Anhalt Dessau.[]
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Dessau (Anhalt). Die Besitzungen des Herzogs von Anhalt-Dessau, welche einen integrirenden Theil des Herzogthums Anhalt (s. diesen Art.) ausmachen, liegen zwischen der Saale, Mulde und Elbe, haben an Flächenraum siebzehn Quadratmeilen, mit einer Bevölkerung von 45,000 Seelen und 510,000 rhein. Gulden Einkünfte; sein Beitrag zum Contingent des rheinischen Bundes betrug 350 Mann. Schon im April 1813 stellte er ein Contingent für die deutsche Sache, und hob, als Vormund des unmündigen Herzogs von Cöthen, die von dessen Vorgänger eingeführte französische Gesetzgebung und Staatswirthschaft wieder auf. Der jetzige Herzog heißt Leopold Friedrich Franz, geb. 10. Aug. 1740 und ist vermählt mit Louise Henriette Wilhelmine, des verstorbenen Markgrafen Heinrich Friedrich zu Brandenburg-Schwed. Tochter, geb. 24. Sept. 1750. Der Erbprinz Friedrich, geb. 27. Dec. 1769, vermählt mit Christiane Amalie, des Landgrafen Friedrich zu Hessen-Homburg Tochter, geb. 29. Juni 1774, starb 1814; aus ihrer Ehe sind noch vier Prinzen und zwei Prinzessinnen am Leben *). Der Herzog feierte sein fünfzigjähriges Regierungs-Jubiläum am 20. Oct. 1808, bei welcher Gelegenheit er die unverstelltesten Aeußerungen der Ehrfurcht, des Vertrauens und der Liebe empfing, die ihm seine väterliche musterhafte Regierung erworben hat. Dieser ehrwürdige Nestor der deutschen Fürsten hat sowohl um die eigentliche Regierung des Landes, als auch um alle anderen Angelegenheiten des Menschenlebens große Verdienste, worunter auch der Schutz gehört, den er stets den Wissenschaften und Künsten angedeihen ließ. Besonders beschäftigte ihn das Erziehungs- und Schulwesen; Basedow, Campe und Tillich wurden von ihm gebraucht, um sein Ideal der Menschenerziehung zur Wirklichkeit zu bringen. Wir verweisen darüber auf die Artikel, die mit diesen Philanthropen sich beschäftigen. Seine Residenz ist zu Dessau, der Hauptstadt seines Landes, in einer reizenden Ebene an der Mulde gelegen, die nicht weit davon sich in die Elbe ergießt. In 800 Häusern zählt sie 8600 Einwohner, worunter sich gegen 1000 Juden befinden. Das benachbarte herrliche Wörlitz, berühmt durch seinen schönen Park, verschafft der Stadt vielen Besuch fremder Liebhaber der schönen Natur und Kunst. Außerdem ist sie durch drei Institute, von denen jedes in seiner Art Epoche gemacht hat, wenn sie auch vom Strome der Zeit wieder verschlungen worden sind, merkwürdig geworden; nämlich durch Basedows Philanthropin, eröffnet nach einem neuen Erziehungsplane im Jahre 1774; durch die im Jahre 1781 dort errichtete, 1786 aber wieder aufgelös'te Buchhandlung der Gelehrten und die am Anfange 1797 unter dem Vorsitz des Grafen von Waldersee, des Barons Erdmannsdorf und des Legationsraths Bertuch constituirte chalcographische Gesellschaft.
- *) Eine Denkwürdigkeit dieser fürstl. Familie ist, dass ein Oheim des regierenden Herzogs, der am 16 December 1737 als Erbprinz verstorbene Wilhelm Gustav, mit der Tochter eines Kaufmanns in Dessau, Namens Johanna Sophia Herr, vermählt war, welche am 10. Sept. 1749, erst im 23sten Jahre ihrer Ehe mit dem Erbprinzen, nebst ihren Kindern, unter dem Namen Grafen und Gräfinnen von Anhalt, vom Kaiser in den Reichsgrafenstand erhoben worden. Doch sie, ihre Kinder und eine Enkelin sind bereits todt.
Von Reisende.[]
Dr. Johann Friedrich Droysen.
- [1801]
Man ist entzückt, wenn man aus den magern traurigen Heiden der Mark in das liebliche Dessau eintrifft, das ganze Land gleicht einem Garten und Fruchtbarkeit verkündet fast überall den hohen Grad von Cultur, zu dem hier der Ackerbau empor gehoben ist. Die ökonomischen Anlagen der Oberamtmann Nordmann zu Pölnitz, des Oberamtmann Holzhausen zu Gröbzig, und seines Sohnes zu Dessau, die zu Wörlitz und mehrere andere sind je unter Landwirthen berühmt. Der vortrefliche Zustand des Viehes im Frühling, die schöne Saat, die zweckmäßige Einrichtung mancher Maschinen, wie z. B. der Stampf- und Heckselmaschine in Gröbzig *); die von erfahrenen Oekonomen gerühmten Principien der englischen Landwirthschaft, die hier zum Theil angewandt sind, lassen sogar dem Laien keinen Zweifel, daß die Cultur hier, wo Versuche aller Art angestellt werden, wo man nicht glaubt, daß die Koppel-Wirthschaft das non plus vitra sey, zu einer besondern Höhe gestiegen sey.
Quellen.[]
Literatur.[]
- Handbuch der Anhaltischen Geschichte von Dr. G. A. H. Stenzel, außerordentlichem Professor der Geschichte an der Universität von Breslau. Deßau, bei Christian Georg Ackermann. 1820.