zählen die Russen 15000 Todten, die das Schlachtfeld bedecken.

Obschon die Berichte über den Verlust der Franzosen noch nicht alle angelangt sind, so kann man doch beyläufig ihren Verlust an Todten auf 800, und an Verwundeten auf 1500 bis 1600 schätzen. Das wird keinen Soldaten in Verwunderung setzen; denn jeder weiß, daß man nur dann viele Leute einbüßt, wenn man die Flucht ergreifen muß. Auch wurde kein Corps durchbrochen, ein einziges Bataillon vom 4. Regimente ausgenommen, das den ersten Anfall der Russisch-Kaiserl. Garde auszuhalten hatte.

Die Französischen Divisions-Generale: St. Hilaire, Kellermann und Walther, die Brigaden-Generale Vallmbert, Thiebaut, Sebastiani und Kompans, endlich der General Rapp, Adjutant Sr. Majestät des Kaisers, befinden sich unter den Verwundeten. Letzterer war es, der an der Spitze der Grenadiere von der Französisch-Kaiserl. Garde angriff, und den Fürsten Repnin gefangen nahm, der die Reiter der Russisch-Kaiserl. Garde commandirte.


Russisch-Kaiserl. Hofbericht über die Schlacht von Austerlitz.[]

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Im December-Stück des vorigen und im Januar-Stück dieses Jahrs, haben wir die Französischen Officialberichte über die Schlacht von Austerlitz mitgetheilt. Hier folgt der vorläufige Russische Bericht, den die St. Petersburger Zeitung vom 21en Febr. alten Styls enthält.

Troppau, den 25sten Jan.

"Der Ausgang der Schlacht bei Austerlitz ist durch seine Folgen so unbezweifelt, daß man es kaum begreift, wie Frankreich so übertriebene und unwahre Berichte von dieser Schlacht liefern mochte. Mit Recht erwartet ganz Europa, besonders die Russische Nation, eine diesseitige Relation. Nur die Liebe zur Wahrheit, nur der Wunsch, nichts als ausgemachte Thatsachen zu liefern, hat diese Relation bis jezt aufgehalten. Unterdessen ist es nöthig, einige Bemerkungen der Französischen Bülletins, besonders des 30sten, dem Publikum mitzutheilen.

Der General Savary hat nur 2 Personen von der Suite des Kaisers gesprochen und außer dem nur Feld-Adjutanten gesehen, welche mit Berichten von ihren Chefs waren, oder Befehle an dieselben zu bringen hatten. Der Chef der Französischen Nation mag an der Sprache des Fürsten Dolgorucki keinen Gefallen gefunden haben. Aber er vergaß es in diesem Augenblick, daß die Russen nicht zu den Nationen gehören, die sich von ihm beschützen lassen.

Die alliirte Armee wird im Bülletin auf 105000 Mann angegeben, nämlich 80000 Russen und 25000 Oesterreicher; die Franzosen aber als viel kleiner an der Zahl. Warum wird diese Zahl nicht angegeben? Außer der Reserve, von welcher gesagt wird, daß sie allein eine Armee aufwog, bestand die feindliche Armee aus 4 Divisionen von 20000 Mann Infanterie und 3000 Mann Cavallerie, jede durch einen Marschall und 2 Divisions-Generale commandirt. Die combinirte Armee hingegen bestand aus 52000 Russen und etwa 17000 Oesterreichern.

Allein diese geringe Anzahl war der kleinste Nachtheil der Russischen Armee. Der Mangel an Lebensmitteln war so groß, daß sie in zwei Tagen vor der Schlacht fast nichts zu essen bekommen hatten. Die Pferde waren so ausgehungert, daß sie die Artillerie nicht fortschleppen konnten. Daher würkte sie in der Schlacht fast nur da, wo sie anfangs aufgepflanzt worden war. Eben dieser gänzliche Mangel an Lebensmitteln und Fourage machte es unmöglich, die Gegend bei Ollmütz länger zu behaupten, oder eine andere Stellung rückwärts zu nehmen, und entschied also für die Schlacht, deren glücklicher Ausgang nur von der Tapferkeit der Truppen erwartet werden konnte.

Die Kaiserl. Garde, von welcher im Bülletin gesagt wird, daß sie alle ihre Fahnen verlohren, besitzt sie noch alle, und hat dem Feinde eine angenommen.

Die combinirte Armee soll einen Verlust von 15000 Todten und 20000 Gefangenen erlitten haben. (Begreift man auch darunter die 20000 angeblich Ertrunkenen?)

Nach so vielen forcirten Märschen, nach so vielen durch Strapatzen und Hunger entstandenen Krankheiten, nach den Gefechten an der Donau und in Mähren, fehlen von der ganzen Russischen Armee nicht mehr als 17000 Mann. Wäre der Verlust so beträchtlich gewesen, warum verfolgte man die Russische Armee nicht, wie das Bülletin es fälschlich anzeigte, da sie bis zum folgenden Morgen auf dem Schlachtfelde blieb? Der Waffenstillstand wurde ja nur mit dem Deutschen Kaiser geschlossen; erst auf dessen Verlangen fingen die Russen ihren Rückzug an, der in völliger Ordnung und ohne Verlust geschah, obgleich man von Französischer Seite behauptet, daß, noch während der Unterhandlungen mit Oesterreich, die Französische Armee ihren Sieg verfolgte.

Um die Glorie dieses Tags zu verherrlichen, sagt das Bülletin, daß die Französische Garde (das Reserve-Corps) nicht zum Schlagen gekommen wäre. Und dasselbe Bülletin erzählt dennoch, daß, als ein Französisches Bataillon durch die Russische Garde geworfen ward, Bonaparte den Marschall Bessieres dahin beorderte, und die beiderseitigen Garden darauf handgemein wurden."

So wimmeln die Franz. Bülletins von Unrichtigkeiten, die durch die Erzählungen von dem Abscheulichen Lärmen der 200 Kanonen und 200000 Mann schlecht verdeckt sind. Kann es das Interesse eines großen Feldherrn seyn, solche Berichte zu dulden? Bedarf er solcher Mittel, um seinen, ihn nie bestrittenen, militärischen Ruhm zu erhöhen? Die Nachwelt hält sich an die Wahrheit."


Olmütz, den 19ten Jan.

"Die neuesten aus dem Oesterreichischen eingelaufenen Nachrichten setzen die Anzahl der Kranken, die sich in den Franz. Spitälern befinden, auf 14000 Mann. Wenn man die 6 oder 8000 Mann hinzurechnet, die in der Schlacht bei Austerlitz geblieben sind, so erweiset sich daraus, daß dieser Tag, der den Franzosen nach ihrer Berichten so wenig Menschen gekostet haben soll, sehr mörderisch gewesen und Bonaparte theuer zu stehen gekommen ist."


Umständlicher Russischer Hofbericht über die Schlacht bei Austerlitz.[]

[4]
Wir haben im Dec. Stücke des vorigen Jahrs S. 1252 ff. die ausführliche Französische Relation der Schlacht bei Austerlitz mitgetheilt. Hier folgt nun als historisches Gegenstück dazu der Russische Bericht aus der St. Petersburger Hofzeitung vom 4ten März.

Der General von der Infanterie Golenitschew Kutusow, schreibt in dem Sr. Kaiserl. Majestät eingesandten Berichte folgendes:

"Da Ew. Kaiserl. Majestät in der bei Austerlitz am 20sten Nov. des verwichenen 1805ten Jahrs mit den Franzosen statt gehabten Schlacht Selbst bei der Armee gegenwärtig gewesen, so habe ich es nicht für nöthig gehalten, Ew. Majestät einen vorläufigen Bericht über die Hauptumstände dieser Affaire einzusenden, weil ich Ew. Kaiserl. Majestät in der Folge nach Erhaltung aller dazu nöthigen Berichte eine umständliche Relation überreichen wollte. Allein die seit dem Tage dieser Bataille unaufhörlich fortdauernde Bewegung der Truppen hat es mit nicht erlaubt, selbige bis jetzt nach allen Umständen zu sammeln. Da och aber jetzt den größten Theil dieser Nachrichten erhalten habe, so eile ich, Ew. Kaiserl. Maj. die Beschreibung der Schlacht bei Austerlitz zu übersenden.

Nach den angenommenen Maaßregeln zur offensiven Operation unserer Armee marschirte die Avantgarde unter dem Commando des Generallieutenants, Fürsten Bagrathion, am 14ten Nov. in drei Abtheilungen nach Wischau, welches 4 feindliche Cavallerie-Regimenter besetzt hatten. Die eine Abtheilung marschirte auf der großen Landstraße und die beiden andern folgten auf beiden Seiten derselben. Der Feind, welcher sah, daß Fürst Bagrathion die Absicht hatte, ihn in Wischau zu umringen, verließ unverzüglich diese Stadt. Vier Escadrons Husaren und zwei Cosaken Regimenter attakirten auf erhaltenen Befehl den Feind, welcher jedoch, ungeachtet ihm fast die ganze Cavallerie zu Hülfe geeilt war, in der größten Eile retirirte, obgleich er den unsrigen an Stärke weit überlegen war. Er ward verfolgt, gedrückt und bis nach Rausnitz zurückgetrieben, wo er neue Truppen an sich zog. Als Fürst Bagrathion mit der Avantgarde daselbst angekommen war, stellte er selbige auf den Anhöhen in Schlachtordnung, und durch die Würkung der Artillerie brachte er die gegen ihn errichteten feindlichen Batterien zum Schweigen. Unterdessen hinderte die in Wischau befindliche feindliche Garnison den Marsch der ersten Abtheilung, welche die Landstraße verfolgte, weswegen der Generallieutenant, Fürst Bagrathion, vom 6ten Jäger-Regiment und vom Pskowischen Musketier-Regiment von jedem ein Bataillon unter dem Commando des General-Adjutanten, Fürsten Dolgoruckji, beorderte, die Stadt zu nehmen. Dies geschah nach einiger Gegenwehr und die in derselben befindlichen hundert Gemeinen wurden mit vier Officieren zu Gefangnen gemacht.

Am Abend begannen die feindlichen Scharfschützen, welche sich in dem Städtchen Rausnitz befestigt hatten, unterstützt von den Batterien, ein starkes Feuer gegen unsre linke Flanke; allein der General-Adjutant, Fürst Dolgorukji, vertrieb sie mit zwei Bataillons vom Archangelgorodschen Musketier-Regiment von dort, und nahm, der starken Gegenwehr ungeachtet, das Städtchen in Besitz. Den andern Tag, am 15ten Nov., schlug die sämmtliche Avantgarde bei dem Städtchen Rausnitz ihr Lager auf. Der Verlust des Feindes an diesem Tage an Getödteten und Verwundeten war sehr ansehnlich. Zu Gefangnen wurden gemacht 23 Officiere und 500 Gemeine. Von unsrer Seite war der Verlust sehr geringe und es war nicht ein Officier geblieben. Die folgenden Tage machte unsre Armee eine Bewegung links von Wischau und näherte sich jenseits Austerlitz dem Feinde. Der Feind, welcher die Unmöglichkeit sah, einer Schlacht auszuweichen, suchte sich in seinen Positionen zu befestigen, und besetzte in der Nacht vom 19ten auf den 20sten einige von jenen Dörfern, durch welche wir marschiren mußten.

In derselben Nacht erhielt er noch zu seinem daselbst stehenden Armee-Corps von 80000 Mann drei Divisionen Verstärkung, wodurch seine Armee noch einmal so stark wurde, als die unsrige. Außerdem beschäftigte er sich diese Nacht damit, daß er den größten und besten Theil seiner Truppen unweit Praz aufstellte, wo er das Centrum unsrer Armee vermuthete.

Am 22sten November um 7 Uhr des Morgens rückten wir aus unsern Positionen um Austerlitz vor. Auf dem linken Flügel befand sich der General von der Infanterie, Graf Burhöfden, und ich im Centro bei der vierten Colonne.

Die erste Colonne unter dem Commando des Generallieutenants Dochturow marschirte mit der linken Flanke von Augest durch Telnitz, um nach Besitznehmung von diesem Dorfe zur Rechten weiter vorwärts nach den daselbst befindlichen Teichen zu defiliren, unterdessen die Cavallerie des General-Feldmarschalls Kienmayer, sobald die erste Colonne das Defilee bei Telnitz passirt seyn würde, vorwärts nach Menitz marschiren und in der Ebene zwischen dem erwähnten Defilee und den Teichen aufgestellt werden sollte, um dadurch den Rücken aller Colonnen zu decken.

Die zweite Colonne, unter dem Commando des Generallieutenants, Grafen Langeron, marschirte mit der linken Flanke, um das Thal zwischen Sokolnitz und Telnitz zu forciren.

Die dritte Colonne, unter dem Commando des Generallieutenants Pczibischewsky, marschirte mit der linken Flanke dicht bey dem Schlosse von Sokolnitz und dem links gelegenen Teiche nach dem Nobolnitzschen Teiche vorrückten.

Die vierte Colonne unter dem Commando des Oesterreichischen General-Feldmarschall Lieutenants Collowrath, welche mit der linken Flanke marschirte, sollte erwähnten Ort ebenfalls passiren und ihre Stirn mit den drei ersten Colonnen in gleiche Richtung bringen.

Auf solche Art bildeten die Stirnen der vier Colonnen eine große Fronte. Die erste Colonne hatte Befehl, den links gelegenen Turas Wald zu besetzen und auf den rechten feindlichen Flügel einen entscheidenden Angriff zu machen, während die von Cavallerie unterstützte Avantgarde des Generallieutenants, Fürsten Bagrathion, suchen sollte, die zwischen Dwaroschna und dem Lescherschen Gasthofe belegene Anhöhe mit Artillerie zu besetzen und dadurch die Cavallerie zu decken, welche auf der rechten und linken Seite dieses Gasthofes ihre Position hatte; ein gleiches sollte auch mit der Anhöhe jenseits des Thales von Dwaroschna bewerkstelligt werden.

Die sämmtliche Cavallerie commandirte der Oesterreichische Feldmarschall-Lieutenant, Fürst Lichtenstein.

Das Corps Sr. Kaiserl. Hoheit des Großfürsten und Zessarewitsch sollte hinter Blassowitsch und Krug seine Position nehmen, und der Cavallerie des Fürsten Lichtenstein, so auch dem linken Flügel der Avantgarde des General-Lieutenants, Fürsten Bagrathion, zur Unterstützung dienen.

Diesem Plane gemäß gieng die erste Colonne den Berg hinab, marschirte gegen 8 Uhr Morgens durch das Dorf Augest und zwang nach einem hartnäckigen Gefechte den Feind, nach dem Dorfe Telnitz zu retiriren, in welchem er die Scharfschützen und einen Theil der Infanterie zurückließ, mit den übrigen Truppen aber sich hinter diesem Dorfe aufstellte. Es ward deswegen ein Bataillon vom 7ten Jäger-Regiment beordert, ihn von dort zu vertreiben. Diesem Bataillon warf auf den Fersen eine Brigade nachgeschickt, welche ein starkes Flintenfeuer mit dem Feinde unterhielt, und da sie die feindliche Linie sich immer vergrößern sah, sich endlich mit dem Bajonet auf den Feind warf, ihn schlug und in die Flucht trieb. Der Feind hielt die Fliehenden auf, indem er einige Regimenter zu ihnen stoßen ließ, brachte sie wieder in Ordnung, griff die Oesterreichische Fronte an und warf sie. Hierdurch gerieth das Neu Ingermanlandsche Regiment in Verwirrung; allein der General von der Infanterie, Graf Buxhöfden, eilte unverzüglich zu demselben, ließ es Halt machen, ordnete es und ließ es wieder gegen den Feind anrücken. Jetzt ward das Gefecht auf allen Puncten der Colonnen allgemein. Umsonst verstärkte der Feind seine Truppen mit frischen Colonnen, umsonst verdoppelte er seine Gegenwehr; die Menge seiner Leute mußte der Tapferkeit und der kühnen Heftigkeit der Russischen Regimenter weichen. Die Franzosen wurden zum zweitenmal geschlagen und in die Flucht getrieben. Unsre erste Colonne nahm Besitz von dem Dorfe Telnitz und den Defileen, und jenseits derselben ward auf einer Anhöhe ein Bataillon mit 2 Kanonen zur Deckung der linken Flanke aufgestellt; die übrigen marschirten, zufolge der Disposition, nach Turas oder nach dem Walde von Turas.

Die zurück gewichenen feindlichen Truppen stellten sich aufs neue in Ordnung, und nachdem sie frische Verstärkung erhalten hatten, warfen sie sich wieder mit Heftigkeit auf die erste Colonne, wurden aber auch diesmal vollkommen geworfen, so daß diese Colonne, welche die ihr ertheilte Disposition genau beobachtete, den nun schon zum drittenmal geschlagenen Feind unaufhörlich verfolgte.

Ohne auf die ihm auf seiner rechten Flanke drohende Gefahr zu achten, richtete der Feind seine ganze Aufmerksamkeit auf das Centrum unsrer Armee, gegen welches, wie schon oben gesagt worden, der größte Theil seiner Macht aufgestellt war. Von der vierten Colonne wurde der Oberstlieutenant Monachtin mit zwei Bataillons vom Nowgorodschen und Apscheronischen Regiment detaschirt, um das vor dieser Colonne belegene Dorf zu besetzen, da diese unterdessen anfieng, sich in Ordnung zu stellen; allein, noch war es diesen Bataillons nicht gelungen, in das Dorf einzudringen, als sie durch ein ansehnliches Corps, welches sich in demselben gesetzt hatte, plötzlich geworfen und zugleich von einem andern, ungleich ansehnlichern feindlichen Corps neben der linken Flanke der Colonne verfolgt wurden, das auch im Augenblick unsere Flanke selbst erreichte.

Da ich sah, daß der Feind die Absicht hatte, die hinter uns befindliche Anhöhe zu nehmen, und wenn er uns den Weg zur Retirade abgeschnitten hätte, uns im Rücken anzugreifen, so gab ich dem aus Oesterreichischen Truppen bestehenden und hinter der vierten Colonne befindlichen Reserve-Corps Befehl, an der linken Flanke derselben eine Fronte zu ziehen und die Heftigkeit des Feindes aufzuhalten.

Auch nahm dieses Reserve-Corps die ihm bestimmte Position würklich ein, zog sich aber bei den ersten feindlichen Schüssen zurück und lies die Flanke der Colonne völlig ungedeckt. Der Feind eilte, zum zweitenmale vor unsrer Flanke aufzumarschiren, seine Truppen zu verstärken, und auf uns den heftigsten und verzweifeltsten Angriff zu machen, indeß diese Colonne unaufhörlich gegen andere Französ. Truppen operiren mußte, die ihr gerade gegenüber gestellt waren.

Obgleich diese unsre vierte Colonne von allen die aller schwächste war, (denn sie bestand aus den durch die Retirade von Braunau entkräfteten Regimentern) so vertheidigte sie sich doch tapfer und hielt sich unter einem starken Feuer lange in ihrer Position. Als aber die Generalmajors Berg und Repninskji verwundet wurden, und dadurch ihre Brigaden ohne Chefs blieben, so geriethen letztere in Verwirrung, und nun fiengen auch die übrigen an sich zurück zu ziehen. Da ich zu dieser Zeit sah, daß die feindliche, auf unser Centrum gerichtete Macht vier oder fünfmal grösser war, als die unsrige, und daß sie endlich bei aller Unerschrockenheit unsrer Truppen die Linie derselben durchbrechen und die Anhöhen besetzen würde, wodurch sie Mittel bekäme, den linken Flügel unsrer Armee im Rücken anzugreifen; so begab ich mich unverzüglich dahin, um die nöthigen Maaßregeln zu nehmen und diese Absicht des Feindes zu vereiteln. Berganreitend, fand ich das Fanagorjische und Raschskische Regiment von der zweiten Colonnen abgeschnitten. Ich stellte diese Regimenter auf, und befahl dem Generalmajor, Grafen Kamenskji, unverzüglich den Rücken des Berges, zu dessen beiden Seiten der Feind hinzog, mit denselben zu besetzen. Diese Regimenter thaten dem Feind großen Abbruch; endlich aber waren sie gezwungen, der Uebermacht zu weichen. Sie stellten sich am Fuße des Berges wieder auf, und standen im Angesicht des Feindes bis halb 4 Uhr. Unterdessen befahl der General-Feldmarschall-Lieutenant, Fürst von Lichtenstein, dem General-Lieutenant Essen, mit seiner Cavallerie die feindliche zu attakiren, welche, durch einige Infanterie-Colonnen unterstützt, Miene machte, das Corps Sr. Kaiserl. Hoheit, des Großfürsten und Zessarewitsch in der Flanke anzugreifen. Der Befehl des Fürsten Lichtenstein wurde auf die beste Art vollzogen; die feindliche Cavallerie konnte bei allen ihren Anstrengungen nicht Stand halten, und nahm in der größten Unordnung und mit einem ansehnlichen Verlust die Flucht.

Das Uhlanen-Regiment Sr. Kais. Hoh. durchbrach gleich im Anfange der Attake mit dem Säbel zuerst die Linie des Feindes, verfolgte die Fliehenden, und der Tod ging überall vor demselben her; allein die übermäßige Hitze gerieth demselben in der Folge selbst zum Verderben; denn unzufrieden mit der völligen Niederlage des Feindes, fuhr dasselbe fort, den fliehenden Feind bis zu den Infanterie-Colonnen selbst zu verfolgen, wo es mit einer Kartätschen-Salve aus dreißig oder mehrern Kanonen empfangen ward, wodurch es in Verwirrung gerieth, und gezwungen ward, mit einem Verlust von nicht wenig Leuten den Rückweg zu nehmen.

Da ich bei diesen Umständen überzeugt war, daß der Feind, der auf allen Punkten stärker war, als wir, die vortheilhaften Ortslagen würde besetzt haben, so hielt ich es für unumgänglich nöthig, zu retiriren, und ertheilte unverzüglich allen Colonnen dazu den Befehl. Als demnach unsere zweite, dritte und vierte Colonne, so ach das Fanagorjische und das Raschskische Regiment, sich zurückzogen, und der Feind indessen die Anhöhe besetzte, führten Se. Kaiserl. Hoheit der Großfürst und Zessarewitsch die unter Ihrem Commando stehende Garde Ew. Kaiserl. Maj. gegen den Feind zum Angriff, um der Heftigkeit desselben so viel wie möglich Einhalt zu thun. Die Unerschrockenheit, mit welcher die Garde sich auf den Feind warf, und die exemplarische Tapferkeit aller ihrer Offiziere, brachten den Feind in Verwirrung; er wurde in Unordnung gebracht und mit dem Bajonet geworfen. Hierbei war unsre Cavallerie nicht nur in die feindliche Cavallerie, sondern auch in die feindlichen Infanterie-Colonnen eingedrungen, in welchen sie ein schreckliches Blutbad anrichtete; das Leibgarde-Regiment zu Pferde nahm dem Feinde eine Standarte ab, die hartnäckig vertheidigt wurde.

Insgesammt hat die ganze Garde bei dieser Attake mit solcher Tapferkeit gefochten, wie es einem Corps geziemt, welches das Glück hat, die heilige Person Sr. Kaiserl. Majestät zu umgeben. Allein auch sie mußten ihre Würksamkeit einstellen, denn die ganze Armee befand sich schon auf dem Rückzuge; deswegen versammelten Se. Kaiserl. Hoheit Ihre Leute, stellten sie auf und zogen sich im Angesicht des Feindes in der besten Ordnung zurück. Hierzu trug das Chevalier-Garde-Regiment, welches sich mit außerordentlicher Heftigkeit auf die feindliche Cavallerie warf, gerade als sie sich anschickte, das retirirende Garde-Corps anzugreifen, sehr viel bei, und verhinderte dadurch, daß der Feind seine Absicht erreichte. Zu derselben Zeit schickte ich diesem Corps einen Führer, um es nach Austerlitz zu begleiten, damit es die vor demselben belegenen Anhöhen besetzen möchte.

Der General-Lieutenant, Fürst Bagrathion, obgleich er Befehl hatte, seine Position bei Posorschitz zu behaupten, bis der General von der Infanterie, Graf Buxhövden, den rechten feindlichen Flügel ummarschirt seyn würde, fand es dennoch nicht möglich, dies auszuführen; denn der Feind kam ihm durch den Angriff mit einem ansehnlichen Corps auf die linke Flanke desselben und auf die Cavallerie des General-Lieutenants Uwarow, welche sich dort zur Unterstützung dieser Flanke befand, zuvor, wodurch der General-Lieutenant Fürst Bagrathion bewogen wurde, seiner linken Flanke mit der ganzen Avantgarde zu Hülfe zu kommen. Hierbei setzte er das Gefecht unaufhörlich fort, und zog sich nicht eher zurück, als bis er den Befehl erhielt, sich bei Austerlitz mit der Garde zu vereinigen. Eben so trieb auch die unter Commando des General-Lieutenants Uwarow stehende Cavallerie, welche von der weit stärkeren feindlichen und noch durch Infanterie-Colonnen unterstützten Cavallerie gedrückt wurde, dieselbe zu wiederholtenmalen zurück; war aber auch endlich gezwungen, der Uebermacht zu weichen, und eine Anhöhe zu besetzen, welche sie selbst bis zum späten Abend behauptete, wo durch dann bei der Retirade die rechte Flanke der Truppen-Abtheilung unter dem Commando des General-Lieutenants, Fürsten Bagrathion, gedeckt war.

Hiermit endigte sich die General-Bataille am 20sten November, in welcher die Russischen Truppen, aufgemunterte durch die Gegenwart Sr. Kaiserl. Majestät, neue Beweise ihrer Tapferkeit und Unerschrockenheit gegeben haben. Fast bis um Mitternacht standen sie im Angesicht des Feindes, der es nicht weiter wagte, seinen Angriff zu erneuern. Als dann marschirten sie, nach dem ihnen ertheilten Befehl, auf der Straße nach Ungarn, nach dem Städtchen Czeitsch, und die Arrieregarde unter dem Commando des General-Lieutenants, Fürsten Bagrathion, besetzte die Position vor dem Städtchen Urschitz, wo sie den andern Tag noch ein kleines Gefecht mit dem Feinde hatte.

In dieser Bataille haben wir die Batterie- und das Feldgeschütz unserer und zweiten Colonne verloren. Bei ihrem Rückzuge wurden diese Colonnen von Oesterreichischen Colonnenführern durch Versehen auf einem Wege geführt, auf dem es fast nicht möglich war, Kanonen fortzubringen; hiezu kam noch, daß die Brücke einstürzte, welche man passiren mußte. Es wurde deswegen der Befehl ertheilt, das Geschütz zurück zu lassen.

Von den Generalen unsrer Armee sind verwundet: der Generallieutenant Essen 2, der auch an seinen Wunden gestorben ist; die Generalmajors Sacken, Depreradowitsch, Gishirkji, Repninskji, Berg und zwei Müller; die drei letzten sich in Gefangenschaft, in welche auch die Generallieutenants Przibyschewsky und Wimpfen, und die Generalmajors Selechow, Strick und der kranke Schewlakow gerathen sind, der in seinem Wagen sich von Wischau wegbegeben und gar nicht mit in der Bataille gewesen ist.

Ueberhaupt erstreckt sich, nach den genauesten Berechnungen, unser ganzer Verlust, sowol an Gebliebenen als in Gefangenschaft Gerathenen, nicht über 12000 Mann. Hingegen beläuft sich, nach allen erhaltenen Nachrichten, der Verlust des Feindes an Getödteten und Verwundeten auf ungefähr 18000 Mann. Dieser Verlust des Feindes ist nicht zweifelhaft, theils wegen der großen Stärke seiner Macht, welche unsrer Artillerie, unserm Flintenfeuer und unsern Bajonetten überall größere Massen darbot, theils aber auch deswegen, weil seine ersten Colonnen und an andern Puncten auch die zweiten, vollkommen geworfen und mit dem Bajonett verfolgt worden sind.

Uebrigens wird der Oberst Lanskoi, der von mir in das Französ. Hauptquartier zur Auswechslung der Gefangenen geschickt worden, mir nach seiner Rückkehr ein V rzeichniss von denselben einhändigen, welches ich denn nicht unterlassen werde, Ew. Kaiserl. Majestät ohne Verzug allerunterthänigst zu überreichen, und alsdann wird man aus der Zahl der bei uns fehlenden Leute ersehen können, wie viel geblieben sind und wie viel sich bei dem Feinde in der Gefangenschaft befinden.

Brody, den 14ten Januar 1806.


Bemerkungen eines franz. Offiziers.[]

[5]

Hauptquartier Braunau 28. März 1806.

"Ich bekomme über Wien den Bericht des Generals Kutusow über die Schlacht von Austerlitz. Nach dessen aufmerksamer Durchlesung hielt ich es für den Ruhm der Armee, für den Ruhm unsers Kaisers und den Ruhm unsrer ehemal. Feinde, jetzt unserer Freunde, (Oestereicher) für nützlich, die Betrachtungen, welcher er in mir erweckte, bekannt zu machen.

Russ. Bericht. "Der Verlust des Feindes war am 26. Nov. an Getödtenen und Verwundeten sehr ansehnlich; zu Gefangenen wurden gemacht 23 Offiziere und 500 Gemeine."

Anmerkung. Der Hr. Gen. Kutusow irrt sich, er hat an diesem Tage nicht mehr als 4 Offiziere und 100 Gemeine gefangen genommen, welche in dem Flecken Wischau eingeschlossen wurden. Er hat eben so unrecht, wenn er von Todten und Verwundeten spricht; es gab keinen einzigen Todten, sondern nur 7 - 8 Verwundete. Ueberhaupt befand sich gar keine Infanterie zugegen; es war ein bloses Cavallerie Manövre; der Kaiser wollte euch auf das Schlachtfeld locken welches er ausgesucht hatte, ohne doch seine, von den starken Märschen mitgenommene Infanterie noch mehr zu ermüden. Ohne Zweifel begreifen die Russen, wenn sie jetzt über die Art, wie die Franzosen Wischau besetzt hatten, nachdenken, daß die ganze Disposition mit einem von Seite der Franzosen schon festgesetzten Plan zusammenhing, sonst hätten sie Wischau gewiß nicht mit Cavallerie, sondern mit einer starken Abtheilung Infanterie besetzt, welche sie rechts und links mit Redouten gedeckt und diese mit der zu Wien und Brünn eroberten Artillerie bepflanzt hätten. Allein die Austerlitzer Schlacht selbst ist nur das Resultat des ganzen mährischen Feldzugs-Plans. In einer so schweren Kunst, wie jene des Krieges ist, fast man oft im System des Feldzugs erst das System der Schlacht. Nur sehr geübte Krieger werden dies verstehen. Diejenigen Personen, welche um den Kaiser waren, hörten ihn 14 Tage vorher, auf den Anhöhen bei der Post und den Teichen, als er von der Recognoscirung von Wischau zurückkam, sagen: "untersucht alle diese Höhen genau, hier werdet ihr euch schlagen, ehe 2 Monathe vergehen." Sie achteten damahls auf diese Worte nicht, aber den Tag nach der Schlacht erinnerten sie sich ihrer. Der Kaiser sah im mährischen Feldzuge wohl ein, daß die Russen keinen General von erster Fähigkeit hätten und daß sie daher glauben würden, der Rückzug der franz. Armee gehe auf Wien und es sey von großer Wichtigkeit, ihr den Weg dahin abzuschneiden. Unterdessen war der Rückzug der Armeen, im ganzen mährischen Feldzuge nie nach Wien bestimmt. Schon dieser Umstand macht alle Berechnungen des Feindes falsch und mußte ihn zu Bewegungen verleiten, welche ihn ins Unglück brachten.

Russischer Bericht: "In der Nacht vom 1. auf den 2. Dez. erhielt der Feind zu seinem Armeekorps von 80,000 M. drei Divisionen Verstärkung, wodurch seine Armee noch einmahl so stark wurde, als die unsrige."

Anmerkung: es ist nicht zu verwundern, daß in den Augen der Russen die franz. Armee unermeßlich schien. Sie hatten ihre Truppen auf dem Schlachtfelde dergestalt zerstreut, und dagegen die Franzosen die ihrigen so gut verwendet, daß die große russ. Armee einer Division glich, und hingegen die kleinere franz. Armee unzählbar schien. Auch sagte Kaiser Alexander am folgenden Tage zum Gen. Savary: Sie waren nicht so zahlreich als wir, und doch überall stärker! Darin besteht die Kunst des Krieges, antwortete der General. -- Die fr. Armee war, wird hier gesagt, noch einmahl so stark als die russische. Und doch ist es gewiß, daß die russ. und österr. zusammen nicht weniger als 100,000 M. ausmachen konnten. Die Corps der General Kutusow und Buxhövden betrugen 80,000, das des Großfürsten Konstantin 16,000, und die Oesterreicher 25,000; Summe 121,000 Mann. Zieht man davon 20,000 als den Verlust in den Gefechten bei Hollabrunn, Lambach und Krems ab, so bleiben immer noch 100,000 übrig. Hingegen standen die franz. Corps der M. Augereau u. Ney, die über 50,000 M. betrugen, weit rückwärts zur Beobachtung an der Donau, um die Communikation mit der Nordarmee zu erhalten, und die sehr verdächtig werdenden Bewegungen der Preussen zu bewachen. Das Corps des Gen. Marmont, dasjenige des Marschalls Mortier, und die Hälfte des Davoust'schen waren zu Gräz und Wien dem Erzh. Karl gegenüber, der dem M. Massena einige Märsche abgewonnen hatte. Zwar befand er sich noch 7 bis 8 Tagmärsche von Wien entfernt, inzwischen mußte man doch für die Möglichkeit sorgen, 40,000 M. in wenigen Tagen zu versammeln, um sie diesem neuen Feinde entgegen zu stellen. Die Baiern und Würtemberger hatten einige Stellungen in Böhmen und bei Linz inne, um dem Erzh. Johann (Ferdinand) die Spitze zu bieten, und ihn immer einige Märsche von Mähren entfernt zu halten. Also befanden sich in der That bei Austerlitz blos die Corps der M. Soult, Lannes und Bernadotte, die Hälfte des Corps des M. Davoust, die Hälfte der Reiterei des Prinzen Murat und die kais. Garde, welches 65,000 M. auf dem Schlachtfelde ausmacht. Von diesen Truppen thaten 15,000 Elitegrenadiers von der Reserve keinen Schuß; so daß die Armee von 100,000 Russen und Oesterreichern ohne Anstrengung durch weniger als 50,000 Franzosen geschlagen wurde. (F. f.)

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Russ. Bericht: "Ausserdem beschäftigte sich der Feind diese Nacht (vom 1. auf den 2ten Dezemb.) damit, daß er den größten Theil seiner Truppen unweit Prazen aufstellte, wo er das Centrum unsrer Armee vermuthete."

Anmerkung: Nein, die Franzosen beschäftigten sich die Nacht hindurch nicht damit, ihre Truppen unweit Prazen aufzustellen; sondern sie hielten sie, in einem dem russ. entgegengesetzten System dergestalt beisammen, daß diese 65000 Mann in der Hand des Kaisers waren, wie ein Bataillon in der Hand eines guten Majors, bereit zu Allem, selbst zum Rückzuge, wenn der Feind klug verfuhr; denn der Kaiser wußte, daß die russ. Armee zahlreich und tapfer war, und er wollte keinen theuer erkaufte oder zweifelhaften Sieg. Er wollte, daß die Russen falsche Mannövre und Fehler machen sollten, so wie sie aus seinem mährischen Feldzugsplan hervorgiengen, den der Feind freilich weder einsehen durfte noch konnte. Auch sagte der Kaiser 2 Tage vor der Schlacht, als er die Anhöhen von Prazen, die Dörfer Sokolnitz, Telnitz u. Menitz durchritt: "Wollte ich den Feind am Uebergang hindern, so würde ich mich hierher stellen; aber dann hätte ich nur eine gewöhnliche Schlacht. Verweigere ich hingegen meinen rechten Flügel, indem ich ihn gegen Brünn zurückziehe, und die Russen verlassen diese Anhöhen, so könnten sie 300,000 Mann stark seyn, wir fassen sie auf der Stelle, und sie sind ohne Rettung verlohren." Unterdessen stellten sich am folgenden Morgen die Feinde in Masse auf die Anhöhen von Prazen. "Da können sie lange stehen, sagte der Kaiser wenn sie warten, daß ich sie von dort verjagen soll." In der That, wären die Russen so klug gewesen, die Anhöhen nicht zu verlassen, so hätte der Kaiser wahrscheinlich sein Lager aufgehoben, um die Stellung hinter Brünn einzunehmen. Durch diese Bewegung zeigte er den Feinden, eine neue Versuchung, sich zwischen ebengedachter Stadt und Wien zu stellen, und dann konnte er sie, während sie in den Defileen von Nikolsburg steckten, von hinten angreifen, oder sie in die Donau werfen. Bei diesem Manövre gewann der Kaiser noch einen Vortheil: Er hätte 40,000 Mann mehr gehabt, denn das ganze Corps zu Wien, selbst das des Gen. Marmont zu Grätz, wären noch zu rechter Zeit angekommen, um den Feind einen halben Tagmarsch von Wien anzugreifen, und ihn so zwischen 2 franz. Armeen zu bringen. Dieses waren die Dispositionen des Kaisers, als er Abends den M. Davoust nach dem Koster Raygern, mit der doppelten Instruktion, abschickte: entweder wenn man sich am folgenden Morgen schlüge, die äußerste Spitze des linken Flügels des Feindes aufzuhalten, und ihn, sobald die russ. Armee abgeschnitten wäre, umringen zu helfen, oder aber die Stellung bei Nikolsburg ein zunehmen, und dort die Division des Gen. Gudin, welche noch 2 Märsche zurück war, und das Corps des Gen. Mortier an sich zu ziehen, um die Russen zwischen 2 Feuer zu bringen. Abends erfuhr man im Hauptquart., daß die russ. Infanteriebataill. sich den Dörfern Telnitz und Sokolnitz gegenüber gezeigt hätten. Um 2 Uhr des Morgens kam Bericht, daß der Feind statt auf den Höhen von Prazen Posto zu fassen, und Feldverschanzungen anzulegen, seine Artillerie weiter schicke, und nur den Tages-Anbruch zu erwarten schien, um seinen Marsch fortzusetzen. Nun zweifelte man nicht mehr, daß er uns am folgenden Tage Gelegenheit geben würde, ihn mit Vortheil anzugreifen. In der That sah man beim ersten Sonnenstrahle, wie die Anhöhen von Prazen sich leerten, der Feind gleich einem Strome in die Ebene herabstieg. Alles war bereit, zum Rückzuge wie zur Schlacht, die Marschälle um dem Kaiser versammelt, erwarteten seinen letzten Befehl. Jeder kannte seine Rolle in dieser zweifachen Bewegung. "Wie viel Zeit brauchen Sie, um die Anhöhen von Prazen zu besetzen?" fragte der Kaiser den Marschall Soult. Nicht 20 Minuten, antwortete der Marschall, denn meine Truppen stehen unten im Thale, vom Nebel und Rauch der Wachtfeuer bedeckt. "Dann wollen wir, sagte der Kaiser, noch eine Viertel Stunde warten." Sogleich erhielten die Truppen des Marschalls Bernadotte, die diesseits des Defile's geblieben waren, und welche im Fall des Rückzugs die Avantgarde gemacht hätten, Befehl, sich in Bewegung zu setzen, und in die Linie einzurücken. Bald kommt ein Adjudant vom rechten Flügel mit der Nachricht, daß der Feind in Masse in die Ebene herabsteigt, daß das Flintenfeuer in Kurzem anfangen muß, und daß der Plan des Feindes dahin zu gehen scheint, durch einen großen Umweg die ganze Armee zu tourniren. Auf den Anhöhen von Prazen erblickte man fast Niemand mehr. Sogleich gibt der Kaiser das Zeichen; der Prinz Murat, die Marschälle Lannes und Soult sprengen im Galopp fort. Die Truppen des M. Bernadotte, sobald sie auf der Höhe des Hauptquartiers angekommen sind, passiren den Bach des Dorfes Girschikowitz. Das Gleiche thut die Reserve und die kais. Garde. In der ersten halben Stunde sind die Anhöhen von Prazen eingenommen, und der erste Theil der russ. Armee von ihrem Centrum, von ihrem Hauptquartier und von ihrem rechten Flügel abgeschnitten. Von diesem Augenblicke an war die Schlacht entschieden; die Russen schlugen sie nicht mehr für  den Sieg, sondern für ihr Leben." (F. f.)

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Russ. Bericht. "Auf solche Art bildeten die Stirnen der 4 Colonnen eine große Fronte. Die erste Colonne hatte Befehl, den links gelegenen Turaswald zu besetzen, und auf den rechten feindlichen Flügel einen entscheidenden Angriff zu machen xc."

Anmerkung. Es thut mir leid für die russ. Armee, aber in keinem Falle hätte sie im Turaswalde den franz. rechten Flügel gefunden, der 2 Stundenwegs von dort stand. Also hatten die Russen, als sie die Armee umgehen, und ihr die Strasse nach Wien abschneiden wollten, keine Ahndung davon, daß sie gerade das thäten, was der Kaiser wünschte, der übrigens auf diese Strasse gar keinen Werth legte. Hingegen dehnten sie, um dieses Manövre auszuführen, ihre Armee auf eine Linie von mehr als 4 Stunden Länge aus, überließen uns alle Anhöhen u. militärische Posten, und gaben endlich auch ihren Rückzug und ihre wahre Operationslinie, die Hauptstrasse nach Wien und Ollmütz auf. --

Russ. Bericht. "Die zurückgewichenen feindlichen Truppen stellten sich aufs neue in Ordnung, und nachdem sie frische Verstärkung erhalten hatten, warfen sie sich wieder mit Heftigkeit auf die erste Colonne, wurden aber auch diesmal vollkommen geworfen, so daß diese Colonne den nun schon zum 3tenmale geworfenen Feind unaufhörlich verfolgte."

Anmerkung. Die 4 Colonnen, von denen hier Gen. Kutusow spricht, schlugen sich während dieser ganzen Zeit gegen 2 Bataillons Tirailleurs aus Korsika und vom Po, und gegen das 3. Linienregim.; nicht gegen einen Mann mehr. Gegen 9 Uhr eilte ihnen der Marschall Davoust mit 4000 Mann, vom Kloster Raygern her, zu Hilfe. Also läuft diese ganze schöne Herzählung von blutigen Gefechten und tapfern Thaten auf den Kampf von 45000 Mann gegen 5 oder 6000 hinaus, die ein Observationskorps in einem ganz andern System, als die Armee, ausmachten. Sie hatten Befehl, sich in den Dörfern zu halten, und den Marsch des Feindes zu verzögern, bis sie von den Prazner Anhöhen Artilleriefeuer hören würden, und die feindliche Armee in den Rücken genommen wäre; als dann sollten sie sich vom Feinde verfolgen lassen, um ihn immer weiter abzuziehen, und seinen Untergang desto gewisser zu machen.

Russ. Bericht. "Das aus österr. Truppen bestehende, hinter der 4. Colonne befindliche Reserve-Corps zog sich aber bei den ersten feindlichen Schüssen zurück, und ließ die Flanke der Colonne vollkommen ungedeckt."

Anmerkung. Der russ. General zeigt wenig Grosmuth, auf diese Art eine Nation anzuschuldigen die ihren kriegerischen Muth gewiß nicht mehr zu beweisen braucht. Möchten allenfalls junge Unterlieut. in den Caffeehäusern von Ollmütz behauptet haben: die Franzosen hätten nur durch die Feigheit der Oesterreicher gesiegt: ihre Unerfahrenheit und Jugend dienten ihnen zur Entschuldigung. Aber offiziell einem großen Souverain zu sagen, die Armee seines Bundesgenossen habe nicht ihre Schuldigkeit gethan, und den Verlust der Schlacht auf diesen Bundsgenossen schieben zu wollen, darin liegt wenig Zartgefühl. Wenn nun aber vollends alle Franzosen, welche der Schlacht beiwohnten, bezeugen können, daß die Oesterreicher sich besser geschlagen haben, als die Russen, so empört diese Ungerechtigkeit das Gemüth. Wird die österr. Armee diese Beschimpfung dulden, und werden die österr. Gen., die jenes Reservekorps anführten, die ihnen zugefügte Beleidigung überleben? Wirklich wäre dies ein neuer Anblick unter Europens militärischen Nationen. Es ist schwer zu begreifen, wie eine Nation welche bis jetzt nur immer mit den Türken Krieg geführt hat, deren meisten Regim. noch nie im Treffen waren, so hochmüthig seyn, und die deutschen Armeen so verächtlich behandeln kann. Aber die franz. Geschichtschreiber, die hier unpartheiisch sind, werden sagen, was heut die ganze franz. Armee sagt, was das 43. Regiment sagt, welches erst die Oestereicher, und nachher 2 russ. Regim. angrif: daß es mehr Widerstand bei den Oesterreichern als bei den Russen gefunden hat. Auch werden die, welche das Schlachtfeld sahen, bezeugen, daß es da, wo der Zusammenstoß Statt hatte, mit Oesterreichern, hingegen an andern Stellen nur mit Tornistern bedeckt war. Wir wollen deshalb nicht behaupten, daß sie russ. Truppen nicht tapfer wären; Gott behüte uns dafür, so leichthin über die Ehre vieler Millionen Menschen abzusprechen! Wir wollen nur so viel sagen, daß die Russen kein Recht haben, sich weder den Oesterreichern, noch den Preussen, noch den Franzosen überlegen zu glauben, und daß sie Unrecht thun, wenn sie die Ehre so vieler tapferer Männer, die nur Opfer der Abwechslungen des Kriegsglücks waren, zu beflecken trachten." (F. f.)

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Russ. Bericht: "Das Uhlanenregim. Sr. kais. Hoh. durchbrach gleich im Anfange des Angriffs mit dem Säbel zu erst die Linie des Feindes, und der Tod gieng überall vor demselben her. Allein die übermäßige Hitze gereichte demselben in der Folge zum Verderben, denn es fuhr fort, den fliehenden Feind bis zu den Infanteriekolonnen zu verfolgen, wo es mit einer Kartäschensalve aus 30 oder mehr Kanonen empfangen wurde, wodurch es in Verwirung gerieth, und gezwungen wurde, mit Verlust von nicht wenig Leuten den Rückzug zu nehmen."

Anmerkung: Die Russen sich nicht gewohnt, unsre leichten Truppen Krieg führen zu sehen. Gen. Kellermann, der 3 Regim. Jäger und Husaren anführte, bedeckte sich an diesem Tage durch die Richtigkeit und Schnelligkeit seiner Manövres mit Ruhm; er lockte die feindliche Cavallerie in einen Hinterhalt vor der Infanterie des Gen. Caffarelli, und in dem Augenblicke, wo die Russen auf ihn einhieben, kehrte er um, zog sich durch die Zwischenräume der Bataillone, und ein Hagel von Kugeln streckte die Hälfte der russ. Cavallerie auf den Wahlplatz. --

Russischer Bericht: "Wahrend unsre zweite, dritte und 4te Colonne, so auch das Fanagorjische und Räschskische Regiment sich zurückzogen, und der Feind die Anhöhen besetzte, führten Se. k. Hoheit der Großfürst und Cesarewitsch die unter Ihrem Kommando stehende Garde Ew. k. Maj. gegen den Feind zum Angriff. Die Unerschrockenheit, mit welcher die Garde sich auf den Feind warf, und die exemplarische Tapferkeit aller ihrer Offiziere, brachten den Feind in Verwirrung; er wurde in Unordnung gebracht und mit dem Bajonette geworfen, u. s. w."

Anmerkung: Was dieß betrifft, so ist es durchaus falsch. Man  braucht nur den Bericht des Gen. Kutusow selbst aufmerksam zu lesen, um sich zu überzeugen, daß er mit sich selbst in Widerspruch steht. Die Russen erwarteten so wenig, angegriffen zu werden, und zogen sich mit solcher Sicherheit zurück, daß sie wie Gen. Kutusow oben selbst sagt, den Kaiser grade auf den Posten gestellt hatten, wo die ersten Schläge geschehen sollten. Sie stellten ihn hinter das Dorf Bassowitz (Ulaschowitz), das heißt ins Centrum, nach ihnen, die einen Plan zur Schlacht gegen eine Armee gefaßt hatten, welche sich nicht sahen, die sich in einer Stellung voraussetzten, welche sie nicht inne hatte, ob ein mit dem Beding, das die Franzosen wie Gränzpfähle da stehen bleiben, und sich nicht rühren würden. Sie hatten geglaubt, ihr ganzer linker Flügel würde die Franzosen umgeben, und dann ihr Kaiser, den sie im Centrum behielten, dem Manövre bequem und ohne Gefahr zu sehen können. Allein in der ersten halben Stunde des Gefechts war das Dorf Blassowitz genommen, die kais. russ. Garde angegriffen, und über den Haufen geworfen, ihre Infanterie zusammen gehauen, die Hälfte des adlichen Regiments getödtet oder gefangen, ihre Kanonen, ihre Fahnen, ihr Oberbefehlshaber, Prinz Repnin, und ihre übrigen Obersten, in franz. Händen, und der Kaiser Alexander genöthigt, durch das Thal zurückzugehen, und sich gegen Austerlitz hin zu begeben, da ihm die Verbindung mit allen Punkten seiner Armee abgeschnitten war. . . . Was den Rückzug betrifft, so konnte ihn die kais. Garde unmöglich decken, da sie zu Anfang des Treffens geschlagen ward. Aber was will hier das Wort Rückzug sagen? Nie war eine Zerstreuung ärger, als die eurige. Noch am nemlichen Abend wurden euch Rausnitz und Wischau genommen. Ihr selbst erzählt, daß eure verwundeten Generale, und selbst einige, die seit mehreren Tagen krank waren, auf dieser Strasse gefangen wurden, auf welcher man nicht ein einziges Corps von eurer Armee, sondern blos hie und da Flüchtlinge erblickte. Ihr verlohrt über 40000 M., all euer Gepäck, selbst das eures Kaisers, über 50 Fahnen, und 195 Stück bespannte Kanonen mit ihren Munitionswägen. Und diese Kanonen verließet ihr nicht, weil eine Brücke eingebrochen, der die Wege unfahrbar gewesen wären, sondern weil ihr in eurem Mittelpunkt durchbrochen, durch die verschiedenen Divissionen der franz. Armee eingeschlossen und an Sümpfe gedrängt waret, so daß die Hauptmasse ganz verloren gehen mußte. Ohne Zweifel ist eine große Anzahl Soldaten entkommen; aber in Zerstreuung und einzeln, kein Corps hat sich am folgenden und 3ten Tage ganz gerettet. Unter Begünstigung des Waffenstillstandes, welchen der deutschen Kaiser begehrte, zogt ihr euch gegen Göding zurück, gabt aber noch immer der franz. Armee eure Flanke preis. Zugleich zog Gen. Gudin auf Göding, mit den von Nikolsburg gekommenen Truppen, die dazu bestimmt waren, im Fall euch der Kaiser hätte nach Wien marschiren lassen, euch von vorne anzugreifen und euch die Defile's von Nikolsburg streitig zu machen, während euch der Kaiser in den Rücken gekommen wäre. Ihr waret völlig eingeschlossen, als nach Endigung der Conferenz der Kaiser von Frankreich und jener v. Oesterreich eine Capitulation euch erlaubte, in Etapenmärschen in eure Heimath zurückzukehren. Hier sieht man den Unterschied in der Militärverfassung der Franzosen und der Russen. Die kais. russ. Garde verlor ihre Kanonen, ihre Fahnen und ihre Anführer, wurde in Unordnung gebracht, und erhielt offentliche Lobsprüche. Ein franz. Bataill. von einem alten mit Ruhm bedeckten Regim. verlor seinen Adler; sogleich ließ der Kaiser die besondere Zuneigung, die er für dies Corps hegte, schweigen, warf ihm den Verlust seines Adlers bitter vor, und weigerte sich geraume Zeit, ihm einen andern wiederzugeben. Wenn es ihn am Ende erhielt, so verdankte es ihn dem Umstande, daß es am nämlichen Tage 2 russ. Fahnen erobert hatte."


Ueber die Schlacht bei Austerlitz, von einem unpartheiischen Augenzeugen.[]

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Nachstehender Bericht von einem Kenner, der selbst in der Schlacht gegenwärtig gewesen, ist uns zum Einrücken zugesandt worden. [7]

"Die Schlacht ohnweit Austerlitz war zwar von keiner Dauer, aber dagegen war sie unerhört mörderisch, und auf dem Russischen linken Flügel, wo die Franzosen dreimal mit großem Verlust zurückgeschlagen wurden, hat die Schlacht nahe 9 Stunden unaufhörlich fortgedauert. Man hat sich auf diesem Punkte nicht allein mit Bajonnetten angegriffen, sondern mit Flintenkolben haben die Russen getödtet.

Die Französische Armee, unter Anführung Sr. Maj. des Kaisers Napoleon, bestand aus 120,000 Mann, und war hinter den Teichen und Dörfern von Mennitz, Telnitz, Sackolnitz und Kobelnitz sehr vortheilhaft postirt. Die Oesterreichisch-Russische Armee, gegen 60000 Mann stark, marschirte den 1sten Dec. in 5 Colonnen aus die Position der Französischen Armee gegenüber, in der Art, daß das erste Treffen unter dem General en Chef Grafen Buxhövden nur 300 Faden von der Französischen Fronte zu stehen kam; das 2te Treffen unter dem General en Chef Kutusow stand um so viel zurück, und hinter diesem die Reserve unter dem Großfürsten Constantin. Die Cavallerie unter dem Fürsten Lichtenstein war auch im 2ten Treffen.

In der nemlichen Nacht erhielten die benannten Generals den Befehl, nach der von Seiten der Oesterreicher gemachten Disposition, früh um 7 Uhr die Französische Armee mit 5 Colonnen anzugreifen. Die beiden Gen. en Chefs haben auf einige Abänderung angetragen und zu den Colonnen Cavallerie verlangt; aber es hieß: die Disposition und der Angriff wären so bestimmt. Diesemnach wurde aus dem ersten Treffen die 1ste und 2te Colonne, welches den linken Flügel ausmachte, formirt; aus dem 2ten Treffen die 3te und 4te Colonne, als das Centrum; und aus der Reserve die fünfte Colonne oder der rechte Flügel. Ueberdies war noch auf dem rechten Flügel die Cavallerie-Colonne. Diese Colonne stand unter dem Fürsten Lichtenstein, die 5te unter dem Großfürsten, die 3te und 4te unter dem General Kutusow, welcher sich selbst an die Spitze der 4te Colonne gestellt hatte, und die 1ste und 2te Col. unter dem Grafen Buxhövden, der die 1ste Colonne selbst anführte.

Diese Colonne war bereits um 7 Uhr vor dem Dorfe Telnitz in zwei Treffen aufmarschirt, wo sie den Französischen rechten Flügel angriff. Die Franzosen empfingen sie mit einem heftigen Kartätschen- und Flintenfeuer; die Russen beantworteten solches erst auf der nächsten Entfernung. Der Kampf war hartnäckig und das Feuer war fürchterlich. Die Russen näherten sich unter beständigem Feuern, und Menschen fielen von beiden Seiten. Zuletzt brachen die Russen mit gefälltem Bajonnette in die Französische Fronte, welche sie standhaft empfing, und man mordete sich ohne Schonung. Die Franzosen wurden zurückgedrückt, erhielten aber bald eine große Verstärkung und preßten die Russen zurück; letztere machten hierauf einen zweiten fürchterlichen Angriff, und tournirten die Franzosen. Das Morden ward verdoppelt, und Menschenblut floß reichlich auf dem Schlachtfelde. Die Franzosen waren genöthigt, nicht allein das Dorf, sondern auch alle Anhöhen und Defileen hinter Telnitz zu verlassen, und wurden von der Colonne verfolgt.

Unterdessen hatte auch die 2te Colonne unter Gen. Lieut. Langeron die Franzosen bei Sokolnitz gepreßt, und die 1ste Colonne bereitete sich auch, diese Französische Macht durch ihr Vorrücken zu tourniren, um der 2ten Colonne die Schlacht zu erleichtern. Gegen 8 Uhr waren nun auch die 3te, 4te und 5te Col. mit ihren Colonnenköpfen aus der Linie vorgerückt, aber auch sogleich sahen sie sich von einer weit größern Macht angegriffen.

Die Franzosen forcirten das Centrum, und weil die Oesterreichisch-Russischen Colonnen so sehr weit auseinander und mit keiner Cavallerie versehen waren, so gelang es dreien Französischen Colonnen oder Divisionen, zwischen die Oesterreichisch-Russischen Colonnen durchzugehen und selbige zu tourniren. Das Feuer war von allen Seiten heftig, und die Russischen Garden gingen, fast ohne einen Schuß zu thun, mit Bajonnetten nicht allen gegen die Franz. Infanterie, sondern auch gegen die Cavallerie. Von Seiten der Russen ward alles ohne Schonung niedergemacht; zulezt aber mußten sie der Uebermacht nachgeben, und die Armee zog sich um 12 Uhr gegen Austerlitz zurück.

Die Cavallerie-Colonne hat wenig gethan, und die Avantgarde unter Fürst Bagrathion ist gar nicht zur Schlacht gekommen.

Sogleich nach dem Rückzug des Oesterreichisch-Russischen Armee wurden von der Französischen Armee 3 starke Divisionen zur Unterstützung des rechten Flügels geschickt, diese kamen also vom linken Flügel der Russen in den Rücken, und die zweite Colonne desselben war theils geschlagen, und ein Theil vereinigte sich mit der ersten Colonne, den bereits die Franzosen bis gegen Chlapanitz, wo das Französische Hauptquartier war, verfolgt hatte.

Nunmehr war aber auch die Lage dieser Colonne die sich mit so vielem Ruhm und Muth geschlagen hatte, höchst gefährlich. Verlassen von der Armee, keine Hoffnung zu einer Unterstützung, umgeben von einer großen Französischen Armee, wovon bereits 3 Divisionen mit einer starken Cavallerie derselben im Rücken standen, und diese isolirte Colonne zu vernichten droheten; - Umstände, bei denen man ganz überzeugt war, daß die Colonne, welche kaum 10000 Mann stark war, durch ein 8stündiges heftiges Gefecht geschwächt und ermüdet, sich nur durch eine Capitulation retten könnte. So höchst kritisch nun auch die Lage dieser Truppen war, so hörten sie nicht auf, unter der Leitung eines alten Kriegers (des Generals Buxhövden) allen Gefahren zu trotzen. Mit Verwunderung sah man die Entschlossenheit, mit welcher sie den Französischen Angriffen entgegen gingen, und die Standhaftigkeit, mit welcher sie alle Gefahr überwanden.

Erst gegen 4 Uhr bemerkte man Bewegungen zum Rückzug; die Franzosen verdoppelten ihre Angriffe von allen Seiten, und das Feuer wurde von beiden Theilen schrecklich wiederholt. Die Russen mußten durch das Dorf Ursd, welches schon mit Französischen Truppen besetzt war. Sie mußten sich diesen Weg öffnen; das Gefecht fing wieder an, und beide Theile schlugen sich mit Bajonnetten wie die verzweifelten. Unterdessen mußten die Franzosen der Russischen Tapferkeit weichen, und leztere gingen unter beständigem Feuern durchs Dorf, deployirten über den Canal, brachen die Brücken ab, und das Gefecht hörte nach 4 Uhr auf. Die braven Franzosen waren, selbst mit ihrer Uebermacht, müde, einem Korps zu folgen bei welchem sie jeden Schritt mit so vielem Blute erkaufen mußten.

Von beiden Seiten hat man sich über die Windstille beklagt, wodurch der Pulverrauch über dem Horizont so dick gestanden hat, daß die Menschen sich nicht auf 20 Schritt haben sehen können.

Der Kaiser von Rußland ist während der Schlacht im Centrum gewesen, und hat sich den größten Gefahren unter einem starken Kugelregen ausgesetzt. Die Französischen Scharfschützen bemerkten den Kaiser und richteten ihr Feuer immer nach ihm. Man warnte den Kaiser; seine Antwort war: "Der Kaiser von Rußland fürchtet den Tod nicht."

Die General en Chef Kutusow und Graf Buxhövden sind leicht verwundet; die General-Majors Berg, Baron Meller, Essen der 1ste, Essen der zweite, Baron Sacken, Miller, Baron Wimpfen und Prebischewsky, sind schwer verwundet und gefangen. Mehrere Staabs- und Oberoffiziere nebst Gemeinen sind geblieben, gefangen und verwundet. Man behauptet, daß die Franzosen über 10000 Mann eingebüßt haben."


Schlacht von Austerlitz.

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Schreiben eines vornehmen Rußischen Officiers über die Kriegs-Begebenheiten in Mähren im December 1805.[]

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-- -- -- -- -- "Allerdings mein Freund! war die Schlacht bey Austerlitz entscheidend; allein sie wurde es erst durch den unglücklichen Entschluß, den der Kayser Franz nach jenem blutigen Tage faßte. Indeß ist doch an demselben die Disciplin und der große Muth der Rußischen Truppen von neuem bewährt worden."

"Wenn in der Epoche, worin wir leben, noch etwas verwundern könnte, so würde es jener weitschweiffige, declamatorische, fast möchte ich sagen poetische Ton seyn, der in allen Berichten herrscht, die man über diese Schlacht und deren Folgen bis jetzt gelesen hat. Nirgends habe ich die Genauigkeit, noch die militärische Biederkeit, noch jene bescheidne Simplicität gefunden, welche sonst doch zur Characteristick großer Talente gehören."

"Da ich mich bey dieser Schlacht befand, und darüber, auf meinem Posten in der Armee, und als Befehlshaber einer nicht unbeträchtlichen Schaar von Kriegern, ein ziemlich genaues Detail geben kann: so mache ich es mir zur Pflicht, für Sie, mein Freund! und für andre, die sich um Wahrheit ernstlich bekümmern, die Unrichtigkeiten, womit über diese große Begebenheit alle öffentliche Blätter angefüllt sind, zu berichtigen. Ich bin zwar überzeugt, daß Ihnen, als einem Mann von Einsicht, und als einem Veteran, gewiß nicht die vielen Widersprüche und Abgeschmacktheiten in jenen Berichten entgangen seyn werden; aber es ist doch nöthig, daß Sie und ihre Freunde von denselben näher und mit Bestimmtheit unterrichtet sind; denn selbst einsichtsvolle Zweifler werden endlich dahin gebracht, unrichtige Nachrichten für wahr zu halten, wenn ihnen nicht widersprochen wird."

"Man giebt die Rußische Armee auf 80,000 Mann stark an. Dies ist nicht richtig. Alle Gattungen von Rußischen Truppen, die an diesem Tage den Franzosen die Spitze boten, überstiegen nicht 50,000 Mann. Die Oesterreicher waren 25,000 Mann stark; allein der gröste Theil derselben bestand aus neu angeworbenen Leuten, die von Soldaten nichts als den Namen und die Waffen hatten. Die Franzosen, zu denen der General Bernadotte mit seinem großen Corps noch am letzten Abend vor der Schlacht gestoßen war, waren uns dadurch wenigstens um 15,000 bis 20,000 Mann überlegen."

"Man hat, nach den Berichten, so viele Russen, und auf so mannigfaltige Weise getödtet, daß man lachen muß; aber gewiß wird kein Franzosen, als Augenzeuge die Behauptung wagen, daß er in den dortigen Gewässern, ganze Corps Russen hat ersäufen sehen. Glücklicherweise sind die Noyaden nicht mehr in der Mode! Ganz gewiß ist, daß an diesem Tage auch nicht ein einziger Russe ertrunken ist, ja daß er nicht einmal die Gelegenheit dazu hatte."

"Die Zahl der Gefangenen wird in den Zeitungs-Nachrichten, bald auf 20,000, bald auf 30,000, ja sogar auf 40,000 angegeben. Was? 40,000 Gefangene in einer Schlacht, welche die Franzosen selbst eine Riesen-Schlacht nennen, und in welcher gefochten zu haben es allein hinreichend ist, um ein Braver (un brave) genannt zu werden! 40,000 Rußische Gefangene! von Truppen, bey denen der Grundsatz herrschend ist, lieber umzukommen, als sich zu ergeben, wie sie auch seitdem bey Hollabrun es bewiesen haben. Wie könnte man die Benennung einer Reisen-Schlacht einer Bataille geben, bey welcher man so viele Gefangene gemacht hätte? Nur eine aus Poltrons zusammen gesetzte Armee kann zwanzig Generale und 40,000 Gefangene auf dem Schlachtfelde lassen. Es würde nicht allein keine Ehre bringen, mit einer solchen Armee zu kämpfen, sondern sogar schimpflich seyn, gegen dieselbe bewaffnete Soldaten anzuführen."

"Wenn man die in den gedruckten Nachrichten angegebene, und durch Nachschreibung immer wieder aufgetischte, Zahl der in der Schlacht gefallenen, der Ertrunkenen und gefangenen zusammen, so findet man eine größere Menge Soldaten, als die Stärke des ganzen Heers war, die das Schlachtfeld betrat. Wollen Sie unsern ganzen Verlust wissen? Nun, so können Sie als gewisse Wahrheit annehmen, daß er, alles zusammen gerechnet, noch nicht völlig 10,000 Mann beträgt. Man kann dreist behaupten, daß unter den Gefangenen nur sehr wenig Unverwundete sind. Der Verlust der Franzosen ist nicht geringer; ihre Officiere selbst haben dies zugestanden, und die Anzahl ihrer verlornen Generale bestätigt ihren großen Verlust. Auch war die Französische Armee an den folgenden Tagen nicht in einem Zustande, ihre erkämpften Vortheile zu verfolgen; alle jene schöne Märsche, die, zufolge der Erzählungen, gemacht wurden die Rußische Armee nach der Schlacht zu umringen, sind bloße Erdichtungen. Alles was die Franzosen am Tage nach der Schlacht thaten, war ein Versuch, die bey Urschitz postirte Arriere-Garde der Russen anzugreifen; allein nach einem Gefecht, das bis in die finstere Nacht dauerte, waren sie genöthigt, alle Hoffnung aufzugeben, die Russen aus ihrer Stellung zu vertreiben. Der darauf folgende Waffenstillstand, und das eifrige Eindringen in den Kayser Franz, die Rußischen Truppen aus seinen Staaten zu entfernen, beweisen hinreichend, daß diese Armee noch sehr im Stande war, Widerstand zu thun, und zu verhindern, daß man dem Kayser von Deutschland nicht unbedingt Gesetze vorschrieb. *) Dies wird jetzt gewiß gesehn, da er eingewilligt hat, sich einer Hülfs-Armee zu berauben, die ihn noch vertheidigen konnte und wollte."

*) Es leidet gewiß gar keinen Zweifel, daß die Russen bey Austerlitz tapfer fochten, und, nach ihrer Gewohnheit, wie die Mauern standen. Man versichert, daß der Kayser Napoleon davon überrascht worden, und gesagt habe: "Ces sont des bastions, qu'il faut demolir." ("Es sind Bastionen, die man zerstören muß.") Wie furchtbar würden die Russen seyn, wenn sie von großen Feldherren angeführt würden! welches bey aller Anerkennung der militärischen Verdienste eines Münchs, noch nie der Fall war.
v. A.

"Man hat von 120, hernach von 150, und endlich gar von 180 eroberten Canonen gesprochen. Die Ununterrichteten glaubten dies, bis glücklicher Weise der Oberst le Brun in seinem zu Paris abgestatteten Bericht diese Zahl auf 70 herabsetzte. Sie können sich darauf verlassen, mein Freund! daß den Russen nach der Schlacht noch über 200 Canonen übrig geblieben sind."

"Nun ferner: zwanzig gefangene Generale!! Es sind nur sechs in die Hände der Franzosen gefallen, von denen fünf verwundet waren. Die vor mir habende Französische Liste enthält Namen und Grade, die man durchaus nicht zusammen reimen kann. Von den darin aufgeführten Fürsten Gallitzin, Repnin und Sibirsky ist keiner General. Der erstere ist Rittmeister bey einem Husaren-Regiment, der zweyte Escadronchef bey der Reiter-Garde, und der dritte Befehlshaber eines Infanterie-Bataillons. Die beyden letzten wurden verwundet, und in diesem Zustande zu Gefangenen gemacht."

"Die Russen haben nicht mehr als sechs Fahnen verloren, dagegen haben sie auch den Franzosen verschiedene abgenommen. Was die Kayserlichen Garden betrifft, so haben diese keine einzige Fahne verloren; vielmehr hat das von dem Großfürsten Constantin commandirte Regiment der Garde zu Pferde, die Fahnen des vierten Französischen Linien-Regiments erobert."

"Bey dieser Gelegenheit muß ich ein falsches unwürdig ersonnenes Gerücht rügen, daß nämlich dieser Prinz seine Rettung der Schnelligkeit seines Pferdes zu verdanken hatte." -- -- -- -- --

"Man hat auch von einer ungezügelten Flucht (Déroute) der Rußischen Armee gesprochen. Ist es Ihnen, mein Freund! der Sie die Russen kennen, denkbar, daß sie das Schlachtfeld würden zu einer Zeit verlassen haben, da ihr geliebter Kayser Alexander selbst noch kämpfte? das Schlachtfeld, wo er, immer an den gefährlichsten Oertern und vor der Fronte seiner Truppen sich befand, auch auf demselben bis in die Nacht blieb, ohne einen Zollbreit Terrain zu verlieren. Die ganze Rußische Armee blieb hier stehen, und marschierte nicht eher ab, als bis die Gefechte auf allen Puncten aufgehört hatten."

"Der angebliche Commandeur der Kayserl. Garde konnte nicht unter den Gefangenen seyn; denn dies ist der Großfürst Constantin, der in Person commandirte, und an der Spitze der Garden gefochten hatte."

"Nachdem ich hier den Ungrund von Nachrichten gezeigt habe, deren Wahrheit oder Falschheit so leicht aufzufinden ist, so will ich das mit Stillschweigen übergehn, was man von besondern Unterredungen und vertrauten Mittheilungen des Fürsten Dolgorucky, des Savary u. a. dem Publicum vorerzählt hat. Man darf wohl hoffen, daß sie keine historische Wurzel schlagen werden. Schon der großmüthige, feste Character unsers Kaysers zeigt die Abgeschmacktheit dieser Erzählungen. Ganz Europa kennt seine uneigennützige Absichten und den edlen Zweck eines Monarchen, der über alle Verläumdung, so wie über alle Rechtfertigung erhahaben ist." -- -- -- -- --


Von Reisende.[]

Christian Ulrich Detlev von Eggers

[9]

Ueberhaupt sah ich, auf diesem ziemlich weiten Schlachtfelde, noch sechs Wochen nach der Schlacht, schaudervolle Spuren des Blutvergießens. Nicht blos die zahlreiche frischen Hügel aufgeworfener Erde zeugten von der ungeheuren Menge der Grabstätten. Man sah noch viele Ueberbleibsel zerbrochener Waffen, zerrissener Kleidungsstücke; man muste schließen, wie bedeckt das Feld damit gewesen war, weil selbst die bittere Armuth, die alles irgend brauchbare aufgelesen hatte, es nicht ganz säubern konnte. An mehreren Stellen musten wir wegeilen, weil der Geruch verkündete, daß wir schlecht verscharrten, halb verfaulten Pferden naheten, die noch Raben und Krähen nicht ganz verzehrt hatten. Ach! wir sahen auch noch hie und da einzelne Glieder gefallener oder verstümmelter Krieger, halbe Schädel, abgenagte Knochen, Stücke von abgefleischten Gerippen.


Karten und Pläne.[]


Quellen.[]

  1. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  2. Zehnte besondere Beylage zur Wiener-Zeitung N. 98. Ausgegeben den 6. December 1805.
  3. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1806.
  4. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1806.
  5. Bamberger Zeitung. Nro. 127. Mittwoche, 7. Mai 1806.
  6. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1806.
  7. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Hamburg in der Hoffmannschen Buchhandlung. Jahrgang 1806.
  8. Minerva. Ein Journal historischen und politischen Inhalts. Herausgegeben von J. W. v. Archenholz. vormals Hauptmann in Königl. Preußischen Diensten. 1806. Im Verlage des Herausgebers und in Commission bey B. G. Hoffmann in Hamburg.
  9. Reise durch Franken, Baiern, Oesterreich, Preußen und Sachsen von E. U. D. Freyherrn von Eggers Oberprocureur der Herzogthümer Schleßwig und Holstein. Ritter von Dannebrog. Leipzig, bei Gerhard Fleischer dem Jüngern. 1810.


Literatur.[]

  • Materialien zu der Geschichte der Schlacht bei Austerlitz. Gesammelt von einem Militär. 1806.
  • Kurze Uebersicht der Geschichte des zwischen Frankreich und Oesterreich und den beiderseitigen Alliirten ausgebrochenen Krieges am Ende des Jahres 1805. Nurnberg und Sulzbach, im Verlage der J. E. Seidelschen Kunst- und Buchhandlung, 1806.
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