Der Nationalconvent in Frankreich erkennt ein höchstes Wesen an.[]
[1]
Der siebente May 1794.
Jeder Art von Gottesverehrung war während der Schreckensperiode in Frankreich vertilgt, man glaubte die Hauptstützen der Menschheit, Vorsehung und Unsterblichkeit nicht mehr; man feyerte Vernunft-Feste und selbst Priester waren als Apostel des Atheismus aufgetreten. Der allmächtige Robespierre, der über das Leben und den Tod von vielen Tausenden gebot, hätte dem Unsinn mit einem Wort ein Ende machen können, aber er hüllte sich in sein finsteres Schweigen. Jetzt auf einmal trat er wie ein Begeisterter auf, und rief: "Es giebt ein höchstes Wesen; die Seele ist unsterblich!" Nun schickte er die Apostel des Unglaubens an die Guillotine und die bleiche Versammlung seiner Sklaven im Nationalconvent sprach ihm als Gesetz nach: "Es giebt ein höchstes Wesen; die Seele ist unsterblich!" Man verordnete eine Feyer des höchsten Wesens, die auf Einen Tag in ganz Frankreich vor sich gehen sollte, und den, der es veranlaßt hatte, wählte man zum Präsidenten des Nationalconvents, damit das Fest der Gottheit auch zugleich das Seinige seyn möchte. Am 8ten Junius wird davon mehr erzählt werden.
Quellen.[]
- ↑ Neues historisches Handbuch auf alle Tage im Jahr mit besonderer Rücksicht auf die Ereignisse der neuesten Zeiten von Wagenseil Königl. baier. Kreißrath. Augsburg und Leipzig in der Jenisch und Stageschen Buchhandlung.