Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Ueber die Bestimmung der Toulonner Flotte nach West- oder Ostindien.[]

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Ueber die Bestimmung der Toulonner Flotte nach West- oder Ostindien; Rang und Benennung der Schiffe nach der Anzahl der Kanonen; Bemannung.

Durch die Niederlagen der Holländer und Spanier bei St. Vincent, und im Texel hatte England die Seemacht der Verbündeten Frankreichs gelähmt.

Durch die schlechte Verwaltung des Marinewesens während der Revolution; durch die Zerstöhrungen der Quellen einer Wiedergeburt desselben, der Verbrennung des Arsenals und der Flotte von Toulon, und durch die früher erlittenen Unfälle, ward das bisherige Verhältniss der Seemacht zwischen England und Frankreich zerstört. Ersteres, um die Herrschaft sicher zu begründen, suchte durch die Blockirung aller Häfen der drei verbundenen Mächte, die Wiedererschaffung und Vereinigung der neuen Streitkräfte auf einigen Punkten, zu verhindern.

Mit diesem System fing aber auch zugleich eine lästige Rolle für England an; es ward hierdurch zu einem Cordonsystem gezwungen, und erfuhr bis jetzt auch dessen Unzulänglichkeit; denn trotz aller Wachsamkeit, und trotz Frankreichs scheinbarer geschwächten Lage, gelang es dasselbe doch, im mittelländischen Meere eine Macht zu errichten und zu gebrauchen, die Europa in Erstaunen setzte *). Die Besorgnisse für Irland benutzte Frankreich, um Englands Aufmerksamkeit und Macht zu theilen.

*) Die Expedition nach Egypten.

Ungeachtet Frankreichs Seemacht im J. 1756 nicht so gedemüthigt war, wie jetzt, so verhielt es sich doch damals leidend, statt es jetzt in den Unglücksfällen nur einen Grund zur möglichsten Anstrengung findet. Die Schlacht bei Abukir zertrümmerte auf's neue die Frucht jenes Kraftaufwandes.

Nach dem Frieden von Amiens wurden die wieder gesammelten Kräfte theils durch die Expedition nach Domingo auf's neue vernichtet, so wie in dem wieder ausgebrochenen Kriege, auch das System der Zernichtung eines jeden neuen Keims der Französischen Marine, von den Engländern wieder ergriffen wurde.

Frankreich suchte jetzt durch die Ausrüstung einer grossen Menge kleiner, bewaffneter Fahrzeuge, dem Feinde die Besorgniss einer Landung in England oder Irland, wahrscheinlich zu machen, und zwang so seinen Feind, auch eine viel grössere Landmacht zu errichten, die bei der Art seiner Kultur, mit der Zeit, dem Lande schädlich werden muss. Es schien, als sei für England keine Wahl mehr, welches System es zu ergreifen habe. Die Wichtigkeit des Gegenstandes zwang es zu einem Verfahren, dass als ein Calcul Frankreichs zur Aufreibung seiner Kräfte zu betrachten ist.

Zu den Uebeln der Erhaltung einer so ungeheuern See- und Landmacht, muss man noch den beträchtlichen Verlust rechnen, der mit dem Behaupten der Stationen, zur Beobachtung der feindlichen Häfen in jeder Jahreszeit, verbunden ist.

Mehr denn Schlachten und entfernte Expeditionen, nutzt das Stationiren das Materielle der Schiffe ab. Eine Zusammenrechnung der gestrandeten und gescheiterten Schiffe Englands während diesem Systeme, würde eine bedeutende Summe geben.

Die rastlose Thätigkeit zur Erbauung der kleinen bewaffneten Fahrzeuge, und grösseren Kriegesschiffe, liess, gleich einem Phönix aus der Asche, Frankreichs Seemacht in kurzer Zeit, bis nahe an 60 Kriegesschiffen, und um mehr denn die Hälfte von Fregatten emporsteigen.

Wozu nun aber diese Macht gebrauchen? Denn die Drohung einer Landung betrachtete man immer mehr und mehr, als ein Strategêm.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass, trotz der grössten Wachsamkeit, zum öftern Flotten dem sie blockirenden Feind, täuschten.

Man überrechnete die Stärke der Flotte Spaniens in den verschiedenen Häfen, die zum Theil noch mit den geretteten Trümmern der Französischen Seemacht verstärkt waren *), und fand noch mehr Wahrscheinlichkeit für eine Vereinigung einiger dieser Abtheilungen zu einer Expedition nach Englands Kolonieen, während die Flotille dem Feinde nicht erlaubt, ganz sicher vor einer Landung zu sein, und seine gesammten Kräfte auswärts zu gebrauchen; so wie sie zugleich eine sichere Küstenvertheidigung wider eine Land-Expedition Englands bildet. Man sah in der Folge auch, wie, dem Anscheine nach, die Thätigkeit auf dem rechten Flügel der Französischen Rüstung zunahm, wenn auf dem linken irgend etwas geschehen sollte.

*) Bei der Kriegeserklärung -- so sagen Französische Berichte -- waren 7 Linienschiffe in Amerika, die, bis auf eins, in befreundete oder Französische Häfen eingelaufen sind.

So künstlich auch die Berechnung Englands in der Stationirung seiner Flotten sein mag, um, wenn aus einem der Französischen Häfen eine Flottenabtheilung laufen mögte, sogleich auf allen Punkten ihrer wahrscheinlichen Richtung, eine überwiegende Stärke zu haben, so sahen wir doch, dass Zufälle den Plan des Schwächern ausführbar machen. Wir wollen, ehe wir weiter gehen, die Stärke der Französischen und Spanischen Seemacht, in den verschiedenen Haupthäfen beider Länder, angeben.

Die letzten Englischen Berichte geben die Stärke der im innern Hafen von Boulogne liegende Fahrzeuge bis zu 2000, ohne die grössten, oft auf die Rhede auslegenden, oder sich immer dort befindlichen, an.

Im Texel lagen im Februar 6 Linienschiffe, nebst einigen Fregatten und 80 Transportschiffen. Wenn diese Macht auch lediglich zur Defensive bestimmt sein sollte, so ist bekannt, wie leicht der Texel vertheidigt werden kann. Das Jahr 1799 kann hier nicht das Gegentheil beweisen.

Zu Brest 22 Linienschiffe, 9 Fregatten, 10 Kutter, 28 Transportschiffe. Nach einigen Nachrichten sollen 30000 Mann für diese Flotte bestimmt sein.

In Rochefort 6 Linienschiffe, 2 Fregatten, 11 Kutter; Admiral Missisei.

Zu Ferrol 14 Span. Linienschiffe, 3 Fregatten und eine Brigg; davon gehören 6 Linienschiffe und eine Fregatte den Franzosen. Die Zahl der zu Corunna liegenden Schiffe können wir nicht bestimmen.

Zu Cadix 6 Linienschiffe und 5 Fregatten, 2970 Mann Landtruppen, commandirt vom Admiral Gravina. Nach andern Berichten 7 Linienschiffe, von denen eins ein Französisches war. Es blieben noch 6 nicht bemannte Linienschiffe zurück.

Zu Algesiras 4 Französische Linienschiffe à 76 Kanonen.

Zu Toulon Admiral Villeneuve 12 Linienschiffe, 15 Fregatten, 4 Corvetten, mit 10 bis 12000 Mann Truppen.

In Ostindien zu Batavia, der Holländ. Admiral Hartsink mit 4 oder 5 Linienschiffen.

Zu Isle de France der Admiral Linois mit eben so vielen.

Im Januar lief die Toulonner Flotte aus, kehrte aber nach einigen Tagen zurück. Nelson kreuzte um diese Zeit bis nahe an Barcellona hin; nahm aber, durch jene Bewegung und andere Gerüchte getäuscht, den Weg nach Egypten, dort die Toulonner Flotte zu finden. Den 9ten April erschien sie unvermuthet vor Cadix, vereinigte sich mit einem Theile der hier liegenden Span. Flotte, und setzte, 20 bis 22 Linienschiffe und 10 Fregatten stark, mit 14 bis 15000 M. Truppen und grossen Artillerie-Vorräthen, ihren Weg weiter fort.

Spätere Nachrichten melden, dass Nelson den 9ten April an der Neapolitanischen Küste erschienen; und da die dasigen Gerüchte die Bestimmung der Toulonner Flotte auf's neue nach Egypten angaben, so ist es wahrscheinlich, dass auch er wieder dahin seinen Weg genommen hat, wodurch der Rest der Cadixer Flotte und der zu Algesiras, wenn es anders ihre Bestimmung sein sollte, Zeit zum Auslaufen gewinnen könnte *).

*) Es scheint aber, dass es Spanien dazu gänzlich an Matrosen fehlt; so wie auch den Admiral Orde Vereinigung mit der Kanalflotte diese Vermuthung bestätigt.

Der Eng. Admiral Orde hat nur 5 Linienschiffe, mit welchen er bei Cadix kreuzt.

Ausgangs Januar liefen 6 Linienschiffe und 2 Fregatten mit so viel Truppen an Bord, als sie fassen konnten, von Rochefort aus, und gingen nach Westindien.

Um eine Uebersicht der Wichtigkeit dieser Expedition zu haben, wollen wir kürzlich die Inseln einzeln betrachten.

Die Insel Kube, gehört den Spaniern. Ihre Hauptprodukte sind Kaffee und Zucker, und alle Erzeugnisse Westindiens.

Die Insel Jamaika. Hauptprodukte: Kaffee, Zucker, und was mit diesen in Verbindung steht. Gehört den Engländern; mit einem guten Hafen, Port Royal. Die Engländer sollen hier nur 3000 Mann haben.

Die Insel St. Domingo. Nach den neuesten Nachrichten, sind die Franzosen wieder Herren von dem ehemaligen Spanischen Antheil.

Die Insel Portorico. Taback und Baumwolle. Juan de Portorico eine feste Stadt mit einem Hafen.

Von hier bis an die Südamerikanische Küste liegen in einem Halbzirkel die kleinen Antillen; eine Inselgruppe, die verschiedenen Nationen gehört. Manche sind gar nicht besetzt, und blosse Klippen.

Sie werden wieder in Inseln über und unter dem Winde getheilt; erstere gehen von Portorico bis an die Ostseite der Südamerik. Küste, die letzten längs der Südamerik. Nordküste. Zu ersteren gehören, besonders im Nordosten, den Engländern:

Die Insel Antigua. Die Hauptstadt St. John mit einem sichern Hafen. Liefert viel Zucker.

Südlich von dieser Guadaloupe, zwei durch einen schmalen Kanal getrennte Inseln. Basseterre mit einer offenen Rhede. Den Franzosen gehörig.

Dominika. Kaffe- und Zuckerbau, mit guten Landungsplätzen. Die Macht der Engländer hieselbst wird nur zu 300 M. angegeben.

Martinique. Kaffee und Zucker; sonst Französisch, jetzt Englisch. Der ehemalige Mittelpunkt des Franz. Handels in Westindien. Fort Royal, ein guter Hafen.

St. Lucia, mit einem guten, im Kriege sehr wichtigen Hafen.

Man sieht beim ersten Blick auf der Karte, dass der Besitz einer dieser Inseln, da Kuba den Spaniern, Domingo grösstentheils den Franzosen gehört, die Herrschaft über die Honduras-Bay und den Mexikanischen Meerbusen giebt, und den Handel der Engländer durch Kapereien, wenn auch nicht ganz entrissen, doch für eine geraume Zeit gänzlich unterbrechen kann. Dominika, in der Mitte dieser Inselgruppe gelegen, so wie St. Lucia wegen des schönen Hafens, sind besonders vortheilhaft zu diesem Zweck. Seit 1788 wurden dorther jährlich für 302,000 Pfund Sterl. Waaren allein nach London gebracht.

Nach öffentlichen Nachrichten haben die Engländer unter dem Winde 1 Linienschiff und 2 Fregatten, auf der Jamaika-Station 3 Linienschiffe und 11 Fregatten. Die Engländer haben nun zwar schon Verstärkung hierher beordert; indessen können diese, falls die Toulonner Flotte auch hierher ihren Weg nehmen sollte, einzeln geschlagen werden; so wie man schon für die aus Cork in Irland hierher geschickte Transportflotte mit 2000 Mann fürchtete, und späterhin sogar angab: dass schon 1 Transportschiff und 11 Kauffahrer von den Franzosen genommen wären. Der Englische Admiral Cochrane soll den 11ten März mit 5 Linienschiffen zur Verfolgung der Rocheforter Flotte bei Madeira angekommen sein. Die Engländer müssen diese Expedition bis zum Auslaufen der Toulonner Flotte, für beendigt gehalten haben, indem den 20. April von London aus 64 Schiffe nach Jamaika und den andern westindischen Inseln absegelten. Wenn auch die Oppositionsparthei übertreibt, so ist es doch merkwürdig, zu wissen, was ein öffentliches Blatt über den Vertheidigungszustand von Westindien, bei der jetzigen Lage der Dinge, sagt: "Wenn die Rocheforter Flotte nur einige Truppen aus den Antillen an sich zöge, so kann sie leicht aus Martinique und Guadaloupe, ohne die Garnison dieser Inseln zu sehr zu schwächen, 10 bis 12000 Mann zusammen bringen. Auf Kuba sollen, ausser den Spanischen Truppen, 15000 aus Domingo geflüchtete Franzosen sein, von denen 3 bis 4000 gewiss sehr gern fechten würden, in der Hoffnung, sich bei der Eroberung von Jamaika zu erholen. In den dasigen Gewässern wären 150 bis 200 Französische Kaper, die auch Mannschaft hergeben könnten ect." Sollte die Toulonner Flotte auch hierher bestimmt sein, so könnte man wohl Jamaika und Martinique als verlohren betrachten; so wie sich aus dem Obigen ergiebt, dass schon der Besitz der letztern, bei der Stärke der Flotte und den vorzüglichen Häfen, auch den Fall der erstern nach sich ziehen würde, indem durch die gesperrte Kommunikation sie sich allein überlassen bliebe.

Ausser den genannten Verstärkungen nach Westindien von einigen 60 Transportschiffen und den 5 Kriegesschiffen unter Cochrane, wurde seit einigen Monaten die Zurüstung der Engländer auch für andere Punkte bedeutend vermehrt. Nicht allein dass auf den Werften der Themse 10 Linienschiffe von 74 Kanonen auf den Stapel gelegt, und auch seit Ausgangs April 12 Linienschiffe zu einer entfernten Reise bemannt und ausgerüstet wurden, so wurde auch noch eine geheime Expedition, unter dem General Kray ausgerüstet, zu der man 7 Infanterie- und 1 Drag. Regim. bestimmte; nach Westindien sollten 9 Reg., so wie alle im März nach Ostindien segelfertig liegenden Schiffe 2 bis 250 Mann mitzunehmen verpflichtet wurden, wodurch dorthin sechstausend Mann kommen können. Ausserdem waren 5 Liniensch. für Ostindien bestimmt, deren jedes 50 Schiffsjungen zum Matrosendienst mitnehmen soll. Der Umfang der Hauptrüstung ergiebt sich aus folgenden Nachrichten vom Februar: "Zu Portsmouth ging das 69ste Inf. Reg. auf 5 Schiffen an Bord. Es lagen daselbst 102 Transportsch. segelfertig; 42 für Truppen bestimmt, sind mit Kupfer beschlagen; 42 für Cavalleriepferde, 15 für die Artillerie. Zu Woolwich standen 600 Artilleristen zu Fuss, 400 reitende, 800 Packpferde, und 400 Stückknechte zur Einschiffung bereit."

Ohne auf den eigenen Nutzen für Frankreich zu sehen, so könnte man jede Unternehmung auf die Engl. Kolonieen auch als eine alte Schuld gegen ihre Bundesgenossen betrachten; denn nur durch die verkehrten Schritte der Machthaber Frankreichs ward Ceylon verlohren, und Domingo's Nutzen für Spanien zerstört *); so wie späterhin die Expedition nach Egypten den Engländern, um ihrem Feinde den ihren Handel zerstörenden Weg über das rothe Meer zu versperren, den gerechten Vorwand gab, die Insel Socatra am Eingange desselben zu besetzen, Tippo Saib zu vernichten, und seine Bundesgenossen zu lähmen. Wenn der Kaiser (wie dies wohl gewiss ist) ein vorzügliches Triebrad dieser Unternehmung war, so würde auch ihm besonders diese Verpflichtung obliegen.

*) Indem nämlich ihre Alliirten, ihrem Vortheile ganz zuwider, Theil am Kriege mit England nehmen mussten, wodurch England sich berechtigt sah, Martinique anzugreifen, Domingo zu empören, Ceylon zu nehmen ect.

Erinnert man sich, dass der |Admiral Missisei, die Truppen des Rocheforter Geschwaders mit denen in der Kolonien bis jetzt gestandenen vertauschte, so könnte dies (abgesehen von dem Grund, dass Krankheiten auf den Schiffen von üblen Folgen sind) auch auf die Vermuthung bringen, als wolle er seinen Weg weiter fortsetzen. Da wir aber gesehen, wie wichtig der Besitz einiger Inseln in Westindien für Frankreich sein kann, so steht zu erwarten, dass wenn auch nicht alle, doch vielleicht ein Theil von den Schiffen er Toulon. Flotte hierher bestimmt sein, der übrige grössere Theil aber, einen andern Weg nehmen wird. Die spätesten Nachrichten sagen, dass die Spanier auf Kuba 5 Lin. Sch. hätten, wodurch die Stärke der Toulon. Flotte in Westindien also zu 30 Kriegesschiffen anwachsen würde.

Ist Westindien für Frankreich wichtig, warum sollte es unter so glücklichen Umständen, als den bisherigen, nicht erst diese Eroberung möglichst begründen? Hat die Flotte, ehe eine überwiegende Landmacht Englands hierher gesandt wird (einige der westind. Häfen sind sehr gut) nur Martinique erobert, so sieht man leicht ein, wie schwierig für England Jamaika's Rettung sein würde. Welch ein Kraftaufwand wird erforderlich sein, um die Franzosen und Spanier hier zu blockiren und ihre Macht zu lähmen!

Die Festsetzung in Westindien macht überdies noch für die Engländer eine grosse Aufmerksamkeit auf Ostindien nöthig; so wie sie mit ihren Sicherheits-Vorkehrungen gegen die Flotten zu Ferrol, Brest, Boulogne, und des Armements des rechten Flügels nicht nachlassen dürfen.

Zu der Gefahr für Ostindien kann man mit Recht, zu der grösseren Schwierigkeit, auf dem weiten Ocean ein entwischtes Geschwader aufzufinden, auch die Sorge für die Erhaltung von Helena rechnen, das bis jetzt die einige Station der Engländer auf ihrem Wege dahin ist. Sei die Insel auch zu einem Widerstande mit Wenigen gegen vielen geeignet, so kann doch List -- und wer kann die Zufälle alle bestimmen? -- dem Angreifenden das unmöglich Geglaubte, gewähren. In welche Verlegenheit würde nicht der Verlust dieser sonst unbedeutenden Insel die Engländer setzen? Frankreich hätte dann von West- nach Ostindien folgende sichere Stationen: Helena, das Cap, Isle de France, und Bourbon.

Erwägt man alle beim Auslaufen der Toulonner Flotte Statt gefundenen Umstände, so kann man behaupten: dass keine der schon stationirten Flotten die Französischen einholen, und mit Uebermacht angreifen kann. Um letzteres zu können, müsste man der Brester Verstärkungen zuschicken, es sei nun von den Nebenstationen, oder aus England; das Eine erfordert Zeit, das andere schwächt die Blockade. Dazu rechne man dann die Zeit, ehe Orde zu Brest ankam, oder die Verstärkungen ankommen, und dann den so viel weitern Weg, als der ist, welchen die Toulonner Flotte von Cadix aus zu machen hat. Der kühne Nelson, könnte er sie einholen! Wie die Franzosen sich vor Cadix befanden, war er an der Küste von Neapel, und wie zu vermuthen steht, so wird er, zufolge den dort geherrschten Gerüchten, dass sie nach Egypten gegangen sei, wenn auch nicht gerade dahin segeln, doch Zeit, verlieren müssen. Gesetzt aber, er hätte auch einige Tage nachher erfahren, dass sie bereits die Strasse von Gibraltar passirt sei, so ist es nicht wahrscheinlich, dass er zu einer weiteren Reise verproviantirt ist.

Wohin auch ihre Bestimmung sein mag, die gewonnene Zeit wird hinreichen, um auf dem Bestimmungsorte, wenn Uebermacht entscheiden kann, das Erwünschte, vor Ankunft einer bedeutenden Verstärkung, zu erreichen Wenn auch Orde nach Brest gegangen, so ist es nicht wahrscheinlich, dass Nelson das mittelländische Meer ganz entblössen wird, so dass also die Hauptverstärkungen den weitesten Weg, d. i. aus den Englischen Häfen, machen müssen. -- Setzen wir nun den Fall, die Eroberungen in Westindien wären vor Ankunft der Verstärkungen beendigt, und die Lage der Dinge machte den Gebrauch der ganzen hier versammelten Flotte und Landmacht überflüssig, so wie die Franz. Besitzungen hier, nach Aussage des Moniteurs -- wenn man auch abrechnen muss -- vor dieser Expedition einem Angriff von 20000 Mann widerstehen konnten, und Frankreich fände, dass die hier noch zu machenden Fortschritte denen in Ostindien zu hoffenden, nachständen; so frägt sich: wohin dort?

Die Macht, welche sich dort versammeln kann, würde allerdings sehr beträchtlich sein; denn wenn sie auch die von Rochefort, die nach neuern Angaben zu Cuba liegenden 5 Spanischen Schiffe, und vielleicht einige der Cadixer Flotte, in Westindien zurückliessen, so würden dennoch mit denen Schiffen von Linois und Hartsink hier einige 20 Kriegsschiffe zusammen kommen.

Erwägt man den Zustand Ostindiens kurz vor und nach der Französischen Expedition nach Aegypten bis jetzt, so hat die vergrösserte Macht der Engländer, trotz der geringen Truppenzahl, grosse Vortheile, die aber bei einer zweckmässigen Landung, und kraftvollen Unterstützung der Einwohner als précair zu betrachten sind.

Die bedeutendsten Häfen und festen Plätze an der Küste von Coromandel und Malabar sind in ihren Händen, so wie die zwischen ihnen liegenden Länder, durch die Besiegung Tipo Saibs ganz von ihnen abhängig geworden, indem sie die Fürsten zum Theil einsetzten, und durch Negationen und Verträge ihnen alle Einheit benahmen. Der geringste Aufstand in dem südlichen Theile Ostindiens kann sogleich von ihnen unterdrückt werden, indem sie, da die Breite des Landes ungefähr nur einige 20 Meilen beträgt, sich sogleich, wie dies im letzten Kriege geschah, von Madras und Bombay aus vereinigen können. Zum wenigsten wird, um dies zu verhindern, mehr Klugheit und Kunst erfordert, als die Einwohner ihnen bisher entgegensetzten.

Man hat zu wenig Nachrichten über die Stärke der Besatzung der Festungen und Forts beider Häfen; es ist aber nicht zu zweifeln, dass Frankreich sie durch Linois und Hartsink, die hier zur See, als Avantgarden zu betrachten sind, haben wird. Von Isle de France aus, wurden zur Zeit der Expedition nach Aegypten, wie die Engländer behaupten, die Negotiationen mit Tipo Saib und Frankreich betrieben, und ist nicht zu zweifeln, dass es auch jetzt, wenn Vortheil davon zu hoffen stand, geschehen sein wird.

Das jetzige Kriegstheater, im nördlichen Theile Hindostans gelegen, ist von jedem Landungspunkte auf der südlichen Halbinsel zu weit entfernt, als dass ein Französisches Corps auf eine baldige Vereinigung mit Holcar rechnen könnte. Bombay und Surate, die nächsten nördl. der westlichen Küste, werden, da sie am weitesten von den südl. und östlichen Besitzungen der Engländer entlegen sind, aller Wahrscheinlichkeit nach, auch zu einer eigenen Vertheidigung im Stande sein. Nach näher als sie, liegt der Hafen Cambay, rechts der Halbinsel Guzerat, einen unabhängigen Maratten-Fürsten gehörend; wir können aber nicht bestimmen, in wiefern Frankreich auf dessen Zustimmung oder Einverständniss rechnen darf. Sollte er für die Sache gewonnen sein, und der Feldzug der Engländer gegen Holkar sich bis zur Ankunft einer Französischen Flotte hier, verziehen, so können die Engländer ihren Rückzug nur östlich nach Bengalen längs des Ganges nehmen; denn südlich zu gehen, dürften sie nicht wagen, da sie die Länder von unabhängigen Maratten passiren müssen.

In wiefern eine Landung in Bengalen, wo sie ehemals Tschandernagor besassen, für sie von glücklichem Erfolg sein könnte, trauen wir uns nicht zu bestimmen. So viel aber leuchtet ein, dass, wenn sie hier möglich, und die Fürsten von Guzerat und Malva gewonnen, Holkar bis zu ihrer Ankunft nicht ganz aufgerieben wäre, die Engländer zwischen zwei Feuer gerathen würden.

Im Fall aber in diesem Theile Hindustans nicht auf Einstimmung der Maratten oder anderer Eingebornen zu rechnen ist, so scheint es, dass eine Landung auf Ceylon und der südlichsten Spitze von Carnatik, zu Travancor am vortheilhaftesten wäre. Costchin, Caisolla, Andschenga, beide erstere sonst den Holländern gehörig, liegen hierzu am vortheilhaftesten; so wie auf der östlichen Küste, oder Carnatik, irgend ein vortheilhafter Hafen, durch die Nähe von Ceylon und die Besitznahme einer der Inseln im Meerbusen Manara, einer dann weiter vorgehenden Armee den Rücken gegen eine Unternehmung der Engländer zur See sichern würde. Sie würden dann ein Corps südlich vorschieben, um eine Vereinigung der Engländer von einer Küste zur andern zu verhindern, und um sich so früh als möglich mit denen 1799 bezwungenen Völkern in Verbindung zu setzen. Die ferneren Unternehmungen der Französischen Armee auf der Küste Coromandel würden, aller Wahrscheinlichkeit nach, unterstützt von den hier zunächst gränzenden, 1799 besiegten Völkern, hier die schnellsten Fortschritte machen, und da hier nur Forts, aber keine bedeutende Festungen sind, sich bald Carrical und Pondichery, die ihnen ehemals gehörten, bemeistern.

Wir müssen hier jedoch noch einmal erinnern, dass noch viele andere Fälle einer Landung, auf der Küste Malabar oder Coromandel auf einem Punkt, oder in Bengalen statt haben können, die durch die vielleicht statt habende Verbindungen mit den Einwohnern, die Einnahme eines Punktes auf jeder der zwei Küsten, gleich zu Anfang der Landung, unnöthig machen.

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Nachtrag.

Da Frankreich jetzt zur Offensive übergegangen ist, so lässt sich nicht die Grenze ihrer Massregeln, um einen bedeutenden Vortheil zu erhalten, bestimmen. Während in Europa Portugall geschont wird, könnte leicht in Ostindien anders verfahren werden, und Goa wäre dann ein vorzüglicher militairischer Punkt. –

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Wenn späterhin nach dem Auslaufen der Touloner Flotte, Muthmassungen geäussert wurden, als würde sie sich nach Lissabon wenden, und dort die Schätze der Engländer nehmen und zerstören; -- so ist diese Entscheidung nichts gegen eine Unternehmung in West- oder Ostindien, auch verlöre die Flotte hierdurch zu viel Zeit, und gäbe den Vortheil der Ueberraschung aus den Händen.

Nur durch die Unterstützung der Engländer von Jamaika aus, konnten die Neger auf Domingo so viel leisten. -- Letztere Insel genommen, würde das Schicksal jener auch bald entschieden sein: -- und wie wichtig Domingo für die Franzosen sein muss, beweisen alle Schritte Englands in diesem Welttheile nach dem Frieden von Amiens.


Quellen.[]

  1. Mars. Eine allgemeine militärische Zeitung. Berlin, 1805. In der Himburgischen Buchhandlung.
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