[Patrioten.]
Zeitungsnachrichten.[]
1790.[]
[März]
- Brüssel vom 10ten dieses. [1]
Die holländischen Patrioten fangen an, sich zu rühren. Sie haben die Empörungskunst von den Brabäntern gelernt. Sie halten in einem benachbarten Lande (man muthmasset, es wäre das münsterische) einen Kongreß, so wie die Brabänter ihren Kongreß zu Breda hielten. Das Uebrige wird vermuthlich auch nachgeahmt. -- Da wird auch nächstens wieder ein General zum Vorschein kommen, und sie a la Van der Mersch kommandiren. -- Lauter Generalgenerationen! Dies Jahr wird noch viele dergleichen Excellenzien prodiciren. -- Also neue Hoffnung zu raren Begebenheiten.
- Schreiben aus Herzogenbusch, vom 12. Merz.
Während daß die wider Oesterreich gestimmte Partei in Holland den brabäntischen Unruhen mit schadefrohen Augen zusieht, fängt das vor 2 Jahren durch preusische Musketen gedämpfte Feuer in dem Gebiete der Generalstaaten wieder an, aus der Asche hervorzuglimmen, und einen schrecklichen Brand zu drohen. In der Provinz Seeland herrschet ein fast allgemeines Mißvergnügen, und man weigert sich rundaus, den ausgeschriebenen 25sten Pfennig abzuführen, weshalben einige holländische Regimenter Befehl erhielten, dahin aufzubrechen, und Ordnung zu stiften. Hierunter befanden sich unter andern die holländischen Garden, die sonst gar selten aus dem Haag zu marschieren pflegen. Auch das zweyte Regiment Waldeck, wovon ein Bataillon zu Dort, das andere zu Harlem in Garnison war, bekam Befehl aufzubrechen. Die Einwohner zu Harlem aber hatten die Mannschaft dieses letztern Bataillons während seinem dasigen Auffenthalte so lieb gewonnen, daß sie durchaus nicht zugeben wollten, daß solches ausrücken sollte, und sie am Ende sogar die Stadtthorte wirklich verriegelten. Es ist bekannt, daß die Harlemer noch sehr für die Sache der ehemaligen Patrioten eingenommen sind, und fortwährend auf eine andere Wendung der Umstände hoffen: doch ist es diese Stadt nicht allein, die so denkt, sondern es sind noch sehr viele ansehnliche Plätze, besonders in der Provinz Holland, wo man blos auf eine günstige Gelegenheit wartet, um das alte Wesen wieder in Gang zu bringen. Der statthalterische Hof muß derhalben gewiß auf seiner Hut seyn, und man vernimmt wirklich, daß 2 Schweitzerregimenter Befehl erhalten haben, in diesen verdächtigen Plätzen ihre Standquartiere zu nehmen. Ueberhaupt verdienen die Schweitzer das Lob, das sie sich in unsern Provinzen überall, und bei jeder Gelegenheit durch ihre deutsche Treue vor allen andern Truppen besonders ausgezeichnet haben.
- Niederrhein vom 26sten dieses. [2]
Das Gerücht von den Bewegungen der Holländischen Patrioten bekommt täglich mehr Gewißheit. Man sagt, daß in Frießland und in Seeland sonderbare Dinge vorgehen. Die Patrioten, heißt es, sammlen sich in Auslande, man nennt so gar ihren General, der sich Keppel nennen soll. Gewiß ist es, daß in Westphalen viele Pferde aufgekauft sind worden. Viele spotten darüber; aber man hat auch vorhero über den Kongreß von Breda gespottet, und doch war alles wahr, was man im Reiche der Todten darüber gesprochen. -- Sollte es zu einem Krieg zwischen Oesterreich und Preusen kommen, so bekommen die Patrioten freyes Feld. Es gehen sonderbare Sachen in der Welt vor; nur Geduld!