Fraubrunn.[]
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Fraubrunn, grosses Dorf zwischen Bern und Solothurn, an der Landstrasse.
Kriegsbegebenheiten im J. 1375. und im Merz 1798. Im Winter des J. 1375. überfielen bey Nacht die Berner eine Abtheilung des Heeres des Ingelram von Coucy unter Anführung des Engländers Jevan ap Einion ap Griffith (Enkel der Heerführer, unter denen 900 Jahre früher die alten Britannier über den Berg Snowdon vor den Angelsachsen nach Wales flohen_ ein trotziger Held, zu Land und See furchtbar, hier in dem Kloster. Am heftigsten war der Kampf in dem Kreuzgange; das Kloster gerieth in Flammen. Nachdem 800 Engländer erschlagen waren, nahm Jevan die Flucht (S. über Coucy und dessen Heer die Artikel Büren, Anet, Sursee). Zum Andenken dieses Sieges wurde eine Säule errichtet, welche bis 1797. stand, wo sie einstürzte.
Hier im Walde vor Schalunen, stiessen die Franzosen, von Solothurn kommend, am 5 Merz 1798. auf die Berner-Miliz. Nach einigem Widerstand zog sich letztere auf die Anhöhen bey Fraubrunn zurück; sie bestand aus 8000 Mann unter Anführung des Schultheiss Steiger (dieses mannhaften und durch seinen im Unglück der Republik bewiesnen Charakter ehrwürdigen Greises), und des General Erlach, gegen 15 - 16,000 krieggeübte Franzosen unter Gen. Schauenburg. Letztere überflügelten die Stellung der Berner, und diese zogen sich ins Grauholz, 1 ½ St. vor Bern zurück. Hier dauerte der Kampf am längsten; wie die Berner in ihrer Stellung wieder umgangen waren, zogen sie sich auf das Breitefeld vor Berns Thoren, und erneuerten das Gefecht. Die Miliz wurde zerstreut; einige Bataillone, wüthend über den Hergang der Gefechte und nichts als Verrath argwöhnend, ermordeten ihren General Erlach, der sich nach dem Oberlande zurückzog, bey Münsingen zwischen Bern und Thun, die Obersten Ryhyner und Stettler nahe bey Bern, und die Obersten Gumoens und Crusaz bey Allenlüften im Walde. Der Schultheiss Steiger rettete sich über den Thunersee und gieng nach Deutschland *). An demselben Tage wurde die Stadt Bern von den Franzosen besetzt (S. Bern und Aarau). Die Berner verlohren bey Fraubrunn und im Grauholz 500 M. und 100 Verwundete. Zu Fraubrunn sieht man den Grabhügel des Weibels dieses Dorfes und des Niklas Benedikt, der hier mit seinen Töchtern und Eidam im Gefecht umkam, des siebenzigjährigen Greises Schertenlieb, der an der Spitze seiner Compagnie den ersten Angriff aushielt, bey dem zweyten sich verlassen sah, doch nicht weichen wollte und niedergehauen wurde. Eben so tapfer starb Hauptmann Gruber von Königsfelden, allein gegen mehrere fechtend. Einige 30 Weiber und Mädchen, die mit Morgensternen dem Landsturm gefolgt waren, fanden auf dieser Stätte den Tod fürs Vaterland. Im Grauholz fielen der Greis Effinger und May, den angebotnen Pardon ausschlagend, um die Schmach des Vaterlandes nicht zu überleben. Im Grauholz längs der Landstrasse sieht man mehrere Grabhügel der hier gefallnen Schweitzer. Nirgends liessen die Berner-Militzen ihre Kanonen im Stich, vertheidigten sie aufs äusserste, liessen sich immer niederhauen oder gefangen nehmen. Bey Fraubrunn, Lengnau und Neuneneck sahen die Franzosen zu ihrem Erstaunen mehr wie ein solches Beyspiel. Die Stückknechte waren von dem nämlichen Geiste beseelt (S. Lengnau und Neuneneck).
- *) Der Schultheiss Steiger kehrte mit einer Legion Schweizer bey dem Heer des Erzherzog Carls in die Schweitz zurück, als dieser 1799. bis Zürich vordrang, gieng nach der Schlacht bey Zürich, wo die Russen geschlagen wurden, wieder nach Deutschland zurück, wurde schon zu Lindau krank und starb zu Augsburg den 3. December 1799. Sein Leichnahm wurde von dort im J. 1805. mit grosser Feyerlichkeit nach Bern zurückgebracht und hier beerdigt.
Quellen.[]
- ↑ Anleitung, auf die nützlichste und genussvollste Art die Schweiz zu bereisen. von J. G. Ebel, M. D. Zürich bey Orell, Füssli und Compagnie. 1809.
