Von Bastille bis Waterloo. Wiki

Chalier.[]

[1]

Joseph Chalier.

Joseph Chalier.

Chalier, unsinniger Jakobiner, gebohren 1747 zu Beautard in Dauphiné aus einer piemontesischen Familie, die nach Piemont zurück gieng, wo er auch erzogen wurde. Er trat in den geistlichen Stand und wurde aus seinem Vaterlande verwiesen; nachdem er in Portugal und zu Neapel dem Galgen entlaufen war, kam er in das Haus eines Kaufmanns zu Lyon, der ihm die Erziehung seiner Kinder anvertraute, las zwey Jahre lang die Messe in dieser Stadt, und wählte endlich die Handlung, wo er durch Intriguen und Veruntreuungen ein beträchtliches Vermögen zusammen häufte. Er trat auf die Seite der der Revolution mit einem Enthusiasm, der an Raserey gränzte, begab sich nach der Hauptstadt, blieb sechs Monathe bey Marat, um seinen Unterricht zu benutzen, und ließ bey seiner Rückkunft nach Lyon unter dem Pöbel sein Bildniß austheilen. 1792 ward er zum Municipalitäts-Offizier ernannt, und alle seine Kollegen waren seiner würdig, ihn in seinen Rasereyen zu unterstützen. Der einzige Maire Nivière-Chol, ein rechtschaffener, muthvoller Mann, versuchte, sich seinen Gewaltthätigkeiten entgegen zu setzen. So bald abgesetzt von den Lyonern, bald wieder eingesetzt auf Befehl des Konvents, ließ er nicht nach diese unglückliche Gemeine zu beunruhigen, Leute zu morden und durch eine erzwungene Anleihe zu plündern, bis das Lyoner Volk, durch so viele Leiden dahin gebracht, die Fahne des Kriegs gegen den Konvent erhob, und seinen Tyrannen einem Tribunal überlieferte, das ihn den 17ten July zum Tode verurtheilte. Als sich diese Stadt den Republikanern ergeben hatte, trugen die Jakobiner Chaliers Bildniß im Triumphe durch alle Straßen, und die zu Paris ließen seine Asche in einer silbernen Urne im Pantheon niedersetzen; sie wurde aber, sobald die Mäßigung wieder ihr Reich zu verbreiten anfieng, daraus weggeschafft.


Quellen.[]

  1. Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.