Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Louisiana.[]

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Louisiana, große Provinz in Nordamerika, hat gegen Süden den Mexicanischen Meerbusen, gegen Osten den Mississippi Fluß und die Amerikanischen Freystaaten, gegen Westen Neumexico, gegen Norden wenig bekannte von Wilden bewohnte Gegenden zur Gränze. Das Land heißt Louisiana, weil er unter Ludwig XIV ist entdeckt worden. Der Himmelsstrich ist verschieden; im südlichen Theil ist es nicht so heiß, als unter gleicher Breite in Afrika, die Kälte aber gegen Norden ist auch strenger, als unter eben der Breite in Europa. Es giebt wenige Tage in Louisiana, da man die Sonne nicht sieht, hingegen fallen oft unvermuthet Regen, und ein Thau, der den Mangel des Regens ersezt. Die Luft ist gut, und die Einwohner gesund. Ehemals gehörten auch beträchtliche Striche Landes an der Ostseite des Flusses Mississippi zu Louisiana; aber seit der Entstehung der Nordamerikanischen Freystaaten sind sie zu diesen gezogen worden. Auf der Westseite, also im heutigen Louisiana, fallen unter mehrern kleinen folgende große Flüsse in den Mississippi: 1) Der Fluß St. Pierre, 2) der Moin, der Missouri welcher sehr groß ist, 3) der Fluß der Akansas, und 4) der Rothe Fluß (riviere rouge), mit welchem sich der Schwarze und der Ochsenfluß vereinigen. Man kann Louisiana in 2 Theile theilen, 1) das obere, bis Manchao, wo das hohe Land ein Ende hat, und 2) das untere, welches von hier bis an die See geht. Der Boden ist fruchtbar, obgleich an einigen Orten steinig. Kiefern, Cedern und grüne Eichen wachsen an theils Orten häufig. Der Indig wächst in den südlichen Gegenden unter dem Gebüsche, so wie der Tabak; Baumwolle wird mit Vortheil gebaut, und der Flachs kommt gut fort. An Wildpret, Büffeln, Elendthieren, Dammhirschen, Fasanen, Rebhühnern, Tauben Enten und allen Arten von Wasservögeln und Fischen, findet man hier einen ziemlichen Vorrath. Hin und wieder giebt es Anzeigen von Silberminen und Erzgruben. Die Einwohner sind Wilde, und heißen Chitimaihas, Cadodaquious, Nachitoches, Missouris, Akansas, Quachita xc. Die Spanier versuchten 1520 in diesem Lande Entdeckungen zu machen. Den Franzosen erregte ein Mönch, Hennepin, der es durchreiste, große Erwartungen von diesem Lande; weswegen de la Salle im J. 1679 und 1685 neue Untersuchungen anstellte, aber in einem Aufruhr ums Leben kam. Im J. 1698 ward von Iberville ein Ort gegründet, und endlich von Crozat eine Colonie dahin geführt. Seit dem Frieden von 1762 gehörte dieses Land den Spaniern. Die Hauptstadt ist Neuorleans am Mississippi. Dieses große und fruchtbare aber fast ganz unangebaute Land trat im J. 1800 Spanien an Frankreich ab, traf aber bald nachher in Neuorleans Anstalten, durch welche die Schiffahrt der Nordamerikanischen Staaten auf dem Mississippi gehindert werden sollte. Da nun diese ernstliche Anstalten machten, ihr durch den Vergleich von 1795 gesichertes Recht durchzusetzen, und England die Besitznahme der Franzosen hinderte, trat Frankreich beym Ausbruch des Kriegs gegen England im J. 1803 den 30. April unvermuthet seine Ansprüche auf Neuorleans und ganz Louisiana an die Nordamerikanischen Staaten ab, ließ sich dafür 11,250,000 Dollars oder 60 Millionen Livres bezahlen und bedung für sich und Spanien auf 12 Jahre die nemlichen Handlungsfreyheiten in Louisiana aus, welche die Bürger der Nordamerikan. Staaten selbst genießen. Am 30 Nov. 1803 wurde die Hauptstadt Neuorleans von den Spaniern den Franzosen und von diesen den Vereinigten Staaten übergeben, bald darauf 3 Personen für den Senat oder das Oberhaus und 6 Deputirte für das Unterhaus erwählt, der Gouverneur aufgestellt, und Louisiana wurde von nun als der 18te Staat des Nordamerikan. Bundes betrachtet. Doch ist die Ernennung dazu noch nicht geschehen, und der Kongreß verfügt bis jezt die Einrichtungen nach eigenen Gutdünken. Er hat die Provinz in zwey Territorien nord- und südwärts des 33sten Grads getheilt, und macht auch Anspruch auf einen Theil von West-Florida, als ehemals zu Louisiana gehörig.


Die ursprünglichen Bewohner des Innern von Louisiana.[]

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Seit die nordamerikanischen Freystaaten Louisiana in Besitz genommen haben, wird dieß Land von Europäern und Amerikanern immer mehr besucht, und über seine Beschaffenheit und seine Einwohner mehr Licht verbreitet. Der neueste Reisende in dieser Gegend, dessen Schrift man auf dem festen Lande von Europa kennt, ist der amerikanische Major Pike, der Louisiana in den Jahren 1805 und 1806 besuchte. Wir liefern hier die interessantesten Nachrichten, welche er von den Osagen, Panis, Kanses und Tetaus mittheilt, die die ursprünglichen Einwohner von Louisiana ausmachen.

Die Osagen.

Die Osagenindianer scheinen aus nördlichen und westlichen Gegenden ausgewandert zu seyn. Die Übereinstimmung ihrer Sprache mit der Sprache der Kanses, Otos, Missuris, und die Mahaws und die auffallende Ähnlichkeit ihrer Sitten und Gebräuche gestatten keinen Zweifel, daß sie nicht ursprünglich eine und dieselbe Nation ausgemacht haben, allein die Liebe zur Freyheit und das große Naturgesetz der Selbsterhaltung haben sie getrennt und zerstreut.

Die herumziehenden Nationen, die, wie die Wilden Amerikas, eine Heerde haben, und bloß von der Jagd leben, brauchen zu ihrem Aufenthalte durchaus ein großes, weit ausgedehntes Land, weil sie in den Wüsten nicht Wildpret genug erhalten würden, wenn sie auch mit einer mittelmäßigen Strecke Landes zufrieden seyn wollten. Sie müssen sich also in großen Länderstrecken zerstreuen.

Die uneingeschränkte, ja oft despotische Gewalt der Häuptlinge gibt die Veranlassung, daß sich ehrgeitzige Jünglinge, widerspenstige und unruhige Köpfe an die Spitze einiger Unzufriedenen stellen. Sie suchen in fernen Gegenden ein neues Vaterland, das ihnen zwar nicht Milch und Honig im Überflusse liefert, aber doch zahllose Heerden Wildpret verschafft. Es darf jemand bloß ein unternehmender Kopf seyn, und er kann eine neue Colonie anlegen, und in der Folgezeit eine andere Nation hervorbringen.

Die Machaws, die Missuris und die Otos, die an den Ufern des Missuri geblieben, sind den Anfällen eines grausamen Feindes, der Nation des Siux, ausgesetzt gewesen, allein eine Geißel, die noch furchtbarer wüthet, als der Krieg, hat sie hinweggerafft; die Blattern, die sie durch ihren Verkehr mit den Weißen bekommen, haben solche Verheerungen unter den Machaws, die einst brav und mächtig waren, angerichtet, daß sie fast zu Nichts zusammengeschmolzen sind, und sich bloß durch ihre Verbindung mit den Otos und den Missuris erhalten.

Die Kanses und die Osagen sind weiter gegen Osten gezogen, und dadurch den Siux entgangen; allein sie wurden ein Raub anderer kriegerischer Völkerschaften, z. b. der Ayuans, der Saken, der Kükapus, der Potowatonien, der Delawaren, der Schawanesen, der Cherokesen, der Chickasas, der Chaktas, der Arkansas, der Caddoes und der Tetaus. Man muß sich wundern, daß sie von diesen grausamen Feinden nicht bis auf den letzten Mann ausgerottet worden sind. Ihre Erhaltung kann man bloß der Unwissenheit der Letztern, welche die Stärke ihrer Gegner nicht kennen, ihrem Mangel an Übereinstimmung, den Kriegen, die sie unaufhörlich miteinander führen, und endlich den Schrecken zuschreiben, daß jedes Mahl diejenigen, die in ein Land einzudringen wagen, einem Volke einflössen, dessen Land man wegnimmt.

Ihre Regierung ist oligarchisch, jedoch hat sie etwas Republikanisches. Obschon die vollziehende Gewalt eine kleine Anzahl von Häuptlingen in Händen hat, so unternehmen sie doch nur etwas Wichtiges, ehe man nicht eine Versammlung der Krieger zusammen berufen hat. Dieser legt man den Gegenstand der Berathschlagung vor, erörtert ihn, und entscheidet über ihn durch Stimmenmehrheit.

Die Häuptlinge sind fast aller erblich, allein es gibt Männer, die durch ihren Unternehmungsgeist und durch ihre Heldenthaten mehr Einfluß erlangt haben, als diejenigen, deren einzige Empfehlung in ihrer vornehmen Geburt besteht. Ob sie schon weder ein Gesetzbuch noch ordentliche Gesetze haben, so erkennen sie doch eine Art von Gewohnheitsrecht an, vermöge dessen man in gewissen Fällen körperliche Strafe zufügt. Ich habe ein Beyspiel dieser Art selbst gesehen. Ein Häuptling, Nahmens Has-ha-ko-da-tungar, oder der große Soldat, dem ich den Auftrag gegeben hatte, auf seine Landsleute aufmerksam zu seyn, gab einem Indianer Peitschenhiebe, und dieser ertrug sie geduldig, on er gleich bewaffnet war.

Die Osagen unterscheiden sich in ihren Sitten wesentlich von andern indianischen Nationen. Das Volk ist in mehrere Classen abgetheilt. Der große Haufe der Nation besteht aus Kriegern oder Jägern, und nach ihren Begriffen bedeuten diese Wörter einerley; der Überrest zerfällt in zwey Classen, welche die Köche und Ärzte oder Gaukler sind, die letzteren verrichten auch das Amt der Priester und der Zauberer, und haben durch ihre vergeblichen Weissagungen, durch ihre Traumerklärungen, und endlich durch ihre Beschwörungen einen großen Einfluß auf die öffentlichen Angelegenheiten. Um einen Begriff von ihrer Geschicklichkeit zu geben, will ich folgenden Vorfall mittheilen, von dem ich am 26. August 1806 Augenzeuge war.

Alle Gaukler und Zauberer versammelten sich in Gegenwart von ungefähr 500 Zuschauern in Ca-ha-ga-tonga (Weißkopfs) Hütte. Man hatte zwey Heerde errichtet, um welche der Trupp stand; ich war zur Feyerlichkeit eingeladen, man fing mit einer Art Tragicomödie an. Die Gaukler stachen sich ein großes Fleischermesser in die Kehle, das Blut lief in Strömen heraus, als ob es eine wirkliche Wunde wäre. Andere steckten sich spitzige Stöcke in die Nase, noch andere verschlangen Knochen, und gaben sie durch die Nasenlöcher wieder von sich. Endlich fragte mich einer von den angeblichen Zauberern, was ich ihm gäbe, wenn er sich einen Stock in die Zunge stieße, und sie ihm jemand Anders abschnitte; ich erwiederte, ich wollte ihm ein Hemde schenken. Er fing an, sein Versprechen zu erfüllen, und schien sich einen Stock in die Zunge zu stossen, wobey er große Schmerzen ausstand; hierauf nahm Einer seiner Gefährten ein Messer, schnitt ihm die Hälfte der Zunge ab, und zeigt unter großem Jubel den Zuschauern das Stück. Hierauf fügte er die beyde Theile der Zunge wieder zusammen, und Dank sey es der wunderbaren Geschicklichkeit seiner Kunst! es blieb keine Spur von dem Ablösen sichtbar.

Der Gaukler fragte mich, was ich von dem Wunder dächte, das ich so eben mit angesehen hätte. Ich erwiederte ihm, ich wollte ihm zwanzig Hemden statt Eines geben, wenn er mich selbst seine Zunge abschneiden ließe; er gerieth über meinen Antrag ganz außer Fassung, und es that mir einigermaßen leid, daß ich ihn gethan hatte.

Die Köche stehen entweder im Dienste des Publicums, oder halten sich an eine wichtige Person. Noch sonderbarer ist es, daß einige von diesen Leuten zu ihrer Zeit berühmte Krieger gewesen sind, nachdem sie aber ihre ganze Familie durch Krankheiten oder durch den Krieg verloren, und selbst durch die Jahre oder Krankheiten ihre Kräfte eingebüßt hatten, sahen sie sich genöthigt, dieß Gewerbe zu ergreifen. Die Köche sind nicht verbunden, die Waffen zu ergreifen, sie werden auf Kosten entweder des Publicums oder ihrer Herren ernährt und unterhalten. Die nähmlichen Leute verrichten auch das Amt der öffentlichen Ausrufer, und rufen die Häuptlinge zu den Rathsversammlungen oder zu den Festen zusammen. Braucht man einen Indianer, so wendet man sich an einen Ausrufer, der im ganzen Dorfe herumläuft, jeden bey seinem Nahmen ruft, und endlich die Nachricht bringt, daß man seinen Mann in dieser oder jener Hütte finde.

Kommt ein Amerikaner in ein Osagendorf, so geht er sogleich in die Hütte des Häuptlings, der ihm zu essen gibt; sein Gast ißt nach der Sitte der alten Patriarchen zuerst. Hierauf laden alle wichtigen Einwohner des Dorfs den Fremden ein; man würde sie sehr beleidigen, wenn man sie nicht alle besuchte, äße man auch nur wenig von den Gerichten, die man vorgesetzt erhält. -- Eines Tags mußte ich an einem Nachmittage fünfzehn verschiedene Einladungen annehmen. Der Ausrufer gibt dem Fremden Nachricht, indem er ruft: "Kommt, und esset, der und der gibt ein Fest, kommt, und macht euch seine Freygebigkeit zu Nutze."

Die gewöhnlichen Speisen der Osagen bestehen in grünen Maisähren, die in Bisonsfett zubereitet werden; auch essen sie Fleisch und gekochte Kürbisse. Tetobasi (Ohneohr) bewirthete mich eines Tages mit Thee, den man in einer hölzernen Schüssel vorsetzte, die Löffel waren aus den gelben Zinken des Waldhirsches gemacht; er wollte mir zeigen, daß er von seiner Reise nach den vereinigten Staaten einigen Nutzen gehabt habe.

Die Dörfer dieser Indianer enthalten im Verhältniß zu ihrem Umfange mehr Einwohner, als irgend eine mit bekannte Stadt. Die Hütten stehen ohne Ordnung und ohne Regelmäßigkeit, jeder bauet nach seiner Art in der Richtung und nach der Größe, die ihm beliebt, daher sich die Gassen bisweilen so eng, daß man nicht ohne viele Mühe darin gehen kann. Zur Vermehrung der Hindernisse bleiben die Pferde des Nachts noch mitten auf den Straßen stehen. Man treibt sie sämmtlich des Abends dahin, wenn man glaubt, der Feind schweife in der Nachbarschaft herum.

Die Häuser der Osagen bestehen gewöhnlich aus Baumstammen, die ungefähr 20 Fuß lang, und am oberen Ende gabelförmig sind. Man rammelt sie fest in den Boden ein, und zwar 12 Fuß von einander, Mit Hülfe der Gabelabtheilungen stützt man die Querbalken, an denen in schiefer Richtung kleinere Stangen befestigt sind. Diese gehen unter nach einer Reihe Pfähle hin, die ungefähr 5 Fuß hoch sind. Die Pfähle sind mit drey Querstangen zusammen befestigt, und machen die Seitenwände der Hütte aus. Das Dachwerk des Gebäudes, so wie die Seiten, sind mit Binsenmatten versehen, die zwey bis drey Fuß lang, und vier Fuß breit sind; die Matten sind sehr dicht, und der Regen kann nicht durch. Die Thüren befinden sich an den Seiten des Gebäudes, und gewöhnlich ist an jeder Seite Eine.

Das Feuer macht man in einem Loche mitten in der Hütte an; der Rauch geht durch Öffnungen, die man absichtlich im Dache angebracht hat. An dem einen Ende der Stube befindet sich eine ungefähr drey Fuß hohe Erhöhung, die mit Bärenfellen bedeckt ist; man bewahrt da alle kostbaren Geräthschaften des Hausherrn auf, und dieser läßt auch die Gäste darauf setzen, denen er eine Ehre erweisen will.

Diese Wohnungen sind so kühl und reinlich, daß, wenn man eine angenehme Gesellschaft darin fände, man den Sommer mit Vergnügen in selben zubringen würde; im Winter aber verlassen sie die Wilden, und gehen in die Wälder auf die Jagd. Diese Hütten haben eine verschiedene Länge, einige sind 36, andere bis 100 Fuß lang.

Die Nation der Osagen theilt sich in drey Dörfer, und in wenigen Jahren kann man behaupten, daß sie drey Nationen ausmachen; diese sind die großen Osagen, die kleinen Osagen, und die Arkansas.

Die kleinen Osagen haben sich von den großen seit einem Jahrhundert getrennt. Da ihre Häuptlinge in einer allgemeinen Versammlung der Nation die Erlaubniß erhalten hatten, eine besondere, _olonie anzulegen, so nahmen sie ihre Richtung nach dem Missuri. Wenige Jahre darauf wurden sie von einer Menge Feinde geneckt, und sie sahen ein, daß sie unmöglich in ihrer Lage sich behaupten könnten. Von ihren Landsleuten erhielten sie die Erlaubniß, sich wieder mit ihnen zu vereinigen; sie leben unter dem Schutze des großen Dorfs, von dem das ihrige ungefähr 6 Meilen (milles) entfernt ist.

Die Trennung der Arkansas ist vor 10 oder 12 Jahren durch Peter Chouteau, einem französischen Colonisten, in Louisiana bewirkt worden. Auf diese Art rächte er sich an einem gewissen Manuel de Liza, der von der spanischen Regierung den ausschließenden Handel mit der Osagen-Nation am Flusse gleiches Namens hin erhalten hatte; Chouteau hatte 20 Jahre lang dieß Vorrecht genossen, aber er behielt noch den Handel des Arkansasflusses, und da er an die Ufer des Letztern einen großen Theil der Osagen lockte, so machte er das Vorrecht seines Nebenbuhlers fast ganz unnütz.

Vergebens hatte Chouteau der amerikanischen Regierung versprochen, alle seine Kräfte aufzubiethen, um diejenigen wieder ins große Dorf zurück zu bringen, die sich davon getrennt hatten; allein die Art, wie man ihn im Herbste des Jahres 1806 im Dorfe der Arkansas empfing, hat ihm diesen Gedanken benehmen müssen. Es ist eher wahrscheinlich, daß sich die Indianer in den andern Dörfern mit den Arkansas vereinigen, die alle Tage mächtiger werden, als daß diese jemahls wieder nach ihrem vorigen Aufenthaltsorte zurückkehren. Die großen und kleinen Osagen sind genöthigt, alle Winter in den Umgebungen des Arkansas zuzubringen, um sich für den Sommer mit Lebensmitteln zu versorgen. Übrigens halten sich alle Nationen, mit denen sie gegenwärtig im Kriege leben, westlich von diesem Flusse auf, und beziehen von daher ihre Pferde. Alle diese Ursachen tragen dazu bey, daß die Indianer, die wegen ihrer Jugend und ihres Charakters den meisten Unternehmungsgeist besitzen, täglich aus den Osagendörfern nach jenen der Arkansas auswandern. Der amerikanischen Regierung muß daran gelegen seyn, diese Auswanderung zu befördern, wenn man Willens ist, den Anbau in Oberlouisiana aufzumuntern. Wenn aber auch einen entgegengesetzten Entschluß ergreift, so darf man doch nichts vernachlässigen, um zu verhindern, daß sie sich von dem Missuri entfernen.

Die Osagen werden von den Völkerschaften gegen Süden und Westen ihres Gebieths als eine tapfere und kriegerische Nation betrachtet, allein sie können es doch nicht mit den Kriegern der nördlichen Nationen aufnehmen. Die Letztern sind mit gezogenen Gewehren bewaffnet, und Einer kann sich auf zwey einlassen. Die Osagen haben hingegen den nähmlichen Vortheil über diejenigen, die bloß mit Pfeilen und Lanzen bewaffnet sind. -- Die menschenfreundliche Politik, welche die vereinigten Staaten gegen die indianischen Nationen bewiesen haben, indem sie ihre Streitigkeiten friedlich beylegten, und mit ihrer Vermittelung dazwischen traten, hat auf die Osagen eine beynahe wunderbare Wirkung gehabt; kurz, die Osagen sind in der That die Quacker der Wüste im Verhältniß zu den nördlichen und östlichen Nationen, sie führen aber fortdauernd einen unversöhnlichen Krieg mit den nackten und wehrlosen Wilden des Westens. Ich will hier einen Beweis von der Mäßigung liefern, die man ihnen einzuflößen gewußt hat. Im Herbste 1808 setzte eine Partey wilder Potomatomies in der Höhe der Saline über den Missuri, um eine Jägerabtheilung von den kleinen Osagen anzugreifen. An einem abgesonderten Orte fanden sie die Weiber und Kinder, die ganz ohne Vertheidigung waren. Die Krieger, deren Zahl sich auf 50 bis 60 belief, und die den Tag vorher auf der Jagd glücklich gewesen waren, hatten die Nacht im Bivouac zugebracht. Gegen 10 Uhr Morgens griff der Feind das Lager an, und ermordete alle Weiber und Jünglinge, die Widerstand leisteten, ja selbst kleine Kinder; die Anzahl der Schlachtopfer betrug 34, und 60 wurden gefangen weggeführt. Als die Krieger ins Lager zurückkamen, sahen sie ihre Weiber und Kinder ermordet, oder hatten weiter keinen Trost, als die Hoffnung, daß man sie gefangen gemacht habe. Derjenige, der mir die Sache erzählte, erkannte unter den Todten seine Frau und seine vier Kinder. Die Ehrfurcht dieser Indianer gegen die Befehle ihres großen Vaters war jedoch so groß, daß sie diese Grausamkeit nicht zu rächen suchten, sondern Friede mit den Potowatomies machten. Der amerikanischen Regierung war es gelungen, 46 von diesen Unglücklichen aus der Gefangenschaft loszukaufen, die sie unter meinem Schutze nach ihrer Heimath zurückschickte.

Unter allen wilden Völkerschaften Louisiana's sind die Osagen unstreitig die Nation, gegen welche die Regierung der vereinigten Staaten und die Generals, die an den Gränzen befehligen, die meiste Vorliebe zeigen. Man hat ihnen nicht bloß erlaubt, aus einem spanischen Fort vier Steinstücke zu nehmen, sondern man hat ihnen auch ganz neuerlich zwey andere kleine metallene Kanonen geschickt. Die Osagen werden also die einzige Nation in diesen ausgebreiteten Ländern seyn, die sowohl zur Vertheidigung ihrer Dörfer, als auch zur Eroberung der Dörfer Anderer Artillerie hat. Aller Wahrscheinlichkeit nach bringt sie dieß auf den Gedanken, bey ihren Dörfern kleine Festungen anzulegen, und darin fortdauernd eine Besatzung zu lassen, sobald sie sich von ihnen entfernen, und in die Wälder auf Jagd gehen. Wenn sie nunmehr an eine sitzende Lebensart gewöhnt sind, werden sie auch fleißiger und ununterbrochener den Ackerbau betreiben.

Die Versittlichung der Indianer wird freylich nur dann erst vollständig seyn, wenn das Brot die Grundlage ihrer Nahrung ausmacht. Dann können sie sich nicht mehr, selbst nicht einmahl im Winter, so weit von ihren Dörfern entfernen, weil sie ihre Vorräthe bewachen müssen, die zu ansehnlich sind, als daß man sie noch in die Erde begraben könnte.

Bis diese große Revolution erfolgt, die früh oder spät den nördlichen Gegenden des festen Landes von Amerika eine neue Gestalt geben wird, vernachlässigt die Regierung der vereinigten Staaten nichts, um sich die Freundschaft der Indianer, besonders der Osagen zu erwerben. Im Jahr 1805 verfügte sich eine zahlreiche Gesandtschaft von dem letztern Volke nach Washington. Schon einige Zeit vorher war von demselben eine Gesandtschaft nach den vereinigten Staaten geschickt worden, wo man sie sehr freundschaftlich aufgenommen hatte.

Die Franzosen besaßen sonst auf diese Nationen einen Einfluß, den man aus folgendem Zuge beurtheilen kann: Choka, ein Mann von den kleinen Osagen, erzählte mir, er habe (bey dem Unabhängigkeitskriege) Braddoks Niederlage mit allen Kriegern beygewohnt, die die beyden Dörfer hätten stellen können. Auf Herrn Mac-Cartie's Ersuchen wären sie aufgebrochen; dieser befehligte im Fort Chartres, und lieferte ihnen Pulver und Bley. Der allgemeine Sammelplatz war nach diesem Indiander bey einem See und einem Wasserfalle, unstreitig dem Niagara. Die Kanses trafen erst nach der Schlacht ein, die Oto's aber wohnten ihr bey. Sieben Monathe lang waren diese Leute aus ihren Dörfern entfernt; bey ihrem Rückmarsche mußten sie ihre Pferde essen.

Die Osagen bauen eine große Menge Mais, Bohnen und Kürbisse, und theilen ihre Vorräthe mit der genauesten Sparsamkeit so ein, daß sie das ganze Jahr hindurch reichen. Den Weibern liegen alle Feldarbeiten ob.

Wenn es die amerikanische Regierung für gut befände, eine Factorey für das große und kleine Dorf anzulegen, so müßte sie von beyden Dörfern gleit weit entfernt seyn; eine andere könnte man am Arkansas an der Mündung des Grünsparflusses anlegen.

Die Panis.

Die Panis sind eine zahlreiche Nation, welche die Ufer der Flüsse Plata und Kansas bewohnt. Sie theilen sich in drey Völkerschaften, wovon jetzt zwey mit einander Krieg führen. Ihre Sitten, ihre Sprache, ihre Gewohnheiten und die Fortschritte zur Versittlichung, die sie durch ihren Verkehr mit den Europäern gemacht haben, sind beynahe die nähmlichen. Das große Dorf der Panis liegt am Plataflusse; die Wolfspanis haben sich an einem seiner Arme angesiedelt; mit den letztern führen die republikanischen Panis Krieg.

Ihre Aussprache ist eine Kehlaussprache. Die Sprache hat mehr Ähnlichkeit mit jener der Siux, als mit der Mundart der Osagen. Von Natur sind sie groß und aufgeschossen, und die vorstehenden Backenknochen beweisen deutlich ihren asiatischen Ursprung. Jedoch haben ihre Wanderungen gegen Süden, und die Leichtigkeit, mit der sie auf Ebenen leben, wo sich der Bison in Menge aufhält, vielleicht einige Verschlimmerung ihres Charakters bewirkt, sie sind weder so tapfer noch so rechtschaffen, als ihre nördlichern Nachbarn; ihre Regierung ist, wie bey den Osagen, eine Erbaristokratie. Die Würde des obersten Häuptlings erbt vom Vater auf den Sohn fort; doch ist die Macht dieser Häuptlinge sehr beschränkt, bey den großen Volksversammlungen haben sie bloß das Recht, eine Darstellung der Angelegenheiten vorzutragen, und ihre Meinung zu sagen.

Die Dörfer der Panis sehen nicht so nett aus, als jene der Osagen; die Polizey ist darin bey weitem nicht so gut eingerichtet; indessen kam es mir doch vor, als on die Zucht und Ordnung außerhalb der Dörfer noch besser erhalten werde. Ich habe oft aus meinem Lager zwey junge Krieger mit langen Peitchen gehen, und in einer Minute 200 Personen zerstreuen sehen, die mit meinem Trupp einen unerlaubten Handel treiben wollten.

In Ansehung des Ackerbaues stehen die den Osagen nicht nach. Sie bauen so viel Getreide und Kürbisse, daß sie das ganze Jahr eine, einigermaßen dicke Suppe kochen können. Die Kürbisse schneiden sie in sehr kleine Schnitte, die sie an der Sonne trocknen lassen. Sie fahren auf diese Art sehr zusammen, und behalten höchstens den zehnten Theil von ihrem ursprünglichen Gewichte.

Die Pferde der Panis sind besser und zahlreicher als jene der Osagen; sie haben Heerden, die täglich dadurch zunehmen, daß sie nicht auf die trächtigen Stutten setzen, und darauf reiten. Außer dem bekommen sie noch von den Spaniern eine ziemlich beträchtliche Anzahl von diesen Thieren.

Ihre Häuser haben die Gestalt eines vollkommenen Zirkels, außer gegen die Thüre hin, wo ein Vorsprung von ungefähr 15 Fuß ist; daß Innere ist in mehrere kleine Stuben abgetheilt, die durch Verschläge von Gitterwerk von einander abgesondert sind, und durch kleine Thüren mit einander in Verbindung stehen. Es herrscht eine ausserordentliche Reinlichkeit darin; jedes Familienglied hat seine besondere Kammer, worin es schläft, und seine Sachen aufbewahrt. Die Dörfer der Panis sind sicherlich nicht so volkreich, als jene der Osagen, ob sie schon einen größeren Raum einnehmen. Auch diese Völker treiben des Nachts ihre Pferde in ihr Dorf, wodurch der Raum sehr verenget wird. Die Tage bewachen Wächter die Pferde der Gemeine.

Die Panis sind große Liebhaber des Spiels; um sich ihm mit desto größerer Bequemlichkeit überlassen zu können, reinigen sie auf jeder Seite des Dorfs eine Strecke Landes, die glatt und festgeschlagen, und ungefähr 7 bis 800 Fuß lang ist. Mit Eintritt des Winters verlassen die Panis ebenfalls ihre Dörfer, und vergraben ihre Maisvorräthe in unterirrdischen Löchern, wo sich das Getreide ganz vortrefflich bis zum Frühjahr erhält.

Die einzigen Nationen, mit denen die Panis gegenwärtig im Kriege leben, sind die Tetaus, die Yutas und die Kiaways. Die beyden Letztern halten sich auf den Gebirgen von Neumexico auf. Die Tetaus haben sich nach den Ufern des obern Rothenflusses, des Arkansas, und am Rio del Norte angesiedelt. -- Seit einer Reihe von Jahren führen alle diese Völkerschaften Krieg mit einander, ohne daß eine entscheidende Schlacht vorgefallen wäre, obschon die Anzahl der Streitenden sich oft auf 2 bis 300 Mann beläuft.

Die Panis haben in Ansehung der Waffen eine große Überlegenheit über ihre Feinde; wenigstens hat die Hälfte Feuergewehre, ihre Gegner hingegen haben bloß Bogen, Pfeile, Lanzen, Schleudern und Schilde. Die Panis führen den Krieg stets zu Fuß, ihre Feinde hingegen fechten zu Pferde. Daher kommt es unstreitig, daß sich der Feind schneller bewegen, sie überfallen, oder ihnen den Rückzug abschneiden kann, allein die Panis haben den Vortheil, daß sie sich hinter unzugänglichen Anhöhen verschanzen können, wo ihnen die Reiterey nichts anhaben kann. Ihren Gegnern fehlt es an Kanonen, um sie daraus zu vertreiben, und auch die wenige Beharrlichkeit der Wilden gestattet ihnen nicht, eine regelmäßige Einschließung vorzunehmen. Alle Treffen werden sogleich durch den ersten Angriff entschieden. Carver hat sehr gut die Art beschrieben, wie die Wilden mit einander Krieg führen, und ob sie schon jetzt eine weit größere Menge von Feuergewehren zu ihrer Verfügung haben, so hat sich doch ihre Taktik beynahe gar nicht geändert.

So lange die Indianer, erzählt Carver, ihre Feinde nicht für nahe halten, brauchen sie nur geringe Vorsichtsmaßregeln; so bald sie aber auf dem feindlichen Gebiethe anlangen, geht ihre Vorsicht außerordentlich weit. Den Nachts zünden sie keine Feuer mehr an, ja sie gehen nicht einmahl mehr auf die Jagd, sie machen nicht bloß ihr gewöhnliches Geschrey nicht mehr, sondern sie sprechen nicht einmahl mit einander; sie unterhalten sich bloß durch ihre Geberden. Nie greifen sie mit offener Gewalt an, weil sie auf eine solche Art von Kampf wenig Ruhm legen. Überfälle und Kriegslisten sind in ihren Augen rühmlicher, daher fällt es ihnen auch nicht ein, einen Feind anzugreifen, wenn sie ihn auf seiner Hut oder tüchtig verschanzt, oder in zu großer Anzahl finden.

Gewöhnlich setzen sie sich etwas vor Tages Anbruch in Bewegung, um den Feind zu überfallen, den sie noch im tiefen Schlafe anzutreffen glauben. Sie rücken im Grase und zwischen Gesträuchen vor, und kriechen auf dem Bauche bis auf einen Pfeilschuß hinan, dann stehen sie plötzlich auf das Zeichen des großen Kriegers auf, schießen ihre Pfeile ab, und fallen über den Feind mit Axt und Keulenhieben her; bisweilen verstecken sie sich auch hinter Bäumen, Hügeln oder Felsen, schleudern ihre Pfeile ab, und ziehen sich zurück, ehe man sie gewahr wird.

Sind die Indianer bey ihren Unternehmungen glücklich, so läßt sich die Wuth, der sie sich überlassen, gar nicht beschreiben. Bey der Grausamkeit der Sieger und der Verzweiflung der Besiegten, die lieber auf dem Schlachtfelde umkommen, als sich den Schrecken eines langsamen Todes aussetzen wollen, macht man von eyden Seiten unglaubliche Anstrengungen. -- Der Anblick der Kämpfenden, die ganz roth und schwarz bemahlt sind, und über deren Körper entweder ihr eigenes Blut, oder jenes ihrer Schlachtopfer rieselt, und endlich ihr schreckliches Geheul übertreffen Alles, was man sich nur vorstellen kann.

Jedermann kennt das klägliche Schicksal, das bey den Wilden auf ihre Gefangenen wartet; man befestigt sie, Einen an den Andern, an einen Rahmen, zündet unter diesem kleinen Feuer an, und mordet sie tausend Mahl, bis eine wohlthätige Hand ihren Leiden durch einen Tamahawschlag ein Ende macht. Zwar begnadigt man öfters die Gefangenen, besonders junge Leute, die man in den Stamm aufnimmt, und die alsdann einen eben so grausamen Krieg gegen ihre ehemahligen Landsleute führen; allein berühmte Krieger, solche, die eine gewisse Anzahl Feinde erlegt und scalpirt haben, werden ohne Mitleid den schrecklichsten Qualen Preis gegeben. Man braucht sie nicht zu fragen, um zu erfahren, wie man sie behandeln soll. Die Krieger, die sich durch Heldenthaten ausgezeichnet haben, machen sich in die Arme blaue Zeichen, welche zum Beweise der Anzahl von Feinden dienen, die sie ermordet haben.

Man kann annehmen, daß die Nation der Panis in gleich weiter Entfernung von den spanischen Besitzungen und unsern Niederlassungen in Louisiana lebt; doch stehen sie jetzt offenbar unter dem Einflusse der Spanier; wenn wir mit Spanien oder Mexico in Krieg geriethen, so würden sie nothwendig die Waffen gegen uns ergreifen. Dieß erfordern nicht etwa die örtlichen Verhältnisse, denn ihre Stämme halten sich sämmtlich an den schiffbaren Armen des Missuri auf, hierzu verleitet sie auch nicht etwa ihr Vortheil, denn sie bekommen von den Spaniern bloß einige Pferde und grobe Flanelldecken, die in Westmexico verfertigt werden; sie erhalten vielmehr von uns alle Arten von Waffen, Munition und Kleidungsstücke; indessen nehmen sie diese Artikel nur in kleiner Anzahl. Höchstens die Hälfte der Panis trägt Decken, und eine große Anzahl hat weder Beinkleider noch irgend ein Stück Zeug, um seine Nacktheit zu bedecken. Die Haupttriebfeder, durch welche die Spanier sie unter ihrem Einflusse erhalten, ist die Furcht. Oft züchtigen sie die kleinen Abtheilungen, die die Wilden auf ihre Gränzen schicken. Die Erscheinung auf dem Gebiethe der Panis von einem Corps von 600 Mann spanischer Reiterey hat auf sie einen Eindruck gemacht, der lange dauern wird.

Wenn jedoch die Amerikaner ein oder zwey Jahre lang keine Waffen, Munition und Kleidungsstücke lieferten, wenn sie gegen sie die Osagen und die Kanses aufmunterten, so würde sich diese Nation in einer großen Verlegenheit befinden, und lebhaft die Nothwendigkeit fühlen, mit den vereinigten Staaten in gutem Einverständnisse zu leben. -- Wenn man Factoreyen anlegen will, um mit diesem Volke Handel zu treiben, so muß man dieß an der Mündung der Flüsse Plata oder Kanses thun. Die Schifffahrt auf derselben ist in der trockenen Jahreszeit so unsicher, daß es Thorheit wäre, wenn man an ihnen weiter hinauf eine feste Niederlassung anlegen wollte. Wenn wir jedoch wünschen, daß diese Posten für die Panis Nutzen haben sollen, so müssen wir uns erst der Mittel versichern, sie in Frieden zu erhalten, und ihnen einen freyen Durchgang durch das Gebieth der Kanses, der Otos und Missuris zu verschaffen; die Ersten von diesen Völkern wohnen am Flusse Kanses und die Letztern am Flusse Plata.

Die Kanses.

Die Kanses machen eine kleine Völkerschaft aus. Ihre Sprache, ihre Sitten, ihre Gewohnheiten und ihre Fortschritte im Ackerbau geben dieser Nation eine große Ähnlichkeit mit den Osagen, und ich bin überzeugt, daß sie eine gemeinschaftliche Abkunft haben. Zwar hat ihre Mundart einige Verschiedenheit, allein diese ist nicht grösser, als sich die Mundart unserer nördlichen Staaten von jener der südlichen unterscheidet.

Im Kriege sind sie noch unerschrockener, als die Osagen, und ob gleich ihre Nation nur ein Drittheil so stark ist, so sind sie doch für die furchtbare Feinde, und setzen bisweilen selbst die Panis in Schrecken.

Die Tetaus.

Die Tetaus, welche die Spanier Camanschen, und die Panis Paducas nennen, sind eine mächtige Nation. Sie führt eine ganz nomadische Lebensart; man findet bey ihr keine Spur von Anbau, und sie lebt ausschließlich von der Jagd. Doch beschränken sich die Wanderungen der Tetaus gegen Westen auf die Gränzen von Neumexico, gegen Süden auf die Länder, die von den Nationen des untern Rothenflusses besucht werden; gegen Osten auf die Länder der Panis und der Osagen; gegen Norden auf das Land, das die Yutas, die Kiaways und andere beynahe unbekannte Nationen inne haben. Die Ebenen, welche die Nation der Tetaus besucht, gehören zu unserem Gebiethe, doch machen die Spanier Anspruch auf dieselben, und sie scheint es mit ihnen zu halten, obschon letzthin eine kleine Anzahl von diesen Indianern einen Besuch auf dem Posten Natschiosches abgelegt hat.

Unter allen Nationen, welche an die spanischen Besitzungen gränzen, sind die Tetaus die einzigen, deren Unabhängigkeit die Spanier anerkennen. Sie halten die Tetans für brav, und die Letztern haben diese Meinung nur zu gut gerechtfertigt. -- Bey meinem Eintritte in die Provinzen von N_umexico erblickte ich die Trümmer einer Menge von Dörfern, welche die Tetaus zerstört hatten, als sie um das Jahr 1797 dieß Land einnahmen; bey einer einzigen Unternehmung haben die Tetaus aus dem Dorfe Agua Caliente zweytausend Pferde mitgenommen; jetzt aber leben sie mit den Spaniern in sehr gutem Vernehmen.


Quellen.[]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1806.
  2. Archiv für Geographie, Historie, Staats- und Kriegskunst. 1813.

Literatur.[]

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