Von Bastille bis Waterloo. Wiki
Advertisement

Kontinentalsperre.


Zeitungsnachrichten.[]

[1807]

Rheinischer Bund. [1]

Baden. Unter dem 31. März ward von Seiten des Großherzogs von Baden eine Verordnung gegen die Einfuhr und den Handel mit englischen Waaren erlassen. In derselben heißt es: Wir haben durch Unsere Verhältnisse mit auswärtigen, mit Uns verbündeten Staaten Uns bewogen gefunden, in Unserm gesammten Großherzogthum 1) alle mittelbare oder unmittelbare Handelsverbindung mit England oder englischen Handelshäusern streng zu verbieten; 2) bey Strafe der Konfiskation die Ausfuhr englischer Waaren nach Frankreich eben so als deren Niederlage in der Absicht, um deren Einschwärzung nach Frankreich beförderlich zu seyn, zu untersagen; und 3) von der Zeit der Publikation gegenwärtiger Verordnung an alle Einfuhr von Waaren, die aus England kommen, und den Handel damit einzustellen.


[1808]

Rußland. [2]

Petersburg, den 28. May. Die in Reval, Riga und Libau angekommenen Schiffe mit Kolonial- und anderen Waaren haben noch keine förmliche Erlaubniß zum Löschen erhalten, weil ihre Zertifikate, daß ihre Ladungen kein Englisches Eigenthum sind, noch nicht geprüft und richtig befunden sind


Frankreich. [3]

Ein kaiserl. Dekret aus St. Cloud vom 16. Sept. verbietet die Einfuhr aller Kolonialprodukten aus Holland und Spanien. Die Schiffe mit den nämlichen Produkten, die in die Weser, Elbe und Yade einlaufen, sollen konfiszirt werden. Doch bleibt die Einfuhr der rohen Baumwolle erlaubt, wenn sie mit einem Zertifikat d'Origine begleitet ist. Jene, für die keine vorgezeigt werden, oder unregelmässige, die nehmlich nicht direkt von Französischen Konsuln herrühren, sollen dem Sequester unterworfen werden, bis Se. Maj. der Kaiser darüber verfügen wird.


Holland. [4]

Das nun hier bekannt gewordene Französische Dekret vom 16. Sept. (sagt ein Schreiben aus Amsterdam), wodurch die Einfuhr aller aus Holland und Spanien kommenden Kolonialwaaren in Frankreich verboten wird, hat um so mehr Eindruck hier gemacht, als kurz darauf die Nachricht eintraf, daß bereits drey aus Holland zu Antwerpen angekommene Schiffe angehalten worden seyen, auch der hiesige Französische Konsul sich weigert, bis auf weitere Befehle von Paris, Zertifikate für Versendungen solcher Waaren nach den Rheingegenden auszufertigen. Es herrscht hier unter diesen Umständen in dem gegenwärtigen Augenblicke eine grössere Stille in den Geschäften, als jemals. Obiges Dekret lautet wörtlich, wie folgt: "Wir Napoleon, Kaiser der Franzosen, König von Italien, und Protektor des Rheinbundes, haben auf den Bericht Unsers Finanzministers, nach Anhörung des Staatsraths, dekretirt und dekretiren, wie folgt: 1. Die Einfuhr aller Kolonialwaaren, die von Holland und Spanien kommen, ist in Frankreich verboten, bis andere Maßregeln in dieser Hinsicht genommen worden. 2. Die Schiffe, welche mit benannten Waaren in die Elbe, Weser und Jahde einlaufen, sollen angehalten, und für gute Prisen erklärt werden. 3. Durch gegenwärtiges Dekret ist die Maßregel, welche in dem Dekrete vom 9. Jun. enthalten ist, durch welche Wir Uns vorbehalten haben, die Einfuhr der Baumwolle den Umständen nach zu erlauben, keineswegs annullirt. 4. Unser Finanzminister ist mit der Ausführung des gegenwärtigen Dekrets beauftragt. (Unterzeichnet) Napoleon."


Preussen. [5]

Königsberg den 21. Okt. Das hiesige Akzise- und Zolldepartement hat von Sr. Majestät dem König folgenden Befehl erhalten: "Unter der gegenwärtigen politischen Lage, worin Spanien und Portugal sich befinden, und wornach beyde dieser Reichs nicht mehr an dem Kontinentalsystem Theil nehmen, darf man nicht länger gestatten, daß von Preussischer Seite mit Spanien oder Portugal Handel getrieben, oder irgend eine Kommunikazion unterhalten werde. Zu dem Ende habt ihr darüber zu wachen, daß keine Schiffe, weder mit Waaren noch mit Ballast, nach Spanischen und Portugiesischen Häfen ausklarirt, und daß diejenigen Schiffe, welche von daher anlangen, unter Beschlag gelegt werden; so wie auch, daß uns unverzüglich darüber Bericht erstattet werde."


[1812]

Hamburg, den 3ten Oktober. [6]

Die hanseatischen, mit Licenzen versehenen Schiffe, welche ihre Ausfuhr nach der Fremde bewerkstelligt haben, und dann nach Bordeaux kommen, sind dispensirt, an Gegenwerth Weine, Branntweine und andere französische Waaren daselbst einzunehmen; diejenigen Schiffen aber, die in der Fremde geblieben, müssen binnen 6 Monaten, vom 1sten September d. J. an, in einen Hafen des Reichs wieder einlaufen, und zwar bey Strafe der Bezahlung der kautionirten Summe. Diejenigen Schiffe, die mit in der Fremde eingenommenen Landungen nach Frankreich gekommen sind, müssen deren Gegenwerth ihrer Einfuhr an Seidenwaaren, Weinen und Branntweinen nach England ausführen. Die mit Ballast angekommenen, welche die Rheeder nach hanseatischen Häfen zurückkehren lassen wollte, sollen unter Acquit à Caution als französische dahin expedirt werden.


[1813]

[Moniteur] London, vom 25 Dez. [7]

Seit dem Anfange von 1810 hat die französische Regierung Lizenzen bewilligt. Folgendes Verzeichniß des Werths und der für Frankreich entstandenen Vortheile wird beweisen, wie sehr die Politik erfordert, diesem Handel ein Ende zu machen.

Ausfuhr: 68 Schiffe, jedes mit 200 Kisten Indigo, 180 Fässern Kaffee und 100 Kisten Zucker geladen, geben einen Werth von 2,247,409 Pf. St.

Für diese Ausfuhr hatten die franz. Rheder folgende Kosten: von jedem Schiff, für 50,000 Pfund Indigo, zu 5 Fr., 250,000 Fr.; für 3660 Zentner Kaffee oder 365,000 Pf., zu 1 Fr., 365,000 Fr.; für 2000 Zentner Zucker, zu 1 Fr., 365,000 Fr. Zusammen für 68 Schiffe 55,633,440 Fr. oder 2,940,000 Pf. St. Die Abgaben von der Einfuhr dieser Waaren in Frankreich betragen 93 Mill. Fr. oder 4,900,000 Pf. St., ausser der Schiffsfracht von beinahe 3 Mill., der franz. Regierung bei 5 Mill. Pf. St. Einkünfte abwirft.

Aus einem mitgetheilten Verzeichnisse ergibt sich, daß im letzten Dezember binnen 11 Tagen nach Ostende, Havre und Amsterdam bei 54,00 Unzen in Silberstangen und über 7000 Unzen in Goldstangen ausgeführt wurden.


[Moniteur] London, vom 27 und 28 Dez. und 1 Jan.

-- Wir sind ungemein zufrieden, zu vernehmen, daß der Handelsrath den Beschluß gefaßt hat, der Verbindung mit Frankreich durch Lizenzen ein Ende zu machen. Es scheint, daß eine unermeßliche Anzahl von Lizenzen durch Napoleon vor Kurzem ausgefertigt worden ist, in der Erwartung, daß von dem Handelsrathe zu London eine gleiche Anzahl ausgegeben werden würden. Die Aufhebung dieser Maasregel von unserer Seite wird alle diese Lizenzen unbrauchbar und zu nichtsbedeutenden Papieren machen. Diese bewerkstelligte Verhinderung ist indessen auf die durch unsern Handelsrath schon ertheilten Lizenzen nicht anwendbar, für deren Erfüllung die Zusage unserer Regierung Bürge ist, und die Ertheilung deser Lizenzen wird daher nicht widerrufen werden können. 4)

Anmerkung des Moniteur. 4) Seit der Ankunft des Kaisers wurden keine Lizenzen erlassen. Es ist sehr zweifelhaft, daß deren ausgefertigt werden. Indem sich mehr als 500 englische Lizenzen in den Händen des Handelsstandes befinden, ist dies eine leere Prahlerei, die ihr da machet, weil ihr schon eine hinreichende Menge ausgefertigt habet, um den Handel für zwei Jahre zu nähren. Es wäre viel vortheilhafter für Frankreich und den Kontinent, mit euch gar keine Verbindung zu haben. Jede von der franz. Regierung erlassene Lizenz ist eine Gefälligkeit, die sie euch erweiset; es ist ein Oeltropfen, den es in eure Lampe schüttet, die dessen so sehr bedarf!!! Ungeachtet eurer Kreuzfahrer laufen die Amerikaner in Menge in unsere Hafen ein; im Monat Dezember zählte man deren 50, reich beladen.


Quellen.[]

  1. National-Zeitung der Deutschen. 19tes Stück, den 7ten May 1807.
  2. Wiener-Zeitung. Nro 53. Sonnabend den 2. July 1808.
  3. Wiener-Zeitung. Nro 82. Mittwoch, den 12. Oktober 1808.
  4. Wiener-Zeitung Nro 85. Sonnabend, den 22. Oktober 1808.
  5. Wiener-Zeitung. Nro 96. Mittwoch, den 30. November 1808.
  6. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 244. Donnerstag, den 10/22. Oktober 1812.
  7. Summarium der neuesten Politischen Tagesereignisse. 1813 Nro.3 u. 4
Advertisement