Proklamation des Kaisers vom 2. Dec. 1806.[]
"Soldaten! Es ist heute ein Jahr, als ihr euch auf dem merkwürdigen Schlachtfelde von Austerlitz befandet. Die in Schreken gebrachten russischen Bataillons entflohen in Verwirrung, oder übergaben, wo sie eingeschlossen waren, ihre Waffen an die Sieger. Tags darauf liessen sie Worte des Friedens hören: allein sie waren trügerisch. Kaum durch eine vielleicht verwerfliche Großmuth den Unglüksfällen einer dritten Koalition entkommen, spannen sie eine vierte an. Allein der Alliirte, auf dessen Taktik sie ihre gröste Hofnung bauten, ist nicht mehr. Seine Festungen, seine Hauptstädte, seine Magazine, seine Arsenale, 280 Fahnen, 700 Feldstüke, fünf grose Kriegspläze sind in unserer Macht. Die Oder, die Wartha, Polens Wüsteneien, die schlechte Jahreszeit -- nichts hat euch einen Augenblik aufhalten können. Ihr habt Allem getrozt, Alles überwunden; Alles ist vor euern Augen entwichen.
Umsonst wollte Rußland die Hauptstadt dieses alten und ansehnlichen Polens vertheidigen; der französische Adler schwebt über der Weichsel. Die braven, aber unglüklichen Polen glaubten in euch die Legionen des Sobiesky aus ihrer denkwürdigen Expedition zurückkehren zu sehen.
Soldaten! Wir werden die Waffen nicht eher niederlegen, bis ein allgemeiner Friede nicht die Macht unsrer Alliirten festgegründet, unserm Handel die Freiheit, und seine Kolonien zurückgegeben haben wird. Wir haben auf der Elbe und Oder Pondichery, unsre indischen Besizungen, das Vorgebirg der guten Hofnung und die spanischen Kolonien wieder erobert. Wer sollte den Russen das Recht geben, zu hoffen, das Gleichgewicht der Schiksale mit uns halten zu können? Wer sollte ihnen das Recht geben, so gerechte Bestimmungen umzustürzen? Sie und Wir -- sind wir nicht die Soldaten von Austerlitz? --
- Napoleon --
Quellen und Literatur.[]
- Europäische Annalen Jahrgang 1807 von D Ernst Ludwig Posselt. Tübingen in der J. G. Cotta'schen Buchhandlung. 1807.