Appenzell.[]
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Appenzell, einer von den Cantons der Eidgenossen, gränzt gegen Morgen an das Rheinthal, gegen Mittag an die Herrschaften Sar und Gambs, gegen Abend an das Gebiet des Abts zu St. Gallen; jezt aber ist er auf allen Seiten von dem Canton St. Gallen umgeben. Der vornehmste Fluß darinnen ist die Sitter. Man findet in diesem Canton keine Stadt, sondern nur 8 Flecken und Dörfer, und ausser diesen lauter zerstreuete Häuser. Alle Oerter zusammen machen 23 Kirchhörinen oder Kirchspiele aus, von denen 9 zu den sogenannten Innern Rooden, (Rotten oder Compagnien,) mit 16000 Einwohnern, und 20 zu den Aeussern Rooden mit 39,414 Einwohner gehören, nach der Zählung im J. 1794. Der Flächeninhalt der Aeussern Roden, hat 5¾ ge. Quadratm.; der Innern Roden wenigstens 9 ge. Quadratmeilen, ist aber sehr gebirgig. Jene sind katholisch; diese reformirt. Das Land stund ehemals unter der Abtey zu St. Gallen,. von welcher es sich aber, durch wiederholte Empörungen und Kriege, losmachte, und 1452 von etlichen, 1513 aber von den gesammten 12 Cantons in die Eidgenossenschaft aufgenommen ward und also den 13ten Canton ausmachte. Die Innern und die Aeussern Rooden zusammen werden zwar als ein einziger Canton betrachtet; sie haben aber doch, seit 1597. jede ihre eigene Verfassung und stellen einen freyen Stand für sich vor. Jeder Theil schicket auch seine eigenen Gesandten auf die Tagsatzungen. Die Regierungsform ist völlig demokratisch und die höchste Gewalt, in den innern und äussern Rooden, stehet bey der Landesgemeine, welche sich in jenen, jährlich am lezten Sonntag im April, nach dem neuen Kalender, zu Appenzell; in diesen, jährlich am lezten Sonntag im April, nach dem alten Kalender, wechselsweise zu Trogen und Hundweil versammlet. Es erscheinen dabey alle Mannspersonen, die über 16 Jahre alt sind, mit dem Degen an der Seite. Jede Landesgemeine erwählet alle 2 Jahre ihren regierenden Landammann. Innerroden lebt noch einzig von seiner Viehzucht, Ausserroden aber größtentheils von Manufakturen in Leinwand, Musselin, und andern feinen Baumwollenarbeiten. Die ganze jährliche Regierungsausgabe des erstern betrug jährlich 440 fl. und des leztern 1155 fl. Der lezte Krieg hat diesen Manufakturen äusserst großen Schaden gethan, und das Land, welches ehedem zu den wohlhabendsten von Helvetien gehörte, sehr herunter gebracht. Der Canton selbst hat durch die neuesten Anordnungen in der Schweitz keine Veränderung, weder in der Ausdehnung noch in der Verfassung gelitten. Das Wappen desselben ist ein aufgerichteter schwarzer Bär, mit rothen Tatzen, im weissen Felde.
Quellen.[]
- ↑ Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.

