Nachrichten über die Kriegsoperationen.[]
Aus dem Hauptquartier zu Jnaitschy, vom 27sten Juny 1812. [1]
Alle Korps der ersten Armee haben sich bereits vereinigt, und rücken morgen in das an der Dwina bey Drissa befestigte Lager. Die mit den Märschen verbundenen Beschwerlichkeiten haben unsere Truppen mit der ihnen eigenen Ausdauer überstanden. Alle Anstrengungen des Feindes, irgend eins von den Armeekorps, welche die erste Armee formiren, abzuschneiden, so auch seine Versuche, uns von der rechten Seite zu umgehen, sind ohne Erfolg geblieben. Jetzt ist seine Hauptmacht gegen unsern linken Flügel gerichtet, um sich zwischen der ersten und zweyten Armee aufzustellen. Fürst Bagration hat Befehl erhalten, die feindlichen Korps, die sich gegen ihn befinden, anzugreifen. Diesem gemäß sind auch die Verfügungen bey der ersten Armee getroffen.
Nach den bey dem Uebergange über den Disnafluß vorgefallenen kleinen Gefechten, hat unsere Arrieregarde keinen wichtigen Angriff abzuschlagen gehabt.
* * * vom 29sten Juny 1812.
Am gestrigen Tage ist die Armee in das Lager bey Drissa eingerückt.
Die Arrieregarde ist in der Entfernung eines großen Marsches stehen geblieben, um die Bewegungen des Feindes zu beobachten, von denen aber, weder in Rücksicht der Beschleunigung seiner Märsche, noch um Kenntniß von unserer Position zu erhalten, bis jetzt nichts bemerkt worden.
Bericht über die Demolition des verschanzten Lagers von Drissa.[]
Bericht über die Demolition des verschanzten Lagers von Drissa und über die Stellung von Druja, an Se. Exc. den Marschall Herzog von Reggio, Commandanten des zweyten Corps der großen Armee. [2]
Monseigneur! Ich habe die Ehre Ew. Exc. zu berichten, daß ich mich Ihrem Befehle gemäß am 21sten d. Abends mit dem Hrn. de la Place, Adjutanten des Fürsten von Neufchatel, nach Druja begab. Wir fanden unsere letzten Schildwachen etwa ¾ Stunden von dieser Stadt, auf dem Wege nach Slobodka, drangen jedoch bis dahin vor, und bemerkten, daß die Stadt von dem Feinde, der sich beschränkte, den Fluß durch eine Cosaken- und 2 Dragonercompagnien zu beobachten, völlig geräumt war, wenigstens nach dem Berichte einiger Einwohner, mit denen wir reden konnten.
Der Fluß (Düna) ist an diesem Orte sehr eingeengt, und seine Ufer sind steil und wenig zugänglich; er schien nur etwa 60 Claster breit. Auf dem andern (rechten) Ufer sind 2 Batterien, eine von 7 Schießscharten, um die Zugänge der Stadt zu bestreichen, und andere Hohlwege zu beschießen; da aber diese Batterien nicht schossen, so vermutheten wir, daß keine Kanonen mehr darin wären.
Nachdem ich die Brücke von Druja recognoscirt hatte, begab ich mich am folgenden Tage in das verschanzte Lager von Drissa, wo ich zu gleicher Zeit mit der Arrieregarde der Division des Generals Merle eintraf. Ich beschäftigte mich hierauf damit, das feindliche Lager zu recognosciren; da aber der Feind noch einen Theil des Terrains hinter den Linien besetzt hielt, und selbst noch ein Werk rechts (den Rücken gegen den Fluß gewandt), so schien es mir nicht möglich, überall durchzudringen; auch würde mich die Nacht gehindert haben, die Recognoscirung fortzusetzen.
Die Demolition der Werke war gleich nach Ankunft der Truppen begonnen worden. Der sehr flache Bogen, den die Linie der Werke bildet, hat etwa 2 Stunden im Umfange und schließt sich am andern Ufer durch Batterien. Dergleichen giebts auch am linken Ufer, allein sie sind an ihrer Kehle (gorge) ganz offen. Das Lager hat etwa 2000 Claster in der Größten Tiefe, von den vordersten Werken bis zum Flusse. Es wird durch eine Reihe von Redouten und offnen Batterien, die in den Zwischenräumen der Redouten angelegt sind, vertheidigt. Sehr rasirende, 100 Claster lange Retranchements sind vor jeder Redoute errichtet. Es giebt zwey einander fast gleiche Schanzlinien; das offene und mehr zugängliche Terrain eines Theils zur Linken hat den Feind jedoch veranlaßt, seine Werke von dieser Seite noch zu vermehren. Er hat dort ein zusammenhängendes Werk aufgeworfen, das aus einer unermeßlichen Bastion, 2 Courtinen und 2 Redouten, die von de, Werke durch Graben getrennt sind, besteht. Ferner hat der Feind gegen das Centrum der Krümmung, welche der Fluß bildet, ein große Pfaffenmütze (bonnet de prêtre) angelegt, welche den Brückenkopf bildet. Mitten in der Kehle dieses Werkes war die Hauptbrücke von 3 großen Pontons geschlagen.
Alle diese Werke im Ganzem, besonders aber das letztere, haben eine bedeutende Erhöhung, und sind vollkommen gut ausgeführt. Die Batterien haben breitere Graben als die Redouten, ohne Zweifel wegen der größern Menge Erde, welche die Breite der Plateformen erforderte. Diese Batterien sind weder im Graben pallisadirt, noch in der Kehle geschlossen; aber fast alle Redouten und das zusammenhängende Werk sind in ihren Graben pallisadirt. Nur einige Pallisaderien der Graben, ein Theil der Platforme der Batterien, einige Barrieren, und einige ziemlich unbedeutende Winkel des Retranchements auf der Linken hatte der Feind zur Zeit, als er das Lager räumte, nicht vollenden können. Ungerechnet, daß dieses Lager einen unermeßlichen Umfang hat, kann man sagen, daß die Werke ohne große Noth verschwendet sind. Diese Werke sind auch sehr schlecht disponirt, weil sie sich wenig oder gar nicht flankiren, und es ist zum Erstaunen, wie die russische Ingenieure noch einen so groben Fehler machen konnten.
Das Hauptwerk und fast alle Redouten sind von einer dreyfachen Reihe von Wolfsgruben, jede mit einem gut zugespitzten Pfahl versehen, umgeben. Der Feind war gezwungen, eine bedeutende Waldstrecke zur Linken niederzuhauen, theils um seine Werke anzulegen, theils um sie zu demaskiren. Ungeachtet das Gehölz morastig und schwer zugänglich ist, hat der Feind jedoch noch Verhacke von 60 bis 70 Claster breit beym Debouché des Waldes angelegt, so daß dieser Theil des Lagerkreises sehr stark ist, so wie auch dieser Theil des Lagerkreises sehr stark ist, so wie auch das daran stoßende zusammenhängende Werk. Die rechte Seite ist weniger gut befestigt, und würde der wahre Angriffspunct gewesen seyn.
Während der Nacht von dem Abmarsche der Division verbrannte der Feind alle seine Magazine am andern Ufer: sie waren unermeßlich und werden zu mehrern Millionen angeschlagen.
Polock, den 26sten Jul. 1812.