Von Bastille bis Waterloo. Wiki

Oesterreichisch-Französischer Krieg im Venetianischen; Tyrol, und am Rheine.[]

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Bey den Armeen am Rheine sind keine wichtige Begebenheiten vorgefallen. Die Nachrichten von den Vorkehrungen der beyderseitigen Armeen haben sich von Zeit zu Zeit widersprochen. Bald sollten die Franzosen offensive agiren wollen, und Anstalten machen, über den Rhein zu gehn, bald sich wieder bis an die Maas zurückziehen wollen. Die wirklichen Vornehmungen von Kaiserlicher Seite bestanden in den Demolirungen der Festung Kehl, und der Brückenschanze bey Hüningen. Sie erforderten viel Zeit, viele Mühe, und zur Sprengung der Werke viel Pulver, und waren in der Mitte des März noch nicht ganz vollendet.

Das Hauptquartier der Oesterreicher am Nieder-Rheine war zu Diez. Es giengen große Transporte von Artillerie und Munition nach der Lahn zu, wo auch ansehnliche Magazine angelegt wurden. Nach waren aber bis zum 15ten März keine Truppen aufgebrochen. Am Ober-Rheine herrschte die vollkommenste Ruhe.

Das Französische Hauptquartier am Nieder-Rheine war zu Cöln. Die Truppen machten viele Bewegungen, welche man für Zeichen einer baldigen Eröfnung des Feldzugs hielt. General Moreau hatte den Ober-Befehl der Rhein-Armeen; General Hoche, der unter ihm einen Theil der Armee commandirte, reisete bey den Cantonnements herum, und erwartete, wie er selbst gesagt haben soll, noch Verstärkungen aus dem Innern von Frankreich.


Allgemeiner Bericht von den Kriegs- und politischen Merkwürdigkeiten. Friedens-Präliminarien.[]

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Indem die Französisch-Italienische Armee unter dem Oberbefehle des Generals Buonaparte, bis ins Innre von Oesterreich vordrang, machten die Generale der Französischen Rhein-Armeen die lebhaftesten Anstalten, von ihrer Seite her durch Teutschland gegen Oesterreich vorzudringen. Sie bekamen aus dem Innern von Frankreich, bis aus der Vendee her, zahlreiche Verstärkungen, und selbst die für Holland bestimmten, im Holländischen Solde stehenden 25,000 Mann mußten sich mit der Rhein-Armee vereinigen. So wurde die Armee am Nieder-Rheine, unter der Anführung des bekannten Generals Hoche, über 60,000 Mann stark, und die am Ober-Rheine noch stärker. Wiederholte Befehle der Directoren zu Paris beschleunigten die Operationen. Die bisherige Waffen-Ruhe am Rheine wurde am 13 April aufgekündigt, und am 17ten floß schon viel Blut. Die Franzosen giengen in der Nacht auf den 17ten bey Cöln, bey Bonn, bey Neuwied, in zahlreichen Colonnen über den Rhein, und das Corps, welches 35,000 Mann stark, bey Neuwied übergegangen war, grif das in jener Gegend stehende schwache Corps des Generals Kray an, und zwang es, mit Verluste sich zu retiriren. Indem General Kray durch einen Umweg sich zurück zog, um sich mit dem Generale Wernek zu vereinigen, welcher seine Position hinter der Sieg bey Hachenburg genommen hatte, eilte ein starkes Französisches Corps nach Limburg, an der Lahn, bemächtigte sich dieses Orts, und nöthigte den General Wernek, der im Rücken bedroht war, sich nach Wetzlar zurück zu ziehn, in welcher Gegend er sich mit dem zum zweytenmale auf dem Marsche angegrifnen und geschlagnen General Kray vereinigt, aber eine so große Uebermacht der Franzosen gegen sich hatte, daß er, ob zwar immer fechtend, und ohne Verlust, doch zurück weichen mußte. Ein Corps Franzosen rückte mit schneller Eile bis Königstein vor, und bis in die nahe Gegend von Frankfurt, wo es mit einem dorthin ziehenden Kaiserlichen Corps zu einem heftigen Gefechte kam, in welchem die Kaiserlichen bis nach Frankfurt gedrängt wurden. Schon wurden die Thore von Frankfurt gesperrt, schon machten die Franzosen Anstalt, sich Frankfurts, abermals, mit Gewalt zu bemächtigen -- da kam ein Deus ex machina -- -- ein Französischer Courier, sprengte in die Stadt mit der Friedens-Trompete, überbrachte ein Schreiben an dem General Hoche, und die Nachricht,

daß am 17ten April die Friedens-Präliminarien zwischen Oesterreich und Frankreich, von dem Kaiserlichen Generale Meerfeld, dem Französischen Generale Buonaparte, und dem Neapolitanischen Minister, Marquis Gallo, zu Stande gekommen.

Die Feindseligkeiten hörten sogleich auf, und es wurden an alle Generale der kriegführenden Partheyen, und an unzählig viele Orte Couriere abgesandt. Da die Friedens-Bedingungen noch nicht mit authentischer Gewißheit bekannt sind, so müßen wir den täglichen Blättern die Frühzeitigkeit überlaßen, und werden dagegen im künftigen Monatsstücke durch pragmatische Darstellungen, und historisch-statistische Bemerkungen der Friedens-Geschichte ein neues Intereße geben. Vorläufig wollen wir nur bemerken, daß der Friede in jedem Falle eine Glücksbegünstigung für Frankreich gewesen, die also vom Anfange des Kriegs bis zu Ende die neuen Aristokraten Frankreichs begleitet hat. Buonaparte war, nach allen unpartheyischen, und zuverläßigen Berichten, von allen Seiten so eingeschloßen, und mit Uebermacht so bedroht, daß er, ohne (glücklicher Weise für ihn) Frieden zu schließen, wohl nie Italien, wenigstens mit seiner Armee, wiedergesehen haben würde. Die Armee die nach Tyrol vorgedrungen war, und mit welcher er sich, nach seinen eignen Depeschen an das Directorium, vereinigen wollte, war geschlagen, zerstreut, und auf beyden Seiten, sowohl von Brixen, als von Bozen, ganz aufs Venetianische Gebiet, eines Theils nach Cadore, andern Theils bis nach Verona zu, vertrieben, hatte über 15000 Mann, 20 Kanonen, alle Provisionen, verloren, und der Rest war von Buonaparte ganz abgeschnitten. Im Rücken drohten die Venetianer, die schon eine Armee von 50,000 Mann beysammen hatten, um von guter Gelegenheit Nutzen zu ziehen, und sich förmlich gegen die Franzosen, die ihre eigne Unterthanen empört hatten, zu erklären. Vorne von Wien her standen über 200,000 bewafnete, kühne Männer dem Buonaparte entgegen, entschloßen sein Wagstück ihn theuer bezahlen zu laßen, auf der Flanke bey Steyer stand die Armee des Erzherzogs Carl zu welcher 20,000 Mann durchs Salzburgsche zur Vereinigung herbeygekommen waren. Und von der rechten Seite kamen dem Buonaparte die Ungarn, vorerst 30,000 Mann unter Esterhazy, die schon anrückten, denen 30,000 andre folgten, zugestürmt. Fiume, und nach einigen Nachrichten auch schon Triest waren von einem Corps Landesbewohner wieder erobert. Von allen Seiten kamen Landeßtürme gegen die Franzosen heran. -- Und sie erhielten den Frieden. –

Man wird bey der Betrachtung der Gegenstände von so allgemeinem Intereße es uns leicht dießmal verzeihen, oder vielmehr nicht einmal verlangen, daß wir von andern Ländern noch hier Nachrichten beyfügen, die auch gegenwärtig von keinem allgemeinem Intereße wären. Doch müßen wir bemerken, daß der Preußische Hof an der Friedens-Vermittlung Antheil genommen, und auch für England sich dergestalt intereßirt hat, daß ein allgemeiner Friede zu hoffen ist.


Letzte Scenen des Oesterreichisch-Französischen Krieges.[]

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Am Nieder- und Ober-Rheine, in Tyrol, in Italien, in Inner-Oesterreich.

Noch nie ist ein Krieg so wunderbar geführt, noch nie einer so wunderbar, mitten in Gefechten, zwischen sechs Armeen, in drey Ländern, geendigt worden, als der bisherige Oesterreichisch-Französische. Bey Frankfurt, bey Bergen, bey Stollhofen, bey Verona, in Trient überraschten die Friedensbothen die gegenseitigen Kriegsheere, mitten im heißen Kampfe; die gezognen Schwerdter erstarrten plötzlich -- wie die gegen Huon gezognen Schwerdter, beym Schalle des allmächtigen Zauber Horns Oberons!

Wer diese Feen-Scene auf dem Theater gesehen hat, wird sich eine lebhafte Idee von dem Augenblicke machen, in welchem der Friedens-Ruff unter die Kämpfenden erscholl. Die hier nachfolgende Geschichte wird beweisen, daß die letzten Kriegs-Scenen ganz genau so waren, wie wir sie mahlen.

In Hinsicht der Scene bey Frankfurt dürfen wir nur auf das schon im vorigen Monate erzehlte (S. 446-447) verweisen. Die ferner erschienenen detaillirten officiellen Berichte geben die genauern Umstände an.

Das Oesterreichische Corps d'Armee am Nieder-Rheine war, nach dem authentischen Berichte des officiellen Tagebuchs, nicht stärker, als 25,000 Mann, unter dem Oberbefehle des Generals Wernek. Die Französische Armee des Generals Hoche bestand aus 65,000 Mann. In dieser Lage machte General Wernek den Plan, daß der General Kray mit seinem bey Neuwied stehenden Corps jene Gegend ganz verlaßen, und sich gegen die über Uckerrath bey Altenkirchen vordringende Französische Colonne wenden, dieselbe in der Flanke angreifen, und wenn diese geschlagen seyn würde, durch einen Seiten-Marsch, dem von Neuwied anziehenden Feinde sich entgegen stellen sollte, ehe noch die Französischen Colonnen sich vereinigen könnten; zur Verstärkung des Angriffs sollte sich General Kray mit dem linken Flügel des Corps des Generals Wernek bey Dierdorf vereinigen, und mit selbigem nachher zum Hauptcorps stoßen.

Eine List, des Französischen Generals Hoche, oder -- wie man es sonst nennen will -- vereitelte den ganzen Plan.

Hoche verlangte am 18ten früh noch eine Unterredung mit dem Generale Kray, wegen eines Waffenstillstands. Indem er aber zum Scheine unterhandelte, ließ er eiligst seine Armee durch den Brückenkopf bey Neuwied paßiren, und in Schlachtordnung stellen. Nun brach er die Unterredung schnell ab, und General Kray befand sich in der Unmöglichkeit, sich unbemerkt, und ohne Nachtheil zurück zu ziehn. Er befand sich in der unglücklichen Nothwendigkeit, sein kleines Corps seinem Schicksale zu überlaßen. Die Infanterie zog sich, von ihrer ausgedehnten Stellung nach den Gebirgen zu, wurde aber großen Theils ein Opfer ihrer unglücklichen Stellung, und des sie von van allen Seiten umringenden, und verfolgenden Feindes. General Hoche sagt in seinem Berichte, die Oesterreicher hätten noch eine lebhafte Kanonade gemacht, seine Angrifs-Colonnen wären aber bald Meister der Verschanzungen und des Terrains geworden. Man habe den Feind bald in Unordnung gebracht, 4000 Gefangne gemacht, und die Artillerie der Redouten erobert, ohne etwas bestimmtes anzugeben. Die Französische Artillerie habe Wunder gethan. Man habe den Feind auf allen Seiten verfolgt. Es hieng nämlich auch der General Lefebre mit einem starken Corps nach Montabaur, General Grenier marschirte mit dem Centrum nach Dierdorf, und General Championet mit einem dritten Corps nach Ukerath und Altenkirchen. Durch diese Züge war General Kray mit dem Reste seines Corps von dem Haupt-Corps des Generals Werneck abgeschnitten; der linke Oesterreichische Flügel aber bey Dierdorf angegriffen, und nach einem vierstündigen Kampfe mit Verlust von 1000 Mann (nach Hoches Bericht) in Unordnung gebracht. Der rechte Oesterreichische Flügel mußte, um nicht durch die Uebermacht umzingelt zu werden, alle Kräfte anstrengen, um sich in der Stellung von Crobach zu erhalten. Beyde Flügel vereinigten sich in der darauf folgenden Nacht, und nahmen den Rückzug über Hachenburg nach Neukirchen. Hier kam am 19ten die Nachricht an, daß der Französische General Le Febre in Limburg an der Lahn eingerückt sey, und dergestalt den Rückzug der Oesterreichischen Armee bedrohe. Diese brach nun in der Nacht vom 19ten auf dem 20sten von Neukirchen auf, und marschirte über Herborn nach Wetzlar. Die Französische Armee folgte nach, und grif am 20sten mit einer zahlreichen Artillerie die Oesterreichische Arriere-Garde an, und nöthigte sie zum Weichen bis in den Wald vor Roth. In der Hitze der Verfolgung aber fiel sie in den Hinterhalt von 2 Infanterie-Bataillons, wurde mit einem beträchtlichen Verluste in Unordnung gebracht, und von der herbeyeilenden Cavallerie gänzlich zurück geworfen. So kam die Oesterreichische Armee in und bey Wetzlar an. Ein Corps welches nach Braunfels gezogen war, fand daselbst den Französischen General Grenier mit einem beträchtlichen Corps, grif daßelbe mit dem Bayonnette muthvoll an, und bemächtigte sich des Postens bey Braunfels.

Unterdeßen hatte am 20sten der General Lefebre seinen Marsch schleunigst über Königstein gegen Frankfurt am Mayn fortgesetzt, ein anderes Französisches Corps stand zu Usingen, und General Hoche selbst marschirte mit der Haupt-Armee auf Gießen zu.

General Wernek setzte nun seine Armee am 21sten des Morgens von Wetzlar, Braunfels und Gießen in Marsch nach Münzenberg und Butzbach. Auf dem Marsche wurde die Brigade des Generals Eisnitz von dem größten Theile der Französischen Cavallerie angegriffen, aber der General Wernek selbst kam mit seiner Cavallerie zu Hülfe, und schlug die weit stärkern Franzosen, welche zwey Kanonen, und viele Gefangne, worunter der General Ney sich befand, verloren. Die Oesterreichische Armee setzte am folgenden Tage, am 22sten April, ihren Marsch nach Ilbenstadt an der Nidda fort; der General von Wernek aber eilte noch mit der Cavallerie bis nach Bergen, wo ein Französisches Corps bereits die Anhöhen besetzt hatte. Er grif die Franzosen muthig an, bemächtigte sich der Anhöhen bey Bergen, und solcher Vortheile, daß er im Begriffe war, die Franzosen daselbst gänzlich zu schlagen, als eben, mitten im Kampfe, unter die gezognen Schwerdter, der Ruf erscholl, daß ein Courier Waffenstillstand, und Friede ankündigte.

Eben so waren die Vortruppen des Generals Lefebre bis an das Bokkenheimer Thor von Frankfurt gedrungen, und schlugen sich da mit den Kaiserlichen, als die Nachricht des Friedens plötzlich erscholl, und dem Kampfe Stillstand gebot. -- Die beyderseitigen Generale verabredeten in den folgenden Tagen die Grenzen der Waffenruhe dergestalt, daß die Nidda die Scheidung zwischen den beyderseitigen Armeen machte. Das Oesterreichische Hauptquartier kam nach Offenbach, und nachher nach Frankfurt am Mayn.

Die letztern Erfolge der Franzosen am Nieder-Rheine waren ihnen theuer zu stehen gekommen. Sie hatten in den verschiednen Gefechten über 3000 Mann verloren. Von den Verwundeten wurde eine beträchtliche Anzahl bis nach Cöln gebracht. Ihre Cavallerie bestand aus 36 Regimentern, wovon drey, das Regiment rother Husaren, und zwey Regimenter Jäger, fast gänzlich ruinirt waren.

Bey der Französischen Armee am Ober-Rheine, welche 70,000 Mann stark war, kam der General Moreau erst am 16ten April von Paris an. Sogleich wurden Anstalten zum Uebergange über den Rhein gemacht. Er erfolgte in der Frühe am 20sten April an mehrern Orten, mit der Hauptmacht aber unterhalb Strasburg, bey Diersheim, ohnweit Bischofsheim. Ohnerachtet schon des Morgens um 7 Uhr eine Colonne in vollem Marsche auf Kehl zu war, deßen Befestigungen bekanntlich demolirt sind; so kam es doch an mehrern Orten zu blutigen Treffen, am 20sten, 21sten und 22sten April, in den Gegenden von Bischofsheim, von Renchen, und von Offenburg. Am ersten Tage hatten die Franzosen noch wenig Cavallerie, und ihre Infanterie wurde zu vielen malen nach Diersheim zurück geworfen. In der Nacht vom 20sten zum 21sten kam viel Cavallerie und Artillerie über den Rhein her: der Oesterreichische General Sztaray hatte unterdeßen auch seine Truppen zusammen gezogen, und grif mit erwann 20000 Mann eine überlegne Französische Macht von 35 bis 40,000 Mann an. Er wurde bald im Anfange des Treffens verwundet, General Oreilly setzte die Schlacht mit großer Tapferkeit fort, wurde aber verwundet, und so gefangen, auch der dritte General Immens wurde verwundet. Auf Französischer Seite wurden gleichfalls drey Generale verwundet, Desaix, Duhem. und Jordis. Die Oesterreichische Artillerie machte 21 Kanonen der Franzosen unbrauchbar. Aber alle standhafte Tapferkeit konnte bey der endlichen Ermüdung der geringern Anzahl von Truppen gegen eine weit zahlreichere, immer mit neuen Truppen verstärkte, Uebermacht, es nicht dahin bringen, die Franzosen aus dem eingenommenen Terrain zu vertreiben, und mußte zurückweichen. In einem öffentlichen Berichte wird dieses Treffen, in Rücksicht seiner Hartnäckigkeit, und des vielen vergoßnen Blutes, mit der Schlacht bey Lodi vergleichen. Man rechnete die Zahl der Getödteten und Verwundeten auf beyden Seiten, auf 10,000 Mann, andere gaben eine noch höhere Anzahl an. Die Franzosen schätzten ihren Verlust selbst auf 4000 Mann.

Der nicht gelungne Ausgang dieses Treffens schlug den Muth der Kaiserlichen Generale so wenig nieder, daß der en Chef commandirende Graf Latour sich entschloß, am folgenden Tage, am 22sten April, mit seiner ganzen Armee den Franzosen ein neues Treffen zu liefern. Schon war ein Theil der beyderseitigen Armeen in der Gegend von Stollhofen im starken Gefechte, als -- so wie bey Bergen, und bey Frankfurt -- plötzlich, der Ruf des Friedens unter die streitenden Vormittags um elf Uhr erscholl; und der ankommende Courier den Waffenstillstand brachte. Man will die Anekdote wißen, daß General Moreau anfänglich nicht sehr geneigt gewesen sey, die Waffen-Ruhe zu veranstalten, weil er so wenig, wie Hoche, von den Befehlen des Generals Buonaparte abhieng; aber der Umstand, daß die Friedens-Präliminarien unterzeichnet waren, machte ihm dem Waffenstillstand nothwendig. Er blieb indeßen mit seinen Truppen bey Offenburg, und in den Positionen, die sie hatten, als die Friedens-Bothschaft ankam, doch ließ er in der Folgezeit den größten Theil seiner Armee wieder über den Rhein zurückgehn, da es an Subsistenz fehlte. Nach der Ankunft des Erzherzogs Carl in dem Kaiserlichen Hauptquartiere, welches zu Durlach sich befand, wurden über die Stellungen der beyderseitigen Truppen, während der unbestimmten Dauer des Waffenstillstands, Conferenzen gehalten. Das Kaiserliche Hauptquartier wurde nach Stuttgard verlegt, und die Truppen bezogen in dem Wirtembergschen ihre Lager, und Cantonnirungen.

Unterdeßen hatte der linke Flügel der Armee des Generals Buonaparte, eben das Corps, welches die Communication zwischen der Armee im Oesterreichischen, und den beyden Armeen, die vom Ober- und Nieder-Rheine auch nach den Oesterreichischen Staaten vorzubringen trachteten, erhalten sollte, eine völlige Niederlage in Tyrol erlitten. . . .


Von den Kriegsheeren. Stellungen. Vorfälle. Merkwürdigkeiten der Waffenruhe. Friedens-Vorbereitungen.[]

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Indeß man im Publicum noch immer den Inhalt der Friedens-Präliminarien nicht kannte, und mit Begierde ihrer Bekanntmachung entgegen sah, indeß man die glückliche Abschließung des förmlichen Friedens durch Schwierigkeiten entfernt glaubte, wurde diese Ungewißheit noch durch die räthselhaften schwankenden Bewegungen der beyderseitigen Armeen vergrößert. Auch die jetzt unthätigen Heere zogen noch die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich, und selbst die Waffenruhe hatte neue Denkwürdigkeiten. Die fortdauernd großen Rüstungen des Kaiserlichen Hofes erregten allenthalben, und selbst im Oesterreichischen, neue Besorgniße; man hielt die Aussöhnung mit Frankreich, in Hinsicht vieler streitigen Puncte, noch nicht gesichert, und die bisherige Freundschaft des Kaiserlichen Hofes gegen das alliirte England schien sich in Mißtrauen zu verwandeln. In allen Oesterreichischen Ländern wurden die Kriegs-Anstalten und Rüstungen mit neuem Eifer betrieben, die Recrutirungen fortgesetzt, und fernere kriegrische Maasregeln angeordnet.

Bey der Rhein-Armee sahe man auch neue kriegrische Veranstaltungen. Der General-Zahlmeister bey derselben, Baron Lilie, wurde angewiesen für die Verproviantirung dieser Armee auf mehrere Monate zu sorgen, die noch im kurzem ansehnlich verstärkt werden würde. Es wurden drey verschiedene Hauptlager bey Wirzburg, bey Ulm, und bey Heilbronn abgesteckt. Ein Theil der Oesterreichischen Mannschaft im Fränkischen Kreise mußte aufbrechen und zur Rhein-Armee marschiren, und die Mainzer Magazine wurden mit mehrerer Zufuhr, an Heu, Hafer, Mehl, und Lebensbedürfnißen versehen, als mitten im Laufe des Kriegs; auch stand nach mehrern Nachrichten eine gänzliche Completirung aller Kaiserlichen Regimenter und Corps und der Reichs-Contingente bevor. Die Oberpfalz und Bayern waren, ohnerachtet der Waffenruhe, immer noch der Schauplatz kriegerischer Vorbereitungen und Maaßregeln. Die immer stärker befestigte Festung Ingolstadt, und andre Bayrische Oerter waren noch fortdauernd im Besitz der Oesterreicher, und bey Amberg in der Ober-Pfalz sollte, nach mehreren Berichten, eine große Kaiserliche Armee ein Lager beziehen. In Franken kamen neue Oesterreichische Truppen an, und ansehnliche Cavallerie-Corps in der Gegend von Forchheim, zu deren Unterhaltung in dieser befestigten Stadt ein Magazin errichtet wurde.

Die Franzosen waren ihrer Seits ebenfalls nicht unthätig, und die ganze Armee war in beständiger Bewegung. Die Gegenden am Nieder-Rhein waren bisher noch immer von den Truppen der Armee des Generals Hoche überschwemmt gewesen. Am Ober-Rhein wurden die Kriegsrüstungen mit Eifer fortgesetzt, und 6000 aufgebotne Einwohner aus dem Elsaß mußten; in Vereinigung mit Französischen Soldaten und Mineurs, an der Wiederherstellung und Erbauung verschiedner Batterien des gesprengten Forts Kehl arbeiten. Aber mitten unter diesen kriegerischen Veranstaltungen sah man einen Theil der Französischen Armee sich zurückziehen, und die durch sie verarmten und ausgesognen Gegenden Teutschlands verlaßen. Die Nord- Sambre- und Maas-Armee nahm einen allgemeinen Rückzug nach Cölln und Bonn. Eine starke Colonne von 20 bis 24,000 Mann marschirte nach Holland, indeß ein andres Corps von 10,000 Mann durch Montabaur, und von da bey Neuwied über den Rhein zog. General Hoche ließ die Truppen in die Cantonnirungs-Quartiere gehen, und nur ein Corps d'Armee, das aus den 4 Divisionen der Generale Lefevre, Lemoine, Championet und Grenier bestand, blieb im Felde stehn. Das Corps des Generals Grenier nahm seine Stellung bey Naßau, welche sich von Catzenellenbogen längs der Heßischen Grenzen bis an den Rhein ausdehnte. Die Rhein- und Mosel-Armee unter dem General Moreau gieng größtentheils über den Rhein zurück, und nur noch das Centrum blieb dießeits dieses Flußes, von Lichtenau bis an den Kniebis. General Vandamme kam nach Gengenbach, Jordis nach Renchen, Montrichard nach Lahr, Pollisard nach Oppenau. Diese Stellungen der Armeen wurden diplomatisch, durch ein Schreiben des Französischen Directoriums an den Kriegsminister, erklärt, welches zugleich neue friedliche Hofnungen und einige Aufschlüße gab. "Nur dadurch, hieß es darinn, daß die Französische Armee bey einander bliebe, würde sie jetzt die Beschleunigung des Friedens bewirken; es dürfe daher kein Abschied bewilligt werden, wiewohl alles den glücklichsten Erfolg der Negociation verspräche."

Die Verhandlungen wegen des Friedens und des allgemeinen Congreßes, über den noch eine stete Ungewißheit herrschte, dauerten fort, und der Courierwechsel zwischen Wien und Paris wurde mit Lebhaftigkeit betrieben, wiewohl man die Resultate deßelben nicht kannte. Der Kaiserliche Minister, Graf von Schlick, reisete an verschiedne Teutsche Hofe, um vorläufige Verabredungen wegen des Friedens zu treffen, und der Landgraf von Heßen-Darmstadt, der Markgraf von Baden, der Herzog von Zweybrücken, der Fürstbischof von Speyer, und andre Teutsche Fürsten giengen nach Schwetzingen, um daselbst mit dem Erzherzog Carl eine Conferenz zu halten. In Italien waren ebenfalls die Unterhandlungen zwischen dem General Meerfeld und dem Marquis de Gallo, und dem General Buonaparte, auf dem Schloße Montebello bey Mailand, seit dem 19ten Mai, wieder angeknüpft worden, und daselbst erfolgte die Auswechslung der Friedens-Präliminarien.

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Die Preußische Observations-Armee in Westphalen, deren bisherige Bestimmung durch den Frieden gehoben worden war, hatte, ungeachtet der vielfältigen von ihrem Aufbruche nach Franken verbreiteten Gerüchte, noch ihre Stellung bis in die Mitte des Junius nicht verlaßen. Aber die kriegerischen Vorkehrungen, die Oesterreichischer Seits in Franken gemacht wurden, und die daselbst versammelten Truppencorps gaben zu vielen Vermuthungen Anlaß, deren Grund oder Ungrund nur die Zeit aufklären konnte. Bey der Reichsversammlung ließ inzwischen der König von Preußen, durch seinen Gesandten, demjenigen, was man allgemein von einer Verbindung deßelben mit der Französischen Republik, zur Beförderung und Erreichung besondrer Secularisationsplane, und besonders von Absichten auf das Herzogthum Berg und die Grafschaft Castell, verbreitet habe, förmlich widersprechen, indem zwar in einer, am 5ten August 1796 mit Frankreich gehaltnen, Verabredung die Rede hiervon gewesen sey, jedoch nur in dem Fall, daß sich die Waffen der Republik im Besitz des linken Rhein-Ufers behauptet hätten. -- Indeßen beschäftigte sich der Preußische Hof mit geheimen politischen Plane, und mit der baldigen glücklichen Zustandebringung des Friedens, an welchem der König von Preußen, als Teutscher Reichsstand und Churfürst, nothwendig einen wirksamen Antheil nehmen mißte. –

Nach neuern Nachrichten bemerkte man, bald nach der Ankunft des regierenden Herzogs von Braunschweig zu Minden, Anstalten zu Bewegungen der Observations-Armee. Es giengen an die Generale der Truppen-Abtheilungen zu Osnabrück, Münster, und Lemgo, Staffetten ab, wurden Befehle zur Lieferung von 440 Artillerie-Pferden gegeben, alle Schiffe von der Weser herbey zu kommen beordert, und mehrere Vorkehrungen getroffen, welche eine Zusammenziehung, und einen Marsch zu kriegrischen Operationen andeuteten, wovon wie, weiter unten, vielleicht mehr werden sagen können.


Quellen.[]

  1. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1797.
  2. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1797.
  3. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1797.
  4. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1797.