Von Bastille bis Waterloo. Wiki

Prag.[]

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Prag, Hauptstadt in Böhmen, und Sitz eines Erzbistums, zu beyden Seiten der Muldau, zwischen lauter Hügeln und Weinbergen, ist eine der größten Städte in Europa. Ihr Umfang wird auf 3 deutsche Meilen geschäzt. Man kann sie von allen Seiten mit Kanonen bestreichen, daher auch ihre Festungswerke, wenn sie nicht von seiner starken Besatzung vertheidigt werden, keinen langen Widerstand thun. Die Häuser sind gutentheils von Steinen, und 3 Stockwerke hoch erbaut. Es giebt viele ansehnliche Paläste darunter deren einige nach dem Preussischen Bombardement von 1757 noch mehr verschönert worden sind. Wegen der öffentlichen Plätze, großen Paläste, Schlösser, und der vielen Kirchen und Klöster, ist die Zahl der Häuser dem großen Raum d_r Stadt nicht angemessen. Prag bestehet aus 4 Städten. Sie heissen die Altstadt, Neustadt, kleine Seite und der Hradschin In der ersten sind 932, in der zweyten 1,246, in der dritten 538 und in der lezten 193 Häuser. Noch gehört dazu die Judenstadt von 266 schlechten Häusern, die zur Altstadt mit gerechnet wird, von der sie jedoch durch 6 Thore, die bey Nacht zugesperrt werden, abgesondert ist. Der Wissehrad besteht jezt meist aus Ruinen. Der Felsen, auf welchem diese alte Citadelle der Böhmischen Könige angelegt war, ist aber befestigt; enthält auch das Königliche Zeughaus und ein Collegiatstift. Hiezu kommt noch die Vorstadt Smichon mit 60 Häusern. In den sämmtlichen Prager-Städten waren im Jahr 1784. 76,011 Seelen, und darunter 7,901 Juden. In der Altstadt bemerkt man die Pfarr- oder Teinerkirche. Sie ist nach altem Geschmack gebaut, und enthält das Grabmal des 1608 hier verstorbenen Tycho de Brahe. In dem dasigen Teinerhofe, der, so wie der jezt zum domcapitularischen Seminario eingerichtete Königshof vor Alters zur Königlichen Residenz diente, findet man jezt eine Niederlage fremder Waaren und das Mautamt. Man merkt ferner die neue Servitenkirche zu St. Michael, die Minoritenkirche zu St. Jakob, mit ihrem wunderthätigen Marienbild, die Kreuzkirche, mit ihren marmornen Säulen, schönen Kuppeln und Gemälden, und das Kloster der barmherzigen Brüder mit seiner reinlichen und schönen Einrichtung für arme Kranke. Eine der größten Zierden der Altstadt ist die Universität, welche Kaiser Carl IV. 1348 nach dem Muster der Pariser gestiftet, und Pabst Clemens VI. durch eine Bulle bestättiget hat. Ferdinand I. legte 1562 den Grund zu dem Jesuitercollegio, und Ferdinand III. vereinigte 1654 das carolingische und ferdinandische Collegium, daher die Universität Caroloferdinandea genennt wird. Das academische Collegium Clementinum, so den vormaligen Jesuiten bis 1773 gehört hat, ist von sehr weitläufigem Umfange, indem es 5 Kirchen, eine Buchdruckerey, eine Apotheke, eine vortreffliche Bibliothek von mehr als 100,000 Bänden, die Präparaten-Sammlung, Naturalien-Cabinet, ein großes mathematisches Zimmer, nebst den sehenswürdigsten Instrumenten und optischen Sachen, ein herrliches Observatorium Astronomicum, und ein prächtiges Comödientheater enthält. Die Kreuzgänge desselben sind mit verschiedenen Gemälden, und die Pfeiler der dazu g_hörigen Kirche St. Clemens mit rothem Damast überzogen, und die Plafonds voll auserlesener perspectivischer Vorstellungen. Die Zahl der Studierenden berechnet man auf 1,200, mit den Philosophen, welche ihren Unterricht von 35 ordentlichen und 9 auss_rordentlichen Professoren erhalten. Als Vorbereitungsanstalten zum Studieren enthält die Stadt Prag von den 15 Gymsien Böhmens 3 in ihren Mauern; ausserdem ist noch die Teiner Hauptschule, Piaristenschule und die Israelitische Deutsche Hauptschule vorhanden. Es zieren auch mehrere gelehrte Gesellschaften Böhmens Hauptstadt. K. Joseph II. legte den Grund zu der k. Gesellschaft der Wissenschaften, welche aus einem Präsidenten, 23 einheimischen Mitgliedern besteht und die Erweiterung mathematischer, physischer und historischer Kenntnisse zum Gegenstand hat; und die k. Oekonomisch-Patriotische Gesellschaft, welche aus 1 Präsidenten, 23 wirklichen Mitgliedern und einem Sekretär best_ht. Beyde haben schon mehrere ihrer Untersuchungen durch den Druck verbreitet. Im Jahr 1796 bildete sich die Gesellschaft patriotischer Kunstfreunde, oder die Akademie der Künste, mit einer Gemäldegallerie und Schule zur B_ldung junger Künstler. -- Zu den wohlthätigen Instituten gehören die beyden Spitäler der Stadt, die beyden wohleingerichteten Waisenhäuser, das Kranken- Gebär und Irrenhaus und die beyden Wittwenkassen. -- Die Neustadt hat hübsche Gassen, meist wohlgebaute Häuser und schöne Gärten. Hier ist das freyweltliche Stift Emaus, dessen Aebtissin eine Reichsfürstin ist, eine Kirche auf dem Carlshofe samt ihrer heiligen Treppen, von rothem Böhmischen Marmor, der befestigte hohe Wissehrad, das Piaristenkloster und das vormalige Jesuitencollegium zu besehen. Die kleine Seite, unten im Thal an der Muldau, ist die älteste von den Pragerstädten; sie hat breite Gassen, stark bewohnte Häuser, enthalt die sehenswürdigste Kirche in ganz Prag, zu St. Salvator, so den Jesuiten zuständig gewesen, unter welcher noch eine andere angelegt ist. Der Hradschin gehörte sonst zu der kleinen Seite, aber 1756 ist er zur 4. Stadt von Prag erhoben worden. Hier ist zu bemerken das unregelmäsige aber sehr große Königliche Schloß, nebst seinem Bezirke, worinn die neuerbauten Residenzgemächer, die neue Schloßcapelle, das 1755 neuangelegte Kaiserl. Königl. Fräuleinstift, die Zimmer der hohen Landescollegien, die Statthalterey, der sehr hohe und große Spanische Saal ohne Pfeiler, die Kunst-Naturalien- und Schatzkammer, das Landhaus, das Königliche Reithaus, der Königliche Fasenen- und Lustgarten, das Königl. Mathematische Haus, der weisse und schwarze Thurm. In dem Schloßbezirke befindet sich auch die Domkirche zu St. Veit, worinn, nebst den Königl. Begräbnissen und vielen Reliquiren, das kostbare silberne Grab Johann Nepomuks und 4 von Silber gegossene Engel in Mannsgröße an 2 Altären zu sehen; ferner befindet sich hier der erzbischöfliche prächtige Palast, und die Residenzen der Domherren. Der eigentliche Hradschin, worauf das Rathhaus steht, ist gleichsam die Vorstadt des Prager Schlosses, davon der äusserste Theil die neue Welt heißt: über den Strahow aber und Pahorscheletz hat das reiche Prämonstratenserkloster Strahov die Jurisdiction. Die St. Lorettokapelle und die dahinter stehende Kirche, welche ein Fürst von Lobkowitz hat anlegen lassen, enthalten viel herrliches. Gegenüber steht der weitläufige Tscherninische Palast. In allen hat Prag ausser den beyden Kollegiatstiftern, den Kreuzherren- und dem Maltheserhause und den Englischen Fräulen noch 9 Manns- und 2 Nonnenklöster in seinen Mauern. Die meisten tragen zum Unterricht in den Schulen oder sonst zur Beförderung der Wissenschaften bey. Endlich verdient noch die steinerne Brücke, welche die Altstadt Prag mit der kleinen Seite verbindet, und über die Muldau geht, Aufmerksamkeit. Sie enthält 18 Bogen, und ist 742, gemeine Schritte lang. Es stehen darauf 29 Statuen von Heiligen, und Mittags und Abends verfügt sich eine große Menge Volks der Andacht wegen dahin: vornehmlich ist die 1683 verfertigte metallene Statue Johann Nepomuks, der 1729 canonisirt wurde, niemals ohne Menschen. Prag ist der Hauptsitz des ganzen Böhmischen Handels und hat selbst sehr viele Manufakturen, vorzüglich von feinen Hüten, 5 Fabriken von Baumwollenzeugen und Strümpfen, seidenen Strümpfen, an welchen auf 70 Stühlen gearbeitet wird, Papiertapeten, Spielcharten, 2 Fabriken für Leder und lederne Handschuhe, 1 Fischbein- 1 Krapp- 1 Tobakfabrik, 1 beträchtliche Fabrik von Englischem Steingut, 1 Zuckerrafinerie, 1 Metallknöpfefabrik, mehrere Bijouteriefabriken, 1 Fabrik von Gold- und Silberwaaren, 1 Metallschlägerey, m_hrere ächte und unächte Bordenmanufakturen, 1 Bleistiftfabrik, 1 Fayencefabrik xc. auch werden zu Prag mathematische Instrumente sehr gut verfertigt. Die Stadt hat im Hussiten- und dreyssigjährigen Kriege, im Oesterreichischen Erbfolgekrieg von 1741 (in welchem besonders die tapfere Vertheidigung der Franzosen denkwürdig ist, und in dem Preussischen Kriege von 1756 vielfältige Belagerungen und Eroberungen, und dabey auch manche Verwüstung erlitten, die aber bald wieder gut gemacht wurden. Der so genannte weisse Berg, vor dem Strahoverthore, 1 Stunde vor der Stadt hat in der Geschichte ein Andenken durch die Schlacht erhalten, welche die Böhmen, die Friedrich V. von der Pfalz zu ihrem König gewählt hatten, gegen die Oesterreichischen Völker allda verloren. Hier ist auch das Schlachtfeld zu bemerken, vom 6. May 1757, da der König von Preussen über die Oesterreichische Armee siegte.


Quellen.[]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1806.


Literatur.[]

  • Beschreibung der königlichen Haupt und Residenzstadt Prag sammt allen darinn befindlichen sehenswürdigen Merkwürdigkeiten. Verfasset von Jaroslaus Schaller a St. Josepho, Priester des Ordens der frommen Schulen, . . . Erster Band. Mit Kupfern. Die Stadt Hradschin, oder das IV. Hauptviertel der Stadt Prag. Prag, 1794. gedruckt bey Franz Gerzabeck, in der eisernen Thür.
  • Prag und seine Umgebungen. Dargestellt von S. W. Schießler. Mit Kupfern und dem richtigen Grundrisse der Stadt. Prag und Töplitz. Bei C. W. Enders. 1812.