Schwarzburg.[]
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Schwarzburg, Grafschaft in Thüringen, welche in zwey Theile abgesondert wird, nämlich in die Obergrafschaft gegen Süden, zwischen dem weimarischen und coburgischen Gebiete, und die Untergrafschaft gegen Norden, zwischen den Grafschaften Stollberg und Hohenstein. Beyde haben 40 QM. und über 110000 Einwohner. Das Land ist größtentheils fruchtbar, vorzüglich die goldene Ane, in der untern Grafschaft. Das obere Land hat viele Berge, starke Waldungen, und in demselben Hammerwerke, Glas- und Pechhütten, in andern Strichen guten Getreidebau, Flachsbau, Viehzucht, und Manufakturen von Wollenzeuchen, Messing, Porcellan und chemische Erzeugnissen.
In verschiedenen Stücken und Distrikten haben die Kurfürsten und Herzoge zu Sachsen, als Lehn- und Oberherren, gewisse Rechte. Zu Anfang dieses Jahrhunderts verglichen sich die Fürsten von Schwarzburg mit dem Kurfürsten von Sachsen August II. König von Polen, und erhielten gegen eine Summe Gelds, das Sachsen die Ansprüche auf die Landeshoheit aufgab, ausser in den 3 Aemtern, Heeringen, Kelbra und Ebeleben. Ein großer Theil des Oberlandes ist Weimarisches, und einiges auch Böhmisches Lehn. Die Grafen wurden 1697 in den Fürstenstand erhoben und theilen sich in 2 Linien, nämlich in Sondershausen und Rudelstadt, welche beyde den 30sten May 1754 mit Sitz und Stimme in das reichsfürstliche Collegium introducirt worden sind, und den Rang unter sich nach dem Seniorat festgestellt haben. Sondershausen hat seine Residenz zu Sondershausen, besitzt vom Lande 22 QM. mit 56000 Einwohnern. Beyde Linien bekennen sich zur lutherischen Lehre. Den 18ten April 1807 traten beyde dem Rheinischen Bunde bey, und stellten nun zur Bundesarmee 650 Mann Infanterie. Das kathol. Glaubensbekenntniß erhält dadurch völlig gleiche Rechte mit dem Lutherischen. Die Einkünfte des Landes betragen gegen 700000 Gulden. Das gemeinschaftliche Hauptarchiv ist auf dem Schlosse zu Rudelstadt. Zu einem Römermonath gaben die Fürsten 200 Gulden und zu einem Kammerziel gab Sondershausen 97 Thaler 81 1/2 Kreuzer und Rudelstadt 98 Thlr. 4 1/2 Kr. Zu einer Reichsarmee stellte das Haus Schwarzburg 4 Compagnien zu Fuß, wozu das Reussische Haus noch 2 Compagnien lieferte, welche zusammen sodann ein Regiment von 1000 Mann ausmachten. Die Fürsten waren Reichs-Erzstallmeister, ingleichen Reichs-Jägermeister und nennten sich seit 1567 Viergrafen des Reichs (s. Quaterniones.) Ihr Titel ist: Fürsten zu Schwarzburg, der vier Grafen des Reichs, auch Grafen zu Hohenstein, Herren zu Arnstadt, Sondershausen, Leutenberg, Lohra und Klettenberg. Ihr Wappen ist in 4 besondere, durch goldene und himmelblaue Binden unterschiedene Felder abgetheilt, welche wegen Schwarzburg einen goldenen Löwen, wegen Arnstadt einen schwarzen Adler im goldenen Felde, wegen Hohenstein silberne und rothe Würfel, wegen Leutenberg einen gehenden goldenen Löwen enthalten. Der Mittelschild hat, im silbernen Felde, einen schwarzen Hirsch, wegen Lohra. Unter, im silbernen Felde, ist eine Mistgabel und ein rother Kamm, wegen des Erzstallmeisteramts. In der Mitte des Wappens ist, auf einem besondern Schilde, der Reichsadler, auf dessen Brust einen kleinen Schildlein die kaiserl. Krone abgebildet ist, zum Andenken des Grafen Günther von Schwarzburg, der im 14ten Jahrh. gegen Carl IV. zum deutschen König und künftigen Kaiser gewählt wurde.
Quellen.[]
- ↑ Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte zu Landshut. Landshut, bei Philipp Krüll, Universitätsbuchhändler. 1811.
Literatur.[]
- Rudolstadt und Schwarzburg nebst ihren Umgebungen, historisch und topographisch dargestellt von Dr. Ludwig Friedrich Hesse, Professor und Bibliothekar zu Rudolstadt. Rudolstadt 1816, im Verlage der Hof Buch u. KunstHandlung.