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Manifest des Königs wegen der preuss. Besitznahme Hannovers.[]

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Das ausführliche schon erwähnte Manifest des Königs wegen der preuss. Besitznahme Hannovers, ist folgenden Inhalts:

"Georg III. von Gottes Gnaden xc. Der preuss. Hof hat die feindlichen Absichten, welche er unter seinen freundschaftlichen Erklärungen zu verstecken für gut gehalten hatte, endlich eingestanden. Die Verbal-Note, welche am 4. April dem britt. Ministerium von dem Baron Jakobi übergeben wurde, kündigt an, daß von dem Kurfürstenthume Hannover Besitz ergriffen, und daß die Häfen des deutschen Meeres und der Hafen von Lübeck der engl. Flagge verschlossen worden seyen. Diese Erklärung bezeugt das Gegentheil von allen den Versicherungen, womit das Berliner Kabinet gesucht hatte, sein Benehmen zu bedecken; hierzu muß man hinzufügen, daß der König von Preussen noch Ansprüche macht, durch sein politisches System, auf die Dankbarkeit aller Mächte des Nordens sich Recht erworben zu haben. Beraubt auf diese Art des alten Erbtheils meiner Familie, und schwer gekränkt in meinen Rechten als Souverän, habe ich befohlen, der Ehre meiner Krone einsprechende Maasregeln zu nehmen; ich glaube aber auch, mir, Europa und meinen Unterthanen eine öffentliche Erklärung über meine Gesinnungen, als Kurfürst von Braunschweig Lüneburg, in Hinsicht der ungerechten Wegnahme meiner deutschen Besitzungen schuldig zu seyn. Es ist unnöthig zu beweisen, wie sehr diese Handlung den Rechten der Nationen und den deutschen Reichsgesetzen zuwiderlauft. Die heiligsten Grundsätze der Redlichkeit, der Ehre, mit einem Worte, aller Verbindlichkeiten, auf welchen die gegenseitige Sicherheit der Staaten und jene der bürgerlichen Gesellschaft beruht, sind auf eine Art mit Füssen getretten worden, welche die Welt für unglaublich halten würde, wenn ~~ Thatsachen, welche ich habe sammeln lassen, um sie aufzudecken, nicht völlig erwiesen wären. Das Benehmen des Berliner Hofes während dem das Kurfürstenthum Hannover im Jahre 1801 von seinen Truppen besetzt war; seine sehr wenig freundschaftliche Aufführung während den Unterhan dlungen in Beziehung auf die Entschädigungen, welche auf den Lüneviller Frieden folgten; die Erklärung, welche er zu der Zeit machte, als Frankreich sich anschickte Hannover zu besetzen u. zuletzt die harten Bedingnisse unter welchen er anbot, dieses Kurfürstenthum räumen zu lassen, um dasselbe mit seinen Truppen an die Stelle der franz. zu besetzen; alle diese Umstände hatten die Hannöv. Regierung zu sehr aufgeklärt, um nicht daraus zu lernen, jede Art von Dazwischenkunft von Seiten Preussens zu vermeiden, selbst in dem Zeitpunkte, wo man es in dem Begriffe sah, sich in Streit mit Frankreich einzulassen. Die Ereignisse, welche die Ankunft in Hannover einer Expedition verzögerten, welche zwischen Großbrittanien, Rußland und Schweden verabretet worden war, gaben den preuss. Truppen die Gelegenheit, zuvorzukommen, und zuerst das Kurfürstenthum zu besetzen, sobald die franz. Truppen es geräumt hatten. Dieses Verfahren wurde preuss. Seits mit den freundschaftlichsten Versicherungen begleitet; Preussen lud die hannöv. Regierung ein, ihre Amtspflichten wieder in meinem Namen zu übernehmen und die Trümmer der Armee zu sammeln. Das ohnehin schon so unglückliche Land empfand nun doppelt die Last der häufigen gewaltsamen Forderungen, welche die preuss. Corps daselbst erpreßten, ohne die geringste Rücksicht auf den Zustand, in welchem die Franzosen es gelassen hatten. Man erwartete nach dem traurigen Erfolge, welchen der Feldzuge der Bundesgenossen im südl. Deutschland hatte, einen nahen Angriff im Norden. Um alle Gefahr zu beseitigen, wodurch Preussen bedroht werden möchte, setzte der Kaiser von Rußland, einer zu Potsdam unterschriebenen Uebereinkunft zufolge, die 2 russ. Truppen-Corps der Generale Tolstoy und Beningsen, unter den Befehlen Sr. preuss. Maj., mit dem Versprechen, Ihr die weitere Unterstützung, welche Sie etwa brauchen könnte, zukommen zu lassen. Wer hätte sich vorstellen können, daß der preuss. Hof diesen Vortheil, so wie jenen, welcher aus dem Versprechen der von ihm verlangten Subsidien-Gelder floß, dazu benützen würde, um von Frankreich gerade solche Bedingungen zu erhalten, wodurch die Interesse über den Haufen geworfen wurden, welche dieser Hof zu begünstigen sich verbunden hatte? Der geheime Traktat, wovon man die Wirkungen zu spüren anfängt, wurde vom Grafen v. Haugwitz und vom franz. Gen. Dürok am 15. Dec. 1805, also gerade an dem Zeitpunkte unterschrieben, in welchem sich Preussen, der Verabredung gemäß, gegen Frankreich erklären sollte, wofern letztere Macht die Vorschläge zurückwürfe, welche der Graf von Haugwitz, zufolge der Uebereinkunft von Potsdam, ihr zu machen beauftragt war. Sieben Tage darauf, am 22. Dez., nämlich schlug das Berliner Kabinet dem großbrittan. Gesandten diejenigen Einrichtungen vor, welche in Gemeinschaft mit dem preuss. General in Hinsicht auf die Auswahl der Stellungen für die bundesgenössischen Armeen in Niedersachsen zu treffen waren; es schickte, diesem zufolge, den Oberstlieutenant von Crusemark mit einem Briefe an die hannövrischen Regierung, in der Absicht ab, damit man die franz. Besatzung zu Hammeln das nöthige Proviant zu kommen ließe. Man mußte sich wohl in diese Einrichtung einlassen, welche jedoch am 4. Jan. provisorisch beendigt würde, weil sie blos zur Absicht hatte, die franz. Truppen von jeder etwaigen Unternehmung gegen das Hannövrische während der Unterhandlung abzuhalten. Wußte der Berliner Hof vielleicht nicht, auf welche Art der Graf v. Haugwitz diese Unterhandlung beendigt hatte? war vielleicht der Zweck dieses Traktats, ehe man ihn unterschrieb, diesem Hofe ganz unbekannt? oder konnte vielleicht der Gr. von Haugwitz über die Redlichkeit seines Herrn nach Belieben schalten und walten? (Fortsetzung folgt.)



Quellen.[]

  1. Bamberger Zeitung. Nro. 132. Montag, 12. Mai 1806.