Kundmachung.[]
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Schon am 17. Abends machte der Staatsminister und General der Cavallerie, Graf von der Schulenburg, dem Berliner-Publikum mit wenigen Zeiten bekannt, daß die vorgefallene Schlacht verloren, der König und seine Brüder am Leben, und nach einem solchen Verluste, Ruhe die beste Bürgerpflicht sey. Der Fürst v. Hatzfeld erließ sodann am 19. noch weiters folgende Kundmachung:
"Die Umstände machen es nöthig, daß die hier unter dem Befehle Sr. Excel. des Generals der Cavallerie, Grafen v. Schulenberg, stehende Besatzung noch heut zu ihrer anderweitigen Bestimmung abgehe, und es würde unzeitige Schonung seyn, den Einwohnern Berlins zu verhehlen, daß die Möglichkeit eintreten kann, wo Französische Truppen binnen Kurzem Berlin besetzen. Schmerzlich ist das Gefühl, welches diese unerwartete Begebenheit unter alle Classen der Einwohner verbreiten wird; aber nur festes Anschliessen an diejenigen, welche das mühselige Geschäft übernehmen, die von einer solchen Begebenheit unvermeidlichen Folgen zu mindern, so wie die nun noch mehr als jemahls nöthig gewordene Ordnung zu handhaben, kann die schrecklichen Folgen abwenden, welche der mindeste Widerstand oder irgend ein unruhiges Benehmen der Einwohner über die Hauptstadt verbreiten würd, und das noch ~uerliche Andenken des Betragens, welches die Einwohner Wiens in einer ähnlichen traurigen Lage beobachtet haben, muß die Einwohner Berlins belehren, daß der Ueberwinder nur ruhige männliche Hingebung im Unglück ehrt. In diesem Augenblicke hat der Magistrat mir den unerwarteten Antrag gethan, mich an seine Spitze zu stellen, um alles das gemeinschaftlich zu bewerkstelligen, was das Wohl der Bürger, die innere Ruhe der Stadt, unsere ganze Existenz in der dermahligen schwierigen Lage erheischet; und so gern ich auch in mancher Rücksicht unbemerkt geblieben wäre, so halte ich es doch für Pflicht, eines jeden rechtschaffenen Mannes, im Augenblick, wo das Wohl seiner Mitbürger Aufopferung aller persönlicher Rücksichten fordert, alles zu thun, was in seinen Kräften steht, das Zutrauen seiner Mitbürger zu rechtfertigen. Ich habe diesemnach diesen ehrenvollen Antrag angenommen, und ich rechne auf Beystand aller guten treuen Einwohner Berlins, auf strenge Folgeleistung aller Anordnungen und Verfügungen, welche die Umstände erheischen werden; denn nur so allein bin ich im Stande, den Zweck zu erreichen, zu dem mich das Zutrauen meiner Mitbürger beruft. Vor allen Dingen ist es nöthig, daß die bisher vom Militair besetzt gewesenen Posten von der bewaffneten Bürgerschaft ordnungsmässig bey dem Ausmarsch wieder besetzt werden. Ich werde mit dem Magistrat das Erforderlich augenblicklich darüber einleiten, und ich darf es wohl von dem erprobten Patriotismus der Einwohner Berlins aller Classen erwarten, daß jeder ohne Ausnahme sich persönlich zu diesem nöthigen Dienste bereitwillig finden lassen wird. Ich ermahne jeden (denn bey dem Zutrauen, welches mir die Einwohner Berlins beweisen, werde ich hoffentlich nicht nöthig haben, zu befehlen) ausser jenen Tagen, wo er zum Dienst der Stadt gefordert wird, ruhig bey seinem Gewerbe zu bleiben, und alle Sorgen denjenigen zu überlassen, welche sich rastlos mit seinem Wohl beschäftigen werden. Ich verbiethe durchaus alles Zusammenlaufen, alles Schreyen auf den Strassen, alles öffentliche Theilnehmen an denen so verschiedentlich einlaufenden Krieges-Gerüchten; denn ruhige Fassung ist dermalen unser Loos, unsere Aussichten müssen sich nicht über dasjenige entfernen, was in unsern Mauern vorgeht, dieses ist nur unser einziges höheres Interesse, mit welchem wir uns allein beschäftigen müssen. Unbemerkt kann ich nicht lassen, so unnöthig ich auch diese Warnung glaube, daß gegen jeden Stöhrer der öffentlichen Ruhr und Sicherheit mit der größten Strenge zu Werke gegangen werden wird; denn das allgemeine Wohl der Stadt ist das Gesetz, welchem sich jeder ohne Ausnahme unterwerfen muß. Der Magistrat wird auf das Rathhause permanent seyn, ich selbst, oder der Herr Präsident, oder einer der Herren Bürgermeister und sonstige Mitglieder des Raths werden immer dort zu finden seyn; doch kann sich jeder, wenn ich nicht auf dem Rathhause bin, persönlich bey mir in meiner Behausung am Brandenburger-Thore melden. Berlin, den 19. October 1806."
Quellen.[]
- ↑ Wiener Zeitung. Nro 87. Mittewoche, den 29. October 1806.