Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Johann Wilhelm von Archenholz..[]

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Den 28sten Februar d. J. starb, wie bereits erwähnt worden, zu Oyendorf, unweit Hamburg, an einer Lungenentzündung, die mit einem Schlagfluß endete, der Hauptmann von Archenholz in seinem 71sten Jahre. Wenn auch über seine frühere Lebens- und Bildungsgeschickte mancher Aufschluß gegeben werden könnte, so würde er doch leicht zu Unbehörigkeiten führen, die hier weder frommen noch für Deutsche unterhaltend seyn können. Indeß dürfte doch in andrer Rücksicht eine biographische Notiz wünschenswerth seyn, deren frühere Verhältnisse wohl Niemand lehrreicher schreiben könnte, als der Oberkriegskommissär Neumann in Dresden. Da Archenholz in den spätern Jahren seiner literarischen Laufbahn Vielen ein Aergerniß und Stein des Anstoßes ward, so konnte es kaum fehlen, daß nicht auch manche Anekdote auf seine Unkosten in Umlauf gesetzt worden wäre, die Parteysucht ersann und Mißgunst verbreitete. Dahin gehören die Erzählungen von seiner Vertreibung aus preussischem Dienste und Gebiete durch Friedrich II.; von seinen Verbindungen mit den Stock-jobbers in London und der daraus für ihn entsprungenen Nothwendigkeit, England auf immer zu verlassen; von seinem Aufenthalte zu Paris im Jahr 1792, und der Art, wie er sich mit seiner des Französischen völlig unkundigen Frau dort durchbrachte. Archenholz gehörte dem ganzen deutschredenden Publikum an, und hat auf dasselbe in verschiedenen Perioden seines literarischen Umtriebs einen so entschiedenen Einfluß gehabt, daß er sich wohl der Mühe lohnt, manche Verunglimpfung über ihn zu berichtigen. Er begann seine literarische Laufbahn im Jahr 1782 mit der Herausgabe eines historischen Journals, das bald von der sogenannten Gelehrtenbuchhandlung in Dessau, jener noch nicht genug gewürdigten Säugamme vieler literarischen Spekulationen auch für die Folgezeit, nach Leipzig wanderte und auf Kosten des Verfassers, der sich damals auch in Leipzig aufhielt, herauskam, der "Literatur und Völkerkunde", wovon, die neue Suite mit eingerechnet, zehn Jahrgänge (bis 1791) erschienen sind. Dies Journal wurde Anfangs mit allgemeinem Interesse gelesen und brachte dem Herausgeber, der hier sein Gemälde von England zuerst ausstellte, an welchem er gleich Anfangs den Firniß nicht geschont hatte, einen mehr als gnügenden Ehrensold. Archenholz war nämlich durch einen mehrjährigen Aufenthalt in England, wo er, ausgerüstet mit einer großen Geschicklichkeit zu fragen und zu sammeln, und mit einer eben so glücklichen Beobachtungs- und Darstellungsgabe, vieles gesehen, noch mehr aber aus den so sachreichen öffentlichen Zeitungsblättern zusammengeschrieben hatte, vollkommen in den Stand gesetzt, etwas Anziehendes und Kräftiges über das Eldorado an der Themse, und über die so hervorstechenden Eigenthümlichkeiten des brittischen Charakters in John Bull sowohl, als in den Public Charakters zu erzählen. Dabey war er nicht vergeblich Augenzeuge der Kunst gewesen, womit damals in England Zeitungen und Journale redigirt wurden, und wußte daher seinem Journal den mannichfaltigsten Reiz zu verleihen, aber auch das hier einzeln Ausgemünzte bald in ein Ganzes vereinigt noch einmal aufs Zahlbrett aufzuzählen. Aus einer solchen Vereinigung zu einer Totalsumme entstand sein "England und Italien", welches nach der ersten dürftigen Ausgabe von 1785 bald mit zwey neuen Bänden vermehrt im Jahr 1787 zum Zweytenmale erschien, und mit einem wahren Heißhunger verschlungen wurde. Der Mann zeigte sich schon hier als einen Meister im Helldunkel und wußte, wie man auf Effekt malen müsse. Der Unparteyische, Lob und Tadel in gerechter Wagschaale Spendende, kann nie den Totaleindruck hervorbringen, wie der Alles in Schöne oder ins Häßliche Ziehende. Archenholz trat als der entschiedendste Lobredner von Allem, was nur nach Old England roch, auf, und nie fehlte es ihm für irgend eine Behauptung an einem Beweis, an einer Anekdote, die freylich erst in der schmückenden Hand des Erzählers Schein und Gewicht bekam. Sein fast in allen lebenden Sprachen Europens übersetztes Buch war ein wahrer Leckerbissen für alle Anglomanen. Um nun aber auch den gehörigen Schatten in sein Tableau zu bringen, mußten sich die Italiener bequemen, sich so schwarz als möglich anpinseln zu lassen. Diese dienten überall nur zur Folie des Britten, und oft erlaubte sich der Schilderer die handgreiflichsten Verdrehungen und Einseitigkeiten. Es schien ihm bey seinem Durchflug durch das liebliche Hesperien, das er eigentlich nur wegen der Schwefelbäder zu Pisa besuchte, um von einer ihm stets unheilbar gebliebenen Lähmung des Fußes zu genesen, wirklich an jeder Art von Empfänglichkeit für andre, als ärgerliche, Eindrücke gefehlt zu haben; vor Allem aber an feinerem Kunstsinn, der freylich in den Londoner Karrikaturläden nicht gebildet worden war. Daher kannte er nur eine bemerkenswerthe Statüe in Florenz, die mediceische Venus; daher machte die Façade der Paulskirche in London einen stärkern Eindruck auf ihn, als die der Peterskirche in Rom, das er in seinem damaligen Zustand nur ein Dorf schilt; daher läßt er die bekannten verkohlten Papyrusrollen aus den herkulanischen Alterthümern von den Barbaren in Portici mit Füssen treten! Nur die neapolitanischen Lazaroni finden Gnade in seinen Augen, vermuthlich weil er dabey an gewisse Klassen des Londoner Pöbels angenehm erinnert wurde. Natürlich ergrimmte mancher Unparteyische gegen diesen Schaamtheil eines sonst so lebhaft und geistreich geschriebenen Werks, und der damalige Bibliothekar der Herzogin von Weimar, Jagemann, schrieb eine eigene Strafepistel dieser Unbill wegen an den Ankläger Italiens.

(Der Beschluß folgt.)

Im Jahr 1786 wandte sich Archenholz nach Hamburg, um dort an der Quelle der englischen Neuigkeiten und News-papers zu sitzen, die er dann theils in seinen brittischen Annalen (die vom Jahr 1788 bis 1799 in 19 Bände erschienen, und von dem fleißigen Ersch, der damals Archenholz in Hamburg sehr nützlich wurde, mit einem brauchbaren Register versehen wurden, welches als 20ster Theil das ganze noch immer unentbehrliche Werk schließt), theils zur Verbreitung englischer Lektüre in Deutschland in seinem British Mercury und English Lyceum auf mancherley Weise umkochte und zubereitete. Allein dies waren nur Nebenstudien und Seitenerwerbe. Sein Streben ging auf etwas weit Höheres, ja, konnte es seyn, auf eine Errungenschaft im Gebiete der Muse, die er selbst seinen kleinen historischen Schriften im Kupferstich vorsetzen ließ. Er wollte mit rühmlichem Ehrgeiz unter Deutschlands Geschichtsschreibern glänzen. Er hatte, kaum sechszehn Jahre alt, in den siegreichen Kriegsschaaren Friedrichs II. vom December des Jahres 1758 an als Officier in dem oft rühmlich genannten Regiment Forcade die Thaten des siebenjährigen Kriegs nicht bloß als Zuschauer betrachtet. Dieser siebenjährige Krieg wurde nun die Liebschaft seiner historischen Muse. Die Idee dazu war ihm früh gekommen; er hatte schon auf seiner Reise dazu zu sammeln angefangen. Nun lebte er vom Jahr 1789 an selbst in Berlin, um aus der Quelle zu schöpfen, und benutzte redlich jede schriftliche und mündliche Mittheilung. So entstand sein Hauptwerk: die Geschichte des siebenjährigen Kriegs in Deutschland, die zuerst als ein historischer Kalender im Jahr 1789 ausgegeben, sogleich in vielen tausend Exemplaren verkauft und verbreitet, später aber fast um die Hälfte erweitert im Jahre 1793 in zwey Bänden noch einmal herausgegeben wurde. Sein eigenes Geständniß sagt uns, daß er ein allgemeines Lesebuch bey dessen Abfassung beabsichtigte. Wer aber der Menge gefallen will, verzichtet auf die Nachwelt. Indessen auch so wird es stets ein vorzügliches Buch bleiben. Ohne gesuchte Stärke und Zierlichkeit empfiehlt es sich durch eine natürliche Klarheit und Lebhaftigkeit im Vortrag, ist äusserst unterhaltend, voll treffender Bemerkungen und charakteristischer Anekdoten, weder Lob- noch Tadelrede auf den Helden des großen Drama's. Es hat zu seiner Zeit viel bewirkt, ist in alle Sprachen, selbst in ächt altes Latein von Reichard, übertragen, und nicht immer dankbar genug von Nachfolgern benutzt worden. Wir wissen aus Briefen des unsterblichen Johannes von Müller an Vater Gleim, daß, hätte Müller seinen Lieblingsplan je ausführen können, Historiograph des Helden des achtzehnten Jahrhunderts zu werden, Archenholz dabey mit Ehren aufgeführt worden wäre, so weit auch sonst der einfache, kindlich gute, nur einmal in seinen Gesinnungen erschütterte Schweizer von den Wandellaunen eines so mannichfach verflochtenen Journalmannes, wie Archenholz war, entfernt seyn mochte. Zu Dresden, wo Archenholz sich gleichfalls um der Geschichte willen aufhielt, lernte er seine noch lebende Gattin kennen. Mit ihr ging er, als bald darauf die französische Revolution auch ihn aufgeregt, und in dem Entschluß befestigt hatte, ein bleibendes politisches Journal zu begründen, im Jahr 1792 nach Paris, und lernte hier in der Nähe Vieles aus einem ganz andern Gesichtspunkte ansehen. Denn mit dem Jahre 1792 begann auch seine Monatsschrift, die Minerva, die, dem Gebot und Impuls der Zeit folgsam, unter dem mannichfaltigsten Schicksalen fortgedauert, in den letzten Jahren einigemal, auf kurze Zeit, ganz andre Herausgeber gehabt, zuletzt aber doch noch ihren Stifter und ihr aufs Neue hold gewordenen Redakteur überlebt hat. Die ersten Jahrgänge dieser an Mannichfaltigkeit und Gediegenheit mancher Aufsätze zuletzt nur etwa noch von den europäischen Annalen übertroffenen Zeitschrift enthalten die wichtigsten Ansichten und Beyträge zur französischen Revolution, und wenn auch diese großentheils in spätere Werke aufgenommen und verarbeitet worden sind, so ist doch die erste Blüthe und Frischheit der Ansicht nur in den Originalaufsätzen, wie sie zuerst in der Minerva erschienen, ganz zu erkennen. Sie ist oft in 3000 Exemplaren verkauft worden, und stand mit dem Hamburger Korrespondenten in mancherley bald anziehender, bald abstoßender Wechselwirkung. Ohne in Girtanners und Rehbergs bittere Heftigkeit einzustimmen, machte Archenholz doch stets auf die weitaussehende Tendenz der Anfangs so falsch beurtheilten großen Weltbegebenheit aufmerksam, und verdiente darum schon die Achtung seiner Zeitgenossen. Später ergrimmte auch er -- so schien es wenigstens -- über die Anmaßungen des brittischen Stolzes, und hörte auf auch da ein Bewunderer zu seyn, wo er Tadler zu seyn nicht genöthigt gewesen wäre. Nie wurde er der historischen Muse ganz untreu. Mit dem ehrwürdigen Wieland in Verbindung, hatte er schon im Jahr 1790 für einen Damenkalender das Leben der Königin Elisabeth geschrieben. Von wenig Gehalt waren, mehr des Erwerbs als des Ruhms willen geschrieben, seine Verschwörung des Fisko und Leben des Papsts Sixtus V. Hätten vom erstern Foglietta und Moscardi, von letzterm Leti ihr Eigenthum zurückgefordert, es wäre wenig zurück geblieben. Aber mit vorzüglicher Genauigkeit und recht mit Liebe bearbeitete er die Thaten jener wunderbaren schwimmenden Republik in den westindischen Gewässern, der Flibustiers, nach allen bekannten Quellen, und füllte dadurch eine Lücke in der Geschichte aus. Sie machen den zweyten Theil seiner historischen Schriften (Tübingen, Cotta, 1803) und verdienen im Gehalt und Vortrag einen Ehrenplatz. Das letzte namhafte Werk war seine Geschichte Gustavs Wasa in 15 Büchern (2 Theile, 1801, Tübingen, Cotta), bey deren Abfassung der edle Nordenskiold, damals schwedischer Gesandte in Hamburg, treffliche Dienste leistete. Die fast den ersten Theil zur Hälfte einnehmende allgemeine Schilderung des ältesten Zustandes von Schweden ist mit einer Meisterhand entworfen und das Beste, oder doch Lesbarste, war wir über die Inkunabeln dieses Staats besitzen. -- So sehr auch Alter und Körpersschwäche in den letzten Jahren ihn niederdrückten, und so arg auch manche Fehlschlagungen und Einbußen an seiner heitern Laune sich vergriffen, so blieb er doch bis zuletzt thätig und voll reger Theilnahme an den großen Begebenheiten des Tages. Seine literarische Wirksamkeit auf Gesinnungen und Sitten des Zeitalters verdiente wohl von der Hand eines Ersch ein bleibendes Denkmal.


Johann Wilhelm v. Archenholz.[]

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Geboren 1745. Gestorben 1812.

Herr v. Archenholz wurde am 3. September 1745 zu Langenfurth, einer Vorstadt von Danzig, geboren. Seine erste Erziehung im väterlichen Hause war zu seiner Ausbildung nicht hinreichend; er wurde daher frühzeitig, mit Bewilligung König Friedrichs des Zweiten, in das Berlinische Kadetenhaus aufgenommen, wo er bis zum Jahre 1760 blieb. Im folgenden Jahre erhielt er eine Stelle bei dem Regimente Renzel, nachher Winning, wo er bis zum Hauptmann vorrückte, und in dem damaligen siegenjährigen Kriege die Feldzüge der Jahre 1761 und 1762 mit machte. Da Archenholz aber sich einer unglücklichen Leidenschaft zum Kartenspiele überließ, faßte der König eine solche Abneigung gegen ihn, daß er den Dienst verlassen mußte. Er gewann es zwar nun über sich, seiner Leidenschaft völlig Meister zu werden, begab sich aber auch sogleich nach England, für das er stets eine große Vorliebe hegte. Er verlebte hier mehrere Jahre, während welcher Zeit er sich sehr eifrig bemühte, interessante Nachrichten über diese Insel zu sammeln, wozu er durch die nähere Bekanntschaft mit einigen der vorzüglichsten Staatsmänner in den Stand gesetzt wurde. Sein Aufenthalt in England erstreckte sich von dem Jahre 1769 bis 1779. Nur das Jahr 1775 brachte er in Italien zu, in welchem Lande er sich nachher auch in den Jahren 1779 und 1780 aufhielt. Während seines ersten Aufenthalts in Italien hatte er das Unglück, durch einen Sturz vom Pferde ein Bein zu brechen, wurde schlecht geheilt und blieb hinkend.

Das Resultat dieser zwei großen Reisen legte er in seinem Werke England und Italien nieder, welches im Jahre 1785 zu Leipzig gedruckt erschien. Er wurde aber, ungeachtet seiner gründlichen Kenntnisse dieser Werke, einiger Parteilichkeit beschuldiget, und zwar einer Vorliebe für England, und der Ungerechtigkeit gegen Italien. König Friedrich II. war gegen diesen Mann, wegen seiner ehemaligen Spielsucht so unerschütterlich eingenommen, daß er dieses Werk, welches er, ohne den Verfasser zu wissen, zuerst mit Vergnügen gelesen hatte, im Augenblicke, da er erfuhr, es sey von Archenholz geschrieben, dem Autor wieder zurückschickte.

Archenholz liebte das Reisen überhaupt sehr. So geschah es, daß er in einem Zeitraume von sechzehn Jahren, nebst England und Italien, ganz Deutschland, die Schweiz, Holland, die österreichischen Niederlande, Frankreich, Dänemark, Norwegen und Polen durchzog. Nach seiner Rückkehr von mehreren Reisen hielt er sich längere Zeit zu Dresden auf, verheirathete sich daselbst, und schrieb die Geschichte des siebenjährigen Krieges. Hierauf zog er nach Berlin, wo er den größten Theil seiner Brittischen Annalen herausgab, nachdem vorher schon (von 1782 bis 1790.) sein Journal: Literatur und Völkerkunde, herausgekommen war. Im Jahr 1791 begann er die Herausgabe des Journals, Minerva, reiste in demselben Jahre nach Paris, von wo aus er diese Zeitschrift redigirte, indem er sich zugleich in eine bedeutende und glückliche Spekulation mit Assignaten- und Bücherhandel einließ. Dies bewog den Buchhändler Unger in Berlin, sich von der Verbindung mit Archenholz und von dem Verlage der Minerva zurückzuziehen.

Von Paris begab sich Archenholz nach Hamburg, welches ihm so wohl gefiel, daß er in dessen Nachbarschaft das Gut Oyendorf ankaufte, und sich daselbst nach einer im Jahre 1810 unternommenen kleinen Reise nach Berlin, mit seiner Familie, einer Gattin, einem Sohne, und zwei Töchtern, förmlich ansiedelte. Er starb auf diesem Landgute am 28. Hornung 1812, im Alter von 71 Jahren, am Schlagflusse.


Johann Wilhelm von Archenholz.[]

[3]
Archenholz (Johann Wilhelm von), wurde geboren in Langenfurt, einer Vorstadt von Danzig. In seiner Jugend verließ er das väterliche Haus, um mit mehreren Knaben seines Alters nach Breslau geschickt und Friedrich II. vorgestellt zu werden, der seine Aufnahme in das berlinische Cadettenhaus bewilligte. Hier genoß er eines Unterrichts, dessen er bei seiner vorigen mangelhaften Erziehung sehr bedurfte, und machte bedeutende Fortschritte. Er blieb bis 1760 in der Anstalt, welches damals von den Russen nach Königsberg geschickt, bald aber aufgelös't wurde, so daß der junge Archenholz noch in demselben Jahre in das damalige Regiment Renzel (zuletzt Winning]]) eintrat, und die Feldzüge von 1761 und 1762 mitmachen konnte. Von seiner militärischen Laufbahn läßt sich nur so viel sagen, daß Friedrich der Große gegen ihn eingenommen wurde, und da er ihn als einen leidenschaftlichen Spieler kennen gelernt hatte, ihm seine Achtung, und die Erlaubniß, ferner zu dienen, entzog. Diese Abneigung des Königs war unveränderlich bis an seinen Tod, und ging so weit, daß Friedrich, dem Archenholz seine Reise durch England und Italien überschickt, und der sie mit Vergnügen gelesen hatte, das Werk augenblicklich zurücksandte, als er erfuhr, daß der Verfasser desselben mit jenem Archenholz Eine Person sey, den er von einer so ungünstigen Seite kannte. Wenn wir den König bei dieser Strenge nicht ungerecht nennen dürfen, so scheint uns dieses Verhältniß, das einer Seits auf Archenholz frühern Charakter einen Schatten wirft, auf der andern Seite auch für einen schönen Beweis seiner Wahrheitsliebe und Redlichkeit gelten zu können, wenn wir erwägen, mit welcher enthusiastischen Verehrung und Liebe er stets an dem Könige und der preußischen Monarchie hing. Archenholz verlies den preußischen Dienst, und soll seitdem keine Karte angerührt haben. Zugleich verließ er den Continent und ging nach England, wo er mehrere Jahre hindurch interessante Nachrichten über diese Insel sammelte, für die er seit lange eine große Vorliebe hegte. Seine zweite große Reise führte ihn nach Italien. Bei einem Fall von Pferde brach er ein Bein, wurde schlecht geheilt und mußte zeitlebens hinken; ihn aber dieses Umstandes wegen als Schriftsteller der übeln Laune gegen dieses Land zu beschuldigen, scheint abgeschmackt, wiewohl seine Ungerechtigkeit gegen dasselbe nicht zu verkennen ist. Sein England und Italien, die erste gelungene Probe darstellender Statistik in deutscher Sprache, liefert eine umständliche, nicht immer unparteiische Beschreibung dieser Länder, von deren innerem Zustande er sehr gründliche Kenntnisse erworben hatte, denn in Italien war er zwei Mal, in dem Jahre 1775, und später in den Jahren 79 und 80 gewesen, und in England hatte er in drei verschiedenen Perioden sechs Jahre lang, und zwar den größten Zeitraum von 1769 bis 1779 hindurch gelebt, und war daselbst mit mehreren der bedeutendsten Staatsmänner in Berührung gekommen. Nach seiner Rückkehr in Deutschland wählte er Dresden zu seinem Aufenthalte, und schrieb die Geschichte des siebenjährigen Krieges, die das Verdienst des schönen Vortrags und einer mit Vollständigkeit verbundenen Kürze hat. In Dresden verheirathete er sich, begab sich mit seiner Gattin nach Berlin, und gab daselbst den größten Theil seiner brittischen Annalen heraus. Die französische Revolution ward ihm die erste Veranlassung zu einem politischen Journal, dem er den Namen Minerva gab, und welches er, nur mit einer kurzen Unterbrechung, bis zu seinem Tode fortsetzte. Anfangs gab er es in Verbindung mit dem Buchhändler Joh. Fr. Unger zu Berlin heraus, der sich aber bald zurückzog, besonders da er eine Reise des Herrn von Archenholz nach Paris, wo er mit Assignaten und Bücherhandel stark und glücklich speculirte, nicht billigen konnte. Herr von Archenholz begab sich von Paris nach Hamburg. Dieser neue Aufenthalt hatte manchen Reiz für ihn. Er ließ sich förmlich mit seiner Familie daselbst nieder, kaufte sich im Holsteinischen an, machte im J. 1810 eine Reise nach Berlin, kehrte aber nach einem Aufenthalte von sechs Monaten auf sein Gut Oyendorf, in der Nachbarschaft von Hamburg zurück, wo er den 28sten Febr. 1812 an einer Lungenentzündung und dazu getretenem Schlagflusse im 71sten Jahre seines Alters starb. Er ist auch der Verfasser des Lebens Gustav Wasa's und Herausgeber der Geschichte der Flibustier; beides Werke, die einer rühmlichen Erwähnung würdig sind. Er hinterließ eine Witwe mit drei Kindern, einem Sohn und zwei Töchtern.


Zeitungsnachrichten.[]

[1812]

Vermischte Nachrichten. [4]

Der als historisch-politischer Schriftsteller rühmlichst bekannte Herr Johann Wilhelm von Archenholz ist zu Hamburg im 71sten Jahre verstorben. Er war aus Danzig gebürtig, wohnte den letzten Jahren des siebenjährigen Krieges, den er so anziehend beschrieben hat, als Fähndrich, in dem nachmaligen Regiment von Winning in Berlin, bey, erhielt beym Frieden als Hauptmann den verlangten Abschied und privatisirte seitdem.


Werke.[]

  • England und Italien von J. W. von Archenholtz, vormals Hauptmann in K. Preuß. Diensten. Leipzig im Verlage der Dykischen Buchhandlung, 1787.
  • Annalen der Brittischen Geschichte des Jahres 1788 - [1796]. Als Fortsetzung des Werks England und Italien von J. W. v. Archenholz. vormahls Hauptmann in K. Preuß. Diensten. Hamburg, 1790. bey Benjamin Gottlob Hoffmann.
  • Geschichte des siebenjährigen Krieges in Deutschland von J. W. von Archenholtz vormahls königlich Preußischem Hauptmann. Berlin 1793. bey Haude und Spener.
  • Die Pariser Jacobiner in ihren Sitzungen. Ein Auszug aus ihrem Tagebuch, veranstaltet und mit Anmerkungen versehen von J. W. v. Archenholz. Hamburg, 1793. bey Benjamin Gottlob Hoffmann.
  • Der Krieg in der Vendée von J. W. von Archenholz vormals Hauptmann in Königl. Preußischen Diensten Leipzig und Hamburg 1794
  • Geschichte Gustavs Wasa, König von Schweden, nebst einer Schilderung des Zustandes von Schweden von den ältesten Zeiten an bis Ende des funfzehnten Jahrhunderts. Von J. W. von Archenholtz, vormahls Hauptmann in Königl. Preuß. Diensten. Tübingen 1801. In der J. G. Cottaschen Buchhandlung.
  • Historische Schriften von J. W. von Archenholz, ehemals Hauptmann in Königl. Preußischen Diensten. Tübingen, in der J. G. Cotta'schen Buchhandlung. 1803.
  • Minerva. Ein Journal historischen und politischen Inhalts. [1792-1856] Herausgegeben von J. W. v. Archenholz.Im Verlage des Herausgebers und in Commission bey B. G. Hoffmann in Hamburg.


Quellen.[]

  1. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 81. Mittewoch, den 3. April 1812.
  2. Neuer Plutarch, oder Kurze Lebensbeschreibungen der berühmtesten Männer und Frauen aller Nationen von den ältesten bis auf unsere Zeiten. Nach dem Französischen des Peter Blanchard neu herausgegeben, vermehrt und fortgesetzt von Friedrich Kraft. Pesth 1815, bei C. A. Hartleben.
  3. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  4. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 62. Dienstag, den 12. März 1812.
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