Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Von Reisende..[]

Ralph Fell.[]

[1]

[1800]

Bald nach dem Ausbruch der Feindseligkeiten mit England wurde ein besonderes Plünderungssystem mit glücklichem Erfolge gegen die Londoner und Amsterdamer Assekuranten von reichen und angesehenen Kaufleuten in Rotterdam ausgeführt. Diese waren die eigentlichen, jedoch unter fremden Namen verborgenen, Eigenthümer der Kaperschiffe, die unter französischer Flagge segelten; da ihre Schiffe in Amsterdam und London assekurirt waren, so liefen sie von der Maas zusammen aus und eine verabredete Wegnahme erfolgte. Das auf solche Art genommene Eigenthum wurde sogleich kondemnirt, und die Assekuranten mussten den scheinbaren Verlust ersetzen. Auf eine unschuldigere Art wurde wohl nie Krieg geführt. Die Entdeckung einiger dieser Betrügereien gab dem Raubsystem den ersten Stoss, und durch vortreffliche Einrichtungen, die der Oberkunsul in's französische See-Gesetzbuch gebracht hat, wurde es völlig umgestürzt.

In jener Zeit segelten Kaperschiffe unter französischer Flagge, die aber eigentlich brittischen theils in Holland, theils in England wohnenden Unterthanen gehörten, aus den Häfen der batavischen Republik ab und nahmen brittische Schiffe von beträchtlichem Werth weg. Das hiess, das Leben, die Freiheit und das Eigenthum seiner eigenen Landsleute angreifen, und gern würde ich Bedenken tragen, eine so entehrende Thatsache anzuführen, könnte ich einigermaasen die Autorität derer in Zweifel ziehen, die sie mir berichteten.

Zur ewigen Schande dieser Menschen muss man bedenken, dass sie jene meuchelmörderische Plünderung ihres Vaterlandes mit keiner der von den französischen und holländischen Ausgewanderten vorgebrachten Entschuldigungen beschönigen können, ich meine den unseligen Zeitgeist und die Härte der revoluzionären Regierungen. Sie konnten nicht vorgeben, dass ihr Vaterland sie verbannt und ihr Eigenthum eingezogen habe. Einige unter ihnen genossen des Schutzes der brittischen Regierung, und diejenigen, die die siegreichen Waffen des Feindes von Vaterlande trennten, konnten doch mit Grund erwarten, und vielleicht wünschen, den Abend ihrer Tage im Schoose des Vaterlands zu verleben. Es verdient bemerkt zu werden, dass die von diesen Menschen besoldeten Kaper mehr als andre auf den Schiffen und an dem Eigenthum neutraler Nazionen Verwüstung anrichteten und ihr Schiffsvolk die ihnen unglücklicherweise in die Hände fallenden Personen mit weniger Menschlichkeit behandelte. Diesen Missbräuchen wird durch die konsularische Regierung sorgfältig vorgebeugt, ich kann aber nicht mit Gewissheit behaupten, dass sie jetzt gänzlich abgeschafft sind.

Bonaparte's Politik fordert es, die Hochachtung aller neutralen Mächte sich zu verschaffen, und seitdem dieser grosse Mann die Zügel der Regierung führt, ist den Klagen der neutralen Eigenthümer wegen Aufhaltung ihrer Schiffe durch französische Kaper schnell und exemplarisch abgeholfen worden.

Kein Kaperschiff kann jetzt unter französischer Flagge segeln, dessen Eigenthümer nicht in Frankreich oder den damit verbundenen Staaten wohnhaft ist, und hinlängliche Sicherheit wegen Ersetzung des neutralem Eigenthume zugefugten Schadens gegeben hat. Es ist jetzt nicht wie ehemals jedem unbedeutenden Handelskonsul der Republik verstattet, Schiffe, die unter seine Gerichtsbarkeit gebracht werden, zu verdammen; (da diese Agenten gewöhnlich bestechlich und raubsüchtig waren, so entsprangen daraus tausend Missbräuche,) sondern die Papiere und Urkunden, wodurch die Wegnahme eines Schiffs als eine gesetzmässige Prise anerkannt wird, müssen dem Gerichte des Seeministers übersandt werden, von dem noch eine Appellazion an das Admiralitätsgericht Statt hat. Dieses letztere Tribunal steht bei neutralen Kaufleuten in grossem Ansehen, und ich habe mehrmals seine Entscheidungen mit denen des Doktor Commons vergleichen hören, mit welchem Recht? kann ich nicht bestimmen. Durch solche weise und heilsame Maassregeln wird Bonaparte seine Würde befestigen und mehr wahren Ruhm sich erwerben als durch hundert erfochtene Siege.


Zeitungsnachrichten.[]

[1808]

[2]

Frankreich.

Wenn bisher ein Französischer Kaper Prisen mit solchen Gütern und Waaren nahm, deren Einfuhr in Frankreich verboten ist, so mußte er sie ausser Landes zu verkaufen suchen. Die Ausrüster von Kapern hatten schon lange bey der Regierung dagegen supplizirt, endlich ist ihr Wille erfüllt, und am 24. Jun. ein kaiserliches Dekret erlassen worden, nach welchem alle Prisengüter, bloß baumwollene Waaren ausgenommen, gegen Erledigung einiger Mautabgaben, in Frankreich selbst angekauft und verbraucht werden dürfen. Die Kaperey kann jetzt also in Frankreich mit mehr Erfolg und Nutzen betrieben werden.


[1812]

London, den 26sten September. [3]

(Aus dem Moniteur.)

In Boulogne und Kalais werden eine Menge Kaper ausgerüstet, auf welchen viele amerikanische Matrosen Dienste nehmen. In Jamaika fühlt man schon den Mangel an Zufuhr aus Amerika, und hat deßhalb allen spanischen Schiffen die Einfuhr von Lebensmitteln erlaubt.

Nach einem dem Kongreß vorgelegten Bericht, wurden von den Engländern 917 amerikanische Schiffe genommen, und zwar 328 vor den Kabinetsordres von 1807, und 389 nach denselben; von den Franzosen 558, und zwar 206 vor den Dekreten von Berlin und Mayland, 307 während der Gültigkeit und 45 nach Aufhebung derselben; von den Neapolitanern 45. Wie viel die Dänen und Spanier genommen haben, weiß man nicht; allein schon aus dieser Rechnung ergiebt sich, daß wir mitten im Frieden 1520 Schiffe einbüßten. Die Baltimorer Zeitung verwirft daher den jetzigen Widerruf der Kabinetsordres: England sage nicht ein Wort von dem Raube unserer 900 Schiffe, und von dem Pressen unserer Matrosen; die englischen Minister müssen erst lernen, daß die vereinigten Staaten eine Nation sind.


London, den 25sten August. [4]

Aus Halifax schreibt ein englischer Officier unterm 19ten July:

"Die Amerikaner haben schon über hundert Kaper in See; sie rüsten Alles aus, was nur auf dem Wasser schwimmt, und segeln dabey wie der Teufel. Sie wagen sich oft bis in unsre Rheden und haben schon vielen Schaden gethan. Unter andern Prisen haben sie 1200 Flinten, nebst Munition und Kleidungsstücken für das 104te Regiment weggenommen. Ein mit 200 Soldaten nach Quebeck gehendes Transportschiff ist von der Fregatte Essex genommen, aber gegen eine Rantion von 7000 Dollars wieder freygegeben worden. Uebrigens machen wir unsrerseits gleichfalls Prisen von den Amerikanern, und erwarten stündlich Nachricht von einem Gefecht zwischen den beyderseitigen Kriegsschiffen."


London, den 16ten September. [5]

(Aus dem Statesman.)

Nach Berichten aus Martinique war diese Insel von amerikanischen Kapern umschwärmt; man stand daher im Begriff, die Miliz zu versammeln, und hatte die Dragoner bereits aufgeboten, um diese Kaper vom Landen und Plündern abzuhalten. Schon hatten sie eine große Menge englische Küstenfahrer zerstört. Bloß von Baltimore waren bis Ende des July funfzehn mit 14 bis 16 Kanonen und 140 bis 200 Mann Equipage besetzte Kaper ausgelaufen. Diese Korsaren gehen so weit, daß sie selbst Schiffe ihrer Landsleute, der Amerikaner aufbringen, in sofern dieselben mit englischen Licenzen versehen sind. Der Kongreß hat sich nämlich durch den Haß gegen unsern Handel so weit verleiten lassen, daß er durch ein neuerliches Gesetz dergleichen Prisen für rechtmäßig erklärte. Dieses Gesetz untersagt den Handel mit Großbrittannien und dessen Zubehör durch Licenzen, bey Strafe der Konfiskation und des Gefängnisses.

Auch die französischen Korsaren werden ihre nächtlichen Streifzüge im Kanal bald wieder anfangen; in diesem Augenblicke liegen deren zu Kalais 18, zu Grevelingen 15, und zu Boulogne und in den benachbarten Häfen nach Verhältniß.


Philadelphia, den 24sten September. [6]

Am 18ten Juny 1812 erklärten die vereinigten Staaten England den Krieg, und schon am 10ten August kreuzten 90 amerikanische Kaper gegen die Engländer. Vor dem 12ten September hatten diese Kaper 145 englische Kauffahrteyschiffe genommen und nach den amerikanischen Häfen geschickt. Die Ladungen einiger derselben betrugen über zwey Millionen Franken an Werth; auch war eine Fregatte von 49 Kanonen und eine Korvette von 20 Kanonen von den Amerikanern genommen. Am 16ten September zählte man 107 ausgerüstete oder in der Ausrüstung befindliche Kaper, die bloß dem Staat Massachussets gehörten, und die alle vor Ende Oktobers in See seyn sollten. Zu eben der Zeit hatte der Präsident der vereinigten Staaten bereits 640 Kaperbriefe ausgetheilt.


Quellen.[]

  1. Fell's Reise durch die Batavische Republik Aus dem Englischen übersetzt, und mit Anmerkungen begleitet von D. Karl Murhard. Leipzig, bei C. H. Reclam. 1805.
  2. Wiener-Zeitung. Nro 60. Mittwoch, den 27. July 1808.
  3. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 247. Montag, den 14/26. Oktober 1812.
  4. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 251. Freytag, den 18/30. Oktober 1812.
  5. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 260. Dienstag, den 29. Oktober/10. November 1812.
  6. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 279 Mittewoch, den 20. November/2. December 1812.
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