Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Das Schloß.[]

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Unter den merkwürdigsten Gebäude (auf deren Erwähnung ich mich einzig einschränken kann) steht

das Schloß

des allgemeingeliebten Landesfürsten, nicht sowohl wegen seines äußern Ansehens, als weil es der Sitz des Herrschers ist, oben an. Von demjenigen, das in den ältern Zeiten weiter nach dem Taschenberge hin sich befand, ist keine Spur mehr. Herzog George fing gegenwärtiges im Jahre 1534 an, und darum heißt es auch nach seinem Namen das Georgenschloß. Die nachfolgenden Kuhrfürsten brachten allerlei Verschönerungen an, unter denen König August der Zweite das Wesentlichste thun mußte, da die Hälfte des ganzen Schlosses im Jahre 1702 durch ein ausgebrochenes Feuer in die Asche gelegt wurde. Obgleich das Aeußere dieses Gebäudes, nur dann einen interessanten Anblick giebt, wenn man es als das Werk ausgestorbener Geschlechter betrachtet, und es auch im Innern desselben durch die allmählige Vergrößerung der Archive u. s. w. nach gerade am Raume gebricht, so behilft sich dennoch der gütige Fürst damit. Durch eine weise Sparsamkeit vergütet er die Folgen der Prachtliebe seiner Vorfahren, und sein befriedigtes Herz ersezt ihm den Mangel der Gemächlichkeiten, denen er so edel entsagt. Die innre Einrichtung zeigt von dem Geschmacke dieses Fürsten und dessen Gemahlin. Das Paradezimmer enthält schöne Gemälde aus Ovids Verwandlungen von dem berühmten Silvestre. Um die Zimmer des Schlosses zu sehen, wendet man sich an einen der kuhrfürstlichen Bettmeister.

Drei ganz vorzügliche Denkwürdigkeiten, der Residenz, befinden sich in diesem Schlosse, die berühmte Gemäldegallerie, das grüne Gewölbe, und das Mengsische Kabinet von Antikenabgüssen.

Die Gemäldegallerie.

Dieser trefliche Kunstschatz fing sich unter der Regierung des Herzogs George an. Kurfürst Moriz sowohl, als Johann Georg der Zweite, vermehrte die Sammlung, welcher König August der Zweite, die gegenwärtige, berühmte Gestalt gab. Fern von hier, eine matte Schilderung der schönsten Ergüsse großer Künstlerphantasien, eben so, ein dürres Register dieser Herrlichkeiten. Man sehe selbst und genieße! Dieser Rath ist das einzige, was ich für den Leser thun kann. Korreggio's heilige Nacht muß der selbst schauen, welcher von ihr entzückt werden will. Rafaels und Guido's, und Tizians Zaubereien, können nicht durch Worte kopiert werden. Inspektor über diese Gallerie ist gegenwärtig Hr. Riedel und Hr. Pechwell sein Gehülfe; beide besorgen das Herumführen der Fremden, und sind sehr gefällige Leute. In den Zimmern unter dieser Gemäldesammlung stehen die vortrefflichen Mengsischen Gipsabgüsse, ein Kunstschatz, der ganz einzig ist. Man bekommt sie durch deren Inspektor Herrn Matthäi, zu sehen.

Das grüne Gewölbe.

Durch den innern Schloßhof gelangt man zu diesem, dessen Name von einem grün ausgemalten Gewölbe herrührt. Es enthält vieles Denkwürdige in acht Zimmern, deren Fußboden fast durchgängig mit Marmor, und deren Wände mit Spiegeln belegt sind. Statuen und Denkmäler von mannichfachen Form und Masse, finden sich hier, desgleichen allerlei künstlich geschnittne Steine. Unter andern zeigt man den Thron des Großmoguls mit dem ganzen Hofe, seinen Elephanten u. s. w. Das ganze Werk ist aus Gold, Silber und Emaille zusammengesezt. Der verstorbene Hofjuwelier Dinglinger verfertigte es mit Hülfe von 15 Personen in 10 Jahren und 8 Monaten. Auch befindet sich hier der geweihte silberne Degen und gestickte rothe Sammthut, welchen August der Zweite vom heiligen Vater erhielt. Die größten Kostbarkeiten schließt jedoch das achte Zimmer in sich. Hier sieht man unter andern ein Garnitur Brillanten, von denen ein jeder Knopf die Größe und Breite eines Fingernagels hat, so wie einen unschätzbaren Brillanten in dem Orden des goldnen Vließes, von der Größe eines Viergroschenstücks.

Wer das grüne Gewölbe zu sehen wünscht, der wendet sich an einen der kuhrfürstlichen geheimen Kämmeriers, Herrn de Poncet oder Herrn Flätschger.

Die Rüstkammer

rechnet man gemeiniglich mit zu dem Schlosse. Ihr Eingang ist auf der Schössergasse. Sie begreift eine außerordentliche Sammlung, sowohl derjenigen Dinge, deren sich der Hof selbst, bei Turnieren und andern Feierlichkeiten bediente, als andrer Gegenstände, die sonst etwas Merkwürdiges an sich tragen. In diesem einzigen Hause würde man vielleicht das vormalige Kostume der meisten fremden, ja sogar wilden Völker, studiren können. –

Aus einer Menge von Richtschwertern findet sich hier unter andern auch dasjenige, unter dem der unglückliche Kanzler Crell seinen Geist aufgab.

Es kann nicht fehlen, daß in einer so weitläuftigen Kollektion, zuweilen sehr heterogener Gegenstände, nicht auch manches vorkommen sollte, was einem kritischen Auge ein Lächeln zu erregen vermag, indeß ist es wohl ausgemacht, daß man diese zahlreichen Säle sehr verstimmt betreten müßte, wenn man sie nicht, völlig befriedigt, verlassen sollte.

Die Rüstkammer zeigt der Aufwärter, der im Hause wohnt.


SLUB Dresden.


[Ansicht des Königl. Schlosses zu Dresden, von der Schlossgasse.]


Churfürstliches Schloß.[]

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Das Churfürstliche Schloß

gemeiniglich Georgenschloß genannt, weil es vom Herzog George 1534 erbaut wurde, steht der Brücke entgegen, hat einen ansehnlichen Thurm, übrigens gewährt es keine vorzügliche Ansicht, indem es sich von allen Seiten als ein unregelmäßiges Gebäude darstellet. Diese Unregelmäßigkeit ist den oftmaligen Veränderungen zuzuschreiben, welche die ehemaligen Churfürsten: Moritz, Christian I. Johann George I. und II. und zuletzt August II. König in Polen, mit demselben vornehmen ließen. Ob zwar durch diese Veränderungen sein Aeusseres keinesweges gewonnen hat; desto merklicher ist dich sein Inneres durch auffallende Pracht und Schönheit vervollkommnet worden. Zwey Hauptthore verschaffen den Eingang in dasselbe, nämlich 1) das Große auf der Schloßgasse nahe am Georgenthore, 2) das Grüne, der katholischen Hofkapelle gegenüber. Ausser diesen Haupteingängen befindet sich noch ein kleines Pförtchen bey der Chf. Hofapotheke, welches so wie die beiden Thore in zwey geräumige Höfe weiset.

Im ersten Stockwerk des Schlosses, befinden sich die prachtvollen Zimmer des Churfürsten; theils geben sie die Aussicht nach der Brücke, theils auf die Schloßgasse. Der zweite Stock enthält die Zimmer der Churfürstin, wie auch der Prinzen und Prinzessinnen. Im Dritten wohnen die weiblichen Hofofficiantinnen. Vorzüglich sehenswerth sind in diesem Schloß folgende Säle und Zimmer:

1) Der Riesensaal, welcher 1718 von König August II. neu erbaut und Heldensaal genannt wurde.

2) Der Audienz- oder Propositionssaal, auf welchem die Landtage eröfnet werden, ist mit einem rothsammtnen und mit goldenen Franzen besetzten Thron geziert. Die demselben nächstliegenden Gemächer, enthalten kostbare Tapeten, ungewöhnliche große Spiegel, krystallene Kronleuchter, kostbare Gemälde, Wanduhren und anderes sehenswürdiges Ameublement.

3) Das sogenannte Paradezimmer enthält die schönsten Gemälde von Louis Sylvestre, welche Ovids Verwandlungen darstellen, der Plafond ist ebenfalls von diesem Meister gemalt. Auch siehet man

4) in einem unbenamten Zimmer eine Hautelisse, welche die Thaten Alexanders des Großen vorstellt.

Im Erdgeschoß des Schlosses befindet sich im innern oder zweiten Schloßhofe

Das grüne Gewölbe *)

hat seinen Namen von einem grün ausgemalten Gewölbe, in welchem es sein Stifter Churfürst August anlegte, um die Kostbarkeiten daselbst aufzubewahren. Es besteht gegenwärtig aus 8 Zimmern, die ehemals einen Theil der Churfürstl. Kapelle ausmachten. Die Fussböden dieser Zimmer sind von Sächßl. Marmor -- die Wände von Spiegelglas, welches durch dünne goldne Fugen mit einander verbunden ist. Die hier aufbewahrten Gegenstände, enthalten einen so großen Werth -- der jeden Fremden in Erstaunen setzen muß.

*) Welches ausführlich beschrieben wird, unter dem Titel: das grüne Gewölbe in Dresden. 12. 1801. 4 gr.
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Ein kunstreiches und mit dem Residenzschlosse zusammenhängendes Gebäude, ist

Der Churfürstliche Stall,

welcher schon 1586 auf Befehl Churfürst Christian d. I. erbauet und 1732 von August dem II. in gegenwärtigen Zustand gesetzt wurde. Ehemals stunden hier 130 Pferde: da man aber bemerkte, daß durch die Ausdünstung derselben, die darüber befindliche Gemäldegallerie Schaden litte; so wurde der Stall in einen Saal verwandelt, in welchem anjetzt die Gypsantikensammlung von Mengs verwahrt wird. Die Haupteinfahrt in dieses Stallgebäude, befindet sich der kleinen Fischergasse gegenüber, und bestehet aus 2 neben der Arkade angebrachten toskanischen Pilastern. Derselben gegenüber, siehet man einen geräumigen Thorweg, durch welchen man auf die Schössergaße, und rechts nach dem Kanzelleygäßchen kommt. Ausser den beiden Eingängen, findet man noch ein besonderes Portal, auf der Augustusstraße ohnweit dem Schloßthore, welches sowohl zur Einfahrt für die Churfürstliche Familie in das Schloß, als auch zur Reitbahn führet. Diese Reitbahn ist ein freier Platz, welcher der Länge nach durch ein Gebäude 19 Fenster breit, und dem ehemaligen Brühlschen-Palais gegenüber eingeschlossen wird. In dessen zweiten Etage, befindet sich die bekannte und herrliche

Gewehrkammer

des Churfürsten, mit alten und neuen Arten von Gewehren angefüllt. In einer genauen Verbindung mit diesem Stallgebäude, ist

Die Gemälde-Gallerie, *)

welche den obern Theil desselben ausmacht. Ihr Aeusseres zeichnet sich durch eine 12 Fenster breite Fronte auf der Augustusstraße -- und gegen den Paradeplatz oder Jüdenhof bis an die Sporergasse durch eine von 9 Fenstern aus. Die doppelte Freitreppe mit steinernen Brustgeländern, leitet auf die Gallerie (vor welcher sich ein bequemer Austritt befindet) und giebt dem Ganzen ein schönes Ansehen. Ohnstreitig umfaßt dieses Gebäude, eine der kostbarsten Gemäldesammlungen in Europa. George Herzog zu Sachsen legte den Grund zu ihrem Daseyn. Mauritius, Johann George der II. vermehrten dieselbe ansehnlich. August der II. folgte ihrem Beispiel, und sein Sohn August der III. vervollkommnete sie durch den Ankauf der Modenesischen Sammlung, welche er mit einigen Tonnen Goldes bezahlte, auch in Italien und andern Ländern die vorzüglichsten Gemälde aufsuchen ließ, worunter auch ein Werk von Raphael ist.

Die ganze Gallerie besteht aus zwei Abtheilungen, nämlich der Aeussern und Innern, nebst einem Pastellgemälde-Cabinet.

Seitwärts der Bildergallerie an der Ecke der Sporer- und Schössergaße befindet sich

Die Rüstkammer,

in welcher eine beträchtliche Sammlung von kostbaren und seltenen Pferdezeugen, Decken, Gewehren, Rüstungen, Kleidern, Waffen, und Hausgeräthen verschiedener Nationen zu sehen ist. Vorzüglich sind die Staatskleider der Churfürsten und Könige aus den drey letzten Jahrhunderten sehenswerth. Modelle aus Holz von Pferden in natürlicher Größe, welche ehedem von auswärtigen Fürsten an den hiesigen Hof geschenkt wurden, sind mehrentheils reich mit Silber, Gold und Edelsteinen besetzt.

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Die durch einen bedeckten Gang mit dem Churfürstl. Schlosse verbundenen, und am Ende des Taschenbergs gelegenen,

Zwey Prinzlichen Palais.


Residenzschloß.[]

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Im Angesichte der Brücke liegt das große Residenzschloß. Nach seinem Erbauer, Herz. Georg i. J. 1534, heißt es auch das Georgenschloß. Moritz, Christian I., Joh. Georg I. und II. und August II. haben es verändert, dadurch ist es ein unregelmäßiges Gebäude geworden. Es hat vier Thore, das Georgen- Schloß- Moritz- oder grüne, und das Canzleithor. Das Reitbahn- oder Stallthor, ist verschlossen und dient zur Einfahrt des Kurfürsten ins Schloß, wenn er von der Jagd kommt. Auf der Schloßgasse bildet das große oder Schloßthor den Eingang. Das grüne Thor unter dem Schloßthurme, der katholischen Kirche gegenüber, welches bei Nacht geschlossen wird, und das Pförtchen am Bärengarten, bei der Hofapotheke, führen in zwei geräumige Höfe. Das Georgenthor, gegen Mitternacht, ist kein öffentliches Thor; daher dürfen nur herrschaftliche Wagen und Kutschen durchfahren, und nach der Retraite auch diese nicht. Es war sonst ein Gefängniß für die, welche auf den Tod saßen, daher man noch an der Decke des Gewölbes einen Todtenkopf sieht. Die innre Einrichtung zeigt die Prachtliebe und den Kunstsinn der Auguste. Zimmer und Meubeln sind königlich. Die Boiserie, die Damast- Sammet- und die Hautelissetapeten, auf welchen Alexanders des Großen Thaten nach Lebrün dargestellt sind, die vergoldete Stückarbeit der Decken, die Spiegel, die krystallenen und silbernen Kronleuchter, die mit Meissner Porzellan geschmückten Spiegelwände des Büffets, die Wanduhren, z. B. in der Rotunde mit marmornen Fussboden, die das Porzellanzimmer heißt, xc. sind größtentheils reich und schön gearbeitet. Die Wohnstube des Kurfürsten im ersten Stockwerke ist mit grünem Damast ausgeschlagen; neben derselben befindet sich seine Handbibliothek, die viele der neuesten und besten historischen, statistischen, geographischen, mathematischen, physikalischen und naturhistorischen Schriften enthält, und ein Sammlung von mathematischen, physikalischen und musikalischen Instrumenten. In einem kleinen Kabinette ist seine Drechselbank. Im zweiten Stocke wohnt die Kurfürstin, deren Schlafzimmer in diesem Jahre, mit einem Werthe von 20000 Thalern, grün mit Gold tapezirt und neumeublirt worden ist. Das Tafelzimmer im zweiten Stocke hat einen schönen Plafond und einen Camin von italiän. Marmor. -- Das Audienzzimmer hat die kostbarsten Meublen, die durchaus mit Silber belegt sind. Das Paradezimmer enthält Gemälde aus Ovids Verwandlungen von Louis von Sylvestre. Auch hat dieser berühmte Meister den Plafond gemahlt. In der Hauscapelle befinden sich einige schöne Gemälde, z. B. von Rubens und von Mengs; auch ein in Silber gefaßter Ring von der Kette des heil. Petrus. Der einst so bewunderte Riesen- oder Heldensaal, welchen August II. 1718 neu baute, wird jetzt nicht gebraucht. An Gallatagen versammelt sich hier die Garde dü corps. Im Propositionssaale eröffnet der Kurfürst in einer feierlichen Audienz den versammelten Ständen seine Propositionen und den Landtagsabschied. Der Thron ist mit rothem Sammet ausgeschlagen und mit goldnen Franzen besetzt. Am Mardigras steht hier die kurfürstl. Tafel. -- Im Schlosse wohnen noch Prinz Xavier und die Prinzessin Elisabeth. Acht Zimmer des Erdgeschosses im zweiten Schloßhofe machen das grüne Gewölbe aus. Der Schloßthurm hat sein dem Aug. 1778, wo man den Knopf und die Fahne aufsetzte, vom Landhorizonte an, eine Höhe von 177 Ellen, 18 Zoll. Die Höhe des Kreuzes auf der Katholischen Kirche beträgt 26 Ellen 1 Zoll, und die Höhe des Frauenkirchthurmes 10 Ellen 7 Zoll weniger. D. Benzenberg in Hamburg, der die Theorie des Falles durch interessante Versuche berichtigt hat, wünscht die Höhe der Thürme zu wissen; daher stehen diese Notizen hier. Der Montblanc soll 44 mal höher seyn, als unser Schloßthurm, wie ein Jemand versichert, der sich die Mühe gegeben hat, ihn neben jenem Riesen auf das Ufer des Genfersees zu stellen. An ihm befindet sich, seit 1775, ein Gewitterableiter, der älteste in Dresden. Er führt den Strahl in die Elbe.

Bedeckte Gänge verbinden das Schloß mit der katholischen Kirche und mit dem Prinzlichen, oder dem kurfürstlichen Palais am Ende des Taschenberges. Hier ist die Hauscapelle und Familiensaal, wo die Bildnisse sächsischer Regenten und mehrerer fürstlichen Personen aus dem sächsischen und bayrischen Hause hängen, sehenswerth. Im Palais wohnen während des Winters die Prinzen Anton und Maximilian, auch die Prinzessin Maria Anna mit ihrem Hofstaate. Im dritten Stocke wohnt Prinz Friedrich August. Ueberhaupt zählt man im Schlosse und im Palais gegen 800, und unter diesen an 600 weibliche Bewohner. Jenes zeigt den Fremden der Bettmeister, Herr Kühnel, oder der Bettschreiber, Herr Franke; dieses Herr Schmidt.

Zum Schlosse gehören a) das ehemalige große kurfürstl. Stallgebäude, wo sich die Gemäldegalerie und die Gewehrkammer befinden. Jene macht eine 12 Fenster lange Fronte auf die Augustusstraße. Gegen den Paradeplatz auf den Jüdenhofe hat sie eine Breite von 9 Fenstern. Eine doppelte Freitreppe mit steinernen Brustlehnen führt auf einen bequemen Austritt hinauf, der sich vor der Galerie befindet. Der kurfürstl. Stall wurde 1586 auf Befehl Christians I, erbaut. August III gab ihm seine gegenwärtige Form. In dem Saale, wo seit 1792, Mengs Abgüsse aufgestellt sind, standen sonst 130 Pferde. Die Haupteinfahrt, welche zwei mit einer Arkade überwölbte toskanische Pilastern bilden, ist das offne Stallthor auf der Augustusstraße. Im Hofe ist eine offne Reitbahn, wo metallne Säulen einen kleinen Circus einschließen. Die Galerie längs derselben enthält in den Blenden zwischen 21 dorischen Säulenbögen Caroussels, Tournire und Aufzüge aus Kurf. August's Zeiten, in Oel gemalt, die aber zum Theil sehr unkenntlich geworden sind. Hier dient zur Einfahrt ins Schloß den Kurfürsten, wenn er von der Jagd kommt, das ausserdem verschlossene Portal an der Augustusstraße, welches auch das Stallthor heißt. Aus dem Hofe des Stallgebäudes führt ein offnes Thor auf die Schössergasse und nach dem Canzleigäßchen. b) Die Rüstkammer, in der Nähe des Stalles. Zu ihr ist der Eingang seitwärts von der Bildergalerie an der Ecke der Sporer- und Schössergasse. c) Das Archivgebäude, dem prinzlichen Palais gegenüber. Es war in ältern Zeiten ein Opernhaus; 1708, die erste katholische Hofcapelle; zuletzt ein Ballspielhaus. Im. J. 1802 bis 04 wurde es von Ob. Landbaumeister Hauptmann, massiv erbaut und zur Aufbewahrung des Staatsarchives eingerichtet. Die Kosten beliefen sich auf 30000 Thlr. Den Plan zur innern Einrichtung hat der als Publicist bekannte Hof- und Justizienrath, der Geh. Archivar D. Günther entworfen. In der Folge wird dieses Gebäude ein vollständiges Depot der kursächischen Verfassungsurkunden werden. d) der Zwinger, ein unvollendetes, vom Oberlandbaumeister Pöpelmann 1711 und den folgenden Jahren an und auf den Festungsmauern angelegtes Prachtgebäude. Es umschließt einen Raum von 250 Schritten in der Länge von 170 Schritten in der Breite, mit 8 Springbrunnen und vielen Orangeriebäumen, unter denen sich mehrere ursprünglich afrikanische Stämme durch ihre Größe auszeichnen. Das Gebäude selbst besteht aus 6, durch Galerien verbundenen, Pavillons, welche die wichtigen Sammlungen des Naturalienkabinets, der Kunstkammer, des mathematischen Salons und des Kupferstichkabinets, ferner das Modell von dem Tempel Salomons und der Stiftshütte verwahren. Ein Theil des Gebäudes ist seit 1782, zum Redoutensaale eingerichtet. Vorher war hier das große Opernhaus, wo seit 1719 italiänische Opern mit ungewöhnlicher Pracht aufgeführt wurden. Eine einzige Vorstellung, z. B. Solimann, kostete oft über 100,000 Thlr. Auf der Bühne hatten über 500 Menschen Raum, ohne den Platz für den großen Apparat des Maschinenwesens zu rechnen. Im J. 1791, wurde der Redoutensaal, bei Leopolds und Friedrich Wilhelms II. Anwesenheit, eingeweiht. Er wurde durch 49 Kronleuchter und 4000 Lichter erleuchtet. Man hatte überhaupt 6000 Entreebillets ausgegeben. Das Aeußre des Zwingergebäudes ist mit architektonischem Schmucke, Ballustraden und allegorischen Verzierungen überladen. Das Innere ist nach einem edlern und einfachern Stile angelegt. Mehrere Marmor- und Jaspissäle haben künstliche Stuccatur, oder Deckengemälde von Sylvestre und Pellegrini. Eins der schönsten von letzterem ist das Göttermahl. Auch sieht man einige Plafonds, die Fehling, der erste Direktor der kursächs. Malerakademie, aus Sangerhausen in Thüringen, gemalt hat. -- Jetzt wird an der Ausbesserung einzelne Theile gearbeitet; und das Ganze, sagt man, soll vollendet werden. Eine Doppeltreppe führt unter dem Pavillon gegen Abend auf den Wall. Hier hast Du eine der reizendsten Ansichten von Dresden. Du stehst aber mitten unter Ruinen. Mit Hülfe Deiner Phantasie kannst Du Dir aus diesen zerrissenen Arkaden, aus den verfallenen Treppen und umgestürzten Säulen, aus dem mit Dornen bewachsenen Wasserstücke, den verstümmelten Götterfiguren und dem Bassin der von wilden Gesträuch bedeckten Caskade -- das Bild von dem berühmten Nympenbade zusammensetzen, das diesen Wall einst schmückte. Die Preußen haben im 7jährigen Kriege das Meiste zerstört. Nur einige Quellen springen noch von dem großen, künstlichen Wasserwerke, das einst mit den Fontainen zu Marly wetteiferte. Sie bieten Dir Kühlung an, und hochgewölbte Linden laden Dich zu stillen Betrachtungen über die Vergänglichkeit ein. Das Ganze des Zwingers sollte der wahrhaft königliche Eingang und Vorhof zu dem Residenzschlosse werden, welches August II neu zu bauen, die Absicht hatte. Der innere Hof sollte ein hesperidischer Garten seyn. -- e) Das Komödien- oder kleine Opernhaus, welches der Hofmaschinenmeister Reuss, 1764, baute. Es wurde 1783 u. 1792 erweitert. Das Publikum hofft auf eine neue Vergrößerung desselben. Die Logen sind in drei Etagen und eine Galerie abgetheilt. Das Innere ist eng und hat nur einen Haupteingang. Logen für Fremde giebt es nicht. Dieß macht jene manchmal ungeduldig. "Jetzt, sagen sie, wo so viel über Theaterarchitektonik geschrieben wird, wo man auch viel hierin thut, ist Dresden fast allein zurückgeblieben." -- Vielleicht kommen die Ideen des Herrn von Erdmannsdorf und des Architekten Catel über Theaterbaukunst bei uns zur Reife, wenn es keine wichtigern Gebäude mehr aufzuführen giebt.



Quellen.[]

  1. Neue Ansicht von Dresden. Für Reisende von einem Reisenden. Leipzig, bey Friedrich August Leo. 1799.
  2. Taschenbuch für Fremde in Dresden, die ihren Aufenthalt daselbst zweckmäßig benutzen wollen. Mit Kupfer und Charte. Dresden, bey Heinrich Gerlach. 1804.
  3. Dresden, dargestellt aus dem Gesichtspunkte der Cultur. Dresden, 1804. in der Arnoldischen Buch- und Kunsthandlung.
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