Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Das Großherzogthum Berg.[]

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I. Land.[]

1. Bestandtheile. Dieses Großherzogthum ist aus folgenden Ländern und Ländertheilen zusammengesetzt: 1. aus dem alten Großherzogthume Berg, 2. aus dem Herzogthume Cleve diesseits des Rheins mit Ausnahme des Emmericher- und nördlichen Weserkreises, 3. aus Deutz, Villingen und Königswinter, 4. aus ungefähr dem vierten, östlich gelegenen, Theil des ehemaligen Hochstifts Münster, 5. aus den Grafschaften Mark und Dortmund, 6. aus der Souverainetät über die Herrschaften Limburg-Styrum, Hardenberg, Gimborn und Neustadt, Wildenberg, ferner über die Grafschaften Homburg, Siegen und Dillenburg mit Ausnahme der Aemter Wehrheim und Burbach, über Hadamar, über die Herrschaften Westerburg und Schadek, Beilstein, und den am rechten Lahnufer liegenden Theil der Herrschaft Runkel xc. und neuerlich 7. aus der Grafschaft Recklingshausen.
2. Größe und Gränzen. Wenn das Großherzogthum vor den im J. 1810 erfolgten Veränderungen einen Flächenraum von 314 Quadratmeilen hatte; wenn ferner derselbe durch den Zuwachs von Recklinghausen um 12 Quadratmeilen vergrößert, im Ganzen aber durch Abtretung um 58 Quadratmeilen vermindert wurde *), so beträgt er gegenwärtig 268 Quadratmeilen. Dieses Land ist ganz von Frankreich, vom Königreich Westphalen und von andern Staaten des rheinischen Bundes eingeschlossen.
3. Boden, Gewässer und Klima. Wohl der größte Theil des Großherzogthums besteht aus Berg- nnd Waldlande. Nur in einigen Gegenden am Rhein kommen Feld-Garten und Baumfrüchte fort. Der Hauptfluß des Landes, aber nur Gränzfluß an einem kurzen Striche desselben, ist der Rhein; seine Nebenflüsse, die sich mit ihm vereinigen, sind die Sieg, die Wipper und die Roer. Die Anger ist nur ein sehr kleines Flüßchen. Luft und Witterung sind trocken, und etwas rauh; gegen den Rhein hin aber milder.
4. Producte. a. Aus dem Pflanzenreiche. Getreide, und etwas Wein findet man nur in den Rheingegenden; aber fast durchgängig viel Flachs, Holz, und gute Futterkräuter. b. Aus dem Thierreiche. Die Zahl der Schaafe und Schweine ist ungleich größer, als diejenige des Hornviehes. Aber die Wälder sind mit Wild angefüllt, und in den Flüssen finden sich gute Fische. c. Aus dem Mineralreiche sind die vornehmsten Producte Porzellan- oder Fayencethon, Marmor, Steinkohlen, letztere nicht in hinreichender Menge, Eisen und Blei.


II. Bewohner.[]

1. Nach ihrer Anzahl, ihrer Abkunft, Bildung, Religion xc. Ehe das Großherzogthum im J. 1810 einen Theil seines Gebietes verlor, und ein neues erwarb, betrug die gesammte Bevölkerung 878,157 Seelen. Von diesen verlor es ungefähr 142,500; erhielt aber mit der Grafschaft Recklingshausen etwa 18,000 *); folglich mag es gegenwärtig von 753,657 Menschen bewohnt seyn. Eine so starke Bevölkerung, nach welcher auf jede Quadratmeile im Durchschnitte über 2812 Menschen zu stehen kommen, macht in einem so kleinen, von Bergen und Wäldern angefüllten Lande nur der daselbst verbreitete Kunstfleiß möglich. Die Einwohner sind teutschen Geblüts. Arbeitsamkeit und Thätigkeit sind die Hauptzüge ihres Charakters. Wissenschaftliche Cultur findet in diesem Lande nur unter einzelnen Gelehrten Statt. Zu Düsseldorf besteht eine Universität. Die Religion der Einwohner ist theils die katholische, theils die evangelisch-lutherische, theils die reformirte. In geringerer Zahl wohnen hier und da auch andere christliche Religionspartheien.
2. Nach ihrer Industrie, ihrem Wohlstande und ihren Beiträgen. a. Ackerbau und Viehzucht. Kaum der Hälfte der Einwohner verschafft der inländische Getreidebau seine Nahrung. Am stärksten wird derselbe noch in Cleve, überhaupt in der Nähe des Rheins, und im nördlichen Theile der Grafschaft Mark betrieben. In einigen Gegenden, z. B. in Recklingshausen, ist der Flachsbau ansehnlich. Auch die Viehzucht liefert bei weitem nicht genug Vieh für ein so bevölkertes Land. b. Der Bergbau, der sich, einige Steinbrüche abgerechnet, auf Eisen und Blei beschränkt, wird nicht vernachläßigt. Die Hauptsache aber sind hier c. die Manufacturen und Fabriken.
Der Hauptsitz dieser Gattung von Industrie ist zu Elberfeld, und in dem benachbarten Thale Barmen. Es ist zum Erstaunen, welche Menge Garn daselbst gesponnen und gebleicht, welche Menge Leinenbänder gewirkt werden. Noch um das Jahr 1802 befanden sich dort 2540 Band- und Lindgetauen, 4200 Webstühle für Siamoisen, Doppelsteine und Bonten zu Matrosenhemden, ingleichen zu Bettzügen und Schnürriemen *). Noch um das J. 1800 zählte man daselbst 150 Bleichen, und nur bei den Bleichen allein wohnten 7000 Weber; andere in größerer Entfernung von denselben *). Außer diesen befinden sich Leinenmanufacturen noch in vielen andern Gegenden. Auch sind zu Düsseldorf, Elberfeld und an andern Orten ansehnliche Baumwollespinnereien, Baumwollen- Wollenzeug- Tuch- und Seidenmanufacturen, wodurch ansehnliche Färbereien stark beschäftigt sind. Doch sind alle diese, wie die Tabaks- und andere Manufacturen, nur Nebenzweige. Die Hauptrolle spielen die Leinwandmanufacturen, und die zahlreichen Eisen- und Stahlfabriken. Unter den Oertern, die sich durch Fabrication der Quinquailleriewaaren auszeichnen, ist Remscheid am Bedeutendsten. Die dort verfertigten Waaren finden selbst in Frankreich Absatz. In den Bezirken von Bornefeld und Hückeswagen befinden sich 40 Stahlraffinierhämmer, und 100 Kleinschmiede. Die Fabrike zu Solingen, worin Degen, Messerklingen, Ladstöcke und Bayonette verfertigt werden, ist eine der wichtigsten. Für die Klingen bezog einst Solingen aus der Grafschaft Mark allein jährlich 2000 Centner raffinirten Stahls.
d. Handel. Hauptsächlich ist es die Industrie der Leinenmanufacturen und der Eisen- und Stahlfabriken, welche einen sehr ansehnlichen Activhandel unterhält. Das Garn allein machte einst einen Gegenstand von 80,000Centnern aus. Das durch den gesammten Activhandel in Umlauf gebrachte Capital konnte man wenigstens zu 16 Millionen Gulden annehmen. Wollte man nur 15 Millionen annehmen, so betrug der kaufmännische reine Gewinn zu 8 Procent eine jährlich zuwachsende Summe von 1'200,000 fl. **). Und obwohl ziemlich viel Geld für fremde Producte wieder auswanderte, so blieb doch im Lande ein ansehnlicher Ueberschuß zurück. Der Hauptplatz, wo die größten Handels- und Wechselgeschäfte gemacht werden, ist Elberfeld. Düsseldorf hat einen erheblichen Speditionshandel.
Der Zustand des Fabrikwesens und Handels ist hier der einzige Maaßstab der Wohlhabenheit der Einwohner. Von diesen beiden Erwerbszweigen lebt der größte Theil derselben; der größere Fabrikunternehmer, der Großhändler und Wechsler in einem beträchtlichen Reichthume; der übrige Theil der für eigene Rechnung arbeitenden Fabricanten, und derjenigen, denen der Flachsbau gute Nahrung, oder Spedition und Fracht viel Beschäftigung geben, in ziemlich großer Wohlhabenheit; hingegen bei weitem die größte Zahl der Einwohner: die Fabrikarbeiter, von dem ihnen zugemessenen Tagelohn zwar nicht dürftig, so lange es nicht an Arbeit fehlt, aber auch nicht sehr wohlhabend.
Wie viel die Unterthanen an Geldbeiträgen zur Unterhaltung des Staats entrichten müssen, und wie hoch sich die gesammte Staatseinnahme belaufe, ist nicht bekannt.
3. Nach ihren Vertheidigungsmitteln. Wie in Frankreich ist auch hier jeder Eingeborne der Regel nach Soldat, und die junge Mannschaft wird nach und nach in größerer, oder geringerer Zahl, nach dem Maaße des Bedürfnisses, den Regimentern einverleibt. Den wirklichen Stand der Kriegsmacht im Großherzogthume Berg in Ansehung der Truppenzahl kennt man nicht.


III. Staatsverfassung.[]

1. Inneres Verhältniß. Berg ist ein souveraines, in männlicher Linie erbliches Großherzogthum. Der Titel des Beherrschers ist: Souverainer Großherzog von Berg. In der Anrede heißt er wie die übrigen Großherzoge: Königliche Hoheit.
Er hat, wie die andern, einen Hofstaat und eine Garde. Uebrigens ist sowohl in Rücksicht auf seine, als auf die Rechte und Verhältnisse der Staatsbürger die französische Verfassung das Muster.
2. Aeußere Verhältnisse. Als Mitglied des rheinischen Bundes hat der Großherzog seinen Platz im Collegium der Könige, und den Rang zwischen Baden und Hessen. Das Bundescontingent, zu dessen Stellung er verpflichtet war, ehe noch ein Theil seines Landes an Frankreich übergieng, betrug 5000 Mann.


IV. Staatsverwaltung.[]

1. Die Centralverwaltung ist, einzelne Modificationen abgerechnet, nach dem Muster der französischen Staatsverwaltung eingerichtet.
2. Zur Erleichterung der Provinzialverwaltung war das Land seit 1809 in 4 Departements, und jedes Departement in mehrere Bezirke getheilt. Diese Eintheilung kann wohl nicht mehr bestehen, da seitdem der geographische Umfang des Großherzogthums sich beträchtlich veränderte.


Landtag.[]

[2]
Am 1. Sept. um 1 Uhr versammelten sich zu Düsseldorf die Herrn Landstände in dem Saale des Hofraths. Nehmlich: Die Ritterschaft des Herzogthums Berg. Die Deputirten der Bergischen Städte. Die Clevische Ritterschaft. Die Deputirten der Städte des Herzogthums Cleve. Die Ritterschaft des Fürstenthums Horstmar. Die Deputirten der Städte. Die Ritterschaft der Grafschaft Bentheim. Die Deputirten der drey Städte Schüttorf, Nordhorn und Neuenhaus. Um bald 2 Uhr begaben sich die Landtagscommissaire Sr. Kaiserl. und Königl. Hoheit, Herr Agar, Finanzminister, Hr. Graf v, Nesselrode, Minister des Innern, und Hr. Staatsrath Fuchsius in den Saal des Staatsrathes, wo sich der Thron Sr. Kaiserl. und Königl. Hoheit befand, und die Hrn. Staatsräthe sich versammelt hatten. Um 2 Uhr traf der Großherzog, begleitet von der Ehrengarde, in dem Vorhofe ein. Ihm folgten die Civil- und Militair-Hofbeamten. Der Finanzminister und der Minister des Innern, wie auch die Hrn. Staatsräthe, empfiengen Se. Hoheit an dem Wagen. Die Mitglieder von der Ritterschaft und die Deputirten der Städte begaben sich ebenfalls dorthin, und begleiteten Sie in den Saal des Staatsrathes. Der Großherzog setzte sich auf den Thron, umgeben von seinen Hofbeamten und der Ehrengarde. Zur Seite standen die beyden Minister, und neben diesen die Staatsräthe. Die Herren Mitglieder der Ritterschaft und die Deputirten der Städte standen weiter im Saale. Die Ritterschaft des Fürstenthums Horstmar und die Ritterschaft der Grafschaft Bentheim, welche den Eid der Treue noch nicht abgelegt hatten, schwuren in Gegenwart des Großherzogs treu zu seyn, Sr. Kaiserl. und Königl. Hoheit und der Landesconstitution. Se. Kaiserl. und Königl. Hoheit hielten hierauf an die Herren Landstände folgende Rede:

"Meine Herrn Mitglieder der Ritterschaft, meine Herren Deputirten der Städte des Großherzogthums Berg! Als die göttliche Vorsehung und das Vertrauen des grossen Mannes, welcher gegenwärtig die ganze Welt in Erstaunen setzt, Mich zu der Souverainität dieses Großherzogthums berufen haben, habe ich die Verbindlichkeit auf mich genommen, Meine Unterthanen glücklich zu machen. Ich that mehr; indem Ich von dem größten Theil der Mitglieder, welche hier gegenwärtig sind, den Eid nahm, schwur Ich ihn selbst. Seitdem, weit entfernt Mich durch die Hindernisse abschrecken zu lassen, welche sich Mir in den Weg stellten, da Ich Meinem Gouvernement einen festen und gleichen Gang geben wollte, welcher zu den Verwaltungen der verschiedenen Länder passe, aus denen der Staat besteht, so sind alle Meine Bemühungen stäts nach diesem Ziele gerichtet gewesen, und die Beweise von Anhänglichkeit, welche Ich überall fand, haben Mir neue Kräfte gegeben, und die Arbeit erleichtert und versüßt. Inmittelst schreitet alles vorwärts, alles besser sich, und wenn Wir bisher mit schwachen Mitteln einige glückliche Resultate herbeygeführt haben, welche Hoffnungen sollen Wir dann jetzt nicht schöpfen, da Wir stark sind durch den Bund, welchem Wir angehören, und mächtig durch die Macht des erhabenen Protectors, welchen er sich gewählt hat! Gleichwohl bin Ich noch sehr weit von dem Ziele, welches Ich mir vorgesetzt habe; und wie könnte Ich hoffen, es zu erreichen, wenn Ich unbekannt mit der Administration der verschiedenen, vor Kurzem mit Meinem Großherzogthum vereinigten Länder, nicht das Recht hätte, auf die Einsichten und die Liebe der Deputirten Meiner Staaten, der Mitglieder Meines Raths, der verschiedenen Vorgesetzten der öffentlichen Administration zu zählen, welche Wir insgesammt bis zu diesem Augenblicke so kräftig beygestanden haben? Meine Herren Mitglieder der Ritterschaft, und meine Herren Deputirten der Städte! In dieser Absicht und in dieser Erwartung habe Ich Sie heute versammelt. Meine Commissaire werden Ihnen verschiedene Gegenstände zur Berathschlagung vorlegen, welche Sie mit Klugheit und mit den vortrefflichsten Gesinnungen, von denen sie belebt sind, untersuchen werden. Ihr einsichtsvolles Bestreben, Ihre Liebe zum Vaterlande, alles verbürgt Mir im voraus das Gute, welches Ihr mit Ihnen wirken werde. Kehren Sie demnächst zu Ihren Familien zurück! Wenn Sie wieder bey Ihren Mitbürgern seyn werden, so sagen Sie ihnen, daß Ihr Souverain ihr Vater, der Vater seines Vaterlandes seyn will; sagen Sie Ihnen, daß ihr Interesse der beständige Gegenstand Meiner Sorgfalt seyn wird. Umgeben Sie Meine getreuen Beamten mit Zutrauen. Zeigen Sie Mir das Gute, welches Ich werde thun, die Mißbräuche, welche Ich werde abstellen können. Helfen Sie mir endlich das Glück Meiner Unterthanen vermehren, ihre Lasten erleichtern! Dadurch werden Sie ewige Rechte auf Mein Wohlwollen erhalten, und den allgemeinen Dank mit Mir theilen."

Nach dieser Rede hoben Se. Kaiserl. und Königl. Hoheit die Sitzung auf; Sie wurden von Ihren den Herren Ministern, Ihren Staatsräthen, der Ritterschaft und den Deputirten der Städte wieder zum Wagen begleitet.


Zeitungsnachrichten.[]

[1806]

[3]

Köln, 27. April.

Der Herzog Joachim ist in Düsseldorf mit seinen Regierungs-Angelegenheiten sehr beschäftigt. Die ehemaligen Herrschaften Gimborn, Neustadt, Homburg und Mildenburg, wovon die 2 ersten den G. von Walmoden zugehörten, sind schon ganz zu Bergischen Aemtern umgebildet, und den dortigen Beamten ist eine den übrigen Aemtern des Herzogthums näher entsprechende Organisation gegeben worden. Die Fiscal-Criminal- u. Appellations-Sachen von diesen ehemahligen Herrschaften werden an die herz. Berg. höheren Behörden hingewiesen. Der Prinz Joachim ist besonders bemüht, Düsseldorf blühend zu machen. Die Düsseldorfer Schiffe sollen in dem Clevischen nur jene Zollabgaben entrichten, welche die Duisburger Schiffe geben. Auch heißt es, daß der Herzog nicht geneigt sey, das Anhaltungs-Recht hier zu erkennen.

[4]
Köln, 29. April.

Am 25. d. Vormittags kam ein Courier in Düsseldorf an und schon um halb 5 Uhr reiste der Herzog Joachim nach Paris ab; seine Reise war sehr schnell; er kam noch in selbiger Nacht um halb 2 Uhr, ohne sich aufzuhalten, durch Achen und war am 26. in Paris eingetroffen. -- Die Organisation der obern Behörden wurde am 26. April in Düsseldorf verkündigt. In allem kommen 13 wirkliche Räthe in Ruhestand, behalten aber 2 Drittheile ihres Gehaltes. Drei Minister, nämlich 1 für die Justiz, 1 für die Finanzen und 1 für das Innere sind angestellt. Jeder Minister hat seine eigene Staats- und Domainen-Räthe. Sowohl im Oberapell als im Hofrath, soll ein Rath noch aus dem Clevischen beigesetzt werden. Das Berg- und Clevische stehen gemeinschaftlich unter einer Justiz und Verwaltung.

[5]
Rheinischer Bund.

Der zu Düsseldorf versammelte allgemeine Landtag für das Großherzogthum Berg hat, nach öffentlichen Nachrichten, die Einführung des Französischen Gesetzbuches und der Militairconscription für die Staaten Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs von Berg beschlossen.


[1808]

Rheinischer Bund. [6]

Die Düsseldorfer-Zeitung enthält folgende wichtige Nachricht: "Am 30. Jul. kam der H. Staatsrath Beugnot in Begleitung des H. Pepin de Belleisle hier in Düsseldorf an. Am nehmlichen Tage empfieng er den Besuch der vornehmsten Behörden. Am 31. Nachmittags wurden die Staats- und übrigen Räthe, so wie der Provinzialrath, in den Sitzungssaal des Staatsraths beschieden, wo ihnen die Besitznahme des Großherzogthums Berg im Namen Sr. Majestät des Kaisers der Franzosen bekannt gemacht, hierauf von sämmtlichen Anwesenden der Eid der Treue abgeleistet, und jeder in seiner Stelle bestätigt wurde. Da die Einwohner des Großherzogthums einmal einen Fürsten verlieren sollten, den sie liebten, so konnte ihnen nichts Rühmlicheres und Glücklicheres begegnen, als unter die Bothmässigkeit Sr. k. k. Majestät zurückzukehren."


[1812]

Düsseldorf, den 2ten May.

Gestern wurden die von Sr. Majestät, dem Kaiser und König, neuernannten Mitglieder des Staatsraths für das Großherzogthum Berg von Sr. Excellenz, Herrn Grafen von Nesselrode, Minister des Innern, installirt. Auch wurde Se. Excellenz, Herr Graf von Spee, als Präfekt des Rheindepartements, in seine Amtsführung eingesetzt.


Dekrete.[]

Zu Düsseldorf ist folgendes Dekret publizirt worden:

"Napoleon, Kaiser der Franzosen, König von Italien, und Beschützer des Rheinischen Bundes. Da Wir dem innern Handel unsers Großherzogthums Berg alle Vortheile zusichern wollen, welche derselbe aus der Vereinigung der Provinzen Münster, Mark, Lingen, Tecklenburg, Dortmund, Limburg, Lippstadt und Reda, infolge des zu Paris den 21. Jan. 1808 abgeschlossenen Vertrags geniessen soll, und da Wir die Zölle allein auf den Grenzen gegen das Ausland nach einem gleichförmigen und Ausdehnung des Gebiets, so wie auch den gegenwärtigen Bedürfnissen des Handels angemessenen Tarif anlegen wollen, und nach Einsicht des großherzogl. Dekrets vom 8. Sept. 1807, welches die Aufhebung der Zollbüreau's verordnet, so die verschiedenen Provinzen, woraus Unser Großherzogthum damals bestand, von einander trennten; haben Wir auf den Vortrag Unsers Finanzministers beschlossen und beschliessen, haben verordnet und verordnen, wie folgt: Art. 1 Die Zölle Unsers Großherzogthums Berg sollen an die neuen Grenzen, welche demselben durch den Vertrag vom 21. Januar des gegenwärtigen Jahres gegeben worden sind, verlegt werden. -- Art. 2. Die Zölle aller Art, mit Ausnahme jener der Schiffahrt und der Akziseabgaben, insofern dieselben auf dem innern Verkehr der Waaren haften, und nicht zum Unterhalt der Brücken oder Wege bestimmt sind, sollen gänzlich von dem Tage an aufgehoben seyn, wo die neue Linie der Grenzzölle in Wirksamkeit gesetzt werden wird. -- Art. 3. Gleichergestalt sind, von selbigem Tage an, aufgehoben alle Tarife der alten Zölle, welche im Großherzogthum vorhanden sind, und aus den einzelnen Ländern oder Provinzen, woraus dasselbe zusammengesetzt ist, herrühren. -- Art. 4. Der diesem Unserm gegenwärtigen Dekret beygeschlossene Tarif soll dieselben ersetzen, und bey der Erhebung der Ein- und Ausgangszollrechte zur einzigen Richtschnur dienen. -- Art. 5. Die Bestimmung des Art. 2. des Dekrets vom 8. Sept. 1807 sollen auf die Freyheiten anwendbar seyn, die man in den neuen Provinzen des Großherzogthums gegen die Erlegung der Zollgefälle sich allenfalls zu Nutze machen möchte. -- Art. 6. Unser Finanzminister ist mit der Vollziehung Unseres gegenwärtigen Dekrets beauftragt.

Gegeben in Unserm kaiserl. Pallast zu St. Cloud, den 10 Sept. 1808.

(Unterz.) Napoleon. Auf Befehl des Kaisers: Der Minister Staatssekretär.
(Unterz.) Hugo B. Maret.

Für gleichlautende Abschrift: Der Finanzminister.

(Unterz.) Gaudin."


Quellen.[]

  1. Handbuch der Statistik der europäischen Staaten, zum Gebrauche bei Vorlesungen und zur Selbstbelehrung von D. Joseph Milbiller. Landshut, 1811. Bei Philipp Krüll, Universitäts-Buchhändler.
  2. Wiener Zeitung. Nro 79. Mittewoche, den 1. October 1806.
  3. Bamberger Zeitung. Nro. 123. Samstag, 3. Mai 1806.
  4. Bamberger Zeitung. Nro. 126. Dienstag, 6. Mai 1806.
  5. Wiener Zeitung. Nro 77. Mittewoche, den 24. September 1806.
  6. Wiener-Zeitung. Nro 66. Mittwoch, den 17. August 1808.
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