April.[]
[1]
Am 30. d. soll eine Abtheilung von 500 Mann theils Infanterie, theils Cavallerie von hier nach Hannover zum Ersatz des bisherigen Abgangs unserer dortigen Truppen abgehen. -- Auch sollten wir, früheren Nachrichten zufolge, zur Entschädigung unserer so schönen abgetretenen Besitzungen, Hamburg und Bremen erhalten; jüngere Nachrichten widersprechen es; nach diesen sollen diese 2 Städte, sammt Lübeck, Hansee-Städte bleiben. -- Die Engländer haben dem hiesigen Banquier Schickler für 120,000 Thlr. Zucker weggenommen, auch dem hiesigen Distilateur George für 12,000 Thlr. Brandwein eingezogen. -- Das Kalkreuthische und das Schmettauische Corps haben plötzlich Gegenbefehl, Halt zu machen, erhalten. -- Der König und die Königin sind bereits in Potsdam. -- Am 10. k. M. wird der König über die hiesige Besatzung Spezial-Revüe halten. -- Anfangs des Monaths Juni geht unsere Königin nach Pyrmont ins Bad. -- Unser Gesandte, in Wien, Gr. v. Keller, ist Kabinets-Minister geworden, und soll nächstens hier eintreffen; sein Nachfolger in Wien ist noch nicht bestimmt. -- An die Stelle des sich hier befindlichen russ. Gesandten Alopaeus ist der Gr. Stakelberg von Petersburg hier angekommen. -- Der hiesige engl. Gesandte Jackson hat seine Reisepässe verlangt und reist diese Tage von hier ab; er läßt künftige Woche seine Meubles öffentlich versteigern. -- Unser Exminister von Hardenberg ist aus seine Güter im Hannövrischen mit Beibehaltung seiner jährlichen Pension von 12,000 Thlr. abgereist. -- In öffentlichen Blättern wurde bemerkt, daß das kön. preuss. Okkupations-Patent vom 1. April nicht vom Grafen Haugwitz kontrasignirt seyn könne, weil solcher damals noch in Paris gewesen sey. Allein man irret sich; der Herr Minister von Hardenberg lehnte diese Signatur ab, und darauf wurde das Original dem Grafen nach Paris zurückgeschickt. Dadurch verzögerte sich auch die Besitznahme.
Preußische Abtretung der Fürstenthümer Anspach und Neufchatel mit Valengin, und des Herzogthums Cleve auf dem rechten Rheinufer.[]
[2]
Der vorige Monat hat in der Geschichte der Preußischen Monarchie eine bleibende Merkwürdigkeit erhalten. Ohne an dem Kriege Theil genommen zu haben, nahm Preußen Theil an den Veränderungen, die eine Folge des Kriegs und der politischen Verwikkelungen waren. Es trat einen Theil seiner ältern Unterthanen ab, wofür ihm angemessene, bedeutende Entschädigungen gesichert waren.
Bekanntlich war schon in der Mitte Decembers eine Convention zwischen Frankreich und Preußen durch den Cabinetsminister Grafen von Haugwitz, und den Marschall Duroc zu Wien geschlossen worden. In dieser war bestimmt, daß Preußen, um die Ruhe im nördlichen Deutschland zu erhalten, das Churfürstenthum Hannover besetzen würde; auch war vorläufig die Cession des Anspachschen, Neufchatelschen xc. stipulirt worden.
In der Folge wurden die weitern Unterhandlungen über diese und andere Gegenstände zwischen Frankreich und Preußen fortgesetzt, und der Cabinetsminister, Graf von Haugwitz, schloß, nach öffentlichen Anführungen, in der Mitte Februars zu Paris einen Definitiv-Tractat ab. Diesen überbrachte der Königl. Preußische Gesandte zu Paris, Marquis von Lucchesini, zur Ratification nach Berlin, wo er am 24sten Februar eintraf, und auch bald nachher mit der erfolgten Königl. von ihm contrasignirten Ratification nach Paris zurückreisete. Gegen Ende Februars wurden auch die K. Preuß, Commissarien ernannt, welche die Abtretung von Anspach, Neufchatel und dem disseitigen Clevischen, mit Einschluß der Festung Wesel, zu besorgen hatten.
Die Gerüchte von bevorstehenden Abtretungen hatten sich schon zu Anfang dieses Jahrs verbreitet. Die Bürgerschaft zu Anspach wandte sich deswegen, aus treuer Anhänglichkeit an das Preußische Haus, unterm 21sten Jan. mit einer Vorstellung an den König, worauf nachstehende Cabinets-Resolution erfolgte:
"Die Aeußerungen der Treue und herzlichen Anhänglichkeit in Eurer Vorstellung vom 21sten v. M., wozu Euch die durch das verbreitete Gerücht einer Vertauschung des Marggrafthums Anspach entstandene Besorgniß veranlaßt hat, haben mich sehr gerührt. Ich danke Euch aufrichtig dafür und werde es Euch nie vergessen, als Euer gnädiger König."
Berlin den 8ten Febr. 1806.
Während die Unterhandlungen zwischen Frankreich und Preußen noch zu Paris fortgesetzt wurden, hatten sich inzwischen die Französischen Truppen unter dem Marschall Bernadotte sehr stark an der Fränkischen Grenze zusammen gezogen, und schon am 24sten Februar rückten 20000 Mann Französ. Truppen in das Fürstenthum Anspach ein, wobei der Marschall Bernadotte folgende Proclamation erließ.
"Obrigkeiten und Einwohner des Anspachischen Landes!
In Gemäßheit eines zwischen Frankreich und Preußen geschlossenen Vertrags, haben Se. Preuß. Majestät eingewilligt, Anspach an den König von Baiern abzutreten, und die Besetzung dieses Landes soll, dem gedachten Vertrage gemäß, durch Franz. Truppen eben in demselben Augenbliche geschehen, in welchem die Truppen Sr. Maj. des Königs von Preußen Hannover besetzen werden.
Da nun Preußen dieses Churfürstenthum würklich occupirt, so habe ich von meinem Monarchen den Befehl erhalten, auch zur Besetzung von Anspach zu schreiten. Die Armee, deren Oberbefehl mir anvertraut ist, wird eine gute Mannszucht beobachten, und ich werde jeden Soldaten, der solche übertreten und die Ruhe der Einwohner stören sollte, nach aller Strenge der Gesetze bestrafen lassen.
Die Einkünfte und Abgaben des Landes sollen zur Unterhaltung der Truppen, welche es auf so lange Zeit, als man es nöthig findet, besetzt halten werden, in Beschlag genommen werden.
Ich glaube meinerseits hoffen zu können, daß die Einwohner Anspachs die unter meinem Befehle stehenden Truppen nach Gebühr aufnehmen und behandeln werden.
- Dem Original gleichlautend: Der Divisionsgeneral Drouet.
Die Anzahl der Französischen Truppen im Anspachschen ward hernach bis über 40000 Mann vermehrt, und auch die Reichsstadt Nürnberg ward einstweilen von den Franzosen besetzt, wobei dem Magistrat die Versicherung ertheilt wurde, daß die Occupation keine weitere nachtheilige Folgen für die Stadt haben solle, und blos in militärischer Rücksicht nothwendig geworden sey.
Die Bevölkerung des Anspachschen hatte nach der Zählung im Jahre 1800, mit Einschluß von 8534 Juden, 244,373 Menschen betragen. Der lezte regierende Marggraf von Anspach, Carl Alexander, welcher am 2ten December 1791 die Regierung niedergelegt und an Preußen abgetreten hatte, erlebte die Abtretung des Fürstenthums an Baiern nicht mehr, da er bekanntlich den 5ten Januar d. J. in England gestorben. Schon im Jahre 1795 hatte Preußen das Herzogthum Cleve auf dem linken Rheinufer durch den Baseler Frieden an Frankreich abgetreten, welches der Freiherr von Hardenberg schloß.
Das Herzogthum Cleve auf dem rechten Rheinufer mit Wesel, Duisburg und Emmerich, enthält auf 20 ½ Q. M. eine Bevölkerung von 50000, und Neufchatel, welches beinahe gerade 100 Jahre mit vielen hergebrachten innern Privilegien unter Preuß. Herrschaft gestanden hatte, auf 17 Q. M. eine fast gleich große Bevölkerung. Preußen tritt also gegen 350000 Unterthanen ab, wogegen die Churhannöverschen Lande, die jezt von Preußen besetzt sind, gegen 1 Million Einwohner enthalten.
Nichts ist jezt unsicherer und unbestimmter, als die gegenwärtige Geographie von Deutschland. Wie manche Veränderungen stehen derselben noch bevor! --
Ueber Preußens Rüstungen und politische Verhältnisse.[]
[3]
Die Französisch-Englischen Friedens-Unterhandlungen zu Paris gaben im Anfange dieses Monats plötzlich Veranlassung zu großen Rüstungen und Truppenbewegungen in der Preußischen Monarchie. Der Stein des Anstoßes war das Hannöversche geworden, dessen Besitz England von Frankreich wieder verlangte. Die Ansinnungen, die in dieser Hinsicht gemacht, die Tauschanträge, welche in Vorschlag gebracht wurden, das starke Zusammenziehen der Französischen Truppen an der Sächsischen Gränze, bewogen den Königl. Preuss. Hof, der zu neuen Abtretungen und Ländervertauschungen keinesweges geneigt ist, die ganze Armee plötzlich mobil zu machen. Die Truppen in Westphalen und im Hannöverschen, wo der Generallieutenant von Rüchel das Commando übernommen hatte -- da dem Staatsminister und General, Grafen von der Schulenburg, zur Herstellung seiner Gesundheit, auf unbestimmte Zeit Urlaub erhielt worden war -- concentrirten sich, aus ihren einzelnen Stellungen in respectable Corps d'Armee. Aehnliche Maaßregeln wurden auch nach der Sächsischen Gränze zu getroffen. Die Festungen Hameln, Nienburg, Magdeburg, Erfurt xc. wurden schleunig mit den nöthigen Bedürfnissen versehen, und Banken, öffentliche Cassen, Archive und andre Effecten aus Ostfriesland, Halberstadt xc. nach Magdeburg transportirt. Chursachsen und Churhessen hatten sich an Preußen angeschlossen und sich auch zu dem nordischen Bunde vereinigt, dessen Formirung durch Preußen auf die Militär-Maaßregeln ebenfalls Einfluß hatte.
So allarmirend die Aussichten waren, so groß war indeß die Hoffnung, daß die friedlichen Verhältnisse zwischen Preußen und Frankreich bis weiter nicht würden gestört werden. Diese Hoffnung beruhte auf dem mißlichen Zustande und den vielen Schwierigkeiten der Friedens-Unterhandlungen zwischen England und Frankreich. Statt des Marquis von Lucchesini sahe sich der Berliner Hof bewogen, den Generalmajor von Knobelsdorf als neuen Gesandten nach Paris zu schicken.
Sobald die Preußischen Truppen aus den nördlichen Gegenden des Hannöverschen, namentlich aus dem Lauenburschen, größtentheils nach dem Zellischen und Hildesheimschen, weggezogen waren, sahen sich Se. K. Schwedische Maj. veranlaßt, ein Cavallerie-Corps unter dem Grafen Gustav von Löwenhjelm wieder nach dem Lauenburgschen, zur Besetzung dieses Herzo thums abzusenden. Der Obristlieutenant von Krusemark war von Berlin mit Aufträgen, auch in Betreff eines Beitritts zum Nordischen Bunde, nach Greifswald gesandt worden. Seine Mission war nicht von Erfolg. Indesse hatten Se. Schwed. Maj die Blokade der Preußischen Ostsee Häfen aufheben lassen, wenn Preußen in die Besetzung des Lauenburgschen und in andere Anträge willigte. So war die Aufhebung jener Blokade blos provisorisch.
Ein Schreiben aus Berlin.[]
Vom 25sten Jan. 1806.[]
Im Publiko war man eine Zeitlang besorgt, einen unsrer verdienstvollsten Staatsminister sich zur Ruhe begeben zu sehen. Diese Besorgniß ist jedoch, zur allgemeinen Freude, nicht erfüllt worden, und jener Staatsmann widmet nach wie vor seine großen Talente dem Besten der Monarchie.
Durch die Vermittlung unserer Regierung ist die Kriegsgefahr vom nördlichen Deutschlande glücklich abgewandt worden. Dem Lord Harrowby ward vor seiner Abreise von hier ein Memoire übergeben, welches sich auf das Arrangement der Sachen im Hannöverschen bezog.
Der Cabinetsminister Graf von Haugwitz ist von hier nach Paris abgereiset, um in Folge der Convention, die zu Wien geschlossen, und wie man öffentlich anführt, bereits am 4ten d. M. ratificirt worden ist, die weitern Unterhandlungen mit Frankreich zu betreiben.
Der Großfürst Constantin ist, nach einem vierwöchentlichen Aufenthalt, von hier nach St. Petersburg zurückgereiset, wohin sich auch am Ende d. M. der Herzog von Braunschweig in wichtigen Angelegenheiten begiebt.
Durch das in England erfolgte Ableben des Marggrafen von Anspach-Baireuth, ist an unsre Regierung eine jährliche Rente von 305,000 Gulden zurückgefallen.
Karten.[]
Quellen.[]
- ↑ Bamberger Zeitung. Nro. 124. Sonntag, 4. Mai 1806.
- ↑ Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1806.
- ↑ Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1806.
- ↑ Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1806.