Von Bastille bis Waterloo. Wiki

Manifest.[]

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Von Gottes Gnaden Wir Alexander der erste Kaiser und Selbstherrscher von ganz Rußland, thun hierdurch allen unsern getreuen Unterthanen kund.

Durch unser am 11ten September a. c. erlassenes Manifest verkündeten wir die Lage unserer Angelegenheiten mit Frankreich. In dieser unfreundlichen Lage war Preußen noch die Schutzwehr zwischen uns und den Franzosen, die in verschiedenen Theilen von Deutschland sich festgesetzt hatten; allein bald loderte die Kriegsflamme auch im Gebiete Preußens auf, nach verschiedenen Mißlingen und wichtigen Verlusten von Seiten desselben werden jetzt unsere eigene Grenzbesitzungen bedrohet. Den Russen welche gewöhnt sind, den Ruhm ihres Vaterlandes zu lieben und demselben alles aufzuopfern, ist es zu erklären unnöthig, wie unumgänglich nothwendig diese Begebenheiten den gegenwärtigen Krieg machen. Mit wie viel größerer Gerechtigkeit muß das Schwerdt von der Ehre zur Vertheidigung unserer Verbündeten gezogen, und zur Beschützung unserer eigenen Sicherheit gebraucht werden. Noch ehe diese Vorfälle sich unseren Grenzen nähern konnten, hatten wir schon früher alle Maßregeln genommen, ihnen in Bereitschaft zu begegnen; nach den bei Zeiten an unsere Armeen ertheilten Befehlen, über die Grenzen vorzurücken, haben wir jetzt unserem General-Feldmarschall, Grafen Kamensky, aufgetragen, dieselbe anzuführen, und mit aller ihm anvertrauten Macht gegen den Feind zu agiren.

Wir sind überzeugt, daß alle unsere getreuen Unterthanen mit uns ihre aufrichtigsten Gebete zum Allerhöchsten, der das Schicksal der Reiche, und die Folgen der Kriege lenkt, vereinigen werden. Er wolle unsere gerechte Sache unter seinen allmächtigen Schutz nehmen, und seine siegreiche Macht und sein Seegen wolle den zur Abwehr des allgemeinen Krieges von Europa ergriffenen russischen Waffen vorangehen. Wir sind überzeugt, daß unsere getreuen Unterthanen der Grenz-Gouvernements bei den gegenwärtigen Umständen besonders die Beweise ihrer Ergebenheit und ihres Eifers zum allgemeinen Wohl verstärken, und ohne sich weder durch Furcht noch durch nichtige Täuschungen erschüttern zu lassen, auch mit Festigkeit auf jener Bahn fortschreiten werden, auf welcher sie unter dem Schutze der Gesetze und einer milden Regierung bis jetzt Ruhe und gesichertes Eigenthum gefunden, und die allgemeine Wohlfahrt des ganzen Reiches getheilt haben.

Wir sind endlich überzeugt, daß alle Söhne des Vaterlandes in steter Zuversicht auf den Beistand Gottes, auf die Tapferkeit unserer Truppen, auf die bekannte Erfahrung des Anführers, weder Opfer noch Anstrengungen schonen werden, welche die Liebe zum Vaterlande und die Sicherheit desselben erheischen können.

Gegeben in St. Petersburg am 16/28ten November im Jahre Christi Geburt 1806, und unserer Regierung im sechsten.

Alexander.


Quellen.[]

  1. Tagebuch während des Krieges zwischen Rußland und Preußen einerseits und Frankreich andrerseits, in den Jahren 1806 und 1807. Geschrieben von Carl von Plotho, Berlin, 1811. Bei Friedrich Braunes.