Von Bastille bis Waterloo. Wiki

P. A. F. Chauderlos v. Laclos.[]

[1]
Laclos (P. A. F. Chauderlos v.) geboren zu Amiens 1741, war Artillerieofficier und Staatssekretär des Herzogs von Orleans. Dieser Mensch wurde als ein Wunder von Sittenlosigkeit in einem sittelosen Jahrhundert angesehen und hatte sich vor der Revolution durch einen Roman: les liaisons dangereuses, bekannt gemacht; und, gleich als hätte er wollen das Beyspiel mit der Lehre verbinden, so ist gewiß, daß er von der ganzen berüchtigten Raçe, die den Herzog von Orleans umgab, der war, welcher ihn am meisten, nicht verderben, -- das hatten schon andern vor ihm übernommen, -- aber doch, trotz der Schwäche, Unbestimmtheit und nie ganz zu unterdrückenden Trägheit seines Charakters, zu einem Partheyanführer bilden half. Laclos war einer der thätigsten Agenten der Orleans'schen Parthey. Als der Herzog von Orleans nach London flüchtete, begleitete ihn Laclos, und übernahm dessen Briefwechsel mit den in Paris zurückgelassenen Verbündeten. 1791 figurirte er in dem Jakobinerklubb, gab sich alle Mühe, gegen Ludwig XVI., nach seiner Verhaftnehmung zu Varennes, einige Entschliessungen fassen zu lassen, und war der Urheber des Zusammenlaufs auf dem Marsfelde, gegen welchen Lafayette, auf Baillys Verlangen, Truppen marschiren ließ. 1792 ward er Artillerie-Oberst und Lucknern an die Seite gegeben; der Verhaft des Herzogs von Orleans 1793 verwickelte ihn aber in seinen Fall und veranlaßte ebenfalls seine Verhaftnehmung. Jedoch gelang es ihm, sagt man, seinen Kopf durch Gefälligkeiten loszukaufen und er ward in seinem Gefängnisse der Verfasser der meisten Reden Robespierres. Nach dem Falle dieses Tyrannen kam er wieder in Freyheit, und verbarg seine Verbrechen und seine Schande in der Zurückgezogenheit. In der Folge ward er wieder in militärische Thätigkeit gesetzt, und war unter der Konsularregierung Generalartillerieinspector der Armee in Neapel. Er starb zu Tarent den 5. September 1803 und hat Schriften über die Kriegskunst hinterlassen.


Quellen.[]

  1. Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.