J. Balsamo, Graf von Cagliostro.[]
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Cagliostro (J. Balsamo, Graf von), gebohren zu Palermo 1743; die Laufbahn seines Rufs betrat er damit, daß er einem Goldarbeiter dieser Stadt eine beträchtliche Summe abdrückte, und deshalb die Flucht ergreifen mußte. Er reiste im Orient, wo er, wegen der Leichtgläubigkeit der Türken für die Charlatanerie in der Medizin, viele fand, die sich seinen Betrügereyen Preiß gaben. Er reiste hierauf in Afrika und Europa unter den Nahmen eines Grafen Fenix, Marquis von Anna, und zu letzt als Graf Cagliostro; aller Welt sind die Taschenspielereyen bekannt, die er unter dem letzten Nahmen gemacht hat. Als er nach Paris kam, ward er in die Bastille gesetzt. Bey seiner Loslassung beschuldigte er den Gouverneur, ihm Geld und Diamanten genommen zu haben: als er aber darüber Beweise geben sollte und keine herbeybringen konnte, flüchtete er sich nach Rom, wo er auf die Anzeige seiner Frau als Chef einer Illuminatenloge 1789 arretirt und auf die Engelsburg gesetzt wurde. Seine Denunziantin brachte man in das Kloster St. Apolline in Verwahrung. 1795 starb er in der Festung St. Leon, wo man ihn hingebracht hatte.
Zeitungsnachrichten.[]
1790.[]
- Rom vom 20sten Januar. [2]
Daß der berühmte Cagliostro in der Engelsburg zu Rom gefangen sitzt, weis jedermann. Aber die Untersuchung, die man wegen seiner Person angestellt hat, ist noch nicht bekannt gemacht worden, und sie soll merkwürdig seyn. Man weis nur so viel: 1mo daß er aus Palermo in Sicilien herstamme, daß sein Vater ein Gaugler gewesen, und daß er wegen verschiedenen Verbrechen auf den Galeeren gestorben. 2do. daß seine Dulcinea Tochter eines Gärtners seye: daß sie in der Villa Albani viele Jahre im Garten gearbeitet, das Obst auf dem Markt getragen, und hernach mit einem Becker, der ein Deutscher war (dann alle Becker zu Rom sind Deutsche) nach Genua sich geflüchtet, und da einen Schiffmann aus Malta heuraten wollte. 3tio. daß dieser Avanturier einen Bruder habe, der bei dem Prinzen von Bellmonte zu Neapel Kutscher ist; und endlich 4to das Cagliostro sich jetzt als verrückt anstelle; daß er einen gänzlichen Untergang der päbstlichen Monarchie prophezeye; daß er deswegen mit Ketten angeschmiedet ist worden, und daß er sich und die Umstehenden damit tröste, es werde ein groser und mächtiger Herr kommen, der die Stadt Rom erobern, und ihn aus seinem Gefängniß erlösen werde. Und wenn man ihn fragt, woher er alle diese Dinge wisse, so giebt er zur Antwort, daß ihn die Geister täglich besuchen, und daß sie ihm alles sagen, was in der Welt vorgehe.
Quellen.[]
Literatur.[]
- Cagliostro, einer der merkwürdigsten Abentheurer unsres Jahrhunderts. Seine Geschichte nebst Raisonnement über ihn und den schwärmerischen Unfug unsrer Zeit überhaupt. Königsberg, 1790. Bey Gottlieb Lebrecht Hartung.