Von Bastille bis Waterloo. Wiki

Italienischer Krieg.[]

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Siege der Franzosen. Verluste der Kaiserlichen. Rückzüge.

Es ist ein seltsames Schicksal, welches die Franzosen in Italien haben. Wenn ihre Kräfte geschwächt, ihre Hülfsmittel fast erschöpft zu seyn scheinen, so gewinnen sie die glänzendsten Siege, und wenn die Oesterreicher eben am Ziele großer Unternehmungen sind, erleiden sie die größten Niederlagen. Der vorige Monat Januar hat neue Beweise davon, und Begebenheiten in Italien gehabt, dergleichen die Kriegsgeschichte von diesem Monat noch nie zu erzehlen hatte. Dieser ganze monatliche Zeitraum hat wenig Tage gehabt, in welchem nicht Blut vergoßen worden, und hat durch die Schlachten bey Rivoli, und bey Mantua, den Franzosen Italien von neuem, wenigstens auf eine Zeitlang, gesichert.

Die Oesterreichische Kriegsmacht ließ große Dinge erwarten. Nach einer vor uns liegenden genauen Liste, auf welcher alle Regimenter, und Truppen-Abtheilungen detaillirt angegeben sind, bestand sie aus folgenden Truppen: An teutscher Infanterie 57 Bataillons. Ungarische Infanterie 15 Bataillons. Außerdem noch 4 Grenadier-Bataillons; und an Gränizer, Croaten, Warasdiner, und andern leichten Truppen 16 Bataillons, und 6 Compagnien. Ferner 6 Compagnien Frey-Corps; 6 Compagnien Wiener Freycorps, 2 Garnisons-Bataillons. An Reuterey 52 Escadrons in allem.

Das anfängliche Vorrücken dieser in Tyrol gegen Rivoli zu, bey Baßano, und bey Padua vertheilten Macht, gieng gut von statten; wie schon im vorigen Monate S. 77 angeführt worden. Am 12ten Januar grif eine Kaiserliche Colonne die Franzosen auf Montebaldo an, wo sie in großer Anzahl verschanzt waren, und schlug sich den ganzen Tag. In der Nacht zogen die Franzosen ab, und von allen Seiten nach Rivoli, welchen Posten sie, seit der letzten Action, außerordentlich stark befestigt hatten. Am 13ten rückten die Oesterreicher von verschiednen Seiten auf Rivoli an. Sie hatten Verstärkungen von Baßano her erhalten, und das zum Angriffe bestimmte Corps bestand aus 17 Bataillons, und 24 leichten Compagnien; außerdem standen 9 Bataillons, und 13 Escadrons im Etschthale, welche bereits über Canale, bis an die Französischen Verschanzungen des rechten Flügels der Stellung von Rivoli vorgedrungen waren. Der folgende Tag, der 14ten Januar, ward zum allgemeinen Angriffe bestimmt, und alles dazu in Veranstaltung und Bereitschaft gesetzt.

In der Nacht vom 13ten aber kam Buonaparte selbst mit einer zahlreichen Verstärkung an. Er sagt selbst in seinem Berichte an das Directorium: "ich kam in der Nacht mit so vielen Truppen an, daß ich die Operation des Generals Alvinzi nicht allein unthunlich, sondern auch für ihn unglücklich manchen konnte. " So großsprecherisch nun auch dieß ist, so zeigt es doch die Menge der Französischen Truppen an. Sie würden dennoch geschlagen worden seyn, wenn nicht besondre Umstände den Kaiserlichen den schon errungenen Sieg entrißen hätten.

Ohnerachtet der großen Beschwerlichkeiten, welche die Kaiserlichen Truppen in forcirten Märschen, durch beschneyte Gebirge, verdorbne Wege, und fast unwandelbare Fußsteige, ausgestanden hatten, nach dem gemachten Entwurfe mit der lebhaftesten Herzhaftigkeit angefangen, und mit der anhaltendsten Bravour fortgesetzt. Der Französische linke Flügel wurde, nach Buonapartes eignen Geständniße, geworfen, und, das Centrum fieng darauf auch an zu wanken, und wurde durch die mit dem Bajonette eindringenden Oesterreicher ganz zum Weichen gebracht. Schon standen die siegenden Oesterreicher mit 12 Compagnien leichter Truppen, und 13 Bataillons auf der eingenommenen feindlichen Stellung, und die erste Colonne war auch bereits, um den Französischen Flügel herum, demselben in den Rükken gekommen. In diesem Augenblicke sammelte der zur Verzweiflung gebrachte General Buonaparte einen Haufen von den, schon in völliger Unordnung fliehenden, Franzosen um sich herum, und stürzte mit diesem Haufen auf den linken Flügel der Oesterreicher, wo die Croaten standen, welche in Unordnung kamen, und zum Theil die Gewehre wegwarfen. Diese Unordnung theilte sich von dem Flügel her dem Centrum mit, wo General Maßena, so bald er dieß bemerkte, auch einen kühnen Angrif wagte, und in die Linie eindrang. Obgleich noch der rechte Flügel vor Rivoli stand, so war es doch nicht mehr möglich etwas weiteres zu unternehmen, und eben so wenig konnte die Ordnung unter den fliehenden Kaiserlichen Truppen wieder hergestellt werden. Das Corps von ungefähr 4000 Mann, welches, obenbemerktermaaßen, den Franzosen in den Rücken stand, wurde nun isolirt, von der Uebermacht umrungen, und größtentheils gefangen genommen. Von den Croaten und leichten Truppen hatten sich auch schon vorher viele ergeben, so daß man die Anzahl der gefangnen Oesterreicher in dieser Schlacht bey Rivoli, am 14ten Januar, und in der Verfolgung am 15ten, wohl auf 7000 Mann rechnen konnte. Die Französische Angabe von 13,000 Mann ist unverschämt übertrieben. Ein Beweis für den Kenner ist es schon, daß Buonaparte in seinem eignen Berichte nicht mehr als 9 eroberte Kanonen angiebt. Er verfolgte seinen Sieg nicht sogleich weiter, sondern eilte mit dem größten Theile seines Heers nach Mantua zu.

Dahin war das Corps des Generals Provera gezogen, um die Festung zu entsetzen, und sie mit den nöthigen Provisionen zu versehen. Provera hatte durch verschiedne glückliche Gefechte sich den Uebergang über den Etschfluß, errungen, den Französischen General Augereau bey Bevilaqua geschlagen, den Uebergang über die Etsch bey Angiari, unter dem heftigsten Feuer, am 13ten Januar, forcirt, und kam, im starken Marsche, am 14ten, über Sanguinetto, bey Nogara an, wo er Nachtlager hielt, und am folgenden Tage, über Castellaro bis St. Giorgio, vor Mantua, anrückte. Er fand diesen Platz stark besetzt, und da sein Corps nur noch aus 5000 Mann bestand, so konnte er keinen Sturm wagen. Er verabredete aber mit dem Grafen Wurmser, in Mantua, einen Angrif auf die Favorita, die man für schwach besetzt hielt, wobey die Garnison von Mantua zugleich einen Ausfall thun sollte. Dieser Angrif sollte am folgenden Tage, den 16ten Januar, geschehen. Allein in der Nacht vorher kam Buonaparte mit dem größten Theile seiner Armee von Rivoli her, bey Mantua, mit der äußersten Schnelligkeit an, und so sahe sich Provera von einer großen zahlreichen Uebermacht, am Morgen, des 16ten Januars, umrungen. Er unternahm zwar den verabredeten Angrif, wurde aber von der weit überlegnen, ihn einschließenden zahlreichen Armee des Generals Buonaparte bis nach St. Giorgio zu gedrängt, und von allen Seiten angegriffen. Die Verhältniß kleine Zahl der Oesterreicher wehrte sich noch mit Löwenmuthe bis an den Mittag, da sie sodann, nach vielem beyderseitigen Verluste, sich zu Gefangnen ergeben mußte. Buonaparte gestand dem Generale Provera eine ehrenvolle Capitulation zu. Die Officiere wurden auf ihr Ehrenwort, bis zur Auswechslung nicht gegen Frankreich zu dienen, in Freyheit gesetzt, sie behielten ihre Equipage, und die Soldaten auch alles was sie bey sich hatten; letztere aber wurden nach Mailand abgeführt. Die Truppen standen noch unter Gewehr, und waren von den Französischen Officieren umrungen, als man um halb zwölf Uhr, Mittags zur Capitulation schritte. Unter diesen Umständen mußte der unternommene Ausfall der Garnison von Mantua auch ohne Wirkung bleiben; und die aus der Festung herauskommenden Truppen mußten sich bald wieder zurückziehen. -- So endigte sich die abermalige, mit so vieler Anstrengung, und anfänglichem guten Glücke fortgesetzte Unternehmung zur Befreyung der Festung Mantua.

Es sind bereits in dem obigen Schreiben aus Wien einige besondre Umstände angeführt worden, welche die vorgefallnen Unglücksfälle einigermaaßen aufklären. Wir bemerken hier nur, daß noch der Wunsch übrig bleibt, die Ursachen zu erfahren, warum der Angrif und der mit der Garnison in Mantua verabredete Ausfall nicht am 15ten Januar, welchen ganzen Tag über doch General Provera vor Mantua stand, vorgenommen, sondern bis auf den folgenden Tag gewartet worden, da unterdeßen der General Buonaparte mit seiner ganzen Armee ankam, oder warum man nicht am 15ten Mittel gesucht hat, die mitgebrachten Bedürfniße zur neuen Proviantirung von Mantua in die Festung zu bringen. Die Folgezeit wird darüber die Ausschlüsse geben.

Wenn der Verlust der Oesterreicher, in allem Betrachte, bey jenen unglücklichen Vorfällen groß war, so waren dagegen die Französischen sogenannten officiellen Berichte höchst übertrieben. Sie gaben die Anzahl der Gefangnen auf 20,000 Mann an. Man kann mit der höchsten Wahrscheinlichkeit behaupten, daß diese Anzahl um die Hälfte zu groß ist. Es waren auch bis Ende Januars nur 9000 Mann Gefangne durch Mailand gekommen, welches der allen Gefangnen vorgezeichnete Weg war, und man schrieb aus Mailand selbst, daß die wahre Anzahl der gefangnen Oesterreicher nicht viel über 10,000 sey. Dem sey wie ihm wolle, der Oesterreichische Verlust war immer äußerst wichtig.

Sobald Provera geschlagen, und gefangen war, betrieb Buonaparte seine fernere Operationen mit neuen Anstrengungen. Er verstärkte das Belagerungs-Corps von Mantua mit 8000 Mann, und ließ die übrige Armee, theils von Vicenza her auf Baßano, theils von Rivoli, nach Trident vorrücken. General Maßena eroberte, nach zweymaligen Angriffen, am 25 Januar, den wichtigen Posten von Baßano, und bedrohte Friaul; General Joubert drang über Ala in Tyrol ein, und ließ am 30sten Januar Trident besetzen. Der General Alvinzi zog das Haupt-Corps in die Gegenden nach Görz zu, um jene Länder, und Triest zu decken; ein kleineres Corps blieb bey Botzen stehen, und hatte in den ersten Tagen des Februars das Glück, ein weit vorgedrungnes Französisches Detaschement bis Nevis zurückzutreiben. In Klagenfurt war der Sammelplatz der erwarteten vielen neuen Verstärkungen aus dem Innern von Oesterreich, und aus Ungarn. In Botzen erwartete man die Verstärkungen, welche von der Rhein-Armee herbeyeilten. Aber auch die Franzosen erwarteten von ihrer Rhein-Armee, und von der Armee des Generals Kellermann in Savoyen, und von andern Orten ansehnliche neue Verstärkungen.

(Die fernern Nachrichten folgen noch unten.)


Päbstlich-Französischer kurzer Krieg, und theurer Friede.[]

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Ein Schreiben aus Venedig. Umstände. Wahrnehmungen.

Als David dem Könige Saul einen Zipfel von seinem Rocke abschnitt, so zeigte er ihn zum Beweise für die ganze Welt, was er noch mehr hätte nehmen können. Der Zipfel aber, den Buonaparte Pius dem VIten abgeschnitten hat, ist ziemlich groß. -- Der Krieg im Kirchenstaate hat keine kriegerische Merkwürdigkeiten gehabt. Buonaparte selbst nannte ihn eine Komödie. -- Nach der Ueberrumpelung eines Päbstlichen Truppen-Corps bey Faenza, welche im vorigen Monate S. 219 beschrieben worden, hatten keine blutige Scenen mehr statt. Die Franzosen besetzten ohne Schwierigkeit Forli, Ravenna, Cesena, Rimini, drangen in das Herzogthum Urbino, und die Mark Ancona ein, führten in Ravenna und Urbino sogleich eine neue Republicanische Administration ein, machten bey Ancona 2000 Mann Päbstlicher Truppen, die sogleich das Gewehr streckten, zu Gefangnen; ein Detaschement gieng in der Nacht vom 9ten zum 10ten Februar nach Loretto, und nahm die da noch übrigen Schätze (die meisten waren schon weggeschaft) und das wunderthätige Marienbild hinweg. Am 12ten zogen die Franzosen über Macerata, und Tolentino nach Fuligno, um in Umbrien einzudringen. Sie waren noch 5 Stunden von Spoleto, wo sich General Colli mit dem Reste der Päbstlichen Truppen postirt hatte. Sie waren noch 27 Stunden von Rom entfernt. Sie kamen nicht nach Rom. –

Ehe wir weiter erzehlen, wollen wir hier ein Schreiben von Venedig einrücken, welches die Umstände kurz schildert, und von zuverläßiger, guter Hand kommt. - - - - - - - - - - " –

Die Kriegs-Anstalten im Römischen Staate, heißt es in diesem Schreiben, waren erbärmlich, und wie man es sich von einem geistlichen, durch so viele Jahre friedlichem, und weichlichem Staate denken konnte. Der General Colli fand bey seiner Ankunft alles neu zu schaffen. Buonaparte wußte den Augenblick, und die Umstände so gut zu benutzen, daß er in Zeit von 11 Tagen den größten Theil des Kirchenstaats sich unterwarf. Als er in Ancona, und seine Armee in Macerate war, der General Colli aber mit dem schon sehr geschmolzenen und zaghaften Heere bey Spoleto stand, ward am 10ten in der Nacht zu Rom eine allgemeine Congregation der Cardinäle gehalten, und beschloßen: 1) daß sich Se. Heil. unverzüglich nach Terracina oder Benevent begeben, 2) der General Colli um einen Waffenstillstand auf 8 Tage, zur Einleitung neuer Friedens-Unterhandlungen ansuchen, und 3) der Spanische Minister, Ritter Azara, gebeten werden sollte, nach Rom zurück zu kommen. Alle Gelder wurden in Sicherheit gebracht, und die Wohlhabenden Personen flüchteten sich. Am 11ten Morgens kam der Camaldulenser-Mönch, Abbate Fume, als Friedens-Bothe des Buonaparte, in Rom an, und beschwor den Pabst, im Namen des Generals, um größeres Unglück zu verhindern, sich nicht aus Rom zu entfernen. Späterhin traf auch bey dem Cardinal Mattei ein Schreiben des Generals Buonaparte, aus Ancona vom 11ten Februar ein, in welchem er erklärte, er würde keine Waffenstillstande- und Friedens-Vorschläge anhören, wenn man nicht vor allem die seit dem Waffenstillstande angeworbenen Regimenter entließe, und die fremden Generale fortschickte. Nur wenn der Pabst diese Bedingungen vorläufig erfüllte, und sogleich Friedens-Unterhandlungen anfange, könnte er seine Staaten noch retten. Er wolle dem Paste 5 Tage, bis zum 16ten Februar, Zeit laßen, um Bevollmächtigte nach Fuligno zu schikken, wo er bis dahin sich befinden würde. Wegen dieses Schreckens ward denn beschloßen, daß der Pabst seine Reise einstellen, und die Cardinäle Mattei, und Don Luigi Braschi, (seinen Neffen) den Marchese Maßimi, und den Monsignor Galeppi, als Friedens-Commißaire nach Fuligno senden solle. Sie reiseten am 14ten Febr. ab, fanden aber unter Wegs die Anweisuug nach Tolentino zu kommen, wo Buonaparte sie erwartete, und wo sie am 16ten sich auch bereits befanden. Die Unterhandlung fieng unter Vermittlung des Königs von Neapel, in Gegenwart des Fürsten Belmonte-Pignatelli, und anderer Italienischer Minister an. Zwey Tage waren hinreichend, den Frieden zu schließen. Er ist hart; aber man erwäge, daß er hätte noch härter seyn können."

Um dieselbige Zeit, als die im vorstehenden Brief erwähnten Friedens-Gesandten von Rom abgiengen trafen daselbst zwey Couriere von Neapel ein. Ihre Depeschen richteten den Pabst sehr auf. Der König von Neapel hatte sich des Päbstlichen Intereße mit Nachdruck angenommen. Sein Gesandter, der Prinz Belmonte-Pignatelli, hatte sich in Eil zu Buonaparte begeben, und demselben vorgestellt, daß Se. Sicilianische Majestät bey dem Vordringen der Französischen Truppen nach Rom nicht gleichgültig bleiben könnten, und eben so wenig zugeben würden, daß der Pabst zu solchen Opfern, welche für die Religion scandalös, und den gegenwärtigen Regierungs-Verfaßungen zuwider wären, gezwungen würde. Daß diese Erklärung keine leere Drohung war, bewies ein Befehl des Königs, nach welchem der Herzog von Salandra den Cordon der Truppen an der Grenze bereisen mußte, um den Zustand der Truppen darnach einzurichten, "daß sie fähig wären aufzubrechen, wenn sich im Kirchenstaate solche Begebenheiten, oder Umstürzungen ereignen sollten, welche diese Maaßregel nöthig machten." Zugleich ließ der König den Pabst einladen, in seinen Staaten einen Zufluchts-Ort zu nehmen, im Falle daß es die dringenden Umstände erforderten.

Man hat in den öffentlichen Blättern verbreitet, daß der Pabst, auch dem König von Spanien um seine Vermittlung ersucht, von den Friedens-Fürsten verbreitet, daß der Pabst, auch dem König von Spanien um seine Vermittlung ersucht, von den Friedens-Fürsten aber eine abschlägliche Antwort erhalten habe. Man hat sogar ein Schreiben des Friedens-Fürsten an den Pabst in den Zeitungen gelesen, in welchem der Pabste gesagt wird: "der Verlust seiner irrdischen Güter sey unvermeidlich. Er müße den Gütern der Erdenwelt entsagen u. s. w." Es bedarf weniger Scharfsicht, und Kenntniß der Dinge, um die Unächtheit, die Erdichtung dieses Schreibens, welches den Stil eines ziemlich unwissenden Spötters hat, zu erkennen. Das Datum selbst und die nachherigen Vorgänge beweisen die Erdichtung dieses Schreibens. Denn der Ritter Azara blieb nachher noch in Rom, und am 10 Febr. noch ersuchte der Pabst den Ritter, der damals zu Florenz war, um seine Vermittlung, welche dieser freylich, aus Mangel an Instructionen, eben da Buonaparte auf Rom anzog, verweigerte.

Man hat auch den Weg tadeln wollen, den Buonaparte auf seinem Zuge nach Rom nahm, -- er habe die Apenninischen Gebirge und Flüße zwischen sich und Rom gehabt -- er hätte aus dem Toscanischen einen weit kürzern Weg nehmen können. -- Aber Buonaparte wußte das alles selbst recht wohl, und hatte seine geheime Bewegungsgründe, zu wünschen, und alles mögliche zu thun -- nicht mit der Armee nach Rom zu kommen. Unsere Leser werden sich erinnern, daß schon im Julius-Monate des vorigen Jahrs Buonaparte auf dem Wege nach Rom war, und -- nicht dahin kam, und wir haben schon damals der geheimen dabey wirkenden Ursachen erwähnt. (S. 699 des vorigen Jahrgangs) Auch jetzt noch können wir nichts mehreres davon sagen.

Wenn Buonaparte, auf Befehl des Directoriums, und nach deßen Anweisung, dem Pabste sehr drückende Friedens-Bedingungen auflegen mußte, so war er persönlich dem Pabste nichts weniger als feindselig gesinnt. Der Pabst gab seinen oben genannten Friedens-Commissarien ein Schreiben an Buonaparte mit, in welchem er dem Generale seine apostolischen Segen ertheilte, und ihm sagte, daß er voll Vertrauen auf deßen wohlwollende Gesinnungen sich nicht von Rom entfernt hätte, und ihn seiner großen Achtung versicherte -- ." Buonaparte dankte in einem eignen Antworts-Schreiben, für den verbindlichen Brief, den Se. Heiligkeit sich die Mühe gegeben hätten, an ihn zu schreiben, und wünschte dem Pabst Glück, durch den Frieden etwas zu seiner Ruhe beygetragen zu haben. Ich schicke, schrieb er, mit diesem Schreiben, meinen Adjudanten, einen Brigade-Chef ab, um Eurer Heiligkeit die Hochachtung und vollkommne Verehrung für Ihre Person zu bezeugen, ich wünsche aufrichtig, bey allen Gelegenheiten Ihnen Beweise meiner Verehrung geben zu können."

Man sagte, Buonaparte habe die Rolle Alexanders gespielt, welcher, als er mit seinen Heere nach Jerusalem zog, vor dem Hohenpriester Onias auf die Knie fiel.

Das wesentliche des neuen Friedens-Tractats besteht in folgendem: Der Pabst wiederruft alle Anhänglichkeit, Zustimmung, und Decrete, die er der, gegen die Französische Republik bewafneten, Coalition gegeben. (Von Religions-Decreten, und allem was die Religion betrift, ist nicht die Rede.) Die Häfen und Rheden des Kirchenstaats werden den Kriegsschiffen der Feinde Frankreichs geschloßen. Der Pabst entsagt allen Rechten auf Avignon und Venaißin, und auf die Gebiete, welche unter den Namen der Legationen von Bologna, Ferrara, und Romagna, bekannt sind. Die katholische Religion soll aber nicht beeinträchtigt werden. Ancona bleibt bis zum allgemeinen Frieden im Besitze der Franzosen. Der Pabst bezahlt den 5ten März 1797 den Franzosen 15 Millionen Livres Tournois; 10 in baarem Gelde, 5 in Diamanten und Kostbarkeiten, als den Rest der im vorjährigen Waffenstillstande bedungnen Summe; und außerdem zahlt der Pabst noch an die Franzosen 15 Millionen Livres, in baarem Gelde, Diamanten, und Kostbarkeiten; 10 im Märzmonat und 5 in April. Der Pabst überläßt der Französischen Republik alle Gemälde, Statuen, und die andern im Waffenstillstands-Tractate bedungnen Objecte.

Die formelle Abfaßung dieses Friedens-Tractats in vollständiger Authenticität werden wir im künftigen Monats-Stücke, aus dem Originale übersetzt, mittheilen, und mit statistischen, und historisch-publicistischen Anmerkungen begleiten, die zu deßen gründlicher Beurtheilung dienlich, und intereßant seyn werden.


Oesterreichisch-Französischer Krieg im Venetianischen; Tyrol, und am Rheine.[]

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Nach so vielen blutigen Kämpfen haben endlich die Winter-Monate eine Waffenruhe zwischen den Teutschen, und Franzosen herbeygeführt, welche am Rhein gar nicht, und in Italien, und Tyrol, nur durch einzelne kleinere Vorfälle bis anjetzt gestört worden ist. Die Kaiserliche Armee hatte ihre Stellung an der Piave, einem Fluße, der in Tyrol entspringt, und sich in den Venetianischen Meerbusen ergießt. Das Hauptquartier blieb in Udine. Die Festung Palma Nuova, wurde durch neue starke Befestigungen in den besten Vertheidigungsstand gesetzt, und ein verschanztes Lager auf dem Glacis dieser Festung bezogen. Die Kaiserlichen Vorposten standen bis an die Motta bey Treviso, und die Städte Feltre und Cadora waren stark besetzt. Am 8ten Februar griffen die Franzosen die Kaiserlichen bey Feltre an, wurden aber mit starkem Verluste zurückgetrieben. Der Erzherzog Carl war eben zwey Tage vorher bey der Armee angekommen. Er hielt sich nicht lange auf, und stellte nur Untersuchungen über die Ursachen an, welche die letztern Unglücksfälle der Armee bewirkt hatten. Er eilte nach Wien, wo er sich auch nur 8 Tage aufhielt, und gieng von da wieder zur Armee ab; mit dem erhaltnen Oberbefehle aller gegen Frankreich streitenden Kaiserlichen Armeen. Gleich nach seiner Ankunft bey der Armee zu Udine, gab er in Betref des Verhaltens der Officiere strenge Befehle, und erklärte, daß alle diejenigen, die nicht von Muthe und Patriotismus sich belebt fühlten, die Armee verlaßen möchten. Das Regiment Lattermann, welches der ausdrücklichen Ordre zuwider, in der Schlacht bey Rivoli, zurück wich, und durch seine Lücke die Schlacht verloren machte, ist cassirt, und einige Officiere sind zum Festungs-Arrest verurtheilt worden. Der Prinz hatte die Versicherung von Wien mitgenommen, daß die Kaiserliche Armee im Venetianischen bis auf 90,000 Mann verstärkt werden sollte. Es zogen auch aus Ungarn, dem Oesterreichischen, und vom Rheine her, zahlreiche Truppen-Corps herbey; und es kamen fast täglich auch große Haufen der durchs Mailändische transportirten Oesterreichischen Gefangnen an, die Mittel gefunden hatten, auf dem Wege zu entkommen, und durch Graubündten, und das Schweizer Gebiet sich gerettet hatten. Diese Haufen waren mehrere Hunderte stark, und ihr Zug dauerte so fort, daß man am Ende Februars die Anzahl dieser entkommenen Kriegsgefangnen auf 6000 Mann berechnete.

Unterdeßen machte der Französische General Buonaparte auch große Anstalten, um an der Spitze einer großen Armee an der Piave zu erscheinen, ließ nur einige Tausend Mann im Kirchenstaate, und zog von allen Seiten, selbst vom Rheine her, Verstärkungen an sich.

Die in Tyrol einander entgegen stehende Corps haben bisher verschiedne Gefechte, von geringer Bedeutung, mit einander gehabt. Einen starken Angrif unternahmen die Franzosen an eben dem Tage, da Feltre angegriffen wurde, am 8ten Februar, auf Nave, wo sie über die Etsch setzen wollten. Sie wurden aber mit einem Verluste von 700 Mann zurückgeschlagen, und alle ihre Pontons zu nichte geschoßen. Die Kaiserlichen behaupteten ihre Stellungen von Teutschmetz bis nach Salurn hin, wodurch Botzen, und das sogenannte Teutsch-Tyrol gedeckt wurde. Es fielen nachher noch einige Gefechte vor, in welchen die Franzosen ins Fleimser Thal vordrangen, aber nach einigen Plünderungen bald wieder nach Trident hin zurückgetrieben wurden. Von diesem Scharmützel hat Buonaparte eine Siegs-Nachricht an das Directorium nach Paris geschickt. Der ganze Vortheil der Franzosen bestand darinnen, daß sie einige Dörfer ausplünderten, und das Vieh wegschleppten, bis sie von den verstärkten Kaiserlichen Truppen vertrieben wurden. Die Franzosen machten anfänglich einige Scharf-Schützen aus Tyrol, die nicht sogleich Unterstützung erhalten konnten, zu Gefangnen. Dagegen machten die Tyroler Scharf-Schützen am 2ten März, bey einem lebhaften Angriffe, 17 Officiere, und 82 Gemeine von den Franzosen zu Gefangnen. Seitdem hatte sich das Französische Corps in Tyrol bis nach Trident, und dasjenige, welches an der Piave stand, gegen die Brenta hin zurückgezogen. Die vornehmste Stärke befand sich bey Cismone. Aber auch die Oesterreicher zogen sich von der Piave zurück, um ihre Mächt näher vereint zu haben, und nach einem neuen Plane mit Stärke und Nachdruck zu agiren.

Die Republik Venedig ist durch das Benehmen der Franzosen in den Venetianischen Staaten, und mehr noch durch die Absichten, welche man in Paris selbst auf ein Stück des Venetianischen Gebiets, zur Vergrößerung der neuen Cispadanischen, von Frankreich abhängigen, Republik, gerichtet haben soll, zu nähern Unterhandlungen mit dem Kaiserlichen Hofe bewogen worden, welche eine neue Allianz zum Endzwecke haben. Es sind unterdeßen vorläufige Vertheidigungs-Anstalten getroffen, ein Corps von 12,000 Mann Dalmatier, (die besten Venetianischen Soldaten) in der Nähe von Venedig zusammen gezogen, auch bey der Marine, und in den Arsenälen solche Maaßregeln genommen worden, welche kriegerische Vorbereitungen anzeigen.

Bey den Armeen am Rheine sind keine wichtige Begebenheiten vorgefallen. . . . .


Oesterreichisch-Französischer Krieg, in Tyrol, Friaul, und Inner-Oesterreich.[]

[4]
Verluste. Rückzüge der Kaiserlichen Armee. Waffenstillstand auf sechs Tage.

Ohne die stürmische Tapferkeit des Generals Buonaparte, und die geschickte Tactik des Generals Maßena, welcher, nach dem Urtheile von Augenzeugen und Kennern, an dem Fortgange der Französischen Waffen mehr Antheil hat, als Buonaparte, so wenig als den Muth und die Bravour der Französischen Truppen, zu verkennen; ist es doch eine dem beobachtenden unpartheyischen Geschichtschreiber einleuchtende Wahrheit, daß noch nie ein Feldherr, mitten unter lauter unglücklichen Umständen und Vorfällen, sich so groß gezeigt, so sehr über das Unglück sich erhoben, und so mit Ruhm sich bedeckt hat, als der Königliche Held, der Erzherzog Carl, in dem verfloßnem Monate. Wenn man im vorigen Jahre den Rückzug des Generals Moreau mit den höchsten Lobsprüchen überhäufte, welcher General doch eine Armee von 45 bis 50,000 Mann bey sich und wieder sich niemals eine gleich starke Macht, fast meistens eine weit geringere zu bekämpfen hatte, so verdient der Prinz einen unvergänglich erhabnen Ruhm, welcher von einer siegreichen, ihm mit Enthusiasmus ergebnen Armee, die er nicht gern verlaßen wollte, sich, auf Bitten und Vorstellungen des Kaisers, und einiger Großen, entschloß, sich, seinen Ruhm und sein Leben dem Vaterlande zu opfern, und zu einer geschlagnen, muthlosen, desorganisirten und kleinen Armee sich begab, die nicht über 20,000 Mann stark war, und 100,000 Mann sieggewohnter, kühner, und wohl organisirter Truppen gegen sich hatte. Zwar hatte man dem Erzherzoge die schleunigsten Verstärkungen zu senden, und seine Armee auch bis 100,000 Mann zu vermehren versprochen; aber diese Versprechungen wurden nicht erfüllt. Er sahe sein schwaches Heer von einer ungeheuern Uebermacht angegriffen, ehe er Verstärkungen erhielt, und es war eine falsche Aussprengung, daß die Kaiserliche Armee schon aus 60,000 Combattanten bestehe. (S. 335) Je seltner man eine solche Aufopferung des Ruhms, und seiner selbst bey denen Feldherren findet, die schon ehrenvolle Siege erfochten haben, wie Erzherzog Carl, desto größer ist der Heroismus dieses unsterblichen Prinzen, deßen militairischer Ruhm keinen Abbruch durch die Unfälle erlitten hat, welche den Glanz seiner schon erhaltnen Siege nicht auslöschen können. Er hofte, durch seine Gegenwart, sein Beyspiel, seinen Heldenmuth, den Muth der Truppen wenigstens wieder herzustellen, und so den Feind so lange aufzuhalten, bis die Verstärkungen einträfen. Aber vergebens wagte er sich in die augenscheinlichsten Lebensgefahren, so daß er bey dem Uebergange der Franzosen über den Tagliamento schon beynahe von den ihn umringenden Feinden gefangen war, wenn ihm nicht noch einige Husaren vom Regimente des Erzherzogs Joseph zu Hülfe gesprengt wären. Vergebens verdoppelte er Belohnungen, und Strafen und Ermunterungen. Er sahe mehr wie einen wichtigen Posten aus Furcht, oder noch üblerm Grunde verlaßen. Wenn es die Pflicht der Geschichte erfordert, die Ursachen von den Begebenheiten aufrichtig anzugeben, so wollen wir durch diese, und die folgende Bemerkungen den Oesterreichischen Kriegern den so bewährten Ruhm der Tapferkeit nicht streitig machen. Daß aber einige Officiere, und mehrere Soldaten ihre Schuldigkeit nicht allemal erfüllten, und dadurch Posten verloren giengen, ohne deren Verlust der Erzherzog manchen Sieg erhalten haben würde, ist in so vielen Privat-Nachrichten, Briefen, und öffentlichen Blättern wiederholt bemerkt worden, daß wir nicht Umgang nehmen können, davon Erwähnung zu thun. Nach öffentlichen Anzeigen sind verschiedne Generale arretirt, und mehrere Officiere gefangen, und zum Theil in Ketten, nach Wien eingebracht worden. Noch ein Unglück für diesen Prinzen war es, daß es so mancherley Verräther unter den Einwohnern gab, welche den Franzosen zu Spionen und Wegweisern dienten, und sie über die unwegsamsten Gebirge, und durch enge Defileen, und Päße führten, so daß sie die festesten Posten tourniren, oder die Truppen in den Flanken angreifen konnten. -- So mußte Heldenmuth und Tactik, Gegenwart des Geistes, und Tapferkeit den Unmöglichkeiten weichen.

Die für die Geschichte brauchbare Nachrichten von den Begebenheiten in Friaul, Krain, Kärnthen und Steyermark, bis zum sechstägigen Waffenstillstande, sind noch so unbestimmt, mangelhaft, und verworren, daß man anjetzt noch keine ganz im Detail ausführliche geschichtsmäßige Erzehlung davon geben kann. Die officiellen Berichte in der Wiener Hofzeitung enthalten nur allgemeine Umstände, ohne besondere Angaben; die Französischen Berichte bestehen größtentheils aus großsprecherischen Declamationen, und sind nicht allein offenbar übertrieben, sondern geben auch nur immer runde volle Zalen von den Getödteten, Gefangnen, und der Kriegsbeute an, und von dem Französischen Menschen Verluste schlechterdings gar nichts; so daß man keinen Stof zu einer pragmatischen Geschichte hat. So viel erhellet in deßen, aus allen Berichten, daß die Kaiserlichen Truppen, unter der Anführung des Erzherzogs Carl, nach Verhältniß der vielen Gefechte, und des weiten beschwerlichen, zum Theil eilfertigen Rückzugs, keine große Anzahl weder an Gefangnen, noch an Artillerie und Munition verloren haben, so weit bis jetzt die Französischen Berichte gehen.

Erzherzog Carl fand bey seiner Ankunft schon die Armee hinter den Tagliamento zurückgezogen, und in einem sehr geschwächten Zustande. Ein Corps unter dem Grafen von Hohenzollern beobachtete jedoch noch die Piave, wurde aber durch die andringende Uebermacht der Franzosen genöthigt sich nach Salice zurück zu ziehn, wo es am 12ten März angegriffen wurde, und zwar den Kampfplatz mit siegender Tapferkeit behauptete, sich aber dennoch in der Nacht darauf zurück zog, und am 15ten schon den Tagliamento, ohne angegriffen zu seyn, paßirte. Am 16ten März unternahm Buonaparte mit seiner gesammten Armee, den Uebergang über den Tagliamento bey Valvasone. Nach dem Französischen Berichte wollte die Kaiserliche Cavallerie die Französische Infanterie angreifen, aber ohne Erfolg. Nach dem Oesterreichischen Berichte sehe Prinz Carl bald ein, daß er zu wenig Cavallerie gegen die weit stärkere feindliche habe, und das Gefecht war von kurzer Dauer. Die Franzosen giengen Nachmittags über den bey der trocknen Witterung sehr seicht gewordnen Fluß, und nöthigten die Kaiserlichen zum Rückzuge, wobey sie, nach dem Französischen Berichte, 6 Kanonen erobert, und 500 Gefangne machten. Die Kaiserliche Armee zog über Palma nuova, welcher Platz nicht in dem gehörigen Vertheidigungsstande war, bis nach Vippach, wo sie am 20 März ihr Lager nahm. Die nicht haltbare Festung Gradisca wurde mit 3000 Mann und 10 Kanonen besetzt, nur um der Armee den Rückzug zu sichern. Die Franzosen giengen über den damals sehr seichten Isonzo-Fluß und berennten Gradisca, welches sich, auf die erste Aufforderung am 19ten März, ergab. Die kleine Oesterreichische Besatzung in Trieste verließ die Stadt, nach dem erhaltnen Befehle des Erzherzogs, und so nahmen die Franzosen davon am 22sten blos durch ein Detaschement Besitz.

Die Französische Hauptarmee zog in zwey starken Colonnen der Kaiserlichen nach, welche über Laybach und Crainburg gegen Tarvis und Villach zu eilte, um daselbst die Divisionen der Generale Gontreuil und Bdjalich an sich zu ziehen, und sodann über Tarvis nach dem wichtigen Paße Pantafel, oder Ponteba vorzurücken. Der Plan, welcher Aehnlichkeit mit jenem im vorigen Jahre hatte, wodurch, nach dem Treffen bey Amberg, die Armee Jourdans aus Teutschland getrieben wurde, verspracht die herrlichsten Folgen, und hätte die Französische Armee in große Verlegenheit gebracht, allein er wurde durch Umstände vereitelt, welche zweyen Generalen sehr zu last fielen. Der Erzherzog hatte dem Generale Ocskay den äußerst wichtigen Paß bey Pantafel zur Vertheidigung anvertraut, wodurch Tarvis gedeckt wurde, welches der Sammelplatz der Oesterreichischen Armee seyn sollte. General Ocskay verließ den wichtigen Posten, auf den alles ankam, und retirirte sich bis Wurzen. Der Französische General Maßena drang sogleich mit einem starken Corps durch diesen wichtigen Gebirgs-Paß, und bis Tarvis vor. So war die Armee in Tyrol nicht allein von der des Erzherzogs abgeschnitten, sondern auch die Straße nach Villach, auf welcher ein Oesterreichisches Corps unter dem Fürsten von Reuß im Anzuge war. Der Erzherzog gab der Colonne der Generale Gontreuil, und Bajalich, die gemeßensten Befehle, das Französische Corps bey Tarvis anzugreifen, und den Weg nach dem Paße bey Pantafel (Ponteba) zu öfnen. Gontreuil führte den Auftrag mit Entschlossenheit, und Muthe aus. Er schlug die Franzosen von Tarvis weg, und gab der Reserve-Artillerie Gelegenheit, den Weg über Tarvis fortzusetzen. Er behauptete sich, und hielt sich so tapfer, daß Buonaparte dieses Treffen bey Tarvis, in seinem Berichte an das Directorium, als eines der außerordentlichsten schildert, wobey die Truppen auf Bergen über den Wolken gefochten, und den hartnäckigsten Kampf bestanden hätten. Der tapfre siegende Gontreuil wußte, daß er von den beyden Generalen Bajalich, und Ocskay, unterstützt werden sollte. Er erwartete ihre Colonnen den ganzen Tag (am 24 März) vergeblich. Am folgenden Tage wurde er von Maßena mit äußerst überlegner Macht von neuem angegriffen. Er wehrte sich mit Heldenmuthe, aber weder Bajalich, noch Ocskay kamen, und so wurde er mit seinem schwachen Corps, nach einem ruhmvollen Kampfe, endlich des Nachmittags um 4 Uhr genöthigt, sich zurück zu ziehen, und dem Generale Maßena diesen wichtigen Kampfplatz zu überlaßen. Alle Plane zum Vordringen waren nun vereitelt, und man muß diese Begebenheit als die entscheidendste für den Feldzug in jenen Gegenden ansehen.

Man machte allgemein den beyden Generalen Ocskay und Bajalich die schwersten Vorwürfe. Ocskay hatte nicht allein den wichtigen Paß zu Pantaffel verlaßen, sondern war auch nicht, eben so wenig als Bajalich, dem tapfern Gontreuil, zu Hülfe gekommen. In den öffentlichen Blättern wird gemeldet, daß beyde gedachten Generale arretirt und nach Wien gebracht worden, und daß das Publicum besonders gegen den General Ocskay sehr aufgebracht sey. Vielleicht sind aber die Urtheile des Publicums, wie öfters der Fall ist, ungerecht. Vielleicht nöthigen die Umstände beyde Generale so zu handeln, wie sie thaten. General Ocskay hat sich schon den Orden der Tapferkeit, den Maria-Theresia-Orden, erworben, er hat sich im vorigen Türkenkriege, und auch bey der Armee am Rheine ausgezeichnet, und es ist schwer zu glauben, daß ein Officier von solcher Auszeichnung einen so wichtigen Posten, ohne dringende Umstände sollte verlaßen haben. Wenn es sich bestätiget, daß über 1000 Mann Kroaten, die auf diesem Platz standen, ihre Gewehre weggeworfen, und davon gelaufen sind; so wäre dieser Umstand allein schon eine große Rechtfertigung des Generals.

Indeßen hatte doch die Gewinnung dieses Postens durch die Franzosen, die übelsten Folgen für die gesammte Kaiserliche Armee. Sie mußte sich in verschiednen Corps bis nach St. Veit zurückziehn, von da sie am 30sten März, bey dem Andringen der feindlichen Uebermacht, und der Unhaltbarkeit ihrer Position, bis nach Hohenfeld zurück gieng, und in enge Cantonnirungen gelegt wurde. Buonaparte drang aber mit seiner vielfach überlegnen Armee immer weiter vor, und der Erzherzog, welcher sich bey der Schwäche seines Corps in kein entscheidendes Gefecht einlaßen konnte, brach von Hohenfeld auf, und marschirte nach Knittelfeld. Von da gieng der Rück-Marsch eines Theils der Armee nach Linz, und eines andern Theils nach Bruck an der Muhr, wo man Anstalten zu einer festen Position machte, und die von allen Seiten herbeyeilenden Verstärkungs-Truppen, erwartete.

Die Gefahr näherte sich nun der Hauptstadt Wien selbst. Der Kaiser ließ schon am 5ten April durch eine Publication zur Beruhigung des Volks versichern, daß Er mit Beschleunigung des Friedens sich eifrig beschäftigte, unterdeßen aber, wofern der Feind durch wandelbares Kriegs-Glück getäuscht, jede Aussöhnung mit Uebermuth ablehnen würde, auf die Treue, den Muth und Eifer der Einwohner Wiens rechne, deren Vorältern schon unter Ferdinand und Leopold I. auf den Wällen von Wien für Religion, Fürst, Vaterland, und Ehre, siegreich gefochten haben.

Die Friedens-Hofnungen, welche der Kaiser hatte, waren so groß, daß er dieselben mit Zuversicht mehrern Personen bey der Audienz am 5ten April zu erkennen gab. Die Antworten aber, welche der General Buonaparte auf die, durch den General-Adjutanten Merveld überschickten, Anträge, gab, vereitelten die Friedens-Wünsche. Die Bedingungen, welche Buonaparte dagegen machte, waren unannehmbar, und übermüthig. Doch kam am 7ten April ein Waffenstillstand auf 6 Tage zu Stande, binnen welcher Zeit bestimmtere Erklärungen, über die Friedens-Präliminar-Artikel gegeben werden sollten. Es schein wenig Hofnung zu einem erwünschten Frieden zu seyn.

Unter diesen Umständen ergiengen neue Aufforderungen an die Einwohner Wiens, und an die biedern Oesterreichischen Unterthanen überhaupt, welche von den schnellsten, weit ausgebreiteten, und für den Feind fürchterlichsten Anstrengungen, und Folgen begleitet wurden. Mit einem über alle Beschreibung erhabnen Eifer, und mit einem muthigen Patriotismus, der bis zum Enthusiasmus gieng, versammelten sich viele tausende Freywilliger, und ergriffen die Waffen. Wien wurde ein kriegerischer Sammelplatz einer furchtbaren Armee. Schon zogen 30,000 Mann der Wiener Einwohner, unter der Anführung des Prinzen Ferdinand von Wirtemberg, gegen den Feind. Eine weit größere Anzahl der Bürger bewafnete sich, um die Stadt selbst und die Linien zu vertheidigen. Nicht nur in Nieder- und Ober-Oesterreich, sondern in allen Provinzen bereitete man einen allgemeinen Aufstand, und Landes-Sturm der Einwohner gegen die Feinde. In Ungarn wurde die allgemeine Insurrection aufgeboten, und die Versprechung des Landtags: Ibit gens contra gentem: in Erfüllung gebracht. Die Fürsten Esterhazy, Ludwig, und Johann von Lichtenstein führten ihre Unterthanen selbst ins Feld. Ersterer versprach, allein ein Corps von 25,000 Mann zu stellen. Die Größe der Gefahr hatte die Größe der Oesterreichischen Länder-Macht in Bewegung gesetzt. Buonaparte sah große Stürme sich erheben, und seinen Armeen viele zahlreiche Heere drohen.

Inzwischen hatte er schone ein empfindliches Beyspiel, wie viel der Muth von enschloßnen Landes-Vertheidigern auszurichten vermag. Diejenige Armee, welche er zur Eroberung von Tyrol geschickt hatte, war zwar, so wie sein Corps weit hereingedrungen, und hatte die schwachen Kaiserlichen Corps, eines Theils bei Sterzing, andern Theils bis ins Vintschgauer Thal vertrieben, und Botzen, und Brixen besetzt: aber da erschien die Tyroler National-Stärke. Der unermüdete Staats-Minister, Graf von Lehrbach, deßen Administration Tyrol anvertraut war, erließ so eindringende Proclamationen an die Einwohner, betrieb die Landes-Vertheidigung mit einer über alles Lob erhabnen Thätigkeit, Weisheit, und Kraft, und setzte dadurch dergestalt den Patriotismus in Lebhaftigkeit, daß ein allgemeiner Aufstand der Einwohner erfolgte, am 31sten März schon über 60,000 Mann beysammen waren, und am 2ten April der General Laudon mit seinem Corps gegen Botzen vordrang, und das in jener Gegend stehende Französische Corps angrif. Dieser Angrif hatte keinen ganz glücklichen Ausgang; die Franzosen schlugen den Anfall ab, und ob sie gleich über 600 Mann an Todten verloren, so behaupteten sie doch den Platz. Ein Laudon aber läßt sich nicht durch ein erstes Mißlingen abschrecken. Er grif die Franzosen am 3ten April von neuem an, und besiegte sie völlig, und trieb sie in eine solche zerstreute Flucht, daß er schon am 4ten April zu Mittage in die Stadt Botzen, unter dem Jubelgeschreye der Einwohner, einzog. Hierauf setzte er sich mit dem Geneeale Kerpen, welcher bey Sterzing stand, in Vereinigung. General Kerpen drang am 5ten auch vor, schlug die Franzosen bey Mittwald, trieb sie nach Brixen, und nahm am folgenden Tage die Stadt Brixen ein. Die Franzosen flohen durch das Pusterthal aus Tyrol bis auf die Venetianische Grenze. Zugleich ließ General Laudon ein Corps von Botzen her gegen die sogenannte Clause anrücken, und eroberte diesen Posten, über deßen vorherige Einnahme Buonaparte in seinem Berichte an das Directorium ein sehr großsprecherisches Rühmen gemacht hatte. Das sogenannte Teutsch-Tyrol war am 7ten April gänzlich von den Franzosen befreyt; und Laudon drang schon bis Trident vor, nachdem er in einem neuen Siege sich des wichtigen Postens Lavis bemächtigt hatte. Von der andern Seite zog General Kerpen nach Linz an der Grenze Tyrols, gegen Steyermark. So hatten die durch Bravheit unsterblichen Tyroler ihr Wort erfüllt, welches sie bey der Zusammenstellung des Landsturms hören ließen. "Sie sollen uns das Ländel nicht nehmen."

Diese Vorgänge, welche dem Generale Buonaparte von der Seite her neue unerwartete Gefahren bereiteten, und die angeführten Anstalten und Mobilmachungen so vieler Landes-Heere im Oesterreichischen und Ungarn machten nun eine neue Epoche des Oesterreichisch-Französischen Krieges, von welcher wir die fernern Nachrichten, unten noch, mittheilen werden.


Allgemeiner Bericht von den Kriegs- und politischen Merkwürdigkeiten. Friedens-Präliminarien.[]

[5]
Indem die Französisch-Italienische Armee unter dem Oberbefehle des Generals Buonaparte, bis ins Innre von Oesterreich vordrang, machten die Generale der Französischen Rhein-Armeen die lebhaftesten Anstalten, von ihrer Seite her durch Teutschland gegen Oesterreich vorzudringen. Sie bekamen aus dem Innern von Frankreich, bis aus der Vendee her, zahlreiche Verstärkungen, und selbst die für Holland bestimmten, im Holländischen Solde stehenden 25,000 Mann mußten sich mit der Rhein-Armee vereinigen. So wurde die Armee am Nieder-Rheine, unter der Anführung des bekannten Generals Hoche, über 60,000 Mann stark, und die am Ober-Rheine noch stärker. Wiederholte Befehle der Directoren zu Paris beschleunigten die Operationen. Die bisherige Waffen-Ruhe am Rheine wurde am 13 April aufgekündigt, und am 17ten floß schon viel Blut. Die Franzosen giengen in der Nacht auf den 17ten bey Cöln, bey Bonn, bey Neuwied, in zahlreichen Colonnen über den Rhein, und das Corps, welches 35,000 Mann stark, bey Neuwied übergegangen war, grif das in jener Gegend stehende schwache Corps des Generals Kray an, und zwang es, mit Verluste sich zu retiriren. Indem General Kray durch einen Umweg sich zurück zog, um sich mit dem Generale Wernek zu vereinigen, welcher seine Position hinter der Sieg bey Hachenburg genommen hatte, eilte ein starkes Französisches Corps nach Limburg, an der Lahn, bemächtigte sich dieses Orts, und nöthigte den General Wernek, der im Rücken bedroht war, sich nach Wetzlar zurück zu ziehn, in welcher Gegend er sich mit dem zum zweytenmale auf dem Marsche angegrifnen und geschlagnen General Kray vereinigt, aber eine so große Uebermacht der Franzosen gegen sich hatte, daß er, ob zwar immer fechtend, und ohne Verlust, doch zurück weichen mußte. Ein Corps Franzosen rückte mit schneller Eile bis Königstein vor, und bis in die nahe Gegend von Frankfurt, wo es mit einem dorthin ziehenden Kaiserlichen Corps zu einem heftigen Gefechte kam, in welchem die Kaiserlichen bis nach Frankfurt gedrängt wurden. Schon wurden die Thore von Frankfurt gesperrt, schon machten die Franzosen Anstalt, sich Frankfurts, abermals, mit Gewalt zu bemächtigen -- da kam ein Deus ex machina -- -- ein Französischer Courier, sprengte in die Stadt mit der Friedens-Trompete, überbrachte ein Schreiben an dem General Hoche, und die Nachricht, daß am 17ten April die Friedens-Präliminarien zwischen Oesterreich und Frankreich, von dem Kaiserlichen Generale Meerfeld, dem Französischen Generale Buonaparte, und dem Neapolitanischen Minister, Marquis Gallo, zu Stande gekommen.

Die Feindseligkeiten hörten sogleich auf, und es wurden an alle Generale der kriegführenden Partheyen, und an unzählig viele Orte Couriere abgesandt. Da die Friedens-Bedingungen noch nicht mit authentischer Gewißheit bekannt sind, so müßen wir den täglichen Blättern die Frühzeitigkeit überlaßen, und werden dagegen im künftigen Monatsstücke durch pragmatische Darstellungen, und historisch-statistische Bemerkungen der Friedens-Geschichte ein neues Intereße geben. Vorläufig wollen wir nur bemerken, daß der Friede in jedem Falle eine Glücksbegünstigung für Frankreich gewesen, die also vom Anfange des Kriegs bis zu Ende die neuen Aristokraten Frankreichs begleitet hat. Buonaparte war, nach allen unpartheyischen, und zuverläßigen Berichten, von allen Seiten so eingeschloßen, und mit Uebermacht so bedroht, daß er, ohne (glücklicher Weise für ihn) Frieden zu schließen, wohl nie Italien, wenigstens mit seiner Armee, wiedergesehen haben würde. Die Armee die nach Tyrol vorgedrungen war, und mit welcher er sich, nach seinen eignen Depeschen an das Directorium, vereinigen wollte, war geschlagen, zerstreut, und auf beyden Seiten, sowohl von Brixen, als von Bozen, ganz aufs Venetianische Gebiet, eines Theils nach Cadore, andern Theils bis nach Verona zu, vertrieben, hatte über 15000 Mann, 20 Kanonen, alle Provisionen, verloren, und der Rest war von Buonaparte ganz abgeschnitten. Im Rücken drohten die Venetianer, die schon eine Armee von 50,000 Mann beysammen hatten, um von guter Gelegenheit Nutzen zu ziehen, und sich förmlich gegen die Franzosen, die ihre eigne Unterthanen empört hatten, zu erklären. Vorne von Wien her standen über 200,000 bewafnete, kühne Männer dem Buonaparte entgegen, entschloßen sein Wagstück ihn theuer bezahlen zu laßen, auf der Flanke bey Steyer stand die Armee des Erzherzogs Carl zu welcher 20,000 Mann durchs Salzburgsche zur Vereinigung herbeygekommen waren. Und von der rechten Seite kamen dem Buonaparte die Ungarn, vorerst 30,000 Mann unter Esterhazy, die schon anrückten, denen 30,000 andre folgten, zugestürmt. Fiume, und nach einigen Nachrichten auch schon Triest waren von einem Corps Landesbewohner wieder erobert. Von allen Seiten kamen Landeßtürme gegen die Franzosen heran. -- Und sie erhielten den Frieden. –

Man wird bey der Betrachtung der Gegenstände von so allgemeinem Intereße es uns leicht dießmal verzeihen, oder vielmehr nicht einmal verlangen, daß wir von andern Ländern noch hier Nachrichten beyfügen, die auch gegenwärtig von keinem allgemeinem Intereße wären. Doch müßen wir bemerken, daß der Preußische Hof an der Friedens-Vermittlung Antheil genommen, und auch für England sich dergestalt intereßirt hat, daß ein allgemeiner Friede zu hoffen ist.

Letzte Scenen des Oesterreichisch-Französischen Krieges.[]

[6]
Am Nieder- und Ober-Rheine, in Tyrol, in Italien, in Inner-Oesterreich.

. . . . .

Unterdeßen hatte der linke Flügel der Armee des Generals Buonaparte, eben das Corps, welches die Communication zwischen der Armee im Oesterreichischen, und den beyden Armeen, die vom Ober- und Nieder-Rheine auch nach den Oesterreichischen Staaten vorzubringen trachteten, erhalten sollte, eine völlige Niederlage in Tyrol erlitten. Die Generale Laudon, und Kerpen hatten, mit den zu tausenden herbeygeeilten bewafneten Einwohnern von Tyrol, die Franzosen, nicht allein, wie schon im vorigen Monate erzehlt worden, aus Tyrol, bis über Roveredo und Ala hinweg, mit großem Verluste vertrieben, sondern das Corps des Generals Laudon war sogar bis nach Verona vorgedrungen, wo sich schon eine ganze Armee bewafneter Venetianischer Landbewohner befand, die die Französische Garnison in die drey Kastelle getrieben hatte, und daselbst belagerte. Schon stand die Avantgarde der Oesterreichischen Armee in Verona, und fochte, an der Seite der bewafneten Venetianer gegen die Franzosen, als, am 18ten April, die Friedens-Bothschaft plötzlich ankam -- eben so wie bey Frankfurt -- bey Bergen -- bey Stollhofen -- und schnell ein Waffenstillstand getroffen wurde.

So übel als in Tyrol gieng es den Franzosen auch in Triest, und den dasigen Gegenden. Der Kaiserliche Oberste Casimir, des Carlstädter Szlunier Regiments, brachte in Eil so viel bewafneter Einwohner von Croatien zusammen, daß er das Detaschement Franzosen, welches nach Fiume gezogen war, und diese Stadt besetzt hatte, überfallen, und Fiume wieder befreyen konnte. Damit noch nicht zufrieden, verfolgte er seinen Vortheil, und grif die Division der Franzosen, welche bey Triest, und in der Stadt sich postirt hatte, am 14ten April mit Tages Anbruch von zweyen Seiten, bey Dorneck auf der Laibacher Straße, und zugleich in Triest an. Eine große Anzahl Bauern rotteten sich zusammen, und erschlugen viele feindliche Dragoner in ihren Dörfern, vertrieben die andern, vereinigten sich mit den Truppen des Obersten Casimir, und drangen, unter beständigem Gefechte in Triest ein, wo die Garnison sich zu Gefangnen ergeben mußte. Der Verlust der Franzosen an diesem einzigen Tage belief sich über 1000 Mann. Beynahe der ganze Theil der Contribution, der in Waaren geliefert worden war, und viele andre, zum Einschiffen, nach Triest gebrachte Waaren fielen den Siegern in die Hände. Mehrere tausende bewafnete liefen von allen Seiten herbey. Ueberall wurde die Sturmglocke geläutet, man war eben im Begriffe die Franzosen allenthalben aufzusuchen, und anzugreifen als -- eben so wie bey Frankfurt -- bey Bergen -- Bey Stollhofen -- auch in Triest plötzlich der Friedens-Ruf erscholl. Der Magistrat, und selbst der Bischof eilten den bewafneten Haufen nach, und bewogen sie, mit Mühe, zur friedlichen Rückkehr.

Zufolge einer besondern Uebereinkunft zwischen den Generalen Meerfeld und Buonaparte, zu Leoben, zogen zwar wieder 300 Mann Französische Truppen in Triest ein, aber friedlich, und von Kroaten und Kaiserlichen Husaren bedeckt, und nur auf kurze Zeit, da die gesammte Französische Armee bald drauf den allgemeinen Rückzug antrat.

Während dieser Vorfälle, am Nieder- und Ober-Rheine, in Tyrol, in Italien, bey Verona, in Triest, hatte sich die Kaiserliche Armee, welche noch zu schwach gewesen war, eine Hauptschlacht zu wagen, weiter über die Muhr zurückgezogen. Eine Division setzte sich bey Steyer, auf dem Wege nach Linz, wo sie die durch das Salzburgsche heranziehenden Truppen erwartete, eine andre Abtheilung zog nach Wienerisch-Neustadt, wo bis nach Wien hin, sich eine unermeßliche Menge Volks versammelte.

Es ist schon an andern Orten im Journale bemerkt worden, mit welchem ewig denkwürdigen Eifer der Treue, mit welchem enthusiastischen Patriotismus die glücklichen Einwohner der Oesterreichischen Staaten, aus allen Ständen, wetteiferten, für Fürst und Vaterland, und Eigenthum ihr Leben zu wagen, und welche ungeheure Maße von entschloßnen muthigen Kriegern bey Wien, und rings um die Französische Armee herum sich in Bereitschaft setzte, die Feinde der Ruhe zu bekämpfen, und aus dem Lande zu vertilgen. Die geringste Angabe dieser versammelten Heere war von 200,000 Mann. Das allgemeine Ungarische Aufgebot war am 12ten April decretirt worden, und 50,000 Mann waren schon im Anzuge.

Unter solchen Umständen wurde der Präliminair-Friede geschloßen, von deßen Unterhandlungen das folgende Kapitel die nähern Details enthält. Hier bemerken wir nur noch das Ende der Kriegs-Scenen. –

Die im Lager bey Wien versammelt gewesene Truppen fiengen am ersten Mai an, wieder auseinander zu gehen, und den Marsch nach ihren Provinzen anzutreten. Die bewafnete Mannschaft von Wien, von allen Ständen, zog am 3ten Mai in Wien ein. Es erschien eine Danksagung des Kaisers an seine lieben getreuen Unterthanen, deren rührende Abfaßung den außerordentlichen Auftritten, die man so eben gesehen hatte, angemeßen war. Die regulirten Truppen blieben indeßen noch immer im rüstigen Stande, um auf alle mögliche Fälle bereit zu seyn. Aber Buonaparte ließ seine Heere aus den Oesterreichischen Staaten den Rückzug antreten, und ihnen folgten, in die von ihnen verlaßnen Gegenden, die Kaiserlichen Truppen, und besetzten wieder die Oesterreichischen Provinzen. Der Kaiser hatte die Verpflegung der Französischen Armee, auf ihrem Rückmarsche aus dem Oesterreichischen, jedoch gegen Bezahlung, übernommen. Man erfuhr, bey dieser Gelegenheit, daß die Armee des Generals Buonaparte noch 87,000 Mann stark war. Wenigstens gab er die Zahl, mit Inbegrif des Troßes, und des gesammten Zuges, so stark an. Er selbst aber begab sich von der Armee weg, und eilte nach Mailand, wo die Beunruhigung über das noch nicht bekannte Schicksal der Lombardischen Republik, deren Existenz zwar stipulirt war, von deren Umfange und Bestimmungen man aber noch keine sichre Kenntniß hatte, seine Gegenwart erfoderte. Indeßen ließ er seine Armee den Krieg mit der neutralen Republik Venedig anfangen, wovon ein eignes Kapitel handelt.


Neuer Krieg in Italien.[]

[7]
Frankreich gegen Venedig. Andre Denkwürdigkeiten von Italien.

Es ist eine durch die Geschichte bestätigte Wahrheit, daß die den Kriegsschauplätzen nah gelegnen neutralen Staaten, durch die Beobachtung eines paßiven Systems, fast nie den dadurch beabsichtigten Vortheil erreichten; aber in keinem Kriege entsprach diese Neutralität ihrem Zwecke weniger, und war mit so ungünstigen Ereignissen für das Wohl der Länder verknüpft, als in dem gegenwärtigen. Die neutralen Staaten litten größere Verluste als diejenigen, die in diesem Kriege eine thätige Rolle spielten; der Pabst, Toscana, Modena, Parma und Genua geben die Beweise hiervon. Und jetzt besiegelte die Republik Venedig diese Wahrheit durch ihr Beyspiel, und der geendigte Krieg, indem sie unpartheyisch geblieben war, erzeugte einen neuen, in dem sie Hauptparthey wurde.

Nie befand sich die Republik Venedig in einer so geährlichen Lage. Sie hatte mit innern und äußern Feinden zu kämpfen, und ihre bisher ruhige Existenz wurde durch heftige Stürme in ihren Grundpfeilern erschüttert. Die Pflicht zur Erhaltung der innern Ruhe zwang die Regierung mit bewafneter Macht sich die empörten Provinzen Brescia und Bergamo wieder zu unterwerfen, aber die Anführer wurden jetzt öffentlich von den Franzosen und Lombardischen Republicanern unterstützt. Es wurden Rüstungen veranstaltet, viele Truppen zur Bezwingung der Empörer auf den Kriegsfuß gesetzt, und ein zahlreiches Corps unter dem General, Grafen Fioravante, gegen Brescia und Bergamo geschickt, welches sich bey Salo am Garda-See lagerte. Aber ehe sich daßelbe, dem Operations-Plan zufolge, mit den zu seiner Unterstützung bereiten Bergbewohnern vereinigen konnte, wurde es von den übermächtigen Einwohnern der Provinzen Bergamo und Brescia, in Vereinigung mit den Französischen und Lombardischen Truppen, angefallen, und von der andern Seite durch eine Französische Flotte auf dem Garda-See Salo angegriffen. Nach verschiednen mehrere Tage lang dauernden blutigen Gefechten wurden die Venetianischen Truppen am 14ten April vertrieben und zerstreut, und der General Fioravante rettete sich mit einem Cavallerie-Detaschement kaum durch die Gebirge nach Venedig. Hierauf nahmen die Revolutions-Freunde die der Regierung ergebne Stadt Salo ein, die geplündert, verheert, und bis auf wenige Häuser ein Raub der Flammen wurde, nachdem sie schon zuvor von den Einwohnern verlaßen worden war. Dieß war die erste Scene dieses Kriegs, und zugleich die erste Feindseligkeit zwischen den Franzosen und Venetianern.

Indeßen dehnte sich der Schauplatz des Kriegs auch auf die übrigen Theile des Venetianischen Gebiets aus. Die über die durch die Franzosen erlittnen Bedrückungen aufgebrachten Einwohner waren entschloßen denselben ein Ende zu machen, und sahen den gegenwärtigen Zeitpunct als den günstigsten zur Abwerfung des Französischen Jochs an. Es entstand eine völlige Insurrection gegen die Franzosen. In den Provinzen von Verona und Vicenza ergrif alles die Waffen, ohne Ausnahme des Geschlechts, Alters oder Standes, und die, durch Venetianische Truppen vermehrte, bewafnete National-Maße schwoll bald zu einer ungeheuern Größe an. Es wurden blutige Gefechte zu Rezzata und an andern Orten geliefert, die Venetianer eroberten Chiusa, und tödteten die Französische Garnison, wobey ihnen ein Französisches Magazin in die Hände fiel. Die Franzosen verließen ihre bisherige Stellung bey Rivoli, und zogen sich nach Peschiera zurück, und rächten sich durch die grausamsten Verwüstungen. Die bewafneten Venetianer, deren Stärke über 40,000 Mann betrug, zogen hierauf gegen die Festung Verona, überfielen die daselbst unter dem General Balland befindlichen Franzosen, von denen ohngefähr 3000 Mann in die Citadelle und in die Schlößer von Verona entkamen und daselbst belagert wurden. Die eingeschloßnen Franzosen beschoßen die Stadt ohne große Wirkung, die ihnen mit einem lebhaften Feuer antwortete.

Der Französische General Kilmaine hatte, sogleich auf die Nachricht von dem Aufstande der Venetianer, aus allen Gegenden Italiens und selbst aus Romagna Französische Truppen versammelt, und bemächtigte sich an der Spitze eines Corps von 15,000 Mann des rechten Etschufers. Zugleich drangen die vereinigten Truppen der Einwohner von Brescia und Bergamo, der Lombardischen Republicaner und der Franzosen von Salo her, in zwey Corps vor, von denen das eine zur Verfolgung der Fliehenden bestimmt war. Das andre, das 10,000 Mann stark war, brach unter der Anführung der General Victor und la Hoz gegen Verona auf, entsetzte nach mehrern hartnäckigen Gefechten die daselbst in den Schlößern belagerten Franzosen, und schloß darauf die Stadt selbst ein. Am 24sten April ergab sich Verona durch Capitulation, zufolge welcher die in der Stadt befindlichen Truppen, unter denen gegen 4000 Mann regulirtes Militair waren, Kriegsgefangne der Franzosen wurden.

Aber auch die Revolutions-Freunde in Bergamo und Brescia waren durch Gleichheit der Gesinnungen nicht für Erpreßungen der Franzosen gesichert. Die Bewohner beyder Provinzen mußten nicht nur eine starke Summe Geldes, zur täglichen Unterhalcung der in ihrem Gebiete liegenden Französischen Truppen, erlegen, sondern auch sogar alles Silberzeug, was sie besaßen, hergeben. Und nichtsdestoweniger nannte die Provisorische Regierung die Franzosen großmüthige Beschützer des Brescianischen Volkes.

So war der Krieg zwischen Frankreich und Venedig wirklich eröfnet. Ohngeachtet dieser Feindseligkeiten waren jedoch die Unterhandlungen des Venetianischen Senats mit dem General Buonaparte nicht abgebrochen, wiewohl sie bisher ohne Erfolg gewesen waren. Buonaparte schrieb der Regierung zu Venedig durch den Französischen Gesandten daselbst die härtesten Bedingungen vor, unter denen allein die Erhaltung des Friedens möglich sey, nemlich die Bezahlung einiger Millionen für die veranlaßten Kriegskosten, und die Abtretung der Provinzen Bergamo, Brescia, und Crema, und aller Länder am rechten Ufer der Etsch. Zur Ursache gab er die wiederholten Verletzungen der Neutralität an. Von welcher Beschaffenheit diese Beschuldigungen waren, erhellte daraus, daß die Wegnahme eines Französischen Kriegsschifs, welches mit Gewalt in Venedig einlaufen wollte, und das Schloß des Hafens mit Kanonen angrif, für einen Neutralitätsbruch ausgegeben wurde. Als die Venetianer sich des Schiffes bemächtigten, fanden sie es mit Truppen und Munition beladen, und der Capitain deßelben war nicht durch die Kugeln der Venetianer, sondern durch seine eigne Schifsmannschaft getödtet worden, da er eben im Begrif war die Pulverkammer anzuzünden, um sein Schiff in die Luft zu sprengen und den Hafen von Venedig dadurch in Brand zu stecken.

In einem andern Schreiben an den Doge von Venedig, machte der General Buonaparte viele Forderungen und verlangte in einem drohenden und beleidigenden Tone die Entwafnung der Einwohner, und die schleunige Unterdrückung der Insurrection gegen die Franzosen; die Venetianische Regierung schickte zwar ein Deputation mit einem Beantwortungsschreiben an den General Buonaparte, und suchte ihr bisheriges Betragen zu rechtfertigen, und ihn zu billigern Bedingungen zu bewegen, und zugleich derselbe seine friedfertigen Gesinnungen und seine Freundschaft gegen die Französische Republik betheuerte; allein alles dieß war fruchtlos, die Deputirten wurden mit vieler Härte von dem Französischen Ober-General empfangen, und kehrten unverrichteter Sache zurück. Hierauf gieng Buonaparte nach Mailand, und ließ noch mehrere Truppen gegen die Venetianer marschiren, die, bey der Unmöglichkeit den Franzosen das weitere Vordringen zu verwehren, die Waffen niederlegten, sich zerstreuten, und den Franzosen ihr Schicksal überließen.

In den republicanisirten Italienischen Staaten machten Spaltungen und lautes Mißvergnügen die innere Verhältniße ungewiß, und schwankend. Zwar hatten die Nachrichten von der Abschließung des Friedens und der Anerkennung der Lombardischen Republik, in Mailand bey den am Ruder der Regierung befindlichen Aristokraten Freude erregt, denen dadurch ihre Herrschaft gesichert wurde, und die deshalb große Feyerlichkeiten anstellten, aber viele andre erfüllte diese Nachricht mit Unwillen und Unzufriedenheit. Die neue Constitution der Cispadanischen Republik war mit einer großen Stimmenmehrheit am 27sten März angenommen worden; aber die Provinz Romagna weigerte sich derselben beyzutreten, und erregte einen gefährlichen Aufstand, der nur durch militairische Strenge gestillt werden konnte. Ein starkes Corps, das aus Französischen Truppen und Polnischen und Cispadanischen Legionen bestand, brach unter dem General Sahuguet sogleich gegen die Insurgirten auf, die sich schon bis an das Meer ausgedehnt hatten. Es wurden mehrere mördrische Treffen geliefert, in denen die nicht gehörig bewafneten und organisirten Einwohner von Romagna nach einem tapfern Widerstande endlich durch die Französische Uebermacht geschlagen und zerstreut wurden. Die Franzosen verbreiteten sich darauf auf dem flachen Lande, und bewirkten durch scharfe Maaßregeln und grausame Verherungen eine vorläufige Wiederherstellung der Ruhe, aber nach eine noch heftigere Erbittrung der Einwohner, die sich nur jetzt unter dem eisernen Joche der Gewalt beugten.

Auch Corsica gehorchte der Französischen Oberherrschaft nicht. Die beständig unruhigen Bewohner dieser Insel waren mit der Französischen Regierung noch unzufriedner als mit der Englischen, und hatten nur den Zeitpunct der Wahlen erwartet, um ihr Mißvergnügen zu äußern. Diese Epoche war kaum eingetreten, als auch sogleich dieß Land innern Unruhen zum Raube wurde, die, durch den Partheygeist angefacht, von Ermordungen und Blutscenen begleitet waren, so daß die Wahlen der Deputirten nicht zu Stande gebracht werden konnten. Alle Bemühungen die Ruhe wiederherzustellen waren bisher vergeblich gewesen, und selbst die Gewalt der Waffen hatte die Flamme dieses bürgerlichen Kriegs nicht ersticken können.

Der Kirchenstaat enthielt im verfloßnen Monat keine große Denkwürdigkeiten. Die Päbstliche Kammer trug mit erzwungnem Gehorsam die festgesetzte Contribution ab, und hatte bereits 10 Millionen in baarem Gelde und 5 in Diamanten entrichtet; auch wurden die bestimmten Gemälde und Kunststücke über Bologna nach Frankreich geschickt. Die Franzosen räumten dagegen Foligno, Perugia und andre Districte, die darauf von den Päbstlichen Truppen wieder besetzt wurden. Kaum hatten sich die Franzosen entfernt, so zeigten die Einwohner ihre Anhänglichkeit an den Päbstlichen Stuhl, und ihre Abneigung gegen die von den Franzosen eingeführte Freyheit. In den Städten Siniagaglia und Pesaro wurden sogleich nach dem Abzuge der Franzosen die Freyheitsbäume umgerißen, und mehrere Französisch gesinnte vom Volke beschimpft und gemißhandelt.

Der Großherzog von Toscana hatte endlich die nahe Hofnung, die Franzosen aus seinen Staaten entfernt und sich von diesen lästigen Gästen befreyt zu sehn, da die Engländer die Insel Elba und Porto-Ferrajo verlaßen hatten. Die nun durch den angeführten Neutralitäts-Tractat (S. vorletztes und letztes Monats-Stück S. 303 f. und S. 416) zum Abzug aus Livorno verpflichteten Franzosen machten bereits Anstalt diese Seestadt zu räumen.

In eben dem Zeitraume, da der Friede die Französischen Waffen aus Italien zurückrief, verband sich die Französische Republik durch einen Offensiv- und Defensiv-Allianz-Tractat mit dem Könige von Sardinien. Der Turiner Hof machte sich dadurch anheischig ein Corps von 20,000 Mann zu stellen, deßen Unterhaltung er selbst über sich nahm, und Frankreich garantirte dagegen seine jetzigen Besitzungen und versprach ihm eine Vergrößerung seiner Staaten, entweder durch Zurückgabe eines Theils der von demselben abgetretenen Länder, oder durch die Unterstützung und Hülfsleistung zur Eroberung derjenigen Städte und Provinzen, auf die das Haus Savoyen alte gegründete Rechte besaß. Diese aus der Geschichte bekannten Ansprüche, die daßelbe auf Genua, Piacenza, Savona, und auf andre Länder machte, sollten jetzt gültig gemacht werden, und die neutralen Staaten in Italien mußten den Kriegführenden Mächten die Kriegskosten bezahlen. Der Friede zwischen Oesterreich und Frankreich bewirkte eine gänzliche Veränderung und Umwandlung der bisherigen politischen und geographischen Lage Italiens, deren allmählige Entstehung das Werk einer langen Reihe von Jahren gewesen war. -- Die ferner erwarteten Nachrichten aus Italien werden nach, weiter unten, nachgetragen werden.


Von den Kriegsheeren. Stellungen. Vorfälle. Merkwürdigkeiten der Waffenruhe. Friedens-Vorbereitungen.[]

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Indeß man im Publicum noch immer den Inhalt der Friedens-Präliminarien nicht kannte, und mit Begierde ihrer Bekanntmachung entgegen sah, indeß man die glückliche Abschließung des förmlichen Friedens durch Schwierigkeiten entfernt glaubte, wurde diese Ungewißheit noch durch die räthselhaften schwankenden Bewegungen der beyderseitigen Armeen vergrößert. Auch die jetzt unthätigen Heere zogen noch die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich, und selbst die Waffenruhe hatte neue Denkwürdigkeiten. Die fortdauernd großen Rüstungen des Kaiserlichen Hofes erregten allenthalben, und selbst im Oesterreichischen, neue Besorgniße; man hielt die Aussöhnung mit Frankreich, in Hinsicht vieler streitigen Puncte, noch nicht gesichert, und die bisherige Freundschaft des Kaiserlichen Hofes gegen das alliirte England schien sich in Mißtrauen zu verwandeln. In allen Oesterreichischen Ländern wurden die Kriegs-Anstalten und Rüstungen mit neuem Eifer betrieben, die Recrutirungen fortgesetzt, und fernere kriegrische Maasregeln angeordnet.

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Die bisher durch die Kriegsübel gedrängten Oesterreichischen Provinzen wurden unter diesen Umständen gänzlich von den Französischen Truppen verlaßen, welche an einem Tage, am 24sten Mai, zugleich Klagenfurt, Görz und Triest räumten, und in das Venetianische Gebiet zogen. Mit schnellen Schritten zog die Kaiserliche Armee, unter dem General Terzy, den Franzosen nach, besetzt sogleich die verlaßnen Gegenden, und rückte ihnen in das Venetianische nach, wo sie sich zwischen den Flüßen Tagliamento und Piave lagern, und von dort die fernern Operationsplane ausführen sollte. Sie war in drey Colonnen getheilt, von denen die eine durch Tyrol gieng, und die beyden andern, unter dem Oberbefehlshaber, General Terzy, und dem General Hohenzollern, der Französischen Armee des Generals Buonaparte, die jetzt ganz auf Venetianischem Gebiete stand, nachrückten. Mit Neugierde sah man nun der nahen Epoche entgegen, welche entscheiden sollte, welche Provinzen des revolutionirten Venetianischen Staats unter die Oberherrschaft des Kaisers kommen sollten. Die andern kriegrischen Denkwürdigkeiten im Venetianischen sind bereits oben in einem eignen Kapitel erzehlt worden.


Quellen.[]

  1. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1797.
  2. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1797.
  3. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1797.
  4. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1797.
  5. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1797.
  6. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1797.
  7. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1797.
  8. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1797.