Beschreibung und Geschichte der Stadt Kaufbeuren.[]
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In der grauen Vorzeit und zwar bis zu 14ten Jahrhundert hieß diese Stadt Burun, Bürun, Beuren oder Büren; aber schon um das Jahr 1300 kömmt der Name Kufburum, abwechselnd mit den ersten Benennungen, in Urkunden vor, und hat sich in der Folge allein im Gebrauche erhalten. In den Reichsmatrikeln von1340 heißt sie allezeit wie heut zu Tage Kaufbeuren. Die eigentliche Zeit, wann, und die Umstände, wie die Stadt an das Reich gekommen sey, lassen sich zwar nicht ganz bestimmen, doch ist soviel gewiß, daß sie in der zweyten Hälfte des dreyzehnten Jahrhunderts die Reichsunmittelbarkeit besessen habe. In den folgenden Zeiten erhielt die Stadt mehrere Bestättigungen ihrer Reichsfreyheit, und noch überdiess verschiedne Privilegien, welche von den Kaisern Rudolf, Adolf, Ludwig, Karl IV., Wenzel, Siegmund und andern herrühren. Im 14ten Jahrhundert war sie ein Mitglied des Städtebunds, und im 15ten und 16ten des schwäbischen Bundes.
Das Gebiet der Stadt Kaufbeuren ist reich an Getreide, Quellwasser und kleinen Seen, Wieswachs und Obst. Auch besizt sie einen eignen Forst, nebst mehrern gemeinschaftlichen Wäldern. -- Die Stadt selbst schüzt eine Mauer, in deren Umfang 475 theils öffentliche, theils Privatgebäude sich befinden. Zu den ersten gehören die Kirchen zu St. Martin, zum heiligen Geist, die im Jahr 1604 neuerbaute evangelische Kirche zur heil. Dreyfaltigkeit, und die ehemalige Kapelle zu unser lieben Frau, die aber schon lange zu keiner gottesdienstlichen Handlung mehr gebraucht wird. -- Das Rathhaus, das Hospital, die Waage, das Kornhaus, das Zeughaus, die Kanzley, Syndikat, die Pfarrhäuser, Schulhäuser, und die ehemalige Residenz der Jesuiten. Ausser der Stadt steht eine Papiermühle, 2 beträchtliche Mahlmühlen, 2 der Stadt gehörige Weißblechen, verschiedne Druckerbleichen, Kattundruckereyen, und das Scheidlingerbad.
Die Anzahl der Einwohner belauft sich auf 4200 Personen, unter welchen sich bey 1000 Bürger und 120 Beysassen befinden. Die Einwohner sind theils katholisch, theils evangelisch; doch ist keine Parität eingeführt. Die Parthey der Evangelischen übertrifft die der Katholiken etwa um 100 Seelen.
Kaufbeuren ist gegenwärtig der Sitz eines kurfürstlichen Landgerichts und eines Reichspostamts. Im Jahr 1325 brannte diese Stadt bis auf 7 Häuser ab, und in den nachfolgenden Zeiten mußte sie mancherley Drangsale erdulden. 1340 ward die Stadt sogar in den Bann gethan; weil sie es mit dem Kaiser Ludwig aus Baiern gehalten hatte, aber 8 Jahre nachher sprach sie Klemens VI. wieder los davon. Der Herzog Friedrich von Teck belagerte sie 1377 vergeblich, und kaum verflossen 11 Jahre, mußte sie wieder eine harte Belagerung von den bairischen Herzogen aushalten. Im dreyssigjährigen Kriege ergieng es ihr, in Vergleich mit vielen andern Städten, sehr hart. Fünfmal, nämlich 1632, 33, 34, 35 und 46 wurde sie mit Gewalt erobert, etlichemal gar geplündert, und in das größte Elend versezt. Ohne sich noch erholen zu können, brachte ihr der franzosisch bairische Einfall, im Anfange des gegenwärtigen Jahrhunderts, neues empfindliches Unglück, indem sie die Franzosen bis einige Monate vor der Schlacht bey Höchstätt besezt hielten, und nach ihrer damaligen Art Krieg zu führen, entsetzlich mitnahmen. Jedoch mußten zu einiger Erleichterung die benachbarten Herrschaften Osterzell, das Kloster Irrsee und andere Orte an der Brandschatzung und andern Kriegslasten ebenfalls theilnehmen. Auch die Religionsumwälzung hatte mancherley Ungemach über Kaufbeuren gebracht, bis der westphälische Friedensschluß die bisherige Ordnung und Ruhe herbeyführte.
Kaufbeuren.[]
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Kaufbeuren, ehemalige freye Reichsstadt in Schwaben, an der Wertach, in dem Wertacher Thal, zwischen dem Fürstenthum Augsburg und den Abteyen Kempten und Irsee. Die Bürger sind theils lutherisch, theils katholisch; und der Rath bestund aus 8 Gliedern von der erstern, und aus 4 von der leztern Religion. Die Stadt hat 475 Häuser und 4,200 Einwohner. Die hiesigen Manufakturen und der Handel mit Barchent, Leinwand und Cotton sind sehr beträchtlich. Man zählt 400 Leinen- und Kattunweber, jährlich werden 30,000 Stück Kattun hier gewebt, gedruckt, gebleicht und versendet. Der Flächeninhalt des Gebiets beträgt 1½ Quadratmeilen; es enthält 11 Dörfer und ausser der Stadt noch 2,645 Einwohner. Die reinen Einkünfte schäzte man auf 20,000 Gulden. Im J. 1802 wurde dieser Reichsstadt dem Kurfürsten von Pfalzbaiern zugetheilt. Sie ist jezt der Sitz eines Landesgerichts, welches ausser dem Gebieth der Stadt, die Abtey Irsee und die Herrschaft Osterzell umfaßt. Ihr Matricularanschlag ist 53 fl. 20 kr. und der Beytrag zu einem Kammerziel, 55 Thlr. 81½ kr.
Quellen.[]
- ↑ Erdbeschreibung der gesammten pfalzbairischen Besitzungen mit steter Hinsicht auf Topographie, Geschichte, physische Beschaffenheit, Land- und Staatswirthschaft, von Johann Georg Prändel, Professor der Mathematik,. . . Amberg, in der Uhlmannschen Buchhandlung, 1806.
- ↑ Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1806.
Literatur.[]
- Historisches Tagebuch von Kaufbeurischen Merkwürdigkeiten, während des mit der französischen Nation geführten Reichs-Kriegs. Herausgegeben von C. J. Wagenseil. Kais. Maj. Pfalzgrafen und der Reichsstadt Kaufbeuren Canzley-Director. Daselbst gedruckt bey F. J. Dorn. 1802.