Von Reisende.[]
Dr. Johann Friedrich Droysen.
- [1801]
Amsterdam, den 25sten Jun. 1801..
Wir reisten dem 9ten d. Mon. von Cölln ab nach Aachen, mit Extrapost, die hier schon auf Französischen Fuß eingerichtet, und daher vorzüglich gut ist. Ich glaube es ist hier, wo zuerst von den Französischen Posten die Rede ist, der Ort, darüber manche, dem Reisenden interessante Nachrichten mitzutheilen. –
Man kann in Frankreich auf eine dreyfache Weise mit der Post reisen, nähmlich erstens mit der Briefpost, Poste aux lettres. Hier sitzt man ziemlich bequem in einem zweyrädrigen, bedeckten Wagen, bezahlt für jede Post, d. h. 2 Lieues oder eine Deutsche Meile 75 Centimen, d. h. 15 Sols, ungefähr 4½ Gl. unsers Geldes, darf aber nur ein ganz kleines, leichtes Päckchen mitnehmen; diese Post geht ununterbrochen Tag und Nacht, hält nur etwa zehn Minuten an, um Pferde zu wechseln und bringt Sie auf die schelleste, aber freylich nicht bequemste Weise fort, sie ist dieserwegen doch fast immer besetzt. –
Die zweyte Art zu reisen ist mit der Diligence. Die Diligencen sind große in Riemen oder Federn hängende vier, sechs und achtsitzige Carossen, auf welche oben und hinten in großen Körben Koffer und Kisten gepackt werden; auf welche oben auf noch Männer und Weiber mit Parasol und Parapluie nach Maßgabe der Witterung sitzen. Sie sind bequem eingerichtet, und am meisten im Gebrauche, gewöhnlich die Unternehmungen von Privatpersonen, durch öffentliche Auctorität bestätigt. Nach Maßgabe der Plätze und der Reise richtet sich auch der Preis; man hat dabey 25 Pfund frey, sitzt ganz bequem, hat immer neue Gesellschaft von allen Ständen und Geschlecht, hält an bestimmten Orten zum Frühstück, Mittag- und Abendessen an, und wird immer mit frischen Pferden von Station zu Station rasch weiter befördert, der Preis ist ungefähr für die Meile Post, 5 Gl. unsers Geldes, auf den besseren Plätzen. –
Endlich reiset man immer doch am bequemsten mit eigenem Wagen und Extrapost. In diesem Falle wählte man an der Französischen Gränze einen Wagen mit zwey Rädern, im Fall die Gesellschaft nicht über vier Personen stark ist, welcher mit einem Limonnier oder Gabeldeichsel versehen ist. Hat man einen viersitzigen Wiener- oder andern Wagen, so lasse man sich ebenfalls eine Gabel machen, man hat davon große Ersparung, wie das nachfolgende Reglement zeigt. Das Gesetz bestimmt nähmlich für eine Person in einem zwey- oder vierrädrigen Wagen mit Gabeldeichsel zwey Pferde, vor einen Wagen auf zwey Rädern, mit zwey Personen kommen drey Pferde, mit drey Personen, drey Pferde, man bezahlt aber vier; für vier Personen ebenfalls drey Pferde und vier werden bezahlt. Ein Wagen mit vier Rädern und Gabeldeichsel und einer Person mit Koffer, Mantelsack, Wäsche, oder ohne dieß, braucht drey Pferde und einen Postillion; zwey Personen mit eines von diesen Dingen drey Pferde und einen Postillion; zwey Personen mit zwey von diesen Dingen drey Pferde, bezahlen aber vier; drey Personen mit einer von diesen Sachen drey Pferde, bezahlen aber vier, mit zwey von diesen Dingen müssen sie viel Pferde und zwey Postillione nehmen, und fünf bezahlen. Vier Personen mit oder ohne Gepäcke müssen sechs Pferde und zwey Postillione nehmen.
Ein Wagen mit vier Rädern und Timon, gerader Deichsel und einer oder zwey Personen erhält zwey Postillione und muß vier Pferde anspannen; drey Personen erhalten eben so viel, müssen aber fünf Pferde bezahlen; vier Personen bekommen sechs Pferde und zwey Postillione; fünf eben so viel, bezahlen aber diesen Pferde; sechs Personen erhalten acht Pferde, drey Postillione und bezahlen neun Pferde.
Sie sehen leicht, mein Bester, wie viel man hier durch einen Wagen auf zwey Räder gewinnt, vorzüglich weil man einen Postillion ersparen kann. Von dieser bestimmten Vorschrift weicht der Posthalter nicht leicht ab, doch fährt man jetzt häufig, vorzüglich um Paris herum, mit einem Pferde weniger, als man sollte; wenn man für jedes der andern Pferde 5 Sols *) mehr bezahlt, dadurch hat man oft einigen Vortheil, vorzüglich wenn man sonst vier Pferde und also zwey Postillione nehmen müßte; denn der Französische Postillion fährt nie allein mit vier Pferden; -- wir sind von Paris bis Nancy auf diese Weise gefahren. Für jedes Pferd bezahlt man 30 Sols auf die Post, d. h. 2 Lieues oder eine Deutsche Meile; der Postillion erhält nach der Taxe 75 Centimen oder 15 Sols, man gibt aber nie unter 20, der Ausländer 30 Sols, und wer recht schnell fahren will noch ein paar Sols mehr, dann geht es aber auch ventre à terre. Die Postillione sind gehalten alle Stunden eine Post zu fahren und dürfen nur anhalten, um ihre Pferde verschnaufen zu lassen, es sind gewöhnlich junge, rasche Leute, unter 16 Jahre dürfen sie aber nicht angenommen werden, die mit dem Anspannen, Schmieren u. d. gl. nichts zu thun haben; sie treten mit ihrer kleinen Peitsche, der sie sich statt des Horns bedienen, in großen Courierstiefeln hervor, schwingen sich aufs Pferd und jagen davon. Sie sind weit gefälliger, höflicher und bescheidener als die Deutschen, fragen oft, wenn sie Galopp fahren, ob es rasch genug gehe und fahren außerordentlich gut. Wenn sie durch Unglück unbrauchbar werden, oder zwanzig Jahre gedient haben, so haben sie auf eine Pension von 150 bis 200 Livres Anspruch.
- *) Ich bemerke zu Ihrer Nachricht ein für alle Mahl, daß Sie den Sols ungefähr zu 4 Pfennig unsers Geldes und den Livre oder Franc zu 6 Gl. rechnen können.
Man bezahlt in Frankreich nie voraus, oft erst mehrere Stationen nach, immer am Postillion; von Schmier- Wagenmeister oder Bestellgeld weiß man nichts, man läßt etwa alle 24 Stunden ein Mahl schmieren, wofür man besonders bezahlt. Das Wechseln der Pferde hält höchstens eine Viertelstunde auf, selbst Nachts nicht länger, weil in jedem Stalle Licht, ein wachhabender Postillion und aufgeschirrte Pferde gehalten werden.
Man thut sehr wohl, sich gleich in Frankreich mit dem Etat général et charte géometrique des routes de la Republique francaise, wovon jährlich eine neue Auflage erscheint, zu versehen, um gegen alle Prellereyen gesichert zu seyn. Das conseil d'administration des Postes aux chevaux hält seine Sitzungen in Paris im Posthause Rue Coy-Heron; hierher gehören alle die Extrapost betreffenden Verhandlungen.
Sie sehen aus diesen kleinen Nachrichten, die einem Reisenden vielleicht nicht unangenehm sind, daß die Posten in Frankreich wirklich das ihnen allgemein ertheilte Lob verdienen. Die Wege sind entweder schön und eben gepflastert, mit breiten Sommerwegen, oder Chaussee; und wenn sie gleich während des Krieges unglaublich gelitten haben, und daher an manchen Orten, z. B. in Brabant, in der Champagne u. s. w. äußerst schlecht sind, so sieht man doch an 50 und mehr Arbeiter zugleich beschäftigt, so daß sie bald wieder vollkommen hergestellt seyn werden; mit Vergnügen bezahlt man daher an den Barrieren für das Pferd 3 Sols par Distance d. h. auf die halbe Deutsche Meile; muß man doch hin und wieder in Deutschland für die scheußlichsten Wege noch mehr bezahlen.
Quellen.[]
- ↑ Dr. Johann Friedrich Droysen's Bemerkungen gesammelt auf einer Reise durch Holland und einen Theil Frankreichs im Sommer 1801. Göttingen bey Heinrich Dieterich. 1802.