Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Ravensberg.[]


Ravensberg,[1] Grafsch. im Westphäl. Kreise, zwischen den ehemal. Bißthümern Münster und Osnabrück, dem Fürstenthum Minden und den Grafschaften Schauenburg, Lippe, Rietberg und Tecklenburg. Sie gehörte als ein Stück der Jülichischen Erbschaft, dem Kurhause Brandenburg, seit 1807 aber bildet sie einem Bezirk, dessen Hauptort Bielefeld ist, im Königreich Westphalen, Departem. der Weser. Die meisten Einwohner sind Lutheraner, doch giebt es auch reformirte und Katholiken. Sie hat ihren Namen von dem Burgschlosse Ravensberg, und dieses wird von dem Berge worauf es erbauet worden, so genennet. Die Grafschaft wird nach 4 Schlössern, nämlich Ravensberg, Sparenberg, Limberg und Vlotho, in eben so viele Aemter eingetheilt. Sie enthält 2 unmittelbare Hauptstädte, Bielefeld und Herford, 8 Amtsstädte, (die sonst auch Weichbilde genannt wurden,) 19 Pfarrdörfer, ohngefähr 45 adeliche Höfe und Güter, die landtagsfähig sind, und beyläufig 200 Bauerschaften, d. i. Dörfer ohne Kirche und einzelne Bauernhöfe. Die Volkszahl bestund im J. 1801 aus 89,900 Menschen, welche auf 27 geogr. Quadratmeilen leben. Das Land ist größtentheils fruchtbar, vorzüglich an sehr gutem Flachse, welcher zu Garn versponnen, und theils auswärts verkauft, theils aber zu den vielen und äusserst wichtigen Leinwandmanufakturen verbraucht wird. An Holz ist Mangel, dafür giebt es aber Torf und Steinkohlen. Die Viehzucht wird äusserst sorgfältig betrieben, und Ravensberger Schinken werden durch einen großen Theil Deutschlands verführt. Die Bauern sind durchgehends Leibeigene des Königs oder der Edelleute, und vorzüglich im leztern Falle manchen Bedrükungen ausgesezt. Die Einnahme des Königs berechnet man auf 200,00 Thl.


Statistische Nachrichten von der Grafschaft Ravensberg.[]


[1804]

Ein Schreiben aus Bielefeld. [2]

Im Junius-Stücke des politischen Journals dieses Jahrg. (S. 531) bemerkte ich in Ansehung der Quadrat-Meilen, welche die Grafschaft Ravensberg enthalten soll, die angegebenen 20 Quadrat-Meilen zu hoch. Das Höchste für das Areal ist 18 Quadrat-Meilen, und darunter sind auf der Seite nach Paderborn sehr dünne, und wegen des sandigten Bodens schlecht bewohnte Gegenden.

In Ansehung der Bevölkerung ist der Unterschied noch größer. Im J. 1800 waren, nach der gedruckte Liste des Herrn Superintendenten dieser Grafschaft, geboren 1539 Knaben und 1508 Mädchen, im Ganzen also 3047: gestorben 1697 männlichen und 1707 weiblichen Geschlechts. Rechnet man nun, wie gewöhnlich, auf 36 Einwohner Einen Gebornen, so beträgt die Anzahl der Einwohner 109,692, und auf 32 Personen Eine Gestorbene, so sind es an der Zahl 109,280. Hierunter sind die Städte Bielefeld und Herford, nicht begriffen, die ich mit dem Militair auf 8000 Köpfe rechnen kann. Hiervon rechne ich ab, (für 48 Geborne, so eigentlich nicht in die Grafschaft gehören, aber daselbst eingepfarrt sind, im betrage,) 1728 Personen, diese von 117,280 abgezogen, bleiben 114,452 Köpfe. Die Leichtigkeit sich mit Spinnen zu ernähren, indem Kinder von 6 bis 7 Jahren sich schon selbst ernähren können, erleichtert die Bevölkerung, und es wird, außer in Schlesien, im ganzen Preußischen Staate, auf einem so kleinen Fleck Landes keine so große Anzahl Menschen gefunden werden."

D.

Quellen.[]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte zu Landshut. Landshut, bei Philipp Krüll, Universitätsbuchhändler. 1811.
  2. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1804. Herausgegeben von einer Gesellschaft von Gelehrten. Hamburg, auf den Post-Aemtern, und in der Hoffmannschen Buchhandlung. 1804.
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