Henneberg.[]
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Henneberg, gefürstete Grafschaft im Fränkischen Kreise. Sie gränzt gegen Osten an die Fürstenthümer Coburg u. Schwarzburg, gegen Norden an die Fürstenthümer Gotha und Eisenach, gegen Abend an die Landgrafschaft Hessen und das Fürstenthum Fulda, und gegen Süden an das Fürstenthum Würzburg. Ihre Größe beträgt von Norden gegen Süden beynahe 8, und von Westen gegen Osten 7 oder 40 Quadratmeilen mit ungefähr 90,000 Einwohnern. Sie hat hin und wieder guten Ackerbau, auch wird stark Taback gebaut. Die nördlichen Theile des Landes, welche der rauhe Thüringer Wald durchzieht, ist sehr bergicht und zum Ackerbau nicht gut geeignet; er ist aber wegen seiner vielen Manufakturen doch stark bewohnt. Bey Ilmenau sind Kupfer- und Silberbergwerke; Eisen- Stahl und Hammerwerke trift man häufig an. Zu Salzungen und Schmalkalden wird Salz gesotten, auch findet man an einigen Orten Gesundbrunnen. Zu Meinungen wird viel Barchent verfertigt, und zu Suhla und Schmalkalden sind gute Gewehr- u. Eisenfabriken. Die Religion ist durchgängig evangelischlutherisch. Der Hauptfluß ist der Werra. An Städtchen zählet man in diesem Lande 10 u. 5 Marktflecken. Nachdem die ehemaligen Fürsten und Grafen von Henneberg, welche ausserdem noch die Fürstenthümer Coburg und Hildburghausen besassen, 1583 mit Fürsten Georg Ernst ausstarben fiel, zufolge der 1554 errichteten Erbverbrüderung, die gefürstete Grafschaft Henneberg dem gesammten Hause Sachsen ernestinischer Linie anheim. Aber auch der Kurfürst von Sachsen machte Ansprüche an den Sächsischen Antheil wegen der Belagerungskosten von Gotha. Durch Vergleich kam man überein, daß Kursachsen 5/12 der jährlichen Einkünfte bekommen und die Regierung gemeinschaftlich seyn sollte. Im Jahr 1660 trafen die Sächsischen Häuser zu Weimar einen Theilungstractat, kraft dessen das Kurhaus, Stadt und Amt Schleusingen, die Aemter Suhla, Kühndorf, Vesra und Rohr erhielt. Dieser Theil wird durch das Oberaufseheramt zu Schleusingen dirigirt. Er enthält auf 8½ Quadratmeilen 23,000 Einwohner, welche wenig Getreide bauen, aber ihre Wälder zu den vielen Eisenfabriken aller Art benützen. Das Herzogliche Haus Sachsenweimar besitzt die Aemter Ilmenau, Lichtenberg oder Ostheim, und Kaltennordheim. Das verpfändete Amt Fischberg gehörte auch dahin, ist aber 1707 von Fulda ausgelöst worden. Sachsenmeinungen hat den größten Antheil, nämlich die Aemter Meinungen und Maßfeld, Wasungen, Salzungen und Allendorf, Frauenbreitungen, Sand, Altenstein, Römhild. Er enthält auf 11 Quadratmeilen 32,986 Einwohner. Die Herzoge zu Sachsengotha und Coburgsaalfeld besitzen das Amt Themar von 2 Quadratmeilen und 4,450 Einwohn. gemeinschaftlich. Sachsenhildburghausen gehört das kleine Amt Behrungen mit noch 4 Dörfern. Das Haus Hessencassel (Kurhessen) erhielt die Herrschaft oder das Fürstenthum Schmalkalden. Sie enthält auf 5 ½ Quadratmeilen mit der Stadt Schmalkalden 20,250 Einwohner und ist einträglich wegen des Salzes, vorzüglich aber wegen der wichtigen Eisenwerke und Eisen- und Stahlmanufakturen aller Art, zu welchen die vielen Berge das nöthige Holz schaffen. Der Flecken und Schloß Schwarza gehört dem Fürsten von Stollberggeudern; jezt Wernigerode. Das Schloß Henneberg, als das Stammhaus der Grafen, liegt bey dem Dorfe gleiches Namens im Amt Maßfeld, ist aber 1525 im Bauernkriege ruinirt worden, so daß man nur einige Ueberreste davon sieht. Uebrigens führen alle Sächsischen erstgenannten Herzoge, wegen ihrer Antheile an diesem Lande, den Titel der Grafen von Henneberg. Auf dem Reichstage wird im Reichs-Fürstenrath von dem Kurfürsten zu Sachsen, und dem Herzoge von Sachsenweimar wegen Henneberg wechselsweise die Stimme geführt. Ein gleiches geschieht auf den Fränkischen Kreistagen, auf denen auch Meinungen mit dem Kurhaus und mit Weimar abwechselt; Kurhessen hat aber wegen Schmalkalden seine eigene Stimme. Hildburghausen hat noch nicht zur Theilnehmung an der Stimme auf Reichs- und Kreistagen kommen können, ob es gleich sein Recht auf Verträge gründet. Der Reichs- und Kreismatrikularanschlag dieses Landes beträgt 183 fl. und zu einem Kammerziel giebt es 375 Thlr. 36 kr. zu welchen Summen die an Henneberg Theil habenden Fürsten, nach dem Verhältniß ihrer Besitzungen, contribuiren.
Quellen.[]
- ↑ Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.
Literatur.[]
- Historisch-statistisch Beschreibung der gefürsteten Grafschaft Henneberg. Mir Urkunden. Hildburghausen, gedruckt und verlegt von Johann Gottfried Hanisch. 1794.