Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Die neu aufgefundenen Gräber in Pompeji.[]

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Die innerlichen Unruhen hatten das Ausgraben der Alterthümer der verschütteten Stadt Pompeji unterbrochen; allein sein Kurzem hat man sie mit einer neuen Thätigkeit wieder begonnen. Man will jetzt den Umfang der Stadt kennen, ehe man sie gänzlich aufdeckt, und schon hat man angefangen, um ihre Mauern herum zu graben. Ist einmahl ihr Umfang bekannt, so kann man in die verschiedenen Straßen hineingraben, und dann auch in die Häuser zu beyden Seiten der Straßen. Demnächst müssen noch die Wege aufgedeckt werden, die zu den Thoren führten, damit man auch die Landhäuser außer der Stadt, und die Grabmähler, welche die Alten bekanntlich längst den Wegen errichteten, wieder wird finden können. Unter der vorigen Regierung war letzteres schon ins Werk gesetzt worden, und diesen Arbeiten verdankt man die Entdeckung der großen Stadthores von Pompeji, der Consularstraße, welche von Neapel und Rom dorthin führte, des schönen Landhause des Arrius Diomedes, und der zierlichen Hemicyclen oder halbzirklichten Bänke, welche seitdem in mehreren Gärten sehr gut nachgeahmt sind. Überhaupt hat die Entdeckung der Pompejischen Alterthümer und der sogenannten etrurischen Vasen schon einen bedeutenden Einfluß auf die Künste gehabt. Um sich davon zu überzeugen, beliebe man nur die Gestalt der Möbeln, der Stickereyen, die Gold- und Silberarbeiten, die Tepetenverzierungen, die Porzellänmahlereyen, die Krystallschneidereyen u. s. w. mit ähnlichen Arbeiten aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts zu vergleichen.

Das Ausgraben auf den Wegen nach Pompeji ist unter der neuen Regierung thätig fortgesetzt worden; den gewöhnlichen Arbeiten hat man deßhalb 200 Sappeurs zugestellt, die sich vortrefflich aufs Miniren verstehen, und daher das Aufgraben sehr befördern werden. Durch diese Veranstaltung sind die Gräber zum Vorscheine gekommen, von welchen hier die Rede seyn soll. Herr Millin hat sie in einem eigenen, zu Neapel 1813 erschienenen Werke beschrieben, und durch den Berliner Mahler Catel, der ihn auf seinen Reisen im Königreich Neapel begleitete, zeichnen lassen.

Das erste dieser Grabmähler ist mit einer Mauer umgeben, und mit Basreliefs geziert Eine Stuccatur überzieht die Mauer, wie bey den meisten Denkmählern Pompeji's; die in der Mauer angebrachten Nischen dienten dazu, Urnen aufzubewahren. Es findet sich aber keine mehr vor. Man steigt fünf Stufen hoch zum Eingange des Denkmahls hinauf, und zwey cannelirte Säulen verzieren die Thür, welche zur Seite angebracht ist. Das Denkmahl selbst ist viereckig, oben mit platten, staffelartig gelegten Steinen belegt, worauf vermuthlich eine Bildsäule stand; wenigstens ist noch ein Fußgestell vorhanden. Die Basreliefs sind von Außen angebracht, und zwar zwey auf dem Denkmahle und eines über der Thür in der Mauer.

Von den beyden Basreliefs auf dem Denkmahl stellt eines eine Jagd, und das andere ein Gladiatorengefecht vor; vermuthlich haben sie auf die Gefechte Bezug, welche beym Begräbniß der unter diesem Grabmahle ruhenden vornehmen Personen waren aufgeführt worden. Man weiß schon aus mehreren Thatsachen, daß die Bewohner Pompeji's große Liebhaber von Gefechten waren; daß aber solche Schauspiele bey den Leichenbegängnissen vornehmer Personen nicht seltenes waren, ist ein allgemein bekannter Umstand.

In demjenigen Basrelief, welches ein Gladiatorgefecht vorstellt, stehen zwölf bewaffnete Fechter paarweise, nur das erste Paar sitzt zu Pferde; über jedem Paare sind mit Pinsel die Nahmen geschrieben worden. Solche Inschriften findet man zu Pompeji häufig, und sogar noch unter der vorigen Regierung hatte man im Neapolitanischen den Gebrauch, Anzeigen, Verbothe und dergleichen mit dem Pinsel in rother Farbe an die Wände zu schreiben. Die Fechter haben kleine Schilde, Dreyzacke und metallene Platten um den Leib, um die Arme und Beine.

Auf dem andern Basrelief erblickt man zwey Thierfechter und allerhand Wildpret, als: wilde Schweine, Hirsche, Hasen und einige Hunde, welche dieselben verfolgen.

In dem Basrelief über der Thür sind wieder vier Fechter abgebildet: einer blutet, einer fällt todt nieder, einer aber wird von einem Manne, vermuthlich als Sieger, aufgeführt.

Alle diese Figuren sind grob gezeichnet, und verrathen wenig Kunst, da jedoch die architectonische Arbeit des Grabmahle mit Geschmack verfertigt ist; dieß kommt wohl daher, weil die Basreliefs nicht von einem Meister, sondern von einem gemeinen Stuccaturarbeiter gemacht worden sind. Ein Bildhauermeister hielt es wohl für zu gering, verächtliche Fechter darzustellen; vielleicht vermied man es auch absichtlich, solche Menschen mit schönen Formen darzustellen. Was übrigens noch wenig Kunst anzeigt, ist, daß die Schilde der Fechter und ihre Wunden, so wie auf die Wunden der Thiere mit rother Farbe bemahlt sind. Die Figuren sind mit eisernen Stäben an den Wänden befestigt worden; allein diese Stäbe hat, wie es scheint, die Hitze der vulkanischen Asche zum Schmelzen gebracht; einige Figuren sind abgefallen, und aus den Stäben ist eine sonderbare gelbliche Materie geworden.

Übrigens ist die Gestalt dieses Grabmahls sehr elegant, und hat mit dem Grabmahle des Mausolus, Königs von Carien, eine sehr auffallende Ähnlichkeit. Auf einer Inschrift, die neben dem Grabmahle gefunden worden ist, liest man den Nahmen Ampliatus; hieß der Verstorbene so, oder war es der Nahme der Magistratsperson, unter deren Leitung das Leichenbegängniß gehalten wurde; oder hat dieser Ampliatus das Grabmahl einer ihm werthen Person, etwa seiner Frau, errichten lassen? Es würde schwer halten, eine befriedigende Auskunft über diese Frage zu geben.

Neben diesem Grabmahl steht ein zweytes, welches ebenfalls mit einer Mauer umgeben ist. -- Die Mauer ist mit kleinen, viereckigen, spitzzulaufenden Thürmchen, einigermaßen wie die Thürme in den alten deutschen Stadtmauern geziert. An diesem Denkmahl ist nur ein Basrelief gefunden worden, es stellt eine opfernde Frau vor. Übrigens sind die Verzierungen geschmackvoll, aber einfach.

Unter den andern Grabmählern verdient noch eines besonders wegen seiner Basreliefs bemerkt zu werden. Es steht der Nahme Nahovolenia darauf, und die Basreliefs haben unstreitig auf den Übergang der Seele dieser Frau (denn eine Frau war es ja wohl!) zu einem andern Leben Bezug. Sie stellen ein Schiff mit Segeln vor; Genien leiten dasselbe; oben auf dem Mastbaum lodert ein Flämmchen in viereckiger Gestalt. In dem einen Basrelief sind einige Genien hinaufgeklettert, und bemühen sich aus allen Kräften, die Segel einzustreichen. Die arme Nahovolenia hat vielleicht auf einem stürmischen und klippenvollen Meere geschifft. Doch nun ist alles vorüber, sie langt im Hafen der Ruhe an, und die guten Genien ziehen die Segel ein! Merkwürdig ist das abgebildete Schiff in technischer Hinsicht; mit seinem Tau- und Segelwerke gleicht dasselbe einem unserer großen Schiffe. Die Segel sind breit und hoch, und das Tauwerk rollt über einen Kloben. Der Kloben, im Französischen poulie moufflée, ist also keine Erfindung neuerer Zeiten. -- Eines von den Gräbern ist zwar geöffnet, aber wieder zugemauert worden, weil es die Königinn von Neapel zuerst besuchen soll, dann wird es jeder besuchen können.

Schließlich muß noch bemerkt werden, daß diese Alterthümer, welche sich so viele Jahrhunderte erhalten haben, jetzt leider einer fast unvermeidlichen Verwüstung ausgesetzt sind Aus blindem Eifer für dieselbe raubte man Stücke von Mussivarbeiten, von Inschriften oder Figuren; Boshafte verstümmeln dieselben aus bloßem Muthwillen, und was völlig diese Alterthümer verdirbt, alle Reisende tragen ihre Nahmen, ja sogar die Nahmen ihres Geburtsortes, und manchmahl auch denjenigen ihrer Geliebten darauf. Gott behüthe Pompeji doch in Zukunft vor vulkanischer Asche, vor allzu eifrigen Kunstliebhabern, vor bösen und vor schreibseligen Reisenden!

Depping.


Zeitungsnachrichten.[]

[1808]

Italien. [2]

Bald nach ihrer Ankunft hatte die Königin von Neapel, in Begleitung des Erbprinzen, des Ministers des Innern, und des Generaldirektors des Museums von Portici, Ritters Arditi, eine Fahrt nach den Ruinen von Pompeji gemacht. Man unternahm in ihrer Gegenwart neue Nachgrabungen. Zuerst fand man einige feine irdene Gefässe, und eine grosse Münze von Bronze mit Nero's Bildniß nachher machte man die merkwürdige Entdeckung vieler Gefässe verschiedener Grösse voll Mahlerfarben, und eines Reibinstrument von Marmor. Man vermuthete, das Gebäude sey entweder die Wohnung eines Malers, oder die Bude eines Farbenhändlers gewesen. Durch eine chemische Analyse der Farben entdeckt man vielleicht manches Geheimniß der Alten bey ihrer Malerey. Hernach besichtigte die Königin noch das Odeon, das bedeckte Theater mit seinem Portikus, den Isistempel, und das neulich aufgedeckte pallastähnliche Gebäude.


Quellen.[]

  1. Archiv für Geographie, Historie, Staats- und Kriegskunst. 1813.
  2. Wiener-Zeitung. Nro 96. Mittwoch, den 30. November 1808.
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