Nachrichten.[]
Januar.[]
Italien.
Das vorige Jahr schloß sich in Italien mit einer solchen Verwirrung, und mit solchen Begebenheiten einer ausgebreiteten Gährung, welche der Anfang von noch weit größern Begebenheiten zu seyn schien. Noch sahen sich die Franzosen kein Jahr im Besitz eines Theils von Italien, und schon thürmten sich allenthalben Schwierigkeiten auf, die ihrer Existenz daselbst keine lange und ruhige Dauer versprachen. Nur die Uebermacht der Gewalt konnte bisher eine allgemeine Insurrection der Italiener verhindern, und das Volk zeigte allenthalben eine Gährung, eine Unzufriedenheit und Erbitterung, die eine baldige Explosion erwarten ließ, und von der man schon die ernsthaftesten Ausbrüche sah. Die Mailänder äußerten einen vorzüglichen Haß gegen die Franzosen, von denen sie fortdauernd die härtesten Bedrückungen erlitten. In Lodi brach ein so heftiger Tumult aus, daß der Französische Commandant der Lombardey, die Stadt in Belagerungs-Stand setzen laßen mußte. In Cremona und vielen andern Städten und auf dem Lande entstanden ähnliche unruhige Bewegungen und Auftritte. -- Im Modenesischen, wo man die grausame Ungerechtigkeit der Franzosen gegen den Herzog mit großem Abscheu betrachtete, brach eine starke Empörung aus. Die Bewohner der Herrschaft Carsagnano (eines an dem Toscanischen und den Fürstenthümern Maßa und Carrara grenzenden District) hieben den Freyheitsbaum um, bestraften und verfolgten diejenigen, die sich den Franzosen geneigt bezeigt hatten, stellten das Herzogliche Wappen wieder auf, und leisteten einem angestellten Gouverneur des Herzogs von Modena von neuem den Eyd des Gehorsams und der Befolgung der Gesetze. Stark durch ihre Lage in der Nähe der Apenninischen Gebirge, erklärten sie der neuen Republik dißeits des Po den Krieg, versahen sich aus Lucca und der Nachbarschaft mit Kriegs-Munition, verstärkten sich durch viele Anhänger des Herzogs aus dem Modenesischen, und errichteten ein förmliches Kriegs-Corps von 10000 Mann.
Auch in Bologna konnte die Ruhe nur durch militairische Strenge erhalten werden. Indeßen hatte Buonaparte doch am 4ten December eine Versammlung in der Petroniuskirche halten laßen, in welcher 484 Menschen erschienen, die sich für Repräsentanten des Volks ausgaben, und diese nahmen dann eine neu fabricirte sogenannte neue Constitution an, die für die ganze Landschaft von Bologna, die 200,000 Einwohner hat, gelten sollte. Die Franzosen-Freunde, welche meistens Advocaten, und unruhige Köpfe waren, errichteten eine sogenannte Cispadanische Conföderation für Bologna, und Ferrara, und Modena, und ladeten die Einwohner von Romagna dazu ein, welche ihnen aber in einem Schreiben antworteten, in welchem sie sagten: "Anstatt uns auf einem Congreße zu versammeln, um Republiken in der Luft Armeen in der Luft, Proclamata in der Luft, (aere republiche, aeree armate, aerei proclami) hervorzubringen, wenden wir uns an euch, die ihr durch gemeinschaftliche Obrigkeit, durch ein gemeinschaftliches Vaterland, durch die Bande der Verwandschaft, durch gemeinschaftlichen Handel und Besitzungen, und Religion, unsre Brüder seyd. Höret die genommenen Entschließungen der Völker, die euch umgeben, Entschließungen, die nicht vom kriegerischem Schwärmgeiste, nicht von einem, mit dem Wahnsinne unmöglicher metaphysischer Ideen beseßenen Gemüthe, nicht von einer schwankenden und ungewißen, Gesinnung eingegeben sind, sondern von der Vernunft, vom eigenem Besten, von den Lehren der Religion. Wenn eure Unterdrücker durch ärgerliche Briefe, durch lächerliche Edicte, durch hinterlistige Zeitungen, durch entstellte und ekelhafte Diatriben eine Tyranney vorzustellen gesucht haben, so haben sie bey Wohlgesinnten dadurch nichts anders ausgerichtet, als daß sie der Welt ihre Undankbarkeit, ihre Flatterhaftigkeit, ihre Unvernunft, und das volle Maas verdorbner Sitten an den Tag gelegt haben, u. s. f."
Inzwischen litten die Länder, die dem Französischen Joche unterworfen waren. Das Commerz der Lombardey sollte gegen Hypothek der monatlich von der Lombardey zu erlegenden Million 600,000 Livres vorschießen. Für die Unterhaltung der Lombardischen Legion war eine außerordentliche monatliche Auflage von 414,000 Livr. ausgeschrieben, wozu allein die Provinz Mailand monatlich 221,000 Livr. beytragen mußte, und alle ehmalige Adlichen und Geistlichen erhielten den Befehl sogleich nach Mailand zurückzukommen, und nicht mehr die Stadt zu verlaßen. Ueberdem hatte der General Buonaparte zur Unterhaltung und Verstärkung seiner von allem entblößten, und durch Krankheiten, Mangel und Gefechte verringerten, Armee, von der Municipalität von Mailand die ungeheure Summe von 5 Millionen Lombard. Livr. innerhalb 3 Tagen, und eine schnelle Recruten-Aushebung von 25,000 Mann verlangt, welche Forderungen aber förmlich abgeschlagen wurden. Auch von Bologna hatte Buonaparte eine neue Geld-Contribution, die aber ebenfalls verweigert wurde, und von Ferrara eine Liefrung von 1500 Ochsen gefordert.
Im Kirchenstaate wurden die Kriegs-Rüstungen mit dem thätigsten Eifer betrieben, und durch den Patriotismus der Einwohner unterstützt. Die Recrutirungen wurden eifrig fortgesetzt, und fortdauernd ansehnliche Truppen-Corps nach Romagna abgeschickt. Man berechnete die neuvermehrte National-Garde auf 9000, und die Päbstliche Armee auf 45,000 Mann, die noch durch auswärtige Hülfs-Corps verstärkt werden sollte. Man erwartete in Rom die Ankunft des Generals Colli, dem der Oberbefehl über die gesammte Päbstliche Armee anvertraut werden sollte. Der kriegerische Muth des von Religion und Vaterlandsliebe beseelten Volks war so hoch gestiegen, daß es bereit war, sich in Maßa bewafnet den Franzosen entgegen zu stellen. Diese wagten es nicht, in den Kirchenstaat einzurücken. Die Verhältniße des Pabsts mit dem Könige von Neapel waren im Publico zweifelhaft. Der Marquis del Vasto hatte noch öftere Conferenzen mit dem Staats-Secretair. Indeßen hatte der König von Neapel den Frieden mit Frankreich feyerlichst proclamiren, und ein Te Deum darüber singen laßen. Dennoch blieben die an der Päbstlichen Grenze versammelten Truppen stehn, und der König beschloß, durch die wiederholten Beyspiele mit welcher die Franzosen, die mit dem Herzoge von Modena nnd andern Fürsten geschloßne Tractaten erfüllt hatten, belehrt, noch fernerhin im Frieden eine Armee von 90,000 Mann zu unterhalten.
Die Kriegs-Flotte der Engländer hatte ihren Entzweck erreicht, und die von Großbrittanniens Feinden beabsichtigte Verschließung der Häfen des Mittelländischen Meers für die Englischen Schiffe vereitelt. Ein Englisches Truppen-Corps gieng von Porto-Ferrajo nach dem Päbstlichen Hafen Civita vecchia ab, der von dem Englischen Consul zu Livorno unter Englischem Schutz zu seyn erklärt wurde. Die Flotte des Admirals Jarvis verließ darauf zum zweytenmal die Insel Elba, nachdem sie zuvor noch 500 Mann, zur Verstärkung der Päbstlichen Armee, zu Piombino gelandet, und sich von Neapel aus verproviantirt hatte.
Der König von Sardinien suchte seit seiner Thronbesteigung durch eine strenge Oeconomie die im verfloßnen Jahr so verringerten Finanzen wieder in Ordnung zu bringen. Diese auf eine weise Sparsamkeit beruhende Reformen, die sich über alle Zweige der Staats-Verwaltung erstreckten, betrafen das Militair vorzüglich, bey dem sie sich jedoch nur auf die Reduction der so übermäßig großen Anzahl der Officiere, und auf die Incorporation mehrerer Bataillons in andre Regimenter erstreckten. -- Die Republik Venedig fuhr in den Anstalten fort, sich in Kriegsstand zu setzen, und ihre Land- und Seemacht zu verstärken. Die Kosten dieser Rüstungen hatten verschiedne neue Auflagen nothwendig gemacht. Unterdeßen litt die Republik doch, wie mehrere neutrale Mächte, von der Gewaltthätigkeit der Franzosen. Diese überfielen am Weyhnachts-Feste die Stadt und Festung Bergamo, und besetzten sie mit 3000 Mann. Das Venetianische Gebiet war auch fortdauernd der Schauplatz des Italienischen Krieges.
Auch Genua fühlte den schweren Druck der Französischen Herrscher. Die unter dem Namen einer Anleihe den Franzosen zu leistende Contribution von 4 Millionen Livres machte neue große Auflagen nöthig, und Schiffahrt, und Handlung lagen fast gänzlich danieder. Es verdient bemerkt zu werden, daß bey der neuern, jährlich gewöhnlichen, Wahl der Mitglieder der großen und kleinen Raths, fast lauter Personen erwählt worden sind, deren Gesinnungen den Franzosen nie günstig waren.
Februar.[]
Italien.
Die Nachrichten von den neuen Erfolgen der Französischen Waffen haben bey den Italienern eine große Veränderung hervorgebracht, und ihre Erbitterung und Unzufriedenheit in ein düstres Stillschweigen verwandelt. Ihr Betragen war durch jene dumpfe Ruhe ausgezeichnet, die um so gefährlicher ist, je minder furchtbar sie zu seyn schien. Der im vorigen Monats-Stück erzehlte Aufruhr der Einwohner von Carsagnano wurde, so wie alle bisherige partielle Volks-Insurrectionen gegen die Französische Oberherrschaft, durch bewafnete Truppenmacht leicht unterdrückt und mit Strenge bestraft. Der General Rusca erhielt von Buonaparte den Auftrag, mit einem starken Corps gegen den District von Carsagnano, und die Städte Castelnuovo und Carrara aufzubrechen, die Empörung mit militairischer Schärfe zu stillen, und dann von Livorno aus die Toscanische Küste gegen die Engländer zu vertheidigen. Die Einwohner von Carsagnano, die die Unmöglichkeit einsahen der Französischen Uebermacht widerstehen zu können, und in keinem Vertheidigungsstande waren, mußten sich der Gewalt unterwerfen; viele suchten durch die Flucht der Rache der Franzosen zu entgehen, andre fielen in ihre Hände. Die Franzosen verübten darauf die größten Verheerungen. Die wiederaufgestellten Wappen des Herzog von Modena zu Castelnuovo wurden zerbrochen, mehrere Einwohner auf den Trümmern derselben erschoßen, andre als Geiseln weggeschleppt, mehrere Häuser niedergerißen, zerstört und verbrannt, und der Freyheitsbaum wieder aufgerichtet. Solche Mittel stillten zwar vorerst die Insurrectionen, aber sie vergrößerten auch den Haß und die Abneigung der Italiener gegen ihre Unterdrücker. -- Der General Rusca setzte hierauf seinen Zug gegen die Engländer fort: diese räumten aber die Toscanische Küste, und segelten nach Gibraltar, wozu sie schon vorher befehligt waren.
Indeßen fuhr der General Buonaparte fort, als unumschränkter Oberherrscher in Italien zu gebieten. Er gab neue dictatorische Gesetze, wie sie im republicanischen Frankreich üblich waren, und verordnete neue Einrichtungen und Reformen. Die Municipalität in Mailand sah sich genöthigt die, im vorigen Monats-Stück angeführte, von Buonaparte geforderte Recrutirung zu bewilligen, und auch die National-Garde dieser Stadt, die von Corsica aus verstärkt werden sollte, noch zu vermehren. Im Gebiete von Bologna sollten alle fremde Welt- und Kloster-Geistliche, deren Zahl sich auf 400 belief, aus dem Lande vertrieben werden.
Der Congreß der Cispadanischen Conföderation war mit neuen Berathschlagungen beschäftigt. Er beschloß die Errichtung einer Commißion zur Untersuchung einer angeblichen Schuldforderung der Modenischen Nation an den Herzog, die aus der großen Summe von 60 Millionen Lire bestehen sollte. Ohngefähr so groß rechnete man die Capitalien des Herzogs, in der Venetianischen Bank, auf welches es mit der Schuldforderung angesehen war, und auf welche auch wirklich schon in Venedig Beschlag gelegt war.
Der neutrale Großherzog von Toscana war, ohnerachtet seiner freundschaftlichen Bereitwilligkeit, und der schon gemachten großen Aufopferungen, doch weder für fernere Erpreßungen, noch für andre Beleidigungen und Ungerechtigkeiten seiner neuen Freunde gesichert. Emißarien der Propaganda, Jacobinische Agenten waren bemüht, durch Anreizungen die Unterthanen des Großherzogs zum Aufruhr zu bewegen, und selbst über den Französischen Minister zu Florenz, Miot, führte der Hof von Florenz ähnliche Klagen, die endlich seine Entfernung bewirkten. Der Marquis Manfredini hatte deshalb zu Placenz, mit dem General Buonaparte eine Conferenz, in der er demselben die Ungerechtigkeit dieser, dem zwischen Toscana und Frankreich geschloßnen Tractate ganz widerstreitenden, Schritte vorstellte, und ihn zugleich bat diesen Beschwerden ein Ende zu machen. Indeßen verlangte Buonaparte im Namen der Französischen Republik, eine neue große Brandschatzung von 2 Millionen, und die Umstände schienen den Großherzog zum Nachgeben zu zwingen. Eine Million forderte der Französische General unter dem Vorwande einer Entschädigung für die Kosten, die die (gegen Willen des Großherzogs unternommene) Vertheidigung des Hafens von Livorno verursacht habe, und die zweyte Million, als ein Anlehn, deßen Capital und Intereßen man wieder abtragen wolle.
Je mehr der Kirchenstaat von einem feindlichen Angriffe bedroht war, desto größer war die kriegerische Thätigkeit und der Eifer zur Vertheidigung des Vaterlands. Der Oberbefehlshaber der neuen Päbstlichen Armee, General Colli, war in Rom angekommen, und ließ sogleich das Päbstliche Truppen-Corps mit 8000 Mann neuer Recruten vermehren. Indeßen waren die Franzosen im Begriffe, gegen diese noch nicht organisirte Truppen nach Romagna aufzubrechen. Einen neuen Grund, oder Vorwand zu einem Angriffe auf den Kirchenstaat nahm man aus einem Briefe des Cardinals Busca, Staats-Secretairs des Römischen Hofes an den Päbstlichen Gesandten in Wien, Albani, und aus einem andern Schreiben des Päbstlichen Nuntius zu Florenz an den Cardinal Busca, die man aufgefangen zu haben vorgab, und die in den Mailändischen Zeitungen als authentisch bekannt gemacht wurden. Zufolge des ersten Briefs (wenn anders diese Schriften nicht erdichtet waren) konnte der Römischen Hof auf die Vereinigung mit dem Kaiserlichen Hofe, und auf den Beystand deßelben rechnen, da der Kaiser und die Kaiserin selbst dem Päbstlichen Gesandten diese Versicherung gegeben haben sollten, obgleich der Baron Thugut noch einige Schwierigkeiten zu machen, und eine entscheidende Antwort zu verzögern schien. Das Schreiben des Päbstlichen Nuntius zu Florenz enthielt dagegen Hofnung zu einer Aussöhnung des Pabstes mit Frankreich, und friedliche und freundschaftliche Gesinnungen des Generals Buonaparte gegen den Römischen Hof, die dieser gegen den Marquis Manfredini geäußert haben sollte. Nach diesem Schreiben war es Buonaparte selbst, welcher den Französischen Minister Cacault, der schon lange hatte Rom verlaßen wollen, noch immer daselbst zu verweilen veranlaßte. Doch reisete Cacault endlich am 30 Januar von Rom ab; und in eben jenen Tagen befand sich Buonaparte zu Bologna, und macht ernstliche Anstalten, mit einem Corps d'Armee in Romagna einzurücken. Dieses Corps sollte nicht allein aus Französischen Truppen, sondern auch aus den Italienern bestehen, welche in Reggio, Modena, Bologna, und Ferrara häufig gezwungen wurden, die Waffen zu ergreifen, und an der Seite der neuen Brüder aus Frankreich zu fechten.
Die Republik Venedig erlitt, ohnerachtet ihrer Neutralität, fortdauernd neue harte Bedrückungen von den Franzosen, die bereits auch die Stadt Padua eingenommen und besetzt hatten. Die Fordruug des Ober-Generals Buonaparte, Venedig gleichfalls zu besetzen, hatte zwar eine allgemeine Furcht und Besorgniß in dieser Stadt erregt, aber auch zugleich die thätigsten Vorkehrungen und eifrigsten Gegenanstalten zur Folge gehabt. Allenthalben sah man starke Truppen-Piquets, Patrouillen-Gondeln waren in beständiger Bewegung, und der Rath faßte die zweckdienlichsten Beschlüße. Indeßen wurde die Stadt Venedig von der Landseite durch ein Französisches Truppen-Corps eingeschloßen, und sollte, nachdem sie schon 14 Millionen an Lieferungen aller Art, und an baarem Gelde den Franzosen vorgeschoßen hatte, noch abermals große Summen geben.
Der König von Sardinien war fortdauernd auf die Verbeßrung der Finanzen bedacht, die er durch neue Ersparungen und Reformen zu bewirken suchte. Die schon im vorigen Monats-Stück angezeigte Reduction bey dem Militair hatte über 2000 Officiere von der Armee betroffen, die insgesammt ihre Stellen verloren. Auch auf seinen Hofstaat und seine Bedürfniße dehnte der König diese strenge Oeconomie aus, und verabschiedete eine große Anzahl seiner Hofbedienten. -- Mitten unter den drückenden Umständen, in welchen sich dieser, durch die Französische Uebermacht, geschwächte Fürst befand, wurde noch eine neue Verschwörung zu Turin entdeckt, welche, nach dem Ausdrucke der Mailandschen Zeitung, dahin zielte, "daß die Nation sich frey machen, und von den Lasten entledigen wollte, die die Regierung ihr auflegte." Schon vorlängst hatte sich der Turiner Hof beschwert, daß eine Anzahl Französischer Emißarien in der Hauptstadt sowohl als in andern Oertern auf dem Lande, die Einwohner zu einer Empörung gegen den König aufwiegelten. Die Entdeckung einer förmlichen Verschwörung hatte die Folgen vieler Arretirungen, besonders in der Residenz Turin.
Man hat berechnet, daß die Franzosen, seit ihrem Eindringen in Italien, in dem verfloßnen Jahre, in ungefähr 9 Monaten, schon über 200 Millionen Livres theils an baaren Gelde, theils in Requisitionen aller Art, in Italien erhoben haben.
- (Die Kriegsbegebenheiten sind in andern Kapiteln vorgetragen.)
März.[]
Italien.
Unter allen Italienischen Staaten schien der des Königs von Sardinien in einer solchen Ruhe sich zu befinden, daß man so bald keine wichtige politische Ereigniße in demselben erwarten konnte. Und doch hat der verfloßne Monat dergleichen gehabt. Wir haben schon im vorigen Stücke (S. 193) eine kurze Anzeige von einer Verschwörung gegen den König gegeben, über welche aber die Berichte noch immer sehr widersprechend sind. Die Verschwornen hatten sich nach einigen Nachrichten, verbunden, den König und die ganze Königliche Familie gefangen zu nehmen, das Fürstenthum Piemont in eine Republik zu verwandeln, die Freyheit und die neuen Menschenrechte zu proclamiren, und darauf die Herrschaft der Jacobinder zu gründen. Der Umstand, daß eine große Zahl der Verschwornen die Flucht nach dem Mailändischen nahm, scheint dieser Vorstellung Wahrscheinlichkeit zu geben. Allein nach einem andern Berichte, war das Vorhaben nichts weniger als Jacobinisch; und der Bruder des Königs selbst, der Herzog von Aosta, an der Spitze einer Anzahl von Mißvergnügten, deren Absicht dahin gieng, den König zu nöthigen, die Regentschaft der Piemontesisch-Sardinischen Staaten dem Herzoge von Aosta zu übertragen.
Das bekannte Französische Blatt, der Moniteur; giebt folgende Erzehlung davon: "Die Verschwornen waren zahlreich; sie hatten sich in alle Quartiere der Hauptstadt Turin verbreitet, um sich im Augenblicke des Ausbruchs der wichtigen Posten zu bemeistern, das Volk über die wahre Ursache der Bewegung zu täuschen, und die Menge im Aufruhr gegen den Zweck zu leiten, den sie sich vorsetzten. Sie hatten sogar in den verschiednen Theilen und Gegenden von Piemont Emißarien, um allenthalben einen ähnlichen Eindruck hervorzubringen. Ihre Anführer, denen die Ausführung der großen Unternehmungen aufgetragen war, hatten sich in die Capelle begeben, wo der König die Meße hörte; auf das verabredete Signal sollten sie einige subalterne Schlacht-Opfer überfallen, und sich der Person des Königs bemächtigen, um ihn auf der Stelle den Befehl unterzeichnen zu laßen, den Verschwornen die Citadelle von Turin und die andern Plätze zu übergeben, wodurch sie Meister der Residenz geworden seyn würden. Glücklicherweise fand sich der Anführer der Verschwörung, der das Signal geben sollte, nicht zur verabredeten Stunde an dem bestimmten Orte ein; und die Regierung, die schon von diesem Complotte unterrichtet war, ergrif Maaßregeln, demselben vorzubeugen. Das Oberhaupt, wir sagen nicht von der Verschwörung, (denn diese wichtige Person ist vielleicht noch unbekannt) aber das Oberhaupt der Ausführung war ein gewißer Trombetta, der seit langer Zeit Ultramontanische Grundsätze zeigte, und deshalb in Piemont verdächtig war. Man versichert, daß das Französische Vollziehungs-Directorium, nachdem es von dem Sardinischen Ambaßadeur benachrichtigt war, daß sich dieser Trombetta für einen Agenten der Französischrn Republik ausgäbe, sogleich die Minister befragt hat, um zu wißen, ob sie ein Individuum dieses Namens im Dienste hätten. Es erhellte, daß Trombetta keinem von ihnen bekannt war. Trombetta, oder diejenigen, die ihm den falschen Character eines Agenten der Republik beygelegt haben, sind offenbar Feinde des zwischen der Republik und dem Könige von Sardinien herrschenden guten Einverständnißes. Man versichert, daß das Vollziehungs-Directorium dem Grafen Balbi, Minister Sr. Sardinischen Majestät, erklärt hat, wie sehr es, bey der Nachricht von dieser Verschwörung, von Unwillen und Abscheu durchdrungen worden sey." Und unter diesen Bedrängnißen verlangte der Französische General Buonaparte von der Sardinischen Regierung eine große Menge Munition und Waffen. Auch kam der Turiner Hof durch die endliche Einnahme der Festung Mantua in neue große Verlegenheit, weil er durch einen geheimen Artikel des Friedens-Tractats mit der Französischen Republik sich zur Abschließung eines Bündnißes mit derselben verbindlich gemacht hatte, sobald diese Festung besiegt seyn würde.
In Mailand, Modena, Bologna und den andern eroberten Ländern, hatten die neuen Aristokraten die Regierung in den Händen, und gaben Gesetze. Indeßen stießen sie immer auf große Hinderniße und Schwierigkeiten, die ihnen einleuchtend machten, daß die Italiener noch nicht für die Lehren der Französischen Freyheit empfänglich waren. Der Cispadanische Congreß zu Modena hatte sich versammelt, um zu bestimmen, ob man die Katholische Religion in der neuen Constitution erwähnen solle. Diese Berathschlagung hatte einen Aufruhr zur Folge, das Volk versammelte sich, und erklärte, eher den Tod, als die Verachtung und den Umsturz der heiligen Religion zu ertragen, belagerte die Versammlung, und schickte eine Deputation an dieselbe. Zwar wurden diese Bewegungen durch militairische Strenge bald unterdrückt, aber diese Scene machte auf die Gesetzgeber einen lebhaften Eindruck, und sie beschloßen der Katholischen Religion Erwähnung zu thun.
Indeßen stand in Italien ein Mann auf, der genug Verstand und Muth besaß, um eine treflich abgefaßte Schrift oder Vorstellung an den Cispadanischen Bund herauszugeben, der er den Titel: Il Senso comune dall' Italia alle Confederazione Cispadana: beylegte, und von der wir hier, wegen Mangel des Raums, nur einige Zeilen mittheilen können:
"Mit Brutus Mütze auf dem Kopf, und seinem Dolche in der Hand, versprechen 5 in Modena versammelte eingebildete Gesetzgeber eine Freyheit, die sie selbst nicht haben, eine Glückseligkeit, die sie nicht verdienen, eine Gleichheit, die unmöglich ist, ein Traumbild. Prediger verderblicher Lehren konnten noch einen oder den andern Schüler verführen, so lange diese Lehren nicht im Volke allen Glauben verloren hatten; aber jetzt, da die entsetzlichen Wirkungen der wilden Verheerung, und der unersättlichen Raubgier auch das Gemüth des Unwißendsten erschüttern, jetzt, da die verheißene Republicanische Freyheit ein Menschen unwürdiges Joch geworden ist, jetzt, das die hochtrabenden und zärtlichen Einladungen zur Gleichheit ein Netz geworden sind, in welchem sich auch die Freyheit der Gedanken verliert, erforderte es keine geringere, als Eure Kühnheit uns aufzurufen, elend und treulos zu seyn wie Ihr, u. s. f." –
Die Einwohner in jenen republicanisirten Staaten waren in das größte Elend versunken, und die allgemeine Noth und Verzweiflung machte einen auffallenden Contrast mit den Volksfesten, die zu Mailand in großem Pompe gefeyert wurden. Die Mailänder waren vorzüglich beständigen Bedrückungen unterworfen, und mehr noch als über die Franzosen, beschwerten sie sich über ihre eigne Municipalitäten, und Obrigkeiten, die sie selbst gewählt hatten, und von denen sie jetzt mit unglaublicher Härte tyrannisirt wurden.
Das Großherzogthum Toscana, deßen blühender Wohlstand und Handel, seit der Besetzung von Livorno, durch die Franzosen, sehr vermindert worden war, sah sich endlich von diesen unangenehmen Gästen befreyt. Die Engländer bedrohten nämlich Livorno mit einem Bombardement, wenn diese Stadt nicht von den Franzosen verlaßen würde, und versprachen dagegen die Insel Elba und das ganze Toscanische Gebiet ebenfalls zu räumen, wenn Livorno wieder eine neutrale Handels-Stadt würde. Diese nachdrückliche Erklärung hatte lange Unterredungen und Conferenzen zwischen dem General Buonaparte und dem Marquis Manfredini zur Folge, deren endliches Resultat eine neue Convention zwischen dem Großherzoge, und der Französischen Republik war. Die Neutralität von Toscana wurde darinn von neuem bestätigt, und die Franzosen räumten Livorno, aber der Großherzog mußte diesen Abzug durch neue Aufopferungen erkaufen, und eine Contribution von 3 Millionen Livr. Tournois an Frankreich bezahlen; auch wurden den Franzosen in dem Großherzogthume die Rechte der vorzüglichst begünstigten Nationen zugesichert. Die Französische Besatzung von Livorno, die, außer einem Corps Cavallerie, aus 1400 Mann bestand, zog in den Kirchenstaat. Die Projecte der Franzosen, durch eine Empörung im Lande eine Revolution gegen den Großherzog zu bewirken, und auf diese Art das Haus Oesterreich gänzlich aus Italien zu vertreiben, von denen wir bereits im vorigen Monate (S. 191) Nachricht gegeben haben, hatten einen Haupt-Gegenstand jener Unterhandlungen des Marquis Manfredini ausgemacht. Der davon unterrichtete Hof von Florenz suchte das drohende Ungewitter abzuleiten -- so weit es in seinen Kräften stand.
Auch die Republik Venedig schützte ihre Neutralität nicht; die Forderungen und Drohungen der Franzosen, die Nähe des Kriegsschauplatzes und die damit verknüpften Uebel nebst andern Bedrängnißen, ließen einen Umsturz der bisherigen Politik der Regierung befürchten. Der General Buonaparte forderte eine neue Anleihe von großen Geld-Summen; und zugleich wollte die Französische Regierung einen andern Plan in Ausführung setzen, und diejenigen Theile des Venetianischen Gebiets, die sonst zu Mailand gehört hatten, so wie alle Venetianische Besitzungen dießeits der Etsch mit der Lombardischen Republik vereinigen, und überhaupt die freye Republik Venedig -- in eine abhängige Republik im Französischen Sinne umschaffen. Den Vorwand zu diesen Feindseligkeiten sollten die Unterhandlungen der Republik Venedig mit dem Kaiser darbieten. Indeßen zeigte die Venetianische Regierung die größte Thätigkeit, und traf die nöthigsten Maaßregeln zur Vertheidigung der Hauptstadt und zur Behauptung ihrer Unabhängigkeit. Es wurden Recruten ausgehoben, die Arbeiten in den Arsenälen mit großem Eifer fortgesetzt, und 12000 Dalmatier in der Nähe der Hauptstadt versammelt, von denen ein großer Theil bereits Venedig besetzt hatte. Eine Escadre erschien zugleich bey dem Lido, dem der Stadt gegen über liegenden Ufer, und deckte sie von dieser Seite.
Nach neuern Berichten unterhandelte die Republik Venedig wirklich eine Allianz mit dem Wiener Hof, und wollte mit ihrer Kriegsmacht der Oesterreichischen beytreten.
Kaum hatte die minder mächtige Republik Genua die letzte Contribution an die Franzosen abgetragen, so suchten diese wieder neue Tributgelder zu erpreßen. Das Französische Directorium verlangte nemlich 4 Millionen unter dem Namen einer Anleihe, und äußerdem noch die Entwaffnung der Einwohner der Riviera. Auch litt der Wohlstand der Republik Genua sehr durch die beständigen Französischen Durchmärsche und Transporte, und durch die Exceße der Truppen. -- Die Besitzungen der Schweizer-Cantons in Italien wurden von den Franzosen ebenfalls nicht verschont. Sie bemächtigten sich des Lago von Lugano, obgleich 3 Viertheile dieses Sees zum Schweizer-Gebiet gehörten, indem sie die starke Desertion der Oesterreichischen Kriegsgefangnen vorschützten, und der General Kilmaine erklärte, daß er auf den Gewäßern dieses Sees kein Territorium anerkenne.
Der König von Neapel beobachtete ein strenges Neutralitäts-System, und war weit entfernt mit der Französischen Republik ein Bündniß zu schließen, und das Beyspiel des verwandten Spanischen Hofes zu befolgen. Durch viele Beyspiele belehrt, ließ er die nachdrücklichsten Anstalten zur Behauptung dieser Neutralität treffen. Die Landmacht wurde nicht nur auf dem bisherigen Kriegsfuß gelaßen, sondern auch neue Recruten-Aushebungen angeordnet, und 4 neue Regimenter, Jäger zu Fuß, zusammen von 16,000 Mann, errichtet, die dem Oberbefehl des Thron-Erben untergeordnet waren. Die See Rüstungen wurden ebenfalls mit Eifer betrieben, und 2 Escadren in Bereitschaft gesetzt, in die See zu gehen.
Welchen Antheil der König von Neapel an den Begebenheiten in dem benachbarten Kirchenstaate nahm, und wie vornehmlich die weise Energie dieses Fürsten dem Pabste noch vieles rettete, und den Frieden der Franzosen mit demselben hauptsächlich bewerkstelligte, ist oben in einem eignen Kapitel, welches die neuern Merkwürdigkeiten und Ereigniße im Kirchenstaate enthält, erzehlt worden.
April.[]
Italien.
Obgleich der Schauplatz des Kriegs aus Italien ins südliche Teutschland verlegt worden, so hatten doch die Staaten Italiens noch theils blutige, theils stürmische Scenen, und Begebenheiten, die die Aufmerksamkeit von Europa nach Italien zogen. Die verfloßnen Wochen waren durch neue große Denkwürdigkeiten ausgezeichnet.
Der Hof zu Turin folgte dem Beyspiele, welches Spanien im vorigen Jahre gegeben hatte. Die gegen Frankreich gerichteten Waffen sollten nun zum Vortheil dieses neuen Bundsgenoßen, und wider Oesterreich streiten. Wir haben bereits vor geraumer Zeit, zuerst, die Nachricht von dem Projecte dieser Allianz gegeben, die schon bey der Abschließung des Friedens zwischen dem Könige von Sardinien und Frankreich beabsichtigt wurde. Die zu Turin mit dem daselbst befindlichen Französischem Negociateur, General Clarke, angeknüpften Unterhandlungen waren bisher jedoch durch einige Schwierigkeiten in die Länge gezogen worden. Das Französische Directorium hatte den zu Turin verabredeten Puncten des Tractats seine Zustimmung verweigert, und ließ sogar in dem officiellen Blatte die Nachricht von einem schon abgeschloßnen Tractate für ungegründet erklären. Wahrscheinlich hatten die neuern Begebenheiten in Italien den ganzen Plan in Absicht der Italienischen Staaten verändert, und die Directoren wollten nunmehro dem Könige von Sardinien nicht die Vortheile zugestehen, welche der Entwurf des Tractats enthielt. Inzwischen hatte der Sardinische Gesandte zu Paris lange Unterredungen mit dem Präsidenten des Directoriums, Reubel, dem die auswärtigen Angelegenheiten zugeordnet waren, der Sardinische Gesandte zu Wien machte sich, nach einer langen Conferenz mit dem Kaiserlichen Minister von Thugut, zur Abreise bereit, und ein Sardinischer Chargé d'Affaires wurde nach Berlin geschickt.
Es wurden auch bereits Kriegsanstalten und Rüstungen angeordnet: die Regimenter vollzählig gemacht, mehrere Corps auf den Kriegsfuß gesetzt, zwey Lager bey Novara und Tortona errichtet, und ein Grenz-Cordon von Vigevano bis nach Novara gezogen. Aber die Truppen bezeigten eine große Unzufriedenheit, die sich in einer äußerst starken Desertion äußerte; ganze Compagnien zogen, mit ihren Officieren an der Spitze, und mit fliegenden Fahnen und klingendem Spiel ab. Diese Gesinnungen und die Insubordination des Militairs waren für die Regierung um so beunruhigender, da durch ganz Piemont ein geheimes Mißvergnügen und eine Gährung verbreitet war, die in ernsthafte Unruhen ausartete. In den Districten von Alba, Acqui und Mondovi hatten die Einwohner einen förmlichen Aufruhr erregt, zu deßen Dämpfung man militairische Gewalt gebrauchen mußte.
Die traurigen Finanz-Umstände, die durch die mit der neuen Allianz verknüpften Kriegskosten noch mehr zerrüttet wurden, und neue Auflagen und eine Vergrößerung der ohnehin schon drückenden Staatsschulden zur Folge hatten, waren nicht dazu geeignet, den Unterthanen eine größere Anhänglichkeit und Liebe für ihre Regierung einzuflößen. Es wurden drey Finanz-Edicte erlaßen, wodurch, zur Vermindrung der großen Menge der Schatzkammerzettel, eine Anleihe von 20 Millionen in beständigen Renten, und eine andre Anleihe von 15 Millionen in Form einer Tontine eröfnet, und zugleich verordnet wurde, daß die Bank des heiligen Secundus offen bleiben sollte, bis 40 Millionen eingekommen wären. Inzwischen geschahe eine neue Ministerial-Veränderung, der Graf von Cavagliano und der Marquis Fontana di Cravanzana wurden zu Staatsministern ernannt, und der Graf St. Martin de Colloretto erhielt den dadurch erledigten Posten eines Kriegssecretairs.
In der Lombardey und den übrigen republicanisirten Ländern, deren selbstständige Unabhängigkeit die Französische Regierung noch nicht förmlich anerkannt hatte, benutzten die am Ruder der Herrschaft befindlichen Aristokraten die Staatskräfte, und die öffentlichen Einkünfte zu ihrem persönlichen Intereße. Nach einem im Cispadanischen Congreße abgestatteten Berichte stiegen die Summen zur Unterhaltung des neuen gesetzgebenden Körpers zu einer ungeheuern Höhe, und 116 Deputirte kosteten monatlich 115,000 Livr. Es wurden neue Einrichtungen gemacht, die Schulden der 4 Provinzen für National-Schulden und die geistlichen Güter für National-Güter erklärt, und Bologna wurde zum Mittelpunct der Cispadanischen Republik, und zum Sitz ihres Directoriums bestimmt. Aber schon brach der Partheygeist unter den neuen Herrschern aus, und bewirkte eine Spaltung. Es entstanden so wie in Frankreich 2 Partheyen, die der Terroristen, die eine Schreckens-Regierung einführen wollte, und die der Gemäßigten, die ihnen das Gegengewicht hielt. An der Spitze der letztern stand ein Advocat, Namens Aldini, ein Mann von vielen Fähigkeiten, rechtschafner Denkungsart, und Energie, den man den Cazalés des Congreßes nannte. Nach sichern Berichten war das ganze Schicksal der neuen Republiken höchst ungewiß, und hieng von fernern Umständen ab. In Mailand machte man sich Hofnung, daß eine große gesammte Italienische Republik errichtet werden würde, die als eine einzige und untheilbare viele Staaten in sich begreifen, und deren Regierung von der Französischen Republik, auf den Fuß, wie Holland, abhängig seyn sollte. Die neuen ausgebrochnen Unruhen in dem Päbstlichen Staate, in Rom selbst, und im Venetianischen, ließen das Ende der Italienischen Bestimmungen noch nicht absehen.
Zu den Ungemächlichkeiten, die Kriegs-Uebeln, welche die Venetianischen neutralen Länder, die der Kampfplatz fremder Krieger waren, erlitten, kamen innere Revolutions-Auftritte, die die Propaganda vorbereitet hatte. In Bergamo brach zuerst die Empörung aus. Die Garnison der Venetianischen Regierung mußte nebst den zur Regierung gehörigen Personen die Stadt verlaßen, wie in dem obigen Briefe aus dem Venetianischen S. 382 umständlich erzählt worden, und selbst der dasige Bischof ermahnte sogar die gesammte Geistlichkeit seines Districts zur Annahme der neuen Verfaßung. In Brescia wollten sich mehrere gutgesinnte Bürger widersetzen, und verbanden sich mit der dasigen Besatzung, aber die von Bergamo aus verstärkten Revolutions-Freunde überwältigten sie, und Brescia wurde revolutionirt. Die andern Venetianischen Städte, und namentlich Crema, Peschiera, Verona, Vicenza erklärten sich noch nicht öffentlich. Die Einwohner von Bergamo erließen eine Proclamation, in der sie die andern Provinzen zur Empörung aufforderten, und die härtetesten Beschuldigungen gegen die Venetianische Regierung vorbrachten. Man ersah daraus, daß sie jährlich 3 Millionen Livres an Auflagen bezahlt hatten, daß das von unfruchtbaren Gebirgen gebildete Gebiet von Bergamo kaum für 6 Monate des Jahrs das, zur Unterhaltung der Einwohner, nöthige Getraide hervorgebracht habe, und daß die verbrüderten Mailändischen Republicaner ihnen jetzt die Ausfuhr des Korns verstattet hatten. Sie beklagten sich besonders über die Straflosigkeit der Verbrechen, daher in dem Bezirk von Bergamo, der, wie man dadurch erfuhr, 220,000 Einwohner hat, jährlich mehr als 500 Menschen ermordet worden wären, -- eine Bemerkung die leider in der Wahrheit gegründet ist, indem nach der Versicherung eines angesehnen Mannes, der mehrere Jahre in Italien zugebracht hatte, die Ermordung_ in dieser Gegend so häufig waren, daß man auf 2 Tage 3 Morde rechnete, eine Angabe die mit obigem Resultat ziemlich übereinkömmt.
Die Venetianische Regierung schien anfänglich über die Maasregeln, die sie nehmen wollte, bey den Begünstigungen, die die Franzosen den Revolutionairen bewiesen, unschlüßig zu seyn; gegen Ende des Monats März aber erschien eine Proclamation, im Namen des Proveditore der Terrafirma, Franz Battagia, in welcher die Einwohner aufgefordert wurden, sich in Maßa zu erheben, und mit gewafneter Hand die Feinde des Staats anzugreifen, und sie zu vertilgen, und auch die Franzosen aus den Städten und Oertern zu vertreiben, deren sie sich wider alle Gerechtigkeit bemächtiget hätten, wobey die Unterstützung der Regierung mit einer Anzahl regelmäßiger Truppen, und mit hinlänglichen Geld-Summen zugesichert wurde. Es ergriffen auch wirklich die Landbewohner, und die Einwohner von Salo, und andern Oertern die Waffen, und zogen gegen die Revolutions-Schaaren ins Feld. Es kam bey Brescia zu einem Gefechte, in welchem die schlechtbewafneten Landbewohner den Revolutions-Truppen weichen mußten, aber sie bekamen neue Verstärkungen, und der bürgerliche Krieg im Venetianischen wurde mit verdoppelter Erbittrung geführt.
Die Republik Genua genoß vorjetzt eine Ruhe, die sie durch große Aufopferungen hatte erkaufen müßen. Der größte Theil der Truppen wurde vom Senat entlaßen.
Die unter dem Namen von Landvogteyen bekannten Besitzungen der Schweizer-Cantons im Mailändischen, deren Einwohner von Revolutions-Freunden umgeben, durch so viele Beyspiele ebenfalls aufgemuntert wurden, sich für unabhängig zu erklären, waren auch im Begrif sich von der Schweiz zu trennen, und mit der Lombardischen Republik zu verbinden; sie gaben ihre wahre Freyheit auf, um eine Freyheit im Französischen Geschmack zu genießen. Auch die Kaiserlichen Lehen im Genuesischen, Lunigiana und Serivia, wurden mit der Cispadanischen Republik vereinigt, die Einwohner frey, und die Lehen für verfallen erklärt.
Der Großherzog von Toscana mußte in seinem Gebiet immer noch Französische Truppen leiden, die Livorno von neuem besetzt hatten. Die Ursache hiervon war, daß die Franzosen, zufolge des letzten bereits ratificirten Tractats zwischen dem Großherzog und der Republik, nur dann zum Abzuge aus Livorno verpflichtet waren, wenn die Engländer das Toscanische Gebiet geräumt haben würden. Aber diese hatten noch bisher Porto-Ferrajo und die andern Toscanischen Besitzungen nicht verlaßen.
Die großen vielfältigen Ereigniße des Kirchenstaats sind bereits oben in einem eignen Artikel vorgetragen worden; wir fügen hier nur noch die neuern Nachrichten hinzu. Fortsetzungen der Unruhen, Ausbreitungen des Empörungsgeistes, und fernere Ausbrüche der Gährungen waren immerfort die unangenehmen Denkwürdigkeiten des Kirchenstaats. In der Mark Ancona, und vorzüglich im Herzogthum Urbino, dauerte die Rebellion mit allen Greueln eines bürgerlichen Kriegs fort; mehrere tausend bewafnete Bauern bedrohten die Städte, plünderten, raubten und mordeten. Auch auf andre Provinzen erstreckte sich der Aufruhr; die Stadt Perugia, die mit ihrem fruchtbaren Gebiet einen abgesonderten Staat in der Provinz Umbria ausmacht, lehnte sich gegen den Pabst auf, eben so die Städte Todi, Spoleto, und mehrere andre, und dieß unter den Augen der Päbstlichen Armee, die in der Nähe von 7 Stunden bey Perugia stand. Aber sie war in einer unbeschreiblichen Verwirrung, und in einer zügellosen Insubordination, daher außer Stand die Empörer zur Ruhe zu bringen. Kaum war die Nachricht von dem Frieden angekommen, so giengen die Truppen in ganzen Haufen auseinander, zerstreuten sich, und ließen nur den Oberbefehlshaber Colli mit ungefähr acht hundert Mann zurück. Traurig war es für den Päbstlichen Stuhl, daß die Geistlichkeit selbst zum Theil diese Unruhen anstiftete, und an diesem bürgerlichen Kriege Antheil hatte; der Erzbischof von Urbino sah sich genöthigt, in einem Hirtenbriefe die Geistlichen und Prediger zu ermahnen, durch ihr Betragen einen Verdacht zu entfernen, der leider nicht ohne Grund verbreitet wäre. Pius der VIte befand sich, nach den neuesten Berichten, in mißlichen Gesundheits-Umständen, die durch die Ueberlast seiner Unglücksfälle gefährlich für sein, durch Leiden und Kummer gebeugtes, Alter wurden. Die Mißionaire der Propaganda reizten die Einwohner von Rom immer mehr zur Empörung und bereiteten alles vor, um den ersten gelegentlichen Augenblick zu benutzen, und den neugebornen Republiken in Italien beyzutreten.
Ganz Italien befand sich in einer Zerrüttung, die selbst bey dem Einbruche der Barbaren, die dem occidentalischen Kaiserthume ein Ende machten, nicht so groß gewesen war, deren Begebenheiten und Folgen auch dem scharfsichtigsten Verstande unberechbar sind.
Mai.[]
Italien.
Nachdem sich die Stadt Verona am 24sten April (S. oben S. 482) durch Capitulation hatte ergeben müßen, so liefen die bewafneten Landeinwohner vor der Uebermacht der Französischen Armee, die man auf 60000 Mann schätzte, bald aus einander. Die Franzosen besetzten Padua, Vicenza, Treviso, überschwemmten das ganze Venetianische Gebiet, nahmen den Einwohnern die hier und da noch gefundnen Waffen weg, begiengen schreckliche Ausschweifungen, und ein Corps von 30000 Mann zog gegen Venedig selbst an, und lagerte sich bey Fusina, Venedig gegenüber. Zugleich brach in Venedig selbst eine so laute Unzufriedenheit aus, daß der Senat in die höchste Verlegenheit kam, und durch 4 Abgesandte aus seinem Mittel den General Buonaparte um Friedens-Vorschläge ersuchen ließ. Nach einigen Conferenzen kam ein Waffenstillstand, und ein für Venedig harter Präliminair-Tractat zu Stande, deßen Bedingungen vorerst geheim gehalten wurden, so daß es selbst ungewiß war, ob Brescia und Bergamo zur neuen Republik in der Lombardey geschlagen, oder Oesterreichische Provinzen werden sollten. Wir werden die fernere neueste Geschichte der Venetianischen Republik im künftigen Monate umständlich erzehlen.
Selbst zu Mailand war man in Ungewißheit und erwartete die Ankunft des Generals Buonaparte, hatte aber doch schon über die unbestimmte Erklärung desselben, daß eine Lombardische Republik existiren solle, Festlichkeiten angestellt, und ein Hochamt gehalten, bey welchem vor den Augen des Erzbischofs anstatt der geistlichen Gesänge die Carmagnole, und andere Revolutions-Lieder, in der Kirche gesungen wurden. Die Cispadanische Republik hatte zu Bologna ihre ersten Sitzungen eröfnet: Romagna aber wurde durch einen eigenen provisorischen Ausschuß regiert. Ueberhaupt befanden sich bis jetzt noch die Italienischen Staaten in schwankender Verwirrung.
Der Pabst hatte den größten Theil der ihm aufgelegten Contributionen an die Franzosen bezahlt, aber dadurch alle Quellen der Einkünfte erschöpft, und sah sich genöthigt, an alle Klöster und Sakristeyen den geschärften Befehl ergehen zu laßen, alles entbehrliche Silberzeug einzuliefern. Auch wurde allen Einwohnern des Kirchenstaats der Gebrauch aller goldner und silberner Geräthschaften, und aller Juweelen, deren Werth über 100 Scudi gieng, verboten. Noch war auch die Ruhe in dem Kirchenstaate nicht hergestellt: die Einwohner befanden sich noch an vielen Orten in einer empörenden Gährung, und die Bischöfe hatten um so mehr Mühe, die Geister zu besänftigen, da viele von der niedern Geistlichkeit ihrem Amte schlecht entsprachen, und die Aufwiegler begünstigten.
Es ist aus der Friedensgeschichte einleuchtend, daß der Neapolitanische Hof mit der Französischen Regierung in gutem Vernehmen steht; es ist aber auch gewiß, daß kürzlichst neue Gegenstände mit diesem Hofe verhandelt worden, worüber man aber bis jetzt nur noch Muthmaßungen und Gerüchte hat.
Juni.[]
Italien.
Die ganze politische Gestalt Italiens ist umgewandelt worden, aber vorerst in ein Chaos, deßen Schöpfung die Tagewerke des verfloßnen Monats vorbereitet haben.
Unterdeßen herrsche Buonaparte mit unumschränkter Willkühr in Italien, machte neue Gesetze und Einrichtungen, und eben so willkührlich vernichtete er sie wieder, und die befreyten Völker mußten alle seine Befehle befolgen.
Wir haben öfters die Existenz der Cispadanischen Republik erwähnt, die, autorisirt von Buonaparte, ihre eigne Regierung constituirt, ihre Einrichtungen festgesetzt hatte. Plötzlich wurde die ganze Constitution umgestoßen. Buonaparte entriß, durch ein gebietrisches Schreiben, den Regierungsmännern die ihnen übertragene gesetzgebende Macht und die Zügel der Regierung. "Ich befehle, (je donne des ordres) schrieb der Obergeneral, daß Romagna, in Gemäßheit seiner Wünsche, mit der Cispadanischen Republik vereinigt werde; die unter dem Namen von Modena, Reggio, Maßa, Carrara, bekannten Länder sollen mit der Lombardischen Republik vereinigt werden." Er entsetzte das schon gewählte Directorium, deßen Präsident, Ricci, er zu sich nach Mailand berief, und gab neue Befehle und Anordnungen. Die Cispadanische Republik verlor ihre wesentlichen Bestandtheile, sie wurde zum Theil aufgelöset, zum Theil mit der Lombardischen Republik zusammengeschmolzen, und Buonaparte schien zwey verschiedne Italienische Republiken anerkennen und erschaffen zu wollen, da doch das Directorium in seiner Friedens-Bothschaft nur von Einer geredet hatte. Thätig beschäftigte sich der Französische General mit der Einrichtung der Lombardischen Republik, die, nach einer von ihm vorläufig gemachten Eintheilung aus 8 Departements bestand, und die in Italien die Cisalpinische Republik genannt werden sollte, -- eine Name der nur auf die relative Lage der Länder Bezug hatte, und daher nothwendig zu vielen Verwirrungen und Mißverständnißen Anlaß geben muß.
Indem die republicanisirten Italienischen Staaten noch in einer peinlichen Ungewißheit über ihr künftiges Schicksal schwebten, litten die Bewohner derselben das drückendste Elend. Sie mußten fortdauernd Contributionen und Requisitionen an die Franzosen liefern, und es entstand eine Theurung, und ein Mangel, der nur durch große kostbare Einfuhren aus Ungarn und Oesterreich gehemmt werden konnte. Auf Kosten der unglücklichen Einwohner wurde die Französische Armee ganz neu ausgerüstet, gekleidet und mit allen Bedürfnißen versehen, und die erschöpften Lombardischen Staaten mußten, außer einem eignen Corps von 20 bis 25000 Mann, das sie zu ihrer Beschützung zu halten gezwungen waren, noch 12000 Mann Französischer Truppen ernähren, die, in ihrem Solde, sich mit jenen vereinigen sollten.
Aber für Völker giebt es keine Erfahrung. Der republicanische Neuerungsgeist verbreitete sich in Italien immer weiter und weiter. Auch die furchtbare Provinz Ancona und das Herzogthum Urbino entrißen sich der Herrschaft des Päbstlichen Stuhls. Es wurden Freyheitsbäume gepflanzt, Nationalgarden organisirt, und endlich von der Municipalität eine Deputation an Buonaparte geschickt, mit dem Ansuchen, Ancona mit der (jetzt aufgehobnen) Cispadanischen Republik zu verbinden. Die Lage des Kirchenstaats war äußerst traurig; Insurrectionsgeist und aufrührerische Bewegungen bedrohten die öffentliche Sicherheit, das Volk mußte, und wurde durch Aufhetzungen zur Empörung gereizt, die Geistlichen und Prälaten gehorchten den Gesetzen der Kirche nicht mehr, viele verehlichten sich und widersetzten sich den päbstlichen Befehlen, der Staat war gänzlich verarmt, und ein täglich wachsender Mangel an Geld und Lebensmitteln vermehrte das allgemeine Elend. Die ohnehin schon zerrütteten Finanzen waren durch die großen Verringerungen der Einnahmen in die schrecklichste Verwirrung gerathen, und die beständig versammelte Oeconomie-Commißion hatte noch kein Mittel diesem Ueber abzuhelfen finden können. Nach einer sichern Angabe, hatte gegenwärtig der Kirchenstaat eine Schuldenlast von 128 Millionen, 800,000 Scudi; die jährliche Einnahme betrug jetzt, nach Verlust der Provinzen Bologna, Ferrara, Romagna (durch Ancona), und bey den stets sich vermindernden Zuschüßen und Gefällen aus dem Auslande, nicht mehr als 1 Million 500,000 Scudi, und die erforderlichen jährlichen Ausgaben stiegen auf 4 Millionen 160,000 Scudi. Folglich belief sich das jährliche Deficit auf 2 Millionen 660,000 Scudi, -- ein Abgrund der nicht ausgefüllt werden konnte.
Der Kummer über die vielen unglücklichen Ereigniße und Verluste des Kirchenstaats hatten die Gesundheit des bejahrten Pabstes so sehr erschüttert, daß derselbe in eine gefährliche Krankheit fiel, die, unter einigen Abwechslungen wenig Hofnung zur Wiederhestellung, bey einem so hohen Alter, ließen. Schon waren, in Hinsicht auf die Wahl eines Nachfolgers Pius des VIten zwey Partheyen im Cardinals-Collegium, von denen eine den Cardinal Chiaramonte, und die andre, zu der die jüngern Cardinäle gehörten, den Cardinal Matthei, einen Freund des Generals Buonaparte, auf den Stul des heiligen Petrus erheben wollte. –
In Neapel hatten die aufrührerischen Gesinnungen, die sich durch ganz Italien verbreiteten, und in der Nähe des Neapolitanischen Staats so starke Fortschritte machten, neue Anstalten der Vorsicht nöthig gemacht, um die Ruhe zu sichern, indem der Marquis de Gallo zu Montebello mit dem Generale Buonaparte nicht allein für das Intereße Oesterreichs, sondern auch für Vortheile für Neapel, bey dem bevorstehendem allgemeinen Frieden, und für die Schicksale der Italienischen Staaten überhaupt arbeitete.
Der Großherzog von Toscana hatte die Zufriedenheit, sein Land von den Französischen Truppen geräumt zu sehen, da sie endlich auch Livorno verließen.
Sie waren in andern Orten nöthig. Ein großer Theil der Französischen Armee marschirte gegen Genua. Auch diese Republik konnte, ohnerachtet ihrer ruhigen Politik, dem Verhängniße über Italien, so wenig als Venedig, entgehen. Die Propaganda hatte die revolutionairen Ausbrüche so vorbereitet, daß durch öftere Tumulte endlich der Senat zu entscheidenden Maasregeln sich genöthiget sahe. Die Umstände davon sind oben in dem Briefe von Bern S. 602 u. s. f. erzählt. Wir müßen hier nur zur Berichtigung bemerken, daß die Französischen Truppen noch nicht, so weit die Nachrichten bis anjetzt gehen, in der Stadt Genua selbst eingerückt waren. Vielmehr schienen die Einwohner entschloßen, sich im äußersten Nothfalle mit Gewalt zu vertheidigen. Aber schon waren 12,000 Mann Franzosen vor den Thoren, und Buonaparte ließ noch ein starkes Corps Truppen nachziehen; auf dem Genuesischen Küsten-Lande war aber alles in höchster Verwirrung: es war zu einem bürgerlichen Kriege zwischen der Revolutions-Parthey, und den der Regierung ergebnen Einwohnern gekommen, und schon viel Blut vergoßen worden. Der Minister Faypoult drohte Genua zu verlaßen, und der Rath bemühte sich, ihn dadurch zu besänftigen, daß er durch eine Proclamation alle Vorrechte des Adels aufhob, und ohne Französische Hülfsmacht eine demokratische Regierung zu errichten versprach, worüber noch mit Buonaparte durch eine Gesandschaft unterhandelt wurde.
Diese Umstände hatte der König von Sardinien erwartet, um mit seinen schon im vorigen Monate (S. 468) erwähnten Ansprüchen auf die westliche Riviera von Genua hervorzutreten, welche sich, außer allen streitigen Rechten, vorzüglich auf das geheime mit der Französischen Republik geschloßne Bündniß gründeten. Schon hatte sich ein Sardinisches Truppen-Corps, deßen Stärke über 10,000 Mann betrug, den Genuesischen Grenzen genähert, und Genua hatte auch darin mit Venedig ein gleiches Schicksal, daß seine Freyheit mit großen Verlusten und Aufopferungen verknüpft seyn sollte.
Die kleine Republik Lucca war ebenfalls im Begrif in die Reihe der revolutionirten Italienischen Staaten zu treten, und innre unruhige Bewegungen kündigten ihr ein ähnliches Loos an.
Die Staatsumwälzung der Venetianischen Republik ist in einem eignen Kapitel erzehlt worden. Noch war alles (bis zum 8ten Junius) in unruhiger Ungewißheit; alle Entscheidungen sowohl über die Einrichtung der neuen Regierungsform, als über den Länder-Verlust, hiengen von den Befehlen Buonapartes ab. Die Stadt Venedig war mit 8000 Mann Franzosen besetzt, und 15000 Mann standen in der Nähe. An eben dem Tage, da sonst das Schauspiel der Vermählung des Dogen mit dem Adriatischen Meere dem Volke eine große Festlichkeit gab, am Himmelfahrtstage, was dießmal eine Feyerlichkeit andrer Art. Die Geistlichkeit und das Volk mußte der neuen provisorischen Municipalität den Huldigungs-Eyd leisten. Am Pfingstsonntage wurde darauf der Freyheits-Baum mit vielem Gepränge gepflanzt. Die Municipalität hielt eine Rede an das Volk, verbrannte das sogenannte goldne Buch, in welchem die Namen der Adlichen aufgezeichnet waren, und alle Attribute der Dogen-Würde. Die Municipalitäts-Herren legten selbst Erde um den Baum der Freyheit, begoßen ihn, und ließen ein Te Deum singen. Aber es erschien nur eine sehr kleine Zahl der Einwohner bey dieser Feyerlichkeit, und man hörte und sahe nicht die geringste Freudensbezeigung. Ueberhaupt schien das Venetianische Volk die alte Regierung sehr ungerne zu verlieren, wovon die Gründe in dem obigen Kapitel von Venedig angeführt sind. Auch hatten die vornehmsten Städte, Padua, Treviso, Vicenza, Crema, auf die Einladung der Municipalität zu Venedig, mit derselben in Brüderschaft zu treten, nach keine Antworten, und keine Bothschaften abgeschickt. -- Der Patriarch zu Venedig ermahnte das Volk durch einen Hirtenbrief, der neuen Ordnung, als einer göttlichen Schickung, sich zu unterwerfen, und die Municipalität gab Ordres zur Errichtung einer National-Garde von 20,000 Mann.
Aber, selbst im Mailändischen äußerten sich, unter den Augen von Buonaparte, neue Unruhen. Zu Pavia und Como sahe man Vorbereitungen zu einer ordentlich organisirten Insurrection, und die Lombardische Administration gab Befehle, daß ein Corps Truppen, zur Unterdrückung der unruhigen Bewegungen, dahin marschiren sollte. Nach neuern Berichten waren die Insurgenten schon sehr zahlreich.
Quellen.[]
- ↑ Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1797.