Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Casematten.[]


Casematten, Kanonenkeller, Mordkeller,[1] haben ihren Namen von dem italienischen Casa armata und sind ausgemauerte und mit Schießscharten versehene Gewölbe unter den Flanquen; daraus man mit einigen Kanonen den Graben bestreichen kann, wenn ihn der Feind passiren will. Jetzt sind die Casematten nur wenig gebräuchlich, weil man diese Keller durch die feindlichen Batterieen leicht ruiniren, und die Kanonen in den Casematten unter den Steinhaufen vergraben kann. Anfangs wurden dergleichen niedrige Gewölber, die man Casematten nennt, nur in dem Hauptwalle, besonders in den Bastionen oder Basteien angelegt, und sie dienten auch oft dazu, das Miniren des Feindes zu beobachten und Gegenminen darinn anzulegen. Die Casematten kamen im 16ten Jahrhundert auf, wo die Städte größtentheils, nach der alten Art, das ist, mit Mauern und Thürmen befestigt waren. Die Thürme wurden nun abgebrochen, und vor oder hinter der ersten Mauer eine zweyte aufgeführt, und der Raum zwischen beyden entweder mit Erde ausgeschüttet, oder leer gelassen, oder oben zugewölbt und mit Erde beschüttet, wodurch man Casematten erhielt, dergleichen zuerst zu Verona, St. Sebastian, Fuentarabia und Turin angelegt wurden; Hoyer Gesch. der Kriegskunst. I. S. 207. Vauban brachte um 1667 auch unter der Courtine, im Bruche derselben, Casematten an, die aber den Fehler haben, daß die Luft nicht frey genug darinn streichen kann, so daß sie nach einigen Kanonenschüssen mit Rauch erfüllt sind, daher die neuern Kriegsbaumeister von dem Gebrauche dieser Art Casematten wieder abgegangen sind; Hoyer a. a. O. II. S. 228. Die Thürme, und die aus ihnen entstandenen Bastionen wurden zuerst casemattirt. Dieß brachte den Vauban auf die Idee, besondere Bollwerksthürme anzugeben, und unter ihnen Gewölbe anzubringen; doch widerrieth er im Jahr 1706 selbst diese casemattirten Bollwerksthürme, und empfahl dafür kleine Bollwerke; Hoyer II. S. 229. Vauban ließ auch an dem Schlosse zu Toreau in Bretagne eine besondere Art casemattirter Bekleidungsmauern erbauen. Die Geschützkeller waren nämlich hinten völlig offen, und blos mit Bögen geschlossen, so daß überall ein freyer Luftzug blieb, der den Pulverdampf selbst bey dem heftigsten Schießen leicht und schnell abführte. Dieß sind die ersten offenen Casematten, und wahrscheinlich haben die späteren Baumeister ihre eben so gestalteten Casematten nach diesem Muster angelegt; Böhme Magazin für Ingenieurs und Artilleristen. XI. Bd. S. 78. Der Graf von Sachsen ließ hölzerne Casematten errichten, die ganz durch den Mantel, das ist, durch die zusammenhängende Befestigung von Außenwerken, giengen, so daß man mit den dahinter auf Flößen stehenden Kanonen vor in den Graben schießen kann. Honor. Meynier ist eigentlich der Erfinder dieser durchgehenden Casematten, nur daß bey ihm das Geschütz hinter denselben nicht auf Flößen, sondern auf dem Horizonte stehen; Nouvelles inventions de fortifier les places, deutsche Uebers. Frankfurt. 1642.


Casematten..[]


Casematten (im Festungsbaue),[2] sind bombenfeste Gewölber unter dem Hauptwalle, besonders in den Bastionen, oder Basteien, theils den Graben daraus zu bestreichen, theils auch Gegenminen anzubringen. Zugleich dienen sie zur Aufbewahrung des groben Geschützes und nöthigenfalls der Besatzung zur Wohnung. Das Wort Casematte ist aus Casa und Matare zusammengesetzt und bedeutet eigentlich Mordkeller.


Quellen.[]

  1. Handbuch der Erfindungen von Gabr. Christ. Benj. Busch, Consistorial-Assessor, Diaconus ordinarius und Mitglied geistlichen Ministerii zu Arnstadt. Eisenach, bey Johann Georg Ernst Wittekindt. 1805.
  2. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
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