Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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RtSA Rotterdam.


Overschie.[]

[1]
Overschie, großes getrenntes Dorf mit 2230 Einwohnern in Holland, Bezirk von Delft.


Von Reisende..[]

Ralph Fell.[]

[2]

[1800]

Den 9ten November verliessen wir Rotterdam gegen fünf Uhr Nachmittags in dem Treckschüyt, einem Reiseboote, das nach Delft abfuhr.  Das Wetter war unangenehm und stürmisch, aber nichts liess uns den fürchterlichen Orkan vermuthen, der uns kaum eine Meile von Rotterdam überfiel. An Heftigkeit glich er eher den Orkanen, die unter den Wendekreis wüthen, als einem europäischen Sturme. Der tobende Wind, der schreckliche Regen, das Rauschen der Wellen, die Finsterniss der Nacht, und die Unruhe der Reisegefährten zusammengenommen, machten unsre Lage furchtbar. Die ältesten Leute konnten sich keines so reissenden Sturms erinnern und kein Orkan, den ich in Westindien erlebt hatte, kam diesem Gleich.

Die Höhe des Kanals, welcher einige Fuss über die Erdfläche erhaben ist, setzte das Boot der ganzen Wirkung des Windes aus, und es war schlechterdings unmöglich, weder vor- noch rückwärts zu kommen. In dieser gefährlichen Lager hätten wir die ganze Nacht über bleiben müssen; aber zum Glück liess der Sturm gegen neun Uhr Abends so sehr nach, dass wie Overschie, ein schlechtes, drei Meilen von Rotterdam entferntes Dorf, erreichen konnten.

Hier landeten wir und verliessen froh das Treckschuyt, um die Nacht dort zuzubringen. Der Kanal war übergetreten und das halbe Dorf stand im Wasser; bei jedem Schritt wurden wir bis an die Kniee nass, und Ströme von Regen durchnetzen unsre Kleider. Das Ungestüm der Nacht hatte Overschie mit Fremden angefüllt und die meisten Wirths- und Bierhäuser waren mit Gästen besetzt.

Vor zwei Häusern wurden wir abgewiesen, so sehr wir auch alles aufboten, die Habsucht oder Menschenliebe der Wirthe zu erregen, und was unsern Verdruss noch vermehrte, war, dass die Bauern, die, um ein Torf-Feuer gelagert, ihre Pfeifen schmauchten; über unser Missgeschick sich zu freuen schienen. Endlich nahm man uns in einer elenden Hütte auf, und verschaffte uns zum Glück ein besonderes Zimmer. Aber hier war kein Kamin und durch verschiedne Spalten drang Wind und Regen herein. Kaffee und Brantewein waren die einzigen Erquickungen, die dieses Haus darbot und beides war erbärmlich. Ein feuchtes Bette vollendete unsre üble Lage und nach einer schlaflosen Nacht traten wir früh Morgens in einem Wagen unsre Reise nach dem Haag an.


Quellen.[]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1806.
  2. Fell's Reise durch die Batavische Republik Aus dem Englischen übersetzt, und mit Anmerkungen begleitet von D. Karl Murhard. Leipzig, bei C. H. Reclam. 1805.
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